Archiv der Kategorie: MEDIEN SPEZIAL

Vormarsch von Demokratie und Pressefreiheit gestoppt ?

Und wieder ist er „Journalist des Jahres“ geworden: Armin Wolf. Das Branchenmagazin „Der Journalist“ hat ihn erneut für sein journalistisches Engagement geehrt.

Udo Bachmair

„Wir durften uns jahrzehntelang sicher fühlen. Auf der richtigen Seite, auf der von Demokratie und Freiheit. Doch dieser Vormarsch scheint zum ersten Mal in moderner Zeit gestoppt“. Mit dieser Einschätzung eröffnete Claus Kleber, „Anchorman“ des ZDF-„Heute Journal“, seine Laudatio auf Preisträger Armin Wolf.

„Wenn wir nicht höllisch aufpassen, wird die Abkehr von freiheitlicher Ordnung ein bestimmendes Phänomen des 21. Jahrhunderts“, so Claus Kleber.

Angesichts dieses Befunds ist in Zeiten wie diesen kritischer Journalismus nötiger denn je. Und den verkörpern Journalisten wie Armin Wolf für viele auf vorbildliche Weise.

Wolfs Erwiderung auf die Laudatio geriet zu einer neuerlichen Kritik an der Medienpolitik. Diese sei vor allem mit Köpfen beschäftigt. So werde ein neuer künftiger ORF-Vorstand türkis/blau eingefärbt sein. Ein Aus für den bisherigen ORF-Generals Alexander Wrabetz, der den ORF-Redaktionen bisher einen vergleichsweise großen journalistischen Spielraum zugestanden hat.

Der ausgezeichnete ZIB 2-Präsentator kritisierte auch die öffentlichen Attacken auf ORF-Journalisten vor allem seitens der FPÖ. Wolf zu den Einschüchterungsversuchen gegen kritische Journalisten: „ Da zeigt sich tatsächlich ein elementares Problem im Verständnis, was Pressefreiheit ist und von der verfassungsrechtlich garantierten Unabhängigkeit des ORF“.

Es gilt als wahrscheinlich, dass im Zuge des neuen ORF-Gesetzes, das noch bis zum Sommer das Licht der Öffentlichkeit erblicken soll, auch weitere regierungsnahe personalpolitische Maßnahmen getroffen werden. Von einer „Orbanisierung“ ist allerdings bisher (noch) nicht die Rede sein.

Leistungen von Ärzten und Spitälern

Hans Högl

Wiener Ordensspitäler ziehen Bilanz: In den konfessionellen Häusern werden 482.000 Menschen betreut, davon 109.265 stationär, und in diesen Einrichtungen wurden 67.741 Operationen durchgeführt.

Diese Zahlen sind eindrucksvoll. Zuletzt wurde ein einzelner Fall in Boulevard-Medien riesig hervorgehoben, als ein Mann in der Nähe eines Spitals einen Herzinfarkt erlitt und der Portier dieses Spitals nicht darum sorgte, dass der Kranke im nahen Krankenhaus versorgt wurde, sondern die Rettung wurde in ein Krankenhaus gesandt, das zwei Kilometer entfernt war. Leider verstarb der Mann. Er hätte sofort behandelt werden müssen.

Sosehr dies kritikwürdig ist, so sollten Medien nicht nur Einzelfälle hervorheben, sondern ein Gesamtbild der medizinischen Leistungen bieten. Wo wird nun von den 67.741 durchgeführten Operationen groß berichtet? Selbst in Qualitätsmedien ist dies bestenfalls ein Zweispalter.
Boulevard-Medien geht es mehr darum, Wirbel zu machen, die Verkaufszahlen zu erhöhen, als sachlich zu berichten.

Was kann der Mediennutzer tun? Auf`s Erste: Solche Krawallblätter nicht kaufen! Ich selbst habe mir die Zeit genommen, diesen Beitrag zu verfassen, und vor einiger Zeit bedankte ich mich mit einer Ansichtskarte aus dem Urlaub bei einem Arzt, der mich vortrefflich behandelte. Und dieser freute sich darüber.

JOURNALISTEN BEDROHT

Hans Högl. Quellen: Wiener Zeitung u. Südwind

Der Europarat stellte für das Vorjahr 140 gravierende Übergriffe auf Journalisten und Journalistinnen in 32 seiner 47 Mitgliedsländer fest.

Beispiele: Bombenanschlag auf eine Reporterin in Montenegro, ein Messerangriff auf einen Journalisten in Mailand, ein versuchter Giftanschlag auf Mitarbeiter einer ukrainischen Nachrichtenwebsite. 130 Journalisten befanden sich Ende 2018 in Haft, davon 110 in der Türkei.
Der Europarat ist nicht zu verwechseln mit dem Rat der EU. Er ist institutionell nicht mit der EU verbunden. Gegründet wurde er 1949.

Laut Jahresbilanz der NGO Reporter ohne Grenzen wurden 2018 weltweit 80 Journalisten und Journalistinnen getötet: 25 davon in Afghanistan, 348 sitzen im Gefängnis. Über die Hälfte von ihnen in China, Ägypten,Türkei, Saudi Arabien,Iran (Vgl.Zeitschrift „Südwind“).

37 % Stimmbeteiligung in der Schweiz. Direkte Demokratie

Leicht veränderter Gastbeitrag – Neue Zürcher online (Hans Högl)

Die Schweizerinnen und Schweizer haben anscheinend vergessen, welchen Schatz sie in der direkten Demokratie in den Händen halten: Die Stimmbeteiligung lag am 11. Februar 2019, dem gestrigen Abstimmungssonntag, bei nur rund 37 Prozent. (Also etwa jeder Dritte beteiligte sich an den Abstimmungen).

Die direkte Demokratie ist ohne jeden Zweifel etwas vom Besten, was einem Land passieren kann. Auf kommunaler, kantonaler und eidgenössischer Ebene entscheiden Stimmbürgerinnen und Stimmbürger nicht nur über Nebensächliches, sondern über ganz zentrale Fragen. Auch wenn man sich im Moment über einen Entscheid aufregen mag oder eine selbsternannte «Elite» die Entscheidungen für falsch hält: Über die Zeit zeigt sich, dass das Volk meist richtig liegt.

Hans Högl: Es gibt auch eine Bringschuld der Bürger und Bürgerinnen, sich zu informieren und der politischen aktiven Teilhabe. Wichtig ist im Hinblick auf die Schweiz zu ergänzen, dass einer Schweizer Abstimmung ein vielmonatiger Prozess der Information und Diskussion vorangeht. Solche Abstimmungen basieren im Normalfall nicht einfach auf schwankenden Meinungen, sondern auf vernünftigen Erwägungen. Zumindest wird dafür eine Basis geschaffen.

Kontra geben! Diskussionskultur? Lob des Mittelalters?!

Hans H ö gl

Die im 12. Jahrhundert aufkommenden Universitäten erforderten, wie der Soziologe
Walter Rüegg schreibt, „die Anerkennung der wissenschaftlicher Leistungen Andersdenkender, Andersgläubiger, gesellschaftlich Tiefstehender und die Bereitschaft, die eigenen Irrtümer durch überzeugende Erkenntnisse welcher Herkunft auch immer korrigieren zu lassen“. Das führte geradezu zu einer Explosion an äußerst geistreichen und höchst kontroversiellen Diskussionen an den neuen Universitäten (wie z.B. in Paris).

Entgegen der allzu lange herrschenden Meinung betont selbst der Atheist Georges Minois ausdrücklich: Im Mittelalter vertraten Intellektuelle extreme Positionen mit argumentativer Brillanz und diese wurden mit ebenso argumentativer Brillanz widerlegt. Die Disputationskultur war vorbildlich. Allerdings gab es dabei auch „Fouls“, was der Autor Manfred Lütz im Buch, dem Bestseller „Der Skandal der Skandale. Die geheime Geschichte des Christentums“, erschienen im Herder Verlag, im Einzelnen darstellt.

Besonders beeindruckt haben mich folgende Aussagen :

„Bevor man eine Position kritisieren durfte, musste man sie erst auf eine so überzeugende Weise selbst darstellen, dass der andere sich in dieser Darstellung auch wiederfand. Und dann erst kam der intellektuelle Gegenangriff.“(p. 94).

Diese Praxis gibt es heute kaum. Man ist schon dagegen, bevor man zugehört hat. Dies ist üblich in politischen Diskussionen, ja ist geradezu ein Habitus, aber auch im Alltag und nicht zuletzt auch in der Medienbranche.

.

Alternative Energie.Dieselskandal

Medientipp:

„Alternative Kraftstoffe“ in ARTE Montag 11.02. 16:45 – 17:10

Dieselskandal, schwindende Ölreserven, Diskussionen über Feinstaub und Stickoxide: Das Auto von heute, ob Diesel oder Benziner, hat keine Zukunft. Aber welche umweltfreundlichen Alternativen gibt es? Wenn vom Elektroauto die Rede ist, meinen alle das mit der „dicken Batterie“. Es gibt allerdings Alternativen dazu. Eine ist Wasserstoff, der mit Hilfe einer Brennstoffzelle ebenfalls einen Elektromotor antreiben kann. Und dann gibt es da noch Biokraftstoffe wie Biodiesel, Rapsöl, Ethanol oder Biogas. Der Vorteil: Die Ausgangsprodukte wie Raps oder Stroh könnte die heimische Landwirtschaft erzeugen. Abdeckbar wären damit allerdings höchstens zehn Prozent der im Verkehrssektor benötigten Energie.

USA: Geburtentourismus aus Asien, vor allem China

Gastbeitrag (Neue Zürcher, online).
Dieser Beitrag findet darum hier Platz, weil dies ein kaum erwähntes Kuriosum ist.

Territorialprinzip bei der Geburt

Die USA zählen zu den Ländern, welche die Staatsbürgerschaft basierend auf dem Geburtsort vergeben («birthright citizenship»), unabhängig von der Nationalität der Eltern. In China ist die amerikanische Staatsbürgerschaft begehrt, denn der blaue Pass eröffnet den Nachkommen viele Möglichkeiten. Es sei «die attraktivste Nationalität überhaupt», wirbt ein Unternehmen auf seiner Website. Auch in Südkorea, Taiwan, der Türkei und Russland ist der Geburtentourismus in die USA verbreitet.

Die Unternehmer hatten an alles gedacht: Ihre chinesischen Kundinnen sollten zunächst nach Hawaii fliegen und sich dort unter die Massen von Touristen mischen. Als Unterkunft gäben sie am besten das Trump International Hotel in Honolulu an, um den Anschein zu erwecken, dass sie vermögende Touristen seien. Erst nach ein paar Tagen dort reisten sie nach Los Angeles weiter, am besten gekleidet in weite Oberteile.

Das alles sollte möglichst früh in der Schwangerschaft geschehen, wenn bei den Frauen noch kein Babybauch sichtbar wäre.
Mit solchen Plänen operierten die drei Firmen Star Baby Care, You Win USA Vacation Services und Happy Baby USA. Sie brachten jahrelang chinesische Kundinnen nach Südkalifornien, damit diese dort ihre Kinder gebären können. Manche Anbieter verlangten 100 000 Dollar dafür, dass sie die werdenden Mütter und Angehörige unterbrachten. Sie organisierten Kindermädchen und ein Unterhaltungsprogramm – inklusive Besuchen bei Rolex-Läden –, während die werdenden Eltern die Wochen bis zur Geburt abwarteten. 

Junge deutsche Berufstätige in den USA

Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ – Gastbeitrag).

Ein deutsch-amerikanisches Austauschprogramm für junge Berufstätige gibt Einblick in die Mentalität und Kultur des Gastlandes. Weil dies sehr seltene Informationen sind, finden sie hier Platz.

Ein Kfz-Mechaniker aus Nordrhein-Westfalen (24 Jahre) schreibt: Das duale Ausbildungsprinzip kennt man in den USA nicht. Man überzeugt nicht durch Zeugnisse, sondern muss zeigen, was man kann. Fabian Rockel schreibt: Mit meinem Wissen und meiner Ausbildung und nach einem Sprachkurs hatte ich kein Problem, einen Job zu finden. Die Arbeitszeiten haben mich aber überrascht: „50 – 60 Wochenstunden sind für viele amerikanische Kollegen ganz normal. Und wer krank ist, bekommt die Fehlzeit vom Lohn abgezogen.“ „Alle reden vom amerikanischen Traum, aber ich habe erlebt, dass dahinter sehr viel Arbeit steckt. Ich sehe das jetzt mit anderen Augen und kann das Leben in Deutschland viel mehr schätzen als vor meinem Aufenthalt in den USA.“ (akzente 2/18, p. 45).

Linda Kraft (22 Jahre, aus Niedersachsen, Kauffrau für Büromanagement): Ich wollte unbedingt Auslandserfahrungen sammeln und mein Englisch verbessern. Jetzt lebe ich in einer kleinen Stadt in Iowa bei sehr netten Gasteltern und bekomme Einblick in die Probleme der Mittelschicht -„etwa wenn jemand krank wird und die Kosten gleich erschreckend hoch sind“. Ich arbeite in einer Bibliothek im örtlichen College und komme mit Studenten ins Gespräch. „Sie können es kaum glauben, dass ein Studium in Deutschland nicht so viel Geld kostet wie in den USA.“ Nach meiner Rückkehr will ich Englisch studieren.(Ebd.) Resumé:Hans Högl

Immer neue Feindbilder

EU-Wahlkampf: Gefahr wachsender sprachlicher Aggressivität

Udo Bachmair

Der bevorstehende EU-Wahlkampf lässt Einiges befürchten. Sachliche Auseinandersetzungen dürften gegenüber Emotionen und Polemik weitgehend in den Hintergrund geraten. Eine Polarisierung ist neuerlich vor allem rund um das Reizthema Migration und Flüchtlinge zu erwarten. Die mit großer Unterstützung vor allem aus den USA voraussichtlich erstarkende politische Rechte im EU-Parlament wird nichts unversucht lassen, einen vernünftigen und besonnenen Disput über Stärken und Schwächen und Zukunftsperspektiven der EU zu hintertreiben.

Zur Thematik im Folgenden ein Auszug aus Martin Pollacks Filmpreis-Rede :

„Rechtspopulisten und Rechtsradikale, völkische Nationalisten und Anhänger eines rückwärtsgewandten Europas der Vaterländer setzen auf die Angst als wichtigen Verbündeten. Sie schüren dumpfe Ängste und Misstrauen, um ihre Politik der Härte und Unmenschlichkeit zu legitimieren. Ängste vor Flüchtlingen, die angeblich das Land überschwemmen und den Einheimischen Arbeitsplätze und Frauen rauben, Misstrauen gegenüber kritischen Intellektuellen und Künstlern, die sich dem Vormarsch der Rechten entgegenstellen. Feindbilder der Rechten gibt es zur Genüge, und sie erfinden immer neue, um Freiheiten einschränken zu können. Dabei bedienen sie sich eines primitiven Freund-Feind-Schemas nach dem Motto: Wer nicht mit uns ist, der ist gegen uns, der ist unser Gegner, den es zu bekämpfen gilt, mit allen Mitteln. Das erklärt die zunehmende Aggressivität der Sprache, die wir heute erleben.“

Volltext: der Standard.at/Debatten