Archiv der Kategorie: Medienschmankerl

Preisgeld für Sieger in Kitzbühel

Kitzbühel. Hahnenkammrennen. Preisgelder für Sieger

Hans Högl

Das Preisgeld für das 82. Hahnenkammrennen der alpinen Skimänner von Freitag bis Samstag beträgt exakt 1 Million Euro. Es verteilt sich auf die zwei Abfahrten Freitag und Samstag sowie auf den Slalom am Sonntag.

Für den Sieger gibt es jeweils 100.000 €, für den Zweiten 50.000 €, für den Dritten 25.000 € Preisgeld. Preisgeld wird bei der Kitz-Abfahrt bis Platz 45 ausbezahlt, beim Slalom für die Top 30. Quelle: Wiener Zeitung, 18.1.2021., S. 16. Diesmal sind an jedem Renntag nur 1.000 Zuschauer zugelassen.

Von einem ORF-Publikumsrat erfuhr ich gelegentlich Kritik am ORF, dass dieser in Sportberichten zu sehr den Spitzensport hervorhebe und zu wenig gesunden Breitensport. Nun:Die Sachlage ist komplex und verdient eine ausführlichere Analyse.

Kurz seien dazu Worte von Rutger Bregman aus seinem höchst bemerkenswerten Spiegel-Bestsellerbuches „Im Grunde gut. Eine neue Geschichte der Menschheit“ (Rowohlt 2020) wiedergegeben. FolgendeSätze finden sich auf S. 418:

„Leider sind zahllose Betriebe und Schulen (ich ergänze: auch Medien!) noch immer auf den Mythos ausgerichtet, dass Menschen von Natur aus miteinander konkurrieren. „In einem tollen Deal gewinnst du -nicht die andere Seite“, sagt beispielsweise Donald Trump in seinem Buch „Nicht kleckern, klotzen! Der Wegweiser zum Erfolg- aus der Feder eines Milliardärs“…Zu erinnern sei auch daran, wie ausführlich über die Visumsprobleme des serbischen Tennisstars Djokovic berichtet wurde…

Tierschutz-Initiative in der Schweiz

Ein Schweizer Arzt, Veganer, gründet Tierschutz-Initiative. Infos solcher Art wurden wohl bisher in Österreich nicht aufgegriffen.

Hans Högl – Text entnommen aus dem Schweizer „Tages-Anzeiger“ am 7.Jänner 2021.

„Renato Werndli hat Angst vor Tieren. Darum, sagt der Veganer, habe er in seinen 68 Jahren noch kaum je eine Katze, einen Hund oder auch nur eine Fliege berührt. Aber die Tiere berühren ihn: Er sammelte in Hunderten von Stunden Unterschriften für seine radikale Tierschutz-Initiative. Am 13. Februar stimmen wir darüber ab.

Werndli ist Akademiker, Hausarzt und ein präziser Denker. Aber fürs Tierwohl engagiert er sich weniger mit belegbaren Fakten, belastbaren Studien oder robusten Kosten-Nutzen-Analysen. Sondern mit etwas viel Stärkerem: seiner tiefen inneren Überzeugung.

Man muss ihm dabei nicht folgen. Aber man kann ihn für seine Unbeugsamkeit bewundern. Meine Kollegen Stefan Häne und Christian Zürcher haben den radikalen Tierschützer getroffen. In ihrem Porträt erfahren Sie mehr über Beharrlichkeit, Willen und Motivation als in manchem Selbsthilfe-Bestseller.“

In der Schweiz gibt es für das Wahlvolk 6 – 8 Abstimmungen pro Jahr -und zwar auf Gemeindeebene, im Kanton und bundesweit und zusätzlich Initiativen- möglicherweise auch auf diesen drei Ebenen. Wünschen wir Österreicher und Deutsche auch soviele Abstimmungen? Denn manche meinen, die Schweiz sei das Idealbild von Demokratie.

Schweizer bezahlen Corona-Tests selbst

Kommentare am Sonntag im Massenblatt „Die Krone“ loben oft die Schweiz und ihre Demokratie. Wie ist dies bei Corona-Fällen?

Hans Högl

Wer ab 11.Okt. 2021 in der Schweiz einen Corona-Test benötigt, muss ihn selbst bezahlen: Der Bund übernimmt nicht mehr die Kosten für die Antigen-Schnelltests. Wer sich testen lassen muss, bezahlt zwischen 15 und 60 Franken. Die Leute sind nicht begeistert.

Wie hoch ist die Krankenversicherung in Schweiz? Sie beträgt rund 10 Prozent und maximal 700 Franken pro Kalenderjahr. Wird der Betrag komplett bezahlt, werden alle weiteren anfallenden Kosten von der Krankenkasse übernommen.

In der Schweiz muss sich jeder selbst um seine Versicherung kümmern. Anders als in anderen Ländern bezahlt der Schweizer Arbeitgeber keinen Teil zur Krankenversicherung

Rätsel des Menschseins: Irlands Hungersnot ab 1845

Europa verstehen: Bildungschance des Fernsehens. Ausgezeichnete Länderdokumentation in ARTE

Hans Högl

Heute, den 30. November, brachte ARTE ab 20:15 eine Doku über die unglaubliche Hungersnot in Irland ab 1845. Jeder Gebildete hat davon irgendwann gehört. Aber welche Chance bietet Fernsehen, Geschehnisse wie die Folgen dieser Hungersnot zu veranschaulichen, davon sich eine Vorstellung, einen Begriff zu machen. Ich wundere mich über einen Akademiker, der mir sagte, kein TV-Gerät zu nützen. Wohl aus Überheblichkeit. Wer bewusst im TV-Angebot auswählt, findet auch Bildungschancen. Hier der Medientipp, diese Sendung in der TV-Theke zeitversetzt zu sehen.

Ein paar blasse Wörter von diesem Ereignis. 1842 trat in Nordamerika eine bis dahin unbekannte Kartoffelfäule auf, welche Ernten vernichtete. Irland war davon massiv betroffen, aber auch die Niederlande, Belgien und Frankreich.

Kann man die britische Politik als „zurückhaltend“ nennen, war sie nicht vorurteilsbehaftet? Nach dem wirtschaftsliberalen Dogma des laissez-faire sollte sich der Staat möglichst wenig in die Wirtschaft einmischen und auch n i c h t helfen. Deshalb wurde ein Verbot des Exports von irischem Getreide selbst in der Hungersnot nicht in Betracht gezogen.

Die europaweiten Missernten von 1845 bis 1849 führten zu einer steigenden Nachfrage nach Weizen. Länder auf dem Kontinent haben den Export eigener Lebensmitteln unterbunden, um in ihre Landsleute vor einer Hungersnot zu bewahren (so Belgien).

Doch die englische Regierung versagte. Die Iren erlebten zu ihrer großen Verbitterung, dass große Mengen an noch vorhandenen tierischen und pflanzlichen Nahrungsmitteln von Irland nach England gebracht wurden, während viele Menschen in Irland bitter hungerten – in einer unvorstellbaren Art und Weise oder auswanderten.

Ein Rätsel des Menschseins: Das aufgeklärte England ließ wissentlich und sehenden Auges die Iren, Land und Leute – ja ich sage das derbe Wort -„krepieren“: 1 Million Tote, 2 Millionen Ausgewanderte.(US-Präsident Joe Biden ist irisch-stämmig und katholischer Demokrat).

In der ARTE-Mediathek kann die Sendung bis 29.Dez. gesehen werden.

Was tun in Krisen?

Bei aller Erregung durch Medien „cool“ bleiben. Pro humanistischen Futurismus!

In dem Buch: „Die Hoffnung nach der Krise“ (2021) formuliert Matthias Horx eine Art Lebenskunst in der (medialen) Erregungsgesellschaft (Resumé: Hans Högl). Es gilt, der Welt in sinnhafter Weise zu begegnen und drei Kategorien zu sehen:

1. das, was ich nicht ändern kann
2. das, was ich kontrollieren und ändern kann
3. das, was ich beeinflussen kann, aber nur teilweise.

Ein grundsätzlicher Fehler: Wir wollen alles kontrollieren und überheben uns ständig.(Das trifft auch auf NGO-Aktivismus zu!). Wir fühlen uns entweder für alles zuständig (woran wir scheitern müssen). Oder sind für gar nichts verantwortlich (was eine egoistische Haltung erzeugt). Wir wollen dauernd Dinge ändern, die wir nicht ändern können, während wir das, was veränderbar wäre (so uns selbst), vernachlässigen (S. 139 f.).

Meditatione malorum: Eine klassische stoische Übung ist es, am Morgen an das Schlechteste zu denken- um sich für den Rest des Tages davon zu befreien: Unser Partner verlässt uns. Wir bekommen Alzheimer. Unser Hund stirbt. Der Weltkrieg bricht aus. Die Erde erhitzt sich wie ein Grillhähnchen.Versuchen Sie es einmal. Es ist gar nicht so schwer – wir machen es ohnehin oft. Aber wer es bewusst tut, merkt: Es macht keinen Sinn. Es ist Blöd-Sinn.

Als ehemaliger ZEIT-Journalist kennt Horx den „SPIEGEL“-Zynismus: In dessen „Analysen“ steht ein großes ABER oder DOCH am Ende jeder Geschichte. Das lautet dann so: Das Umweltproblem wurde gelöst, DOCH so werden andere Umweltprobleme noch schlimmer. Ein Krieg wurde beendet, ABER er ist noch nicht vorbei. Die Impfungen gehen schneller, ABER jetzt streiten sich die Hausärzte um die Verteilung der Impfstoffe (S. 20f.).

Corona-Krise als Chance

Die Krise besagt: So geht es nicht mehr weiter. Mediale Erregungsbühne und neues Denken.

Matthias Horx: „Die Hoffnung nach der Krise“- 2021 /Resumé: Hans Högl

Krisen sagen uns, dass es s o nicht weiter geht. Wir haben die Wahl, andere Wege zu gehen. Oder es zu verweigern. Folgende Gedanken griff ich von Matthias Horx auf – vom Büchlein: „Die Hoffnung nach der Krise. Wohin die Welt jetzt geht oder wie die Zukunft sich immer neu erfindet“ (Econ Verlag 2021):

Die mediale Welt ist eine Erregungsbühne, auf der nicht Lösungen gesucht, sondern Schuldzuweisungen verhandelt werden (S. 54). In der hypermedialen Kultur, in der rund um die Uhr emotional angeschärfte Informationen, also Reize, auf uns einstürzen, wird unsere Wahrnehmung ständig auf Emotionen und schnelles Denken gelenkt. Doch wir brauchen – für unsere „Beweltigung“ (absichtlich mit „e“ geschrieben) langsames Denken. Beide Systeme sind für Zukunftskompetenz wichtig, um mit Herz und Hirn Lösungen zu finden.

Kommt es ganz extrem: schaukelt sich alles auf, führt es in Populismus oder gar Terrorismus. Corona-Maßnahmen sind mit den Schäden, die Lockdowns und andere Einschränkungen hervorrufen, a b z u w ä g e n.

Geschichtliches von Horx deute ich nur an: Die Pest hat ab 1347 von Asien aus den europäischen Kontinent erobert. Anfangs wurde sie als Strafe Gottes gesehen, es kam zu fromm-fanatischen Selbstgeißelungen (Flagellanten), zu Juden- und Hexenverfolgungen.

Dazu kam der Klimawandel. Die „kleine Eiszeit“ beginnt im frühen 15. Jahrhundert, und mit ihr werden die Ernten schlechter.

Am Ende der Pestzeit beginnt eine neue Ära, ein neues Denken: Die Renaissance. Corona hat uns womöglich dorthin geführt, dass wir den Glauben an den technischen und globalen Fortschritt nicht mehr wirklich so sehen können (Horx S. 28 f.) und wir neues Handeln brauchen, ohne in die angeblich, gute alte Zeit zu flüchten.

Wissenschafter Österreichs kaum bekannt

Österreichs prominente Wissenschafter- sind öffentlich kaum bekannt.

Wer kennt sie, wer schreibt über sie? Mir scheint, dass abgesehen von Anton Zeilinger kaum wer- abgesehen in Fachkreisen- bekannt ist.

Hans Högl

Die folgende Liste der in Österreich tätigen und in hohem
Ausmaß international zitierten Wissenschafter („Highly Cited Researcher“) fand ich nach einigem Suchen im „Standard“:

Markus Aspelmeyer, Physik, Uni Wien/ÖAW
Thomas Blaschke, Cross-Field, Uni Salzburg
Rainer Blatt, Physik, Uni Innsbruck/ÖAW
Christoph Bock, Cross-Field, ÖAW/Medizin-Uni Wien
Holger Daims, Mikrobiologie, Uni Wien
Wouter Dorigo, Erdwissenschaften, Technische Universität Wien
Karl-Heinz Erb, Umwelt und Ökologie, Boku Wien
Franz Essl, Umwelt und Ökologie, Uni Wien
Franz Fazekas, Cross-Field, Medizin-Uni Graz
Oliver Fricko, Cross-Field, IIASA
Gerald Gartlehner, Sozialwissenschaften, Donau-Uni Krems
Michael Gnant, Cross-Field, Medizin-Uni Wien
Helmut Haberl, Cross-Field, Boku Wien
Petr Havlik, Umwelt und Ökologie/Sozialwissenschaften, IIASA
Georg Hoffmann, Cross-Field, Uni Wien
Kurt Huber, Klinische Medizin, Wilhelminenspital/Sigmund Freud Privat-Uni
Thomas Kastner, Cross-Field, Uni Klagenfurt (mittlerweile Boku, Anm.)
Zbigniew Klimont, Erdwissenschaften, IIASA
Jürgen Knoblich, Cross-Field, ÖAW
Fridolin Krausmann, Cross-Field, Boku Wien
Georg Kresse, Physik, Uni Wien
Volker Krey, Cross-Field, IIASA
Hans Lassmann, Neurowissenschaften, Medizin-Uni Wien
Michael Obersteiner, Umwelt und Ökologie, IIASA
Werner Poewe, Neurowissenschaften, Medizin-Uni Innsbruck
Thomas Rattei, Cross-Field, Uni Wien
Keywan Riahi, Umwelt und Ökologie/Erdwissenschaften/Sozialwissenschaften, IIASA
Andreas Richter, Cross-Field, Uni Wien
Christian Roos, Physik, Uni Innsbruck/ÖAW
Gerd Schatzmayr, Cross-Field, BIOMIN GmbH
Erwin Schmid, Cross-Field, Boku Wien
Angela Sessitsch, Cross-Field, AIT
Josef Smolen, Klinische Medizin, Medizin-Uni Wien
Herbert Tilg, Klinische Medizin, Medizin-Uni Innsbruck
Hugo Valin, Cross-Field, IIASA
Arndt von Haeseler, Cross-Field, Uni Wien
Yoshihide Wada, Erdwissenschaften, IIASA
Michael Wagner, Mikrobiologie, Uni Wien
Wolfgang Wagner, Erdwissenschaften, Technische Universität Wien
Mathew P. White, Sozialwissenschaften, Uni Wien
Sophie Zechmeister-Boltenstern, Cross-Field, Boku Wien
Anton Zeilinger, Physik, ÖAW
Peter Zoller, Physik, Uni Innsbruck/ÖAW

Chance von Scholz am 29. April in „Die Zeit“

Rückblende: Schon am 29. April 2021 verwies unser Blog auf Olaf Scholz als möglichen Kanzler, indem wir einen Beitrag in der „Zeit“ zitierten und kürzten.

Hans Högl

„DIE ZEIT“ zur Kanzler-Frage am 29. April 2021. Ein Bekannter sagte mir, er finde in der Wochenzeitung „Die Zeit“ sonst kaum anzutreffende Perspektiven. So erging es mir mit einem Beitrag in der ZEIT, wo es um die Chancen der deutschen Kanzlerkandidaten ging. Die ZEIT bot eine völlig andere Sicht als sonst üblich. Ich habe bemerkenswerte Textteile hervorgehoben.

Hans Högl

Bei Ar­min La­schet ge­hen die So­zi­al­de­mo­kra­ten da­von aus, dass er bleibt, was er ist: ein Kan­di­dat, den selbst Tei­le der ei­ge­nen Leu­te nicht wol­len. Mit wach­sen­der Freu­de be­trach­ten sie die Äu­ße­run­gen von Mar­kus Sö­der und Fried­rich Merz. Der Ers­te sti­chelt wei­ter ge­gen La­schet, und der Zwei­te tritt so groß­spu­rig auf, dass der ei­ge­ne Kan­di­dat noch klei­ner wirkt, als ihn der Macht­kampf mit Sö­der be­reits ge­macht hat.

Die ei­ne zu un­er­fah­ren, der an­de­re be­schä­digt – nicht aus­ge­schlos­sen, so glaubt man bei den So­zi­al­de­mo­kra­ten, dass mehr Men­schen als er­war­tet im Herbst sa­gen wer­den: »Dann neh­men wir doch den An­sa­ger­ty­pen mit dem Bü­ro­lei­ter-Charme.« Dass am En­de die ver­läss­li­che Au­to­ri­tät mehr wie­gen könn­te als der Reiz des Auf­bruchs – dar­in liegt ei­ne ers­te Chan­ce von Olaf Scholz. Die zwei­te liegt dar­in, dass die SPD zu­min­dest in Grund­zü­gen et­was vor­wei­sen kann, wo­nach die Uni­on noch sucht: ei­ne Bot­schaft…..

….. Auf­ga­be der So­zi­al­de­mo­kra­ten ist es, so se­hen es ih­re Stra­te­gen, den Staat wi­der­stands­fä­hi­ger zu ma­chen ge­gen ex­ter­ne Kri­sen wie in­ter­ne Span­nun­gen. Der vor­sor­gen­de und wi­der­stands­fä­hi­ge Staat bö­te die Rah­men­er­zäh­lung für ei­nen Wahl­kampf, bei dem die SPD Tra­di­tio­nel­les (bes­se­re Löh­ne in der Pfle­ge, be­zahl­ba­rer Wohn­raum) mit Neu­em (kli­ma­neu­tra­ler Ar­beits­platz, Ki­ta-Platz per Maus­klick) ver­bin­den könn­te und zu­gleich ei­ne wei­te­re Sehn­sucht auf­grei­fen wür­de: die nach Si­cher­heit.

Als Vor­teil er­weist sich hier­bei, dass Olaf Scholz mitt­ler­wei­le aus dem Ge­fäng­nis der schwar­zen Null aus­ge­bro­chen ist, in das er sich selbst und sei­ne Par­tei lan­ge Zeit ein­ge­ker­kert hat­te. Am be­nö­tig­ten Geld wird der wi­der­stands­fä­hi­ge Staat je­den­falls nicht schei­tern….

Ei­ne ent­zau­ber­te Ba­er­bock, ein dau­er­schwa­cher La­schet, die ver­läss­li­che Au­to­ri­tät ei­nes Olaf Scholz und da­zu ein The­ma, hin­ter dem sich die Par­tei ver­sam­meln kann und das aus den Kri­sen­er­fah­run­gen der Men­schen er­wächst – das ist der Mix, auf dem die Hoff­nun­gen der SPD be­ru­hen.

Kurz und Nietzsche

Der Bundeskanzler der Republik hat sich vom ihn befragenden Richter provoziert gefühlt.

Udo Bachmair

Die erst Wochen später bekanntgewordene Einvernahme des Kanzlers hat für einiges Rauschen im Blätterwald gesorgt. Die veröffentlichten Zitate aus der richterlichen Befragung haben verschiedene Medien schlussfolgern lassen, dass dem Richter die mögliche Devise des jungen Politstars „Wissen Sie denn nicht, wer ich bin ?“ offenbar keinen Respekt abgenötigt habe. Reinald Deppe, Chef eines bekannten Wiener Veranstaltungslokals, hat dazu folgende Assoziationen beigesteuert:

Reinald Deppe *

Am Anfang war das Wort :

»Ich weiß nicht, wie Sie mich einschätzen, aber ich bin kein Vollidiot.«

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) während der Einvernahme (September 21)
wegen mutmaßlicher Falschaussage im Ibiza-Untersuchungsausschuss zur ÖBAG-Causa

»Oh, ihr armen Schelme in den großen Städten der Weltpolitik, ihr jungen, begabten, vom Ehrgeiz gemarterten Männer,
welche es für ihre Pflicht halten, zu allen Begebenheiten — es begibt sich immer Etwas — ihr Wort zu sagen!
Welche, wenn sie auf diese Art Staub und Lärm machen, glauben, der Wagen der Geschichte zu sein!
Welche, weil sie immer horchen, immer auf den Augenblick passen, wo sie ihr Wort hineinwerfen können, jede echte Produktivität verlieren!«

Friedrich Nietzsche: Morgenröte
Gedanken über die moralischen Vorurteile (1881)

Reinald Deppe, engagierter Politbeobachter, ist Verantwortlicher des renommierten Wiener Jazzclubs Borgy und Bess : www.porgy.at

Afghanistan und Islam

Massenmedien vernachlässigen oft Geschichtliches, darum bleiben Bücher wertvoll. Der Impuls zur Islamisierung Afghanistans kam von Arabern – im 8.Jahrhundert.

Hans Högl

Afghanistans Lage am Schnittpunkt der großen asiatischen Kulturareale und der Handelswege zwischen Europa und Asien hinterließ diesem Land ein einzigartiges und vielfältiges Kulturerbe aus persischen, hellenistischen, buddhistischen und islamischen Einflüssen (S. 39).

In der Mitte des 7.Jahrhunderts betraten die Araber die Arena Afghanistans im Kampf um die Kontrolle des einträglichen Seidenhandels zwischen China und dem Westen. Die Araber unterwarfen das Land durch mehrmals wiederholte Eroberungszüge. Im 8. und 9. Jahrhundert machten der Westen und Norden Afghanistan eine Periode rascher streng sunnitischer Islamisierung durch, im 10. Jahrhundert auch andere Teile des Landes (S.50).

Ein großer Zeitsprung: Ende der 1980er Jahre zogen sich die Sowjets aus Afghanistan zurück. Die Menschen hofften auf Frieden, aber nun kam es zum leidvollen Bürgerkrieg unter den Afghanen selbst.

Zu den Taliban: Etwa ab 1990 wurden in Pakistan lebende junge Flüchtlinge streng religiös im wahabitischen Islam geschult. 1994 betreten sie als Taliban die politische Bühne und erobern 1996 Kabul und wurden anfangs freundlich begrüßt. Finanziell wurden sie von Pakistan und Saudi Arabien unterstützt.

Sie unterdrücken Frauen, verhängen drakonische Strafen,verteufeln Unterhaltung und zerstören kulturelles Erbe (S.222 f.). Bis 1996/97 toleriert die US-Regierung die Taliban und unterstützt US-Ölgesellschaften beim P l a n, eine Gasleitung von Turkmenistan über Afghanistan nach Pakistan und an den Indischen Ozean zu errichten (S. 223).

Wikipedia zur Gasleitung: Construction on the project started in Turkmenistan on 13 December 2015, work on the Afghan section began in February 2018, and work on the Pakistani section was planned to commence in December 2018. The abbreviation TAPI comes from the first letters of those countries.

Zitate oben: Bildband „Afghanistan“ (Völkerkundemuseum Wien 2003).