Archiv der Kategorie: Gastbeiträge

Üble Nachrede mit beinahe ewigen Spuren

Gastbeitrag. Ein Zitat des großen russischen Schriftstellers A. Puskin (H. Högl)

Es ist keine Frage, dass manche Medien leichtfertig mit Urteilen über Menschen und Situationen umgehen. Wir könnten hier Beispiele anführen, wo erst nach langen Prozessen Personen gerichtlich von einem Verdacht freigesprochen wurden, aber dieser Freispruch in Medien nur noch eine kurze Zeile wert ist, nachdem monatelang Betroffene  in Medien eines Vergehens verdächtigt wurden.

Das folgende Zitat aus der "großen russischen Welt im 19. Jahrhundert" (also der vornehmen Gesellschaft) ist heute so aktuell wie damals. Und es zeigt, dass verleumderischer Tratsch und missliebige Andeutungen nicht nur bei kleinen Leuten der Fall sind, sagen wir es medienspezifisch nicht nur bei Boulevard-Medien. Eine riesige Gefahr bieten hier aber Internetplattformen und Postings.

Üble Nachrede hinterlässt auch ohne Beweise ihre beinahe ewige Spuren. Der Gesetzeskanon der großen Welt setzt Wahrscheinlichkeit mit Wahrheit gleich, und Gegenstand der Verleumdung zu sein, demütigt uns in der eigenen Meinung.“

Diesen Satz fand ich in der Erzählung „Im Landhaus trafen die Gäste ein“ von Aleksandr Puskin, Die Erzählungen, Berlin 1999, S. 13.

NB. Üblicherweise wird im Deutschen Puschkin geschrieben.

 

Annegret Kramp-Karrenbauer. Leben und Qualitäts- Foto

Hans Högl: Das ausdrucksvolle Foto der Nachfolgerin von Angela Merkel (vgl. unten) fand ich in der sozial-liberalen spanischen Zeitung "El Pais"und war Anlass für diesen Beitrag. Als Fotoamateur wundere ich mich über die oft verzerrten Politikerfotos in österreichischen Printmedien. Ich schließe hier Texte zur Biografie von Annegret Kramp-Karrenbauer an - wie ich es schon früher über die "Conchita", über Christian Kern (SPÖ) und Sebastian Kurz (ÖVP) gemacht habe. Dies ist mein Versuch - im Sinne der Medienkultur - zu einem sachlichen Diskurs über eine Frau im "Warteraum der Macht" (NZZ) beizutragen.

Ich entnehme der Zeitschrift  „Stern“ und der „Neuen Zürcher“ (hier NZZ)

einige Ausschnitte über das Leben von Annegret Kramp-Karrenbauer. Sie wurde als fünftes Kind geboren, ihr Vater ist Sonderschullehrer, ihre Mutter Hausfrau. Ihr Vater engagierte sich für Arbeitslose. „Stern“ deutet eine Nähe zum „Kolpingwerk“ an. Annegret Kramp-Karrenbauer hat Jus- u. Politikwissenschaft studiert und abgeschlossen. Sie hat drei Kinder. Ihr Mann ist Bergbau-Ingenieur und hat das Zechensterben miterlebt. Die Gegend ist geprägt von Bergmannskultur und katholischem Glauben.

Sie bewohnt „ein kleines Eigenheim mit Solarmodulen“ („Stern“). Sie  ist für Klimaschutz, hat aber auch Sorge um  Arbeitsplätze.  Sie hat diverse politische Funktionen durchlaufen: in der Kleinstadt Püttlingen (20 km nahe an der französischen Grenze) , im Saarland und im Bund.  Sie klagt über Kindergärten,  die in Rücksicht auf islamische Familien das christliche Martinsfest in „Lichterfest“ umbenennen. „Das ist eine vorauseilende kulturelle Selbstaufgabe.“  Forcierte Steuersenkungen sind ihr ebenso fremd wie alle Visionen einer Öko- und Multi-Kulti Republik („Stern“).  Sie trat schon für den Mindestlohn und die Frauenquote ein, als Angela Merkel noch dagegen war. Sie hat eine „unaufgeregte“ Art, Politik zu betreiben.

 

 

Annegret Kramp-Karrenbauer, ex primera ministra del Estado del Sarre, en conferencia de prensa el lunes en Berlín.

Gefälschte Reportagen. Spiegel-Skandal

Gastbeiträge aus dpa/Neuer Zürcher

Hans Högl: Die Qualität und Verlässlichkeit von Medien ist zentrales Anliegen der "Medienkultur". Wir sind geneigt, Boulevard der  Qualitätspresse gegenüberzustellen. Das trifft in der Regel auch zu,  leider n u r  in der Regel. In diesem Fall hat die Selbstkontrolle des "Spiegels" funktioniert. Leider sind solche Ereignisse Anlass dafür -selbst für Akademiker (!)- zu sagen, sie glauben Medien überhaupt nichts mehr. Dennoch ist zu fragen, inwiefern in Medien oft nur solche Reportagen gebracht werden, die der redaktionellen Linie des Mediums entsprechen?!!!Damit wird der Sinn der Reportage als tatsachenbetontes Format ins Gegenteil verkehrt. Und dies ist der Grund, warum Medien oft als gleichgeschaltet erscheinen. Und dies gilt nicht nur für den rechten Boulevard.

dpa) Der ehemalige «Spiegel»-Reporter Claas Relotius, der zugegeben hat, zahlreiche seiner Texte gefälscht zu haben, will nach eigenen Angaben keine Spendengelder veruntreut haben. Dies liess Relotius am Donnerstag über seinen Anwalt der Tageszeitung «Die Welt»mitteilen.

Der Journalist bestreitet demnach, von ihm gesammelte Spenden für sich persönlich verwendet zu haben. Die syrischen Kinder, für die Leser der von ihm verfassten «Spiegel»-Reportage «Königskinder» Geld gaben, existierten aber nicht. Beim E-Mail-Kontakt mit Lesern und in Mitteilungen zu den Spenden habe der Autor «die Illusion über die reale Existenz des geschilderten Geschwisterpaars aufrechterhalten», teilte die Anwaltskanzlei Unverzagt von Have im Namen von Claas Relotius mit.

Relotius hatte demnach nach diversen Zuschriften spendenbereiter Leser angeboten, Spendengelder über sein privates Konto zu sammeln und weiterzuleiten. «Zu keinem Zeitpunkt hat er jedoch beabsichtigt, Spenden selbst zu vereinnahmen. Eine solche Verwendung ist auch nie erfolgt», so die Anwaltskanzlei weiter. Tatsächlich habe ihr Mandant den bis dahin auf seinem Konto eingegangenen Spendenbetrag von insgesamt 7000 Euro aus eigenen Mitteln auf 9000 Euro aufgestockt und im Oktober 2016 an die Diakonie Katastrophenhilfe für ein Projekt zur Unterstützung von kriegsflüchtigen Kindern im Irak überwiesen.

Hilfswerk bestätigt Empfang von Geldern

«Unser Mandant entschuldigt sich hiermit ausdrücklich bei allen hilfsbereiten Spendern, die sich in ihrer Intention, an die von ihm geschilderten syrischen Geschwister zu spenden, getäuscht fühlen müssen», teilte die Kanzlei mit. Er werde allen Spendern ihr Geld vollständig zurückerstatten. Die Diakonie Katastrophenhilfe bestätigte, 2016 das Geld von Relotius erhalten zu haben.

Der «Spiegel» hatte am Wochenende berichtet, dass ihr damals noch freier Mitarbeiter 2016 nicht nur eine Geschichte über angebliche syrische Waisenkinder in der Türkei in grossen Teilen erfunden, sondern auch privat Spendenaufrufe an Leser verschickt habe.

«Unser Mandant hat bereits eingeräumt, dass er bei seinen Reportagen – im Wesentlichen im Magazin ‹Der Spiegel› – über mehrere Jahre hinweg vielfach Fakten falsch dargestellt, verfälscht und hinzuerfunden hat», teilte die Kanzlei am Donnerstag weiter mit. «Spiegel Online» veröffentlichte die Mitteilung der Anwälte als Nachtrag in seinen Beitrag «Reporter täuschte Leser offenbar mit Spendenaufruf».

Der Presse schweren Schaden zugefügt

Der Kanzlei zufolge ist Relotius bewusst geworden, dass er durch sein Verhalten dem Ansehen des «Spiegel» und der Presse insgesamt schweren Schaden zugefügt habe. «Er bedauert dies zutiefst und wird sich bemühen, diesen Schaden soweit wie möglich zu begrenzen.»

Das Nachrichtenmagazin hatte den Fälschungsskandal Mitte Dezember öffentlich gemacht. Der Reporter hat seinen Vertrag beim «Spiegel» gekündigt. Von ihm waren dem Magazin zufolge seit 2011 knapp 60 Texte im Heft und bei «Spiegel Online» erschienen. Relotius war zunächst freier Mitarbeiter und wurde dann festangestellter Redaktor des Nachrichtenmagazins.

Bereit zu verzeihen

(bso.) Der Fälschungsskandal hat weit über deutschsprachige Länder hinaus für Schlagzeilen gesorgt.

Eine Stadt in Minnesota, die der ehemalige «Spiegel»-Reporter fünf Wochen lang besuchte, um dann ein Porträt über sie zu schreiben, das wenig mit der Wahrheit zu tun hatte, wehrte sich zunächst gegen das Bild, das dieser von Fergus Falls gezeichnet hatte – dem Text nach ein rückwärtsgewandtes Nest voller eifernder Waffennarren und Fans von US-Präsident Donald Trump, die es kaum je über die Ortsgrenzen hinaus geschafft haben.

In der «New York Times» sagten einige Bewohner der Kleinstadt, sie seien bereit zu verzeihen. Ein anderer Reporter des «Spiegel» hat Fergus Falls ebenfalls besucht und Wahrheit und Fiktion verglichen. «Entschuldigung angenommen!» ist das erste, was der Bürgermeister zu ihm sagt.

Silicon Valley stellt Philosophen ein

Gastbeitrag aus Neuer  Zürcher (27.12.18) (H.HÖGL)
Amerika entdeckt die Philosophie als Fitnessstudio des Geistes. Laut Medien wie «Business Insider», «Wired» oder «Forbes» werden im Silicon Valley reihenweise Chief Philosophy Officers und praxisorientierte Philosophen eingestellt. Das kritische Hinterfragen der Geschäftsstrategie, analytisches Denken in komplexen Systemen, die Fähigkeit, präzis zu formulieren und den Blick aufs Ganze zu bewahren, seien entscheidende Voraussetzungen für Innovation und Profit. Gemäss Alison Simmons, Vorsteherin des Philosophie-Departments an der Harvard University, beschäftigen die Studierenden derzeit besonders die ethischen Implikationen der technologischen und wirtschaftlichen Durchdringung unserer Lebenswelt. Die philosophischen Fakultäten haben Auftrieb.

China erobert die Welt

Medientipp von Baobab. Globales Lernen (Wien)

Die Welt des Xi Jinping.

ARTE Die 19.Dez.  20.15- 21:30   Frankreich, 2018, Dokumentarfilm, Erstausstrahlung

Unter der Führung des übermächtigen Xi Jinping ist China auf dem Weg zur führenden Weltmacht des 21. Jahrhunderts. Welche Ziele verfolgt der geheimnisvolle Autokrat, der in seiner Jugend tief durch den Maoismus geprägt wurde? Was ist sein Antrieb? Innenpolitisch strebt Xi nach der „perfekten Diktatur“, außenpolitisch möchte er die internationalen Regeln neu schreiben. ARTE zeichnet den Aufstieg und die politischen Zukunftspläne des chinesischen Präsidenten nach.

 

 

Mehr Attentate auf Journalisten : Ein Alarmzeichen

Udo Bachmair

Eva Schubert ist 21 Jahre alt und schließt dieses Semester ihr Bakkalaureatsstudium in Publizistik und Kommunikationswissenschaft an der Universität Wien ab. Ihr besonderes Talent zeigt sich in ihrer Begeisterung für Sprachen. Neben ihren Muttersprachen Deutsch und Litauisch spricht sie Englisch und Italienisch und studiert derzeit im 4. Semester Transkulturelle Kommunikation mit dem Schwerpunkt Französisch.

Eva Schubert hat sich gemeinsam mit ihrer Kollegin Lena Sinzinger, Publizist- und Jusstudentin, zur Unterstützung unserer Vereinigung für Medienkultur bereiterklärt. Sie werden mit Analysen und Kommentaren unsere Website www.medienkultur.at bereichern. Ihnen sei herzlicher Dank ! Wir freuen uns auf das Engagement auch weiterer junger Menschen.

Als Kostprobe im Folgenden ein Kommentar von Eva Schubert zu einem besonders brisanten Thema :

Warum ein Journalistenmord Alarmstufe dunkelrot bedeutet

Eva Schubert

Jamal Kashoggi. Ein Name, den mittlerweile jeder und jede zumindest flüchtig in den Nachrichten aufgeschnappt hat. Jenen, die die Geschichte mit ihren vielen Wendungen mitverfolgt haben, stehen spätestens seit der Veröffentlichung näherer Informationen über die Ermordung des saudi-arabischen Journalisten in Istanbul sämtliche Haare zu Berge.

Viktoria Marinova ist eine weitere Journalistin, die im Oktober dieses Jahres ermordet aufgefunden wurde. Auch wenn ihre brutale Ermordung nicht so viel internationale Aufmerksamkeit erhalten hat wie jene von Kashoggi, so geht sie doch mit einem gefährlichen Trend einher: Im Jahr 2018 konnten bis Anfang Oktober bereits mehr Morde an Journalisten verzeichnet werden als im gesamten Vorjahr. Und diese Tatsache sollte nicht nur Medienmitarbeiter unruhig stimmen.

Auch wenn es im Fall Kashoggi um weit mehr geht als die Pressefreiheit, und im Zuge des Ereignisses die Frage zu umstrittenen (Waffen-)Handelsbeziehungen im Rampenlicht von internationalen Medien neu aufgerollt wird, handelt es sich trotz aller politischer Verwicklungen um einen Journalistenmord.

Doch warum sind Attentate auf Journalisten zunehmend verbreitet? Die Antwort darauf findet sich im Berufsethos: Medien geben Menschen die Möglichkeit, ihre Stimme zu äußern und sind in diesem Sinne durchaus mächtige Instrumente. Journalisten haben die Macht, Tatsachen an die Öffentlichkeit heran zu tragen, ein bestimmtes Licht auf ein Ereignis zu werfen und einzelnen Meinungen ein Sprachrohr zu geben. Wenn auch nicht zur Freude von Allen. Vor allem einflussreiche Personen oder Gruppierungen sehen es nicht gerne, wenn nicht ihren Interessen entsprechend berichtet wird und die Medien ein schlechtes Licht auf sie werfen. Wenn man Journalistenmorde von diesem Standpunkt aus betrachtet, ist es eigentlich sehr einfach. Wer Unerwünschtes verbreitet hat, wird bestraft und wer Negatives berichten könnte, wird gewarnt…

Annäherungen an die Zukunft der Demokratie

Hans Högl

Die „Vereinigung für Medienkultur“ setzt sich seit Langem für ein Mehr an politischer Teilhabe ein. Es gibt diverse  Vorschläge dazu. Ein bemerkenswertes Konzept ist das „Systemische Kondensieren“ (SK) des Mathematikers und  Software-Entwicklers Erich Visotschnig. Sein Buch (2018) trägt den Titel „Nicht über unsere Köpfe. Wie ein neues Wahlsystem die Demokratie retten kann“. Hier bringt der Autor anschauliche Beispiele dafür, wie in Kleingruppen, Vereinen und Gemeinden und vielleicht auch national so abgestimmt wird, dass auch  Gegenstimmen Rechnung getragen wird und nicht nur  einer (knappen) Mehrheit.  Eine ganz andere Variante, die  von einigen unserer Leser kritisch beurteilt wird, schlägt ein hochverdienter Chef für Regionalmanagement vor. Vgl. im Folgenden. Im Sinne der Medienkultur sollen auch solche Ideen Platz haben.

Werner Slupetzky  (Gastbeitrag)

Die Entwicklung der Demokratie, also die Macht geht vom Volk aus,  ist heute (fast) am Ende angelangt und bedarf einer Weiterentwicklung. Auf die Dauer kann nicht die 51% Mehrheit über die 49% „Wenigerheit“ bestimmen.  Kompromisse und Konsensbildung haben lange funktioniert, aber was nicht mehr da  ist, ist das Vertrauen, das von unten nach oben wesentlich war. Ein Vertrauensverlust, ein „Verrat“ an Vertrauen hat dazu geführt, dass das Wählervolk nicht mehr zur Urne geht.

Was in den nächsten Jahrzehnten stattfinden muss, ist die Abstimmung mit der Inneren Stimme, das Handeln mit dem Herzen, das dem Kopf das Signal für das  Kreuzerl an die Hand gibt. Könnte man nicht dann  von einer „COROKRATIE“ sprechen, die Stimmen der Herzen des Volkes haben die Macht.

Und wenn die Menschen dann weiter in einem stimmigen Herzensgefühl abstimmen und der Gleichklang der Herzen in einem Neuen Geist der Versöhnlichkeit stattfindet, ist es dann die höchste Stufe, weiterentwickelte Demokratie, die „SPIRITOKRATIE“. Statt Kompromisse „Win-win“ Einigung (nicht finanziell gemeint) bis zum Übereinstimmen aller Stimmen, die vom Herzen in einem neuen Geist kommt! Dann gibt es nur Winner und keine Loser mehr!

Dieser Leserbrief wurde in den Salzburger Nachrichten veröffentlicht. Werner  Slupetzky verfasste ferner das Büchlein: Geschenkte Worte. Versteckte Botschaften. Laute und leise Tagebuchtexte über Gott und die Welt, Allentsteig 1996, Edition Stoanreich.

Tipp: Film+Diskussion zu nachhaltiger Lebensweise

Karl Tischler*

 

Der frühere Gemeindearzt von Pölla im Waldviertel, Klaus Renolder, wurde als Mann mit konsequent nachhaltigem Lebensstil bekannt. So absolvierte er in der Regel Hausbesuche mit seinem Rad, ebenso die Fahrten zwischen seiner Wohnung in Horn und der Ordination in Neupölla. Renolder entwickelte ferner das „Dreifachnutzen- Prinzip“ einer energie- und umweltbewußten Lebensweise.  Ein englische Film wurde darüber gedreht und wird  nun gezeigt: 

Dienstag  20. Nov. 19:00Ort:  Hauptbücherei Urban Loritz Platz (U6- Burggasse) . Prominente Gäste diskutieren mit Dr. Klaus Renolder: Prof. Helga Kromp- Kolb, bekannte Klimaforscherin. Dr.  Fritz Hinterberger, Leiter des Nachhaltigkeitsinstitutes.  

  • Der Autor dieses Beitrags Dr. Karl Tischler ist Mitglied der Vereinigung für Medienkultur )

Bulgarien: Aufdecker-Journalisten festgenommen

Hans Högl

Gastbeitrag. Bulgarisches  “ Wirtschaftsblatt“

Bulgarien ist für westliche Medien ein Niemandsland. Diese Lücke möchte ich schließen.
Der Journalist der Webseite BIVOL , Dimitar Stoyanov, und sein rumänischer Kollege Atila Biro von RISE Project sind von der bulgarischen Polizei  vor einiger Zeit, wie jetzt bekannt wird,  verhaftet worden. Dies geschah, nachdem sie über die Vernichtung von Dokumenten  über erhebliche Missbräuche mit Mitteln aus den europäischen Förderfonds Alarm geschlagen hatten, schreibt das „Wirtschaftsblatt“in der Online-Ausgabe.  Die Journalisten enthüllten,  wie sich das große Bauunternehmen GP Group  Aufträge verschaffte. Das kam durch ein kompliziertes Netzwerk  zustande. Ihre   Büros befanden sich im selben Gebäude wie diese von GP Group. Alle Dokumente, die Bivola untersuchte, führten zu GP Group, die mit dem vertrauten Freund des Premiers Boyko Borisov, dem Chef von Lukoil Bulgaria Valentin Zlatev, verbunden ist, sowie zu russischen Oligarchen, die ein Geschäft in Bulgarien betreiben. Der Aufstieg von GP Group ging Hand in Hand mit dem Business von Lukoil, weil das Unternehmen Auftragnehmer all ihrer Projekte war. Ebenso war die Firma an den Projekten im Familienunternehmen von Zlatev beteiligt. Ihr Eintritt in den Bereich des Infrastrukturbaus geschah  während der ersten Premier-Amtszeit von Borisov.  Im September 2012 kam zu den drei Aktionären von GP Group ein neuer hinzu – Stefan Filipov Totev. Nach den Worten der Parteiführerin der Bewegung 21 Tatyana Doncheva ist das „der Zahnarzt des Premiers“. Sei es zufällig oder nicht, fiel der Einstieg von Totev in die GP Group mit einem Zeitraum zusammen, in dem das Unternehmen Aufträge für Hunderte von Millionen an Land zu ziehen begann. Die meisten von denen wurden im Rahmen von europäischen Programmen vergeben – es handelte sich dabei um den Bau von U-Bahn-Strecken, Straßen, Sporthallen, um Wasserprojekte  usw.
Die beiden Reporter wurden festgenommen, nachdem sie einen Bericht über die Vernichtung von Dokumenten im Rahmen des von ihnen untersuchten Falls erstattet hatten. Darin wurde beschrieben, wie das komplizierte Korruptionsschema zur Abzapfung von EU-Mitteln bis hin zur höchsten Verwaltungsebene reichte. Dank der blitzschnellen Reaktion des rumänischen Botschafters waren die Journalisten einige Stunden, nachdem sie festgenommen worden waren, befreit.

Europa-Visionär: Richard Coudenhove-Kalergi und Familie

Hans Högl

Am 24.Oktober bringt 3-sat einen Film über die Familie des Pan-Europa-Gründers Richard Coudenhove-Kalergi. Dies hat  Seltenheitswert. Die Wiener Historikerin Helene Maimann ist  Regisseurin des Films. Warum ich das aufgreife: Im Namen der Medienkultur erinnerten wir vor ein paar Jahren an diesen weithin vergessenen Visionär Europa im Haus des Europäischen Parlaments und freuen uns, dass daran indirekt angeknüpft wird.

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