Archiv der Kategorie: Medienkompetenz

Transformativer Journalismus als „Freund und Helfer“

Ökonomischer Druck entsteht jetzt ganz besonders durch die Corona-Krise und ihre Auswirkungen auf die Wirtschaft, wodurch ja der Wegfall der Anzeigenmärkte verstärkt wird. Allerdings haben wir in Österreich die Wiener Zeitung, die älteste noch erscheinende Tageszeitung der Welt!

Ilse Kleinschuster*

Die Wiener Zeitung ist zu 100 Prozent im Besitz der Republik Österreich und mit ihrem AMTSBLATT relativ unabhängig von kommerziellen Inseraten. Ein Glück! – sie ist konstruktiv in ihrer Berichterstattung und es gibt in „meiner Zeitung“ immer wieder Gastkommentare, die Menschen wie mich, darin bestätigen, dass ohne Frage bereits ein „Wandel“ stattfindet.

Ich bin seit vielen Jahren Mitglied in der „Initiative Zivilgesellschaft“ – tja, wie soll ich’s sagen – wir sind da prinzipiell Menschen, die sich als Katalysatoren humanistischer Werte engagieren und die sich in zivilgesellschaftlich organisierten Gruppen für das „zivile“, d.h. demokratische, humanistische Zusammenleben von Menschen in Gesellschaften und für den kritischen Umgang mit bestehenden Entscheidungsinstanzen in Politik, Wirtschaft und Verwaltung engagieren. Es ist eine Art Allianz von Menschen, die sich kommunikativen Zielen widmen, die aufdecken und Transparenz schaffen – mentalen Widerstand leisten. Es sind heute immer öfter auch Menschen, die sich als Multiplikatoren und Motoren betätigen. Sie illustrieren, dass die von ihnen geforderten Werte nicht nur erstrebenswert sind, sondern auch im konkreten Handeln umsetzbar sind.

Um aber auf die Zeitung zurückzukommen. Ich könnte hier nun eine ganze Reihe von Gastkommentaren der letzten Jahre – darunter auch von Leuten aus der Zivilgesellschaft – aufzählen, die für mich herzerwärmend und ermutigend waren. Beschränke mich aber aktuell auf den 12. und den 14. Mai 2020.: Ein unsinniger Umweg des Geldes – Ein Plädoyer zur Aufhebung des Verbots der direkten Staatsfinanzierung. https://www.wienerzeitung.at/meinung/gastkommentare/2060306-Ein-unsinniger-Umweg-des-Geldes.html

Und ein weiterer Gastkommentar, der von zivilgesellschaftlicher Seite her bedeutungsvoll ist: Klimaschutz hilft der regionalen Wirtschaft – Es braucht jetzt ein Investitionsprogramm in die richtige Richtung – https://www.wienerzeitung.at/meinung/gastkommentare/2060431-Klimaschutz-hilft-der-regionalen-Wirtschaft.html

*( ein Auszug aus einer Analyse von Ilse Kleinschuster, engagiertes Mitglied der Vereinigung für Medienkultur )

Medien: Coronakrise. Rückblende auf Rinderseuche, Schweinegrippe. 

Hans Högl

Ein Rückblick in die Medienwelt ist wertvoll, Misstrauen eine Königstugend. Zur  Rinderseuche (BSE) im Jahr 2001 traf der Medienexperte Wolf Schneider eine sehr kritische Medienbeurteilung. Sicherlich: die Corona-Krise existiert und bisher starben daran hunderttausende. (Laut NZZ online waren es am 14. Mai 2020 es 292.000 Menschen). Die tödliche Gefahr durch den Corona-Virus besteht. Aber es gilt die Dimension einer Krise abzuschätzen und etwas über die mediale Präsentation zu reflektieren.

Wer traf folgende Aussage? Es war Wolf Schneider, der 16 Jahre die renommierte Hamburger Journalistenschule leitete. Er war jahrzehntelang journalistisch tätig: für die „Süddeutsche“ war er Korrespondent in Washington, Chef vom Dienst beim „Stern“, Chefredakteur bei der „Welt“ und „Geo“-Reporter. Seine Evaluation ist zu lesen in  Schneider/Paul-Josef Raue: Das neue Handbuch des Journalismus und des Online-Journalismus, Hamburg 2012 (rororo) in der überarbeiteten Neuausgabe. Die Zitate finden sich auf Seite 17.

Nun zu  bestürzenden Aussage: Millionen Deutsche lebten wegen der Rinderseuche in großer Angst. Im Januar 2001 galt den Deutschen der Rinderwahnsinn als ihre größte Sorge, vor der Arbeitslosigkeit. „Der bereits angesprochene Rinderwahnsinn von 2001 wie auch die Schweinegrippe von 2010 waren Seuchen, die nicht nur durch Viren und Bazillen, sondern durch Journalisten verbreitet wurden.“ (Ebenda).

An BSE (Rinderwahnsinn) starb in Deutschland nicht ein Mensch, aber Millionen leben in Angst“….„An der Schweinegrippe starben damals weit weniger Deutsche als an der einheimischen Wintergrippe, und frühzeitig tauchten Indizien auf, dass die Pharmaindustrie hier eine Hysterie anzettelte, um sich Milliarden in die Taschen zu schaufeln. Niemals gab es einen seriösen Grund, eine der beiden Nachrichten aufzumachen; ins Vermischte hätten sie gehört.“. „Aufmachen“ meint etwas zu Schlagzeilen zu machen, um größte Aufmerksamkeit zu erreichen.

Zur Schweinegrippe liest man in Wikipedia in einem ellenlangen Artikel schließlich den Satz: Bis zum 25. Oktober 2009 waren der WHO weltweit mehr als 440.000 laborbestätigte Infektionen mit dem H1N1-2009-Virus („Schweine-Grippe) gemeldet worden, von denen mindestens 5.700 tödlich verliefen. Lassen wir diese Zahl auf der Zunge „zergehen“: Weltweit 5.700 Todesfälle! Das ist die Einwohnerzahl einer mitteleuropäischen Kleinstadt oder Marktgemeinde. Und da wird von weltweiter Pandemie gesprochen.

 

Vor-Verurteilung durch Medien.Bischof Alois Schwarz

Hans Högl

Viele Vorwürfe wurden über den Kärntner Bischof Alois Schwarz in diversen österreichischen Medien seit Jahren verbreitet. Davon ist nun ein Großteil seitens der Behörden geprüft und als haltlos eingestellt worden. (Kurier, 15. Mai 2020).

Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft ( kurz WkStA) in Wien teilt mit, dass sie sämtliche strafrechtlichen Verfahren gegen Bischof Alois Schwarz in dessen Zeit als Bischof von Gurk-Klagenfurt eingestellt hat. Gleiches gilt auch für eine enge Mitarbeiterin des Bischofs.

Gegen den Bischof wurde wegen des Verdachts des Betruges und der Untreue ermittelt, d.h. dass dem ehemaligen Bischof von Kärnten „die nicht rechtmäßige Verwendung von Geldmitteln des Bistums“ vorgeworfen wurde. Mehr als ein Jahr lang ermittelten unterschiedliche Staatsanwaltschaften (zuerst in Klagenfurt, dann in Graz, dann in Wien an der WkSTA) .

Das Untreueverfahren wurde kürzlich eingestellt. Der Betrugsverdacht wurde einige Zeit lang zuvor schon nicht mehr verfolgt.

Ohne die Details überprüfen zu können, muss die kritische Frage gestellt werden, wie steht es mit der Medienverantwortung in solchen Fällen? Wie kann es zu solchen Vorverurteilungen kommen? Welchen Beitrag leisten die Medien zu Wiedergutmachung? Welchen Seitenumfang haben die Beiträge über die Vorverurteilung und wie groß ist der Umfang darüber, dass die Vorwürfe entkräftet wurden? Es geht in dieser Frage nicht primär um Bischof Schwarz, sondern ganz allgemein um die öffentliche Verdächtigung und implizit um Vorverurteilungen gegen Personen und wie die Medien damit verfahren. Selbstverständlich kann eine präzise Antwort nur durch eine größere Studie geleistet werden.

 

Corona – Zahlen ohne und mit Hirn

Hans Högl

In der Tageszeitung „Die Presse“ mache ich eine großartige(!), erwartete Entdeckung. Schon lange habe ich darauf gehofft.Aber vielleicht habe ich Manches übersehen. Wer kann denn die mediale Flut überblicken!? Jedenfalls brachte es die Wiener „Presse“ richtig auf den Punkt und schrieb recht vernünftig Folgendes:

In Spanien kommen auf 1 Mio Einwohner 510 Tote durch Covid-19 Erkrankungen.
In Italien auf 1 Mio Einwohner 446 Tote…..
In Frankreich auf 1 Mio Einwohner 357 Tote…..
In Deutschland auf 1 Mio Einwohner 73 Tote…..

Mit anderen Worten: Hier werden endlich die Corona-Toten in Relation zu der Gesamtbevölkerung gesetzt. Ob man Mr. Trump liebt oder nicht, tut nichts zur Sache:
Es leuchtet doch jedem Schulkind ein, dass ich die bloße Zahl der Corona-Toten von riesigen Staaten wie von den USA oder Russland nicht mir denen eines Klein- oder Mittelstaates vergleichen kann, z.B. die der USA mit Monaco oder Spanien, das die Einwohnerzahl des einen oder anderen US-Bundesstaates hat.

Die Anzahl der in den USA an Covid-19 Erkrankten muss in Bezug gesetzt werden zur Zahl der Bewohner der gesamten USA. Der Vergleich von absoluten Zahlen ist irreführend. Aber damit wird nicht selten sinnlos herumgeworfen. Die „Presse“ verglich Daten vom gleichen Tag (den 28.4.) und publizierte sie am Folgetag. Abgesehen davon, gilt weiter zu prüfen, ob die Gestorbenen nur an Covid-19 gestorben sind und nicht auch zusammen mit anderen Krankheiten. Aber das ist noch einmal ein anderer Standpunkt.

Social Media, Armin Wolf und ORF-Interna

Hans Högl

Was sich ORF-intern abspielt, erfährt man nicht in orf.news.at sondern in Printmedien. Darum ist es im Sinne der Pressefreiheit gut, dass es private und öffentliche Medien gibt. Pressefreiheit gibt es ja de facto nicht: in absolutistischen Regimen, in extrem rechten und linken Diktaturen. Dies ist ein Anlass dafür, auf eine Publikation des prominenten ORF-Kommentators Armin Wolf zurückzugreifen, der viel auf Social Media unterwegs ist, aber den es bisher nicht so erwischt hat wie seinen Kollegen Hans Bürger, der nun vorübergehend außer Dienst gestellt wurde.

Armin Wolf hat schon vor einigen Jahren nach vielen Semestern sein politikwissenschaftliches Studium mit einer Dissertation beendet, und Kernaussagen davon sind im sehr lesenswerten Büchlein: „Was brauchen wir noch Journalisten“ wiedergegeben (Picus Verlag Wien 2013, 142 S.) Viele seiner Aussagen zur Medienwelt bleiben aufschlussreich. Bemerkenswert ist auch Armin Wolfs Notiz zur „Neuen Zürcher Zeitung“, die seinem Urteil gemäß einen „hervorragenden Auslandteil“ hat und die ein bekannter Publizistikprofessor bei sich stapelt.

Armin Wolf schreibt, dass trotz der unglaublich technischen Möglichkeiten, die das Netz bietet, nur professionelle Medien vier zentrale Funktionen des Journalismus erfüllen können: 1. Die gründliche Recherche, das Überprüfen von Informationen – 2. die Selektion – also das Bewerten und Auswählen – 3. die Redaktion und 4. die Publikation. Dazu braucht es Ressourcen: organisatorisch, inhaltlich und finanziell. Bei Wikileaks im Jahr 2010 wurden 251.287 Depeschen online gestellt. Wer kann diese alle lesen? Doch Teams von Journalisten haben diese professionell gesichtet und ausgewertet (S. 63-65).

NB. Die Bildschirmpause von Hans Bürger währte fünf Tage. Ab Freitag, den 24. April kehrt er auf den Bildschirm zurück, berichten die Kleine Zeitung und Der Standard. (In orf news wird das wieder nicht vermerkt!)

Krise, Krise und Good News – Gute Nachrichten

Hans Högl

Aufgrund von starker Nachfrage liefert die Deutsche Presse-Agentur (dpa) nun auch Nachrichten, die sich objektiv als positiv bewerten lassen. Unser Blog www.medienkultur.at hat seit Langem die Rubrik „Good News“. Z.B. findet sich dort im Archiv eine bemerkenswerte Aussage des Deutschen Fußballtrainers:

Joachim Löw- Deutscher Bundestrainer- Was im Leben zählt

Was im Leben zählt. Botschaft des deutschen Fußballtrainers J. Löw

oder dass es in Dänemark gelungen ist, die Pestizide in der Landwirtschaft zu verringern.

Es gibt bereits im Journalismus zwar recht theoretisch den neuen Ansatz des Konstruktiven Journalismus, um aus der Negativspirale herauszutreten, indem neben kritischer Berichterstattung Lösungsansätze geboten werden. Dänemarks öffentlicher Rundfunk ist darin Vorreiter. Und es wurde betont, dass die ausschließlich negative Darstellung öffentlichen Lebens demokratiegefährdend ist. Insgesamt ist von konstruktivem Journalismus in Österreich wenig zu merken.

Ein Einwand: Ganz neu ist in der Corona-Krise das bisher in Medien wohl bisher extrem selten ausgedrückte starke Lob -auch im Boulevard- für Pflegeberufe, für Ärzte und Krankenschwestern, für Lehrkräfte und vereinzelt für Landwirte. Dies sind Berufe, die im Vollsinn systemrelevant sind. Arbeiter und Angestellte wurden nicht genannt. Übrigens: Eine ausländische 24-Stunden-Pflegekraft verdient am Tag 50 €, wie mir glaubhaft eine Pflegerin mitteilte. Und es ist ein Fall bekannt, wo eine Pflegerin für ihre aufopfernde Tätigkeit als Lohn die kleine Wohnung der Verstorbenen als Erbe erhielt.

Der Haupttrend in Alltagsgesprächen und auch im Journalismus besteht zweifellos in der wertvollen Analyse kritischer Zustände, aber auch im Negativismus und auch in der steten Haltung: „Ich klage an!“- Ich fordere von anderen…..

Corona-Krise: Bewährungsprobe auch für die Pressefreiheit

Österreich ist in der Liste der Pressefreiheit um zwei weitere Plätze abgerutscht. Die Gefahr verstärkter Medienkontrolle auch nach der Corona-Krise erscheint nicht ausgeschlossen.

Udo Bachmair

Österreich ist also im internationalen Pressefreiheits-Ranking weiter abgesackt. Grundlage dafür waren laut „Reporter ohne Grenzen“ in erster Linie Versuche der abgedankten türkis-blauen Koalition, unliebsame Medien zu schwächen und zu bedrohen, ORF-Journalisten einzuschüchtern sowie auch den Boulevard zu instrumentalisieren. Fortgesetzte Message Control reicht aber offensichtlich auch bis in die Zeit der aktuellen Regierungskoalition. Dazu in der Tageszeitung Der Standard Rubina Möhring, die Sprecherin der renommierten Journalistenorganisation:

„Die Angriffe auf die Pressefreiheit, die unter Schwarz-Blau vermehrt in Österreich zu beobachten waren, haben weder seit Ende der schwarz-blauen noch mit Antreten der schwarz-grünen Regierung ein Ende genommen“.

Diese Analyse trifft im Besonderen auf die message-control-gesteuerte Berichterstattung der ZIB 1 zu. Angesichts des Einflusses von Gerald Fleischmann, des Medienbeauftragten von Kanzler Kurz, auf die ZIB1-Redaktion konnte sich der Kanzler über Wochen hinweg nahezu täglich in der ZIB 1 ausgiebig inszenieren, auch wenn das journalistisch nur selten zu rechtfertigen war. Oppositionsstimmen sowie unterschiedliche Expertenpositionen waren nur marginal zu vernehmen. Stattdessen mitunter substanzlose und regierungsanbiedernde Kommentare innenpolitischer ZIB 1-Redakteure.

Positive Gegenbeispiele im ORF sind die ZIB 2 und die hervorragenden Ö1-Journale. Dort fallen trotz der schwierigen Corona-Zeit journalistische Kriterien, wie neue Inhalte, Differenzierung, kritische Annäherung und Fragestellungen, größtenteils nicht unter den Tisch. Auch Vorschläge von Nichtregierungsparteien sowie unterschiedliche Meinungen aus dem Wissenschaftsbereich zur Corona-Causa werden gemäß den Ausgewogenheitskriterien des öffentlich-rechtlichen Rundfunks entsprechend wahr- und ernstgenommen.

Die Medienlandschaft insgesamt und mit ihr die Freiheit der Rede und der Presse werden angesichts der Corona-Krise auf eine harte Probe gestellt. In Ländern mit bereits deutlich eingeschränkter Pressefreiheit, wie etwa in Ungarn, wird das Thema Covid-19 erst recht als Rechtfertigung für autoritäre Maßnahmen auch gegenüber Medien genommen. Auch wenn sich die Lage in Österreich noch vergleichsweise gut darstellt, bleibt auch hier die bange Frage, nicht zuletzt bezogen auf die ZIB 1 : Wird die vom Kanzler beschworene „neue Normalität“ von Dauer sein, auch nach Corona ?

Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund kommt der Appell der „Reporter ohne Grenzen“ zum richtigen Zeitpunkt:

„Die Verschlechterung Österreichs in der Rangliste der Pressefreiheit zeigt uns vor allem, dass wir wachsam bleiben und Presse- und Informationsfreiheit aktiv verteidigen müssen.“

Ulrich Becks Buch „Risikogesellschaft“ aktueller denn je

Hans Högl

Schon am 8.April verwies ich auf das Buch von Ulrich Beck: Risikogesellschaft (1986). Heute am 21.April greift die Wiener Zeitung in einem Kommentar ebenfalls dieses Buch auf.

Es macht perplex, wie hellsichtig der Soziologe Ulrich Beck 1986 auch die Schattenseiten der Globalisierung für die Weltgesellschaft sieht: die Gefahren der atomaren Rüstung und die ökologischen. Sinngemäß betrifft dies auch weltweite Gefahren durch gefährliche Viren.

Ulrich Beck: „Die Potenzierung der Risiken lässt die Weltgesellschaft zur einer Gefahrengemeinde schrumpfen“.
„Der Machtgewinn des technisch-ökonomischen Fortschritts wird immer mehr überschattet durch die Produktion von Risiken.“Diese lassen sich nur in einem frühen Stadium als latente Nebenwirkungen legitimieren. Die Risikoproduktion lässt sich nicht mehr lokal und gruppenspezifisch beschränken, sondern enthält eine Globalisierungstendenz.

Corona-Krise auch eine Krise der Medienfreiheit

In der Corona-Krise ist regierungskritischer Journalismus als einer der Grundwerte rechtsstaatlicher Demokratie mehr oder weniger verschwunden. Verstärkt auch im ORF, der mit der ZIB 1 besondere Regierungsnähe zelebriert.

Udo Bachmair

„Sie werden sich noch wundern, was alles möglich ist“– diese legendäre Aussage von FPÖ-Chef Norbert Hofer hat die Realität mittlerweile übertroffen. So ist es möglich geworden, dass ein machtbewusster Regierungschef Sorgen und Bedenken von Verfassungsexperten rund um die Aushöhlung von Grundrechten als unwichtig abtut. So ist es möglich geworden, dass sich auch in Österreich kritischer Journalismus weitgehend abgemeldet hat. Kanzlerhuldigungen in Boulevardblättern, vor allem aber die reichweitenstärkste ORF-Sendung ZIB 1 führen dies täglich deutlich vor Augen.

Kanzler Kurz inszeniert sich perfekt. Besonders mit Hilfe und Unterstützung der ZIB 1, auf die der Medienvertraute des Kanzlers, Fleischmann, offenbar großen Einfluss ausübt. Ein nicht unwesentlicher Teil der Message-Control-Auflagen des Regierungschefs. Der Vergleich der ZIB 1 mit der ZIB 2 oder den hervorragenden Ö1-Journalen macht allerdings sicher. Dort kommen auch Experten mit unterschiedlichen Meinungen zur Corona-Krise zu Wort und vereinzelt auch OppositionspolitikerInnen.

Laut kritischen Medienbeobachtern ist die ZIB 1 zum „reinen Regierungssprachrohr“ verkommen. Auch diesbezüglich erscheint „Medienfreiheit in Quarantäne“, der Titel des jüngsten Standard-Kommentars von Peter Siebenhaar, durchaus zutreffend. So schreibt der Präsident der Auslandspresse in Wien unter anderem :

„Die Corona-Krise ist auch eine Krise der Medienfreiheit. Nicht nur die mit dem gefährlichen Virus Infizierten befinden sich auf Weisung des Staates in Quarantäne, sondern auch die Medien. Ihre Möglichkeiten zu kritischen Recherchen werden im Zeitalter der Pandemie eingeschränkt. Die Mächtigen halten die Medien zunehmend auf Distanz.“

In Ungarn hat Präsident Orban ein Gesetz durchgepeitscht, das die Medienfreiheit offenbar auf Dauer ausgehebelt hat. Journalisten können demnach eingesperrt werden, wenn sie regierungskritsiche Informationen verbreiten. Peter Siebenhaar dazu:

„Es ist unverständlich und schädlich, dass die österreichische Regierung nicht den Mut aufgebracht hat, dagegen öffentlich zu protestieren“.

Andere EU-Länder hingegen haben sich klar gegen die demokratiefeindlichen Entwicklungen in Ungarn geäußert, wie Deutschland, Schweden oder Spanien. Und Österreich ? Auch die traditionell grundrechtsbewussten Grünen haben sich auch in dieser Frage nicht zu einer Distanzierung vom türkisen Koalitionspartner durchringen können..

Corona-Krise – ein abgekartetes Spiel, eine Verschwörung?

Hans Högl

Die Corona-Krise erweckt Misstrauen, bis hin zur Behauptung – sie wäre ein „abgekartetes Spiel“, also Inszenierung von wem auch immer – so sehen es Einzelne (wieviele?) aus Alternativkreisen, mit dem Anspruch, es besser zu wissen. Es gibt auf YouTube Interviews, die alles in Frage stellen. Zu wenig bewusst ist, dass auf YouTube alles – ob richtig oder falsch, veröffentlicht wird. Es gibt keine sachliche Kontrolle.

Eine Antwort aus Spitalskreisen widerlegt die Vermutung des abgekarteten Spiels in der Corona-„Krise“: Sie ist eine tod-ernste Angelegenheit.

“ Keiner meiner Kollegen – und ich natürlich auch nicht – und niemand vom Pflegepersonal kann sich erinnern, dass in den letzten 30 oder 40 Jahren folgende Zustände herrschten, nämlich dass:

 – ganze Kliniken u. Intensivstationen mit Patienten mit der gleichen Diagnose gefüllt sind;
 – 25% bis 30% der Pflegenden und der Ärzte genau jene Krankheit erwerben, die ihre Patienten haben;
– zu wenig Beatmungsgeräte zur Verfügung standen;

–   eine Selektion von Patienten durchzuführen war, nicht aus medizinischen Gründen, sondern weil wegen der schieren Anzahl an Patienten das entsprechende Material fehlte;
–   alle schwerer erkrankten Patienten ein uniformes Krankheitsbild aufwiesen;
–   die Todesart jener, die auf Intensivstationen verstorben sind, bei allen dieselbe ist;
–   Medikamente und medizinisches Material auszugehen drohen.

Darum ist klar: dass es sich um einen gefährlichen Virus handelt, der dieser Pandemie zugrunde liegt. Die Behauptungen, eine «Influenza» sei genau gleich gefährlich und koste jedes Jahr gleich viele Opfer, ist falsch, und es ist aus der Luft gegriffen, man wisse nicht, wer «an» und wer «wegen» COVID-19 sterbe.