Archiv der Kategorie: Medienkompetenz

Milliardenkosten Österreichs für Bankenrettung – Notiz auf 9 Zeitungszeilen

Hans Högl

Auf Seite 25 notiert die Wiener Zeitung (12.9.2019) auf knappen 9 Zeilen die äußerst folgenreiche Aussage für Österreichs Finanzen:

„Teuere Bankenrettung. Seit der Finanzkrise 2008 hat die Republik Österreich zwischen zehn und elf Milliarden Euro ausgegeben, um die Bankenbranche zu unterstützen– weniger als ursprünglich erwartet, aber deutlich über den Europa-Durchschnitt, wie aus den Daten der Nationalbank hervorgeht.“

– Das ist alles. Gleichzeitig wird im Wahlkampf darüber berichtet, wieviel ein Kandidat für den Friseur ausgibt

Firmen lassen Jobsuchende zappeln

Folgender Text stammt aus einem Massenblatt der Schweiz – der Gratiszeitung 20Minuten.ch. Ich bringe ihn als Blog der Medienkultur, um zu zeigen, dass auch Massenblätter manchmal glaubwürdig Wichtiges melden. Die Zeitung 20Minuten.CH kann mit „Heute“ in Wien verglichen werden.

Hans Högl

Rund 200 Bewerbungen verschickte Sara Ulmann vergangenes Jahr. Sie bewarb sich als Sekretärin, Sachbearbeiterin oder Direktions-Assistentin. „Zwei Drittel der Firmen antworteten mir überhaupt nicht.“ Der Rest schrieb eine Eingangsbestätigung oder Absage. Das sei ihr an die Substanz gegangen. „Zum Glück habe ich aber doch noch eine Stelle gefunden.“

Da potentielle Arbeitgeber ihre Bewerber „ghosten“, sich also nicht melden, kritisiert Fabian Dütschler, ein Schweizer Geschäftsführer einer IT-Personalleistungsagentur. Der Personalexperte Michel Ganouchi sagt: „Dieses unsägliche Verhalten ist seit Jahren bekannt und hat trotzdem nicht abgenommen.“ Die Funkstille gebe den Bewerbern keine Wertschätzung und vermittle das Gefühl, nicht gebraucht zu werden. Ähnliches passiert auch anderswo und nicht nur in den letzten Jahren. Schon vor Jahrzehnten.

Ö 1 : Der Hut brennt

Wieder einmal Sorge um Ö 1. Anzeichen einer geplanten Schwächung des renommierten Radiosenders mehren sich. Es besteht Gefahr in Verzug, bestätigen auch ORF-interne Informationen.

Udo Bachmair

Alarmsignale kommen aus dem ORF. Laut gut informierter Quelle ist die „kleinweise Zerschlagung“ des Senders Ö 1 im Gange. Demnach soll etwa die Abteilung Radioreligion aufgelöst und schon Anfang 2020 an die TV-Religion im Newscenter des ORF-Zentrums auf dem Küniglberg angedockt werden. Somit wäre dieses Ressort nicht mehr Teil von Ö 1. Eine entsprechende Organisationsanweisung des Generaldirektors wird als „Angriff aus dem Inneren des Unternehmens“ gewertet.

Viele ORFler, aber nicht nur die, sehen in der Maßnahme den „Beginn der Zerschlagung und Schwächung“ von Ö 1. Diesbezügliche Warnungen gibt es ja schon seit dem Vorjahr. Die türkis-blaue Regierung hatte sich ja den ORF insgesamt als Feindbild auserkoren. Im Speziellen attackieren rechte politische Kräfte Ö 1 als „Hort der Linken“..

Doch es entstehen Gegenbewegungen. Eine von ihnen ist die Initiative „Wir für den ORF“ (www.wirfuerdenorf.at). Und es wird sich zeigen, wie stark der ORF-interne Widerstand seitens der Redakteurssprecher*innen bzw. der gesamten Belegschaft sein wird. Denn es gilt, die weitere Zerlegung des nicht nur wegen der unverzichtbaren Ö 1-Journale auch demokratiepolitisch wichtigen Senders abzuwenden. Wenn es dafür noch nicht zu spät ist..

Eine befürchtete Neuauflage der türkis-blauen Koalition nach der NR-Wahl könnte den ORF empfindlich treffen. Die in diesem Fall wahrscheinliche Abschaffung der GIS-Gebühren könnte ohne ausreichende Ersatzfinanzierung die Existenz des gesamten Unternehmens gefährden. Eine Finanzierung aus dem Staatsbudget würde zudem den ORF in völlige Regierungsabhängigkeit bringen.

Eine derartige Entwicklung würde die verbriefte Unabhängigkeit der Berichterstattung und Wahrung der Eigenständigkeit der ORF-Journalist*innen extrem in Mitleidenschaft ziehen. Bei aller durchaus berechtigten Detailkritik ein Appell an die künftig Regierenden : Lasst den ORF in Ruhe.
Der Wert eines öffentlich-rechtlichen Mediums ist unabdingbar.

Grundsätzliches dazu auch in einem Gespräch zwischen Irmgard Griss und mir unter folgendem Link:

www.irmgardgriss.at/podcast/

Industriekultur im Burgund

Frankreich gilt als Kulturland und Burgund ist auch berühmt für Weine. Den historisch Interessierten erinnert es an die glückliche Heirat des Habsburgers Maximilian mit Maria von Burgund. Weniger bekannt ist Burgund in seiner Produktion von Stahl.Nicht zuletzt wir in Österreich blicken zusehr in Technikfragen auf Deutschland. Wegen dieser Besonderheit Burgunds erscheint dieser Beitrag im Blog der Medienkultur.

Hans Högl

Burgund ist seit gallischer Zeit ein Zentrum der Verarbeitung von Eisen. Die Zisterzienser in der Abtei Fontenay betrieben im 12./13.Jahrhundert die damals wohl größte Schmiede der Welt mit einem gewaltigen wassergetriebenen Hammer. 1782 wurde im Ort Le Creusot die Fonderie Royal eröffnet: Sie lieferte dem König, dann der Revolution Kanonen- und machte pleite.

1836 kauften die Brüder Schneider aus Lothringen die leer stehenden Industriegebäude und gründeten ihr Stahlimperium und produzierten Dampfturbinen, Dieselmotoren, Loks, Kriegsgeräte, Gleis. Es wurde Zentrum der französischen Stahlindustrie, ein französisches Pendant der Krupp und deren ernsthafte Konkurrenten und sie sprachen im antideutschen Klima ihren Namen bald lieber „Schneidre“ aus. Es belieferte Frankreich in beiden Weltkriegen mit schweren Waffen. Ein Steinkohlerevier um Monceau-les-Mines war für die Produktion von Stahl sehr wichtig.

In den 1950ern engagierte sich Firmenchef Charles Schneider im französischen Atomkraftwerkbau. 1970 fusionierten die Schneider-Werke mit einem anderen Stahlkocher, und diese meldeten 1984 Insolvenz an. Ganz Frankreich war erschüttert, Tausende arbeitslos, das Imperium zerstückelt. Übrig blieben Schneider-Electric und die Reaktorschmiede Creusot Forge.

In Creusot ist heute ein Museum Ecomusée de l`homme et de l`industrie. Der Schnellkochtopf von 1953 wurde zum Verkaufsschlager im französischen Wirtschaftswunder und wurde in der Nähe von Lyon erzeugt.

Diese Anregungen entnahm ich einem Reiseführer mit einer überraschend ansprechenden Gestaltung, nämlich einem neuen Baedeker(!): Burgund, Ostfildern 2019. 11. überarbeitete Auflage (p.26, 244). Dazu fehlen Informationen im Dumont Reise-Taschenbuch Burgund, Ostfildern 2017.

Handy schluckt Kreativität

Hans Högl

Ein Handy ist aus Sicht des deutschen Psychologen Christian Montag eine Art „ausgelagertes Gehirn“. Daher reagieren Menschen beim Verlust eines Handys panischer als bei dem eines Schlüssels. Neben den vielen hilfreichen Funktionen, die das Handy bietet, vergleichbar einem Schweizer Taschenmesser, hat dessen Nutzung auch Schattenseiten, heißt es im „Südkurier“ am 20.8.2019.

Viele nehmen es beinahe automatisch zur Hand, sobald sie einen zeitlichen Leerlauf haben oder warten müssen. Damit nimmt die Zeit, in der wir über unseren Alltag reflektieren, ständig ab. Das ist bedauerlich, denn Studien hätten gezeigt, dass es die Kreativität unterstütze, den Gedanken nachzuhängen.

Neue Gefahr für den ORF nach der Wahl ?

Die künftige Regierung wird u.a. ein neues ORF-Gesetz auf den Weg bringen. Dabei ginge es darum, die Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu wahren. Eine Garantie dafür gibt es nicht.

Udo Bachmair

Der Druck auf unabhängige ORF-Journalist_innen ist nach dem Aus für die ÖVP/FPÖ-Koalition zurzeit kein Thema mehr. Die Causa ORF bleibt dennoch aktuell. Die Novellierung des ORF-Gesetzes steht ante portas und das hieße im Falle einer Neuauflage dieser Regierungskonstellation für das Unternehmen kaum Gutes. Darüber sind sich alle namhaften Medienexperten einig.

Sollte die vom Parlament abgewählte Koalition erneut ans Ruder kommen, bestünde abermals Gefahr in Verzug für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, dessen demokratiepolitischer Wert nicht hoch eingeschätzt werden kann. Der ORF würde nach Abschaffung der GIS-Gebühren finanziell und machtpolitisch spürbar in die Mangel genommen werden.

Hellhörig macht vor diesem Hintergrund eine Äußerung des wieder genesenen streitbaren ORF-Stiftungsratsvorsitzenden Norbert Steger. Der FPÖ-Mann bestätigt gegenüber dem Kurier, dass Ex-Kanzler Kurz das Ende der Gebührenfinanzierung nur vorläufig abgelehnt habe : „Der Kanzler hat gesagt: 2021/22 können wir darüber reden“.

Unterdessen werden Überlegungen kolportiert, dass im künftigen ORF-Gesetz die Zahl der öffentlich-rechtlichen Kanäle nicht mehr festgelegt werden. Das würde grundsätzlich den Verkauf von Programmen erleichtern, vermutet Harald Fidler im Standard. Das wiederum nährt Gerüchte, dass etwa ORF 1 an Fellner oder an die Krone verkauft werden könnte. Oder an eine Oligarchin..

Österreichische Normalität

Deutliche Worte findet Nikolaus Bachler, Österreichs international erfolgreichster Kulturmanager. Er sieht die westliche Gesellschaft in einer Grundkrise, deren negative Erscheinungen, wie die Anfälligkeit für Populismus, hierzulande als normaler als anderswo gesehen werden.

Udo Bachmair

„Wenn Gesellschaften wie die westlichen über Jahrzehnte hinweg einen einzigen Inhalt haben, nämlich den Materialismus, werden sie früher oder später daran zugrunde gehen“. Ein keineswegs optimistischer Befund von Nikolaus Bachler kürzlich im Kurier. In Frankreich, in Deutschland kämpfe man viel mehr mit diesen Entwicklungen als in Österreich. Denn:

„In Österreich gibt es faschistoides Liederbuch – alles normal. Interviews eines Vizekanzlers, die jeder Beschreibung spotten-alles normal. Dass irgendwelche verdächtige Daten aus dem Kanzleramt geschreddert werden-alles normal. Niemand regt sich darüber auf. Niemand fragt sich noch : Was wurde im Ibiza-Video gezeigt ? Was hat das für eine moralische Grundlage ?
Diese Art der Normalität finde ich in meinem Heimatland besonders gefährlich. Da müssten die Alarmglocken läuten“.

Der Kulturmanager mit eminent politischem Kopf fragt sich weiter, ob es normal sei, dass ein 32-jähriger Mann, der außer Medien- und Parteiarbeit und Marketing keine Lebenserfahrung habe, als Heilsbringer einer Regierung dastehe. Interessant in diesem Zusammenhang erscheint jedoch, dass der erwähnte junge Mann, der erneut Regierungschef werden wird, auch in Deutschland als populär gilt. So groß dürfte der Unterschied zwischen Deutschland und Österreich also doch nicht sein..

Diktatur-Gerede in der „Kronen-Zeitung“

Leben wir denn in einer Diktatur? So äußern sich fallweise Leserbriefe im Boulevard. Was Diktatur ist, wird an einem Exempel des Nazismus dargestellt.

Hans Högl

Der folgende Bericht eines Zeitzeugen demonstriert, was Diktatur in der Zeit des Nationalsozialismus bedeutet hat. Kleinste Vergehen zogen massive Strafen nach sich. Davon kann in heutigen Demokratien keine Rede sein.

Mein 85-jähriger Bruder war Schulfreund von Anton („Toni“) Göschlbauer aus Asperhofen. Toni war bei Brand-Laaben im westlichen Wienerwald verheiratet. Er ist schon lange verstorben. Mein Bruder erfuhr erst bei Tonis 70. Geburtstag Folgendes aus der Zeit des Nationalsozialismus. Es ereignete sich in Asperhofen bei Neulengbach, Nieder-Österreich, etwa 40 km westlich von Wien. Jeder Bub musste bei der Hitlerjugend (HJ) teilnehmen. Toni fehlte einige Male. Da wurde er zur Rede gestellt, musste als Bub offiziell auf dem Gemeindeamt in Asperhofen erscheinen und einen Lebenslauf von Adolf Hitler schreiben. Dann ermahnte ihn der Ortsgendarm mit Namen R., künftig zu 100 % bei den Treffen der HJ teilzunehmen. Wenn er noch einmal fehlt, wird sein Vater zum Militär in den Krieg eingezogen. Der Gendarm R. hat nach 1945 den Ort verlassen…

Dies ist ein glaubwürdiges Zeugnis aus der Zeit des Nazismus. Ich fasse es nicht, dass ich dann und wann im Massenblatt bei der Leserbriefseite der “ Krone“ den Satz las: „Wir sind ja in einer Diktatur. Die EU ist eine Diktatur!“ Wie ist es möglich ist, dass Menschen heute Derartiges schreiben! Reichen Ihre Kenntnisse nur soweit, dass das Wort Demokratie Volksherrschaft heißt? Haben denn nur Schweizer Demokratie? Gibt es nicht auch legitimerweise repräsentative und präsidiale Demokratie? In den genannten Demokratiemodellen herrscht im Prinzip Rechtsstaatlichkeit. Bei den angeführten Leserbriefschreibern und nicht nur bei ihnen fehlt es fundamental an politischer Bildung.Und vielleicht ist es doch gut, dass in der vielgelesenen Leserbrief-Rubrik der „Krone“ mit dem Titel „Das freie Wort“ solche Äußerungen getroffen werden dürfen. So ist ersichtlich, wie Menschen wirklich denken.

Atomunfall und Angst

Hans Högl

Das weitverbreitete und vielgelesene Gratisblatt „Heute“ in Wien hat den fragwürdigen Anspruch, Fahrgästen in öffentlichen Verkehrsmitteln schon in der Früh auf dem Weg in die Arbeit oder Schule zu ermöglichen, in zwanzig Minuten die wichtigsten Ereignisse zu erfahren.

Dieses Gratisblatt „Heute“, verfügbar an unzähligen Haltestellen im Wiener Verkehrsnetz, brachte am Dienstag, den 30. Juli unter der Rubrik „Welt heute“ S. 2 folgende Kurzinformation mit insgesamt sechs knappen Zeilen:

TITEL fettgedruckt: Russische Atomfabrik verseuchte Europa. Daran schließen sich knappe 4 angsterregende Zeilen: „Jetzt bewiesen: Im Herbst 2017 entwich eine radioaktive Wolke aus der Fabrik Majak im Ural und zog über Europa.“

Wer nur diese 4 Zeilen und den Titel gelesen und einigermaßen ernst genommen hat – wird darüber kurz sehr erschrocken sein.

Schon am Sonntag – zwei Tage zuvor – berichtete (neben anderen Medien) auch die bürgerliche, angesehene „Presse am Sonntag“ am 28. Juli davon, allerdings auf 3 langen Spalten mit insgesamt 160 Zeilen und zwei Graphiken und drei großen Titelzeilen darüber.

Die Schlagzeile des „Presse“-Beitrages macht ebenfalls Angst: Sie lautet in fetten großen Lettern:

Der verleugnete Atomunfall. Der Untertitel lautet: „Im Herbst 2017 reiste eine radioaktive Wolke über Europa, die offensichtlich aus dem Ural kam. Nun können Physiker ihre Entstehung erklären.“

Immerhin in zweiten und dritten Absatz relativiert die „Presse“ die Dramatik dieses Vorfalles: Zwar wird die radioaktive Wolke bestätigt – mit „176 Millibecquerel pro Quadratmeter Luft“. (Es müsste wohl richtiger heißen: pro Kubikmeter Luft). Doch dann erfährt das Lesepublikum Entwarnung:

„Das ist wirklich nicht viel, nach Tschernobyl wurden in Österreich in der Luft“ ….“fast 60 Mal so viel gemessen“. Und darunter folgt der Untertitel fettgeschrieben: „Kein Reaktorunfall“. Und es folgt eine ausführliche Erklärung, dass der radioaktive Ausfall von einer Wiederaufbereitungsanlage stammt.

Wir wollen dieses Ereignis und andere echte Katastrophen nicht verniedlichen. Vor allem wurde hierbei die Weltöffentlichkeit nicht informiert. Doch was folgt aus der Perspektive der Medienkultur. Je kürzer der Beitrag ist, desto angsteinflößender wirkt er wahrscheinlich und potentiell auf das Publikum. Auch der Titel des „Presse“-Beitrages ist aufs Erste angsteinflößend. Doch wer weiter liest, erfährt doch eine beträchtliche Entwarnung.

Tatsache ist, dass Medien sehr viel mehr Aufmerksamkeit gewinnen, wenn sie Angst produzieren und dann steigen ihre Profitchancen. So neu ist das nicht! Dieses Beispiel soll ein Beleg dafür sein und es erneut ins Bewusstsein rufen. Aus der Kommunikationswissenschaft ist Folgendes bekannt: In breitesten Kreise ist insgesamt ein sehr hohes allgemeines Angstniveau gegeben -ob legitim oder auch weniger berechtigt- sei dahingestellt.
Dieses hohe Anstniveau sucht unbewusst nach Bestätigung und findet dies in angsterregenden Informationen. Dem kommen Medien gern nach. Denn Beruhigung von ihnen ist fast nie zu erwarten. Tatsache ist, dass Medien sehr viel mehr Aufmerksamkeit gewinnen, wenn sie Angst produzieren und dann steigen ihre Profitchancen. So neu ist das nicht! Dieses Beispiel soll ein Beleg dafür sein und es erneut ins Bewusstsein rufen.

Aus der Kommunikationswissenschaft ist Folgendes bekannt: In breitesten Kreise ist insgesamt ein sehr hohes allgemeines Angstniveau gegeben -ob legitim oder auch weniger berechtigt- sei dahingestellt.
Dieses hohe Anstniveau sucht unbewusst nach Bestätigung und findet dies in angsterregenden Informationen. Dem kommen Medien gern nach. Denn Beruhigung von ihnen ist fast nie zu erwarten.

Es sei auch ergänzt, dass Originalbeiträge von Forschern zuerst in Fachorganen erscheinen. Diese werden dann verkürzt und nicht selten zugespitzt von den Forscher selbst oder von Pressestellen weitergemeldet. Und auf diese -und nicht auf den Originalartikel- greifen Journalisten zu, die von diesen diversesten Sachverhalten keine Kenntnis haben und nicht haben können. Und im besten Fall interviewen sie dazu den Wissenschafter, der nicht selten auch geneigt ist, die Ergebnisse zuzuspitzen, um Aufmerksamkeit zu wecken….Auch Forschung möchte finanziert werden…

Kämpfer für einen starken ORF

Der frühere ORF-Generalintendant Gerhard Weis ist tot. ORF-General Wrabetz würdigt ihn als „großen Architekten eines modernen ORF“. Auch weitere (bisher unveröffentlichte) Reaktionen sind positiv. Manche von ihnen wertet sein Sohn Florian allerdings als „ekelerregende Heuchelei“.

Udo Bachmair

Er war der letzte Generalintendant des ORF. Die weiteren ORF-Chefs waren dann „nur noch“ Generaldirektoren. Gerhard Weis gilt tatsächlich noch als Großer des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, gleichsam als Urgestein. Seine Überzeugung, unser Land würde einen starken ORF brauchen, war sozusagen in Stein gemeißelt.

Für die erste schwarz-blaue Regierung zu Beginn dieses Jahrhunderts wurde Gerhard Weis jedoch zunehmend zum „roten Tuch“. Seine soziale Kompetenz und Liberalität passten offenbar nicht so recht ins Kalkül der damaligen Regierung Schüssel. Diese installierte daraufhin die regierungsnahe Monika Lindner als ORF-Generaldirektorin.

Mich als langjährigen ORF-Redakteur und Moderator verbinden mit Gerhard Weis eher positive Erinnerungen. Ähnlich die Bilanz meines Kollegen und Freundes Adalbert Krims. Als früherer Betriebsratsobmann von Radio Österreich International, das die damalige Regierung nicht mehr weiterfinanzierte, erinnert sich Krims an das besondere Bemühen von Weis um einen Sozialplan :

„Es ist tatsächlich gelungen, dass es praktisch für ALLE MitarbeiterInnen Lösungen gab – einige konnten im „Rest-ROI“ bleiben (dessen Finanzierung der ORF übernahm), die meisten wurden in anderen Bereichen des ORF weiterbeschäftigt. Es war für mich beeindruckend, wie sehr sich der Generalintendant persönlich um jeden einzelnen Mitarbeiter kümmerte!“

Der Sohn des Verstorbenen, Florian Weis, wendet sich auf Facebook gegen Heuchelei jener Parteien, die seinen Vater als ORF-General „eiskalt abmontiert“ haben :

„Liebe FPÖ und liebe ÖVP – wenn ich von Euch noch eine einzige Kondolenz zum Ableben meines Vaters lese, muss ich mich übergeben. Den angeblichen „großen Medienmanager“ (Zitat: Norbert Hofer) und die „starke Stimme des öffentlichen Rundfunks“ (Zitat: Gernot Blümel) habt ihr gemeinsam eiskalt abmontiert. Ihr habt extra ein neues Gesetz beschlossen um die Amtszeit meines Vaters frühzeitig zu beenden und ihn durch Monika Lindner ersetzen zu können. Weil mein Vater für etwas stand, das ihr nicht wolltet. Bitte nicht falsch verstehen: ich weiß wie Politik und Medienarbeit funktionieren. Aber Eure tiefe Betroffenheit, weil er ja angeblich so ein toller ORF Chef war, ist nicht nur ekelerregende Heuchelei, sondern pietätslos meiner gesamten Familie gegenüber. Manchmal wäre es vielleicht besser einfach zu schweigen. Danke.“