Archiv der Kategorie: Medienkritik

Globale Themen als Kurz-Infos. Medientipp

Wie finden Interessierte verlässliche Kurz-Infos über globale Themen – und nicht nur dann, wenn ein Konflikt ausbricht (vgl. Libanon)

Hans Högl

Der deutsch-französische Kultursender ARTE bringt die je 10-minütige exzellente Kurzsendung „OFFENE GRENZEN„. Einige Themen als Beispiele:

Chinas Machtinteressen im Westpazifik/ Japan-Rückkehr ins Zentrum?/ Geopolitik im Cyberspace/ Künstliche Intelligenz als neues Machtinstrument?/ Singapur- Modellstaat?/ Kann Großbritannien auf den Commonwealth setzten?/ Ernährung: Globalisierung auf unseren Tellern/ Wer beherrscht den Weltraum?/ Migration in Afrika/Epidemien im Laufe der Geschichte…..

Wer diese Sendungen programmiert, verfügt über gute Übersichten.

Medien als Nachtwächter. Libanon als Exempel

Hans Högl

Nachtwächter hatten die Aufgabe, auf direkt gefährliche Situationen hinzuweisen und die Menschen in der Stadt zu schützen.

Können wir die Aufgabe der Nachtwächter nicht im gewissen Sinn mit unseren Massenmedien vergleichen?
Nun überstürzen sie sich und wissen soviel über die Misswirtschaft und Korruption im Libanon. So Vieles schreiben und zeigen sie, was sich längst an internen Problemen angebahnt hatte. Jetzt sind sie präsent, da es die furchtbare Explosion gab. Nun bringen sie die Proteste und malen uns aus, was da alles schon in der Regierung schiefgelaufen ist. Warum immer erst dann, wenn es brennt und wenn etwas explodiert? Es geht auch um uns Zuschauer und Medienkonsumenten. Wenn es kracht, dann interessiert es uns.

I-Phone als Evangelium

Hans Högl

Beobachtung an einem Badetag am Ödensee zwischen Bad Aussee und Bad Mitterndorf in der Obersteiermark. Der Ödensee ist ein Geheimtipp – von Wald umgeben, und in der Regel ist das Wasser etwas kühler als zum Beispiel im Grundlsee.

Ich flaniere einen Gehweg den See entlang und sehe vier Leute unten am Wasser sitzen. Drei von vier nützen gerade ihr Mobilphone und suchen darin. Was denn wohl? Die Wettervoraussage, SMS, E-Mails, Kurzinfos und eine Frau gefällt sich immer wieder im Selfie. Für diese Allpräsenz von Handys fällt mir ein Vergleich aus längst vergangenen Zeiten ein, als man Bibelstellen aufschlug, um eine Botschaft zu empfangen. Die eben erlebte Situation lässt sich beliebig vervielfachen. Vor Jahrhunderten war es das Evangelium, das man andächtig las. Lang ist’s her.

Gibt es das- „Der Spiegel“ mit Positivnachrichten?

Hans Högl. Buchrezension

Auf allen Kanälen erreichen uns Bilder und Nachrichten aus einer Welt, die aus den Fugen zu geraten scheint. Diverse Medien umstellen die Öffentlichkeit fast lückenlos mit schlechten Nachrichten. Kein Wunder, dass die Menschen Angst vor der Zukunft haben.

Aber diese Perspektive offenbart nur einen Teil der Wirklichkeit. Sie beschränkt sich darauf, was schief geht. Und das sehr kritische Magazin „Der Spiegel“ fragt: Wie war das vor zehn, vor 50 Jahren?

Und so handelt das SPIEGEL-BUCH „Früher war alles schlechter“ von langfristigen Fortschritten der Menschen und stellt dies in kurzen Texten und illustrativen Graphiken dar.

Die im Buch erörterten Themen, in denen sich die Welt verbesserte, sind z.B.: Meerwasserentsalzung, Sauberes Wasser weltweit und sanitäre Anlagen, Müttersterblichkeit, Wohlstand in China, Schusswaffenkriminalität, Zugang zu Elektrizität, Jugend und Alkohol. Insgesamt werden in einem Band 63 Themen erörtert. Es lohnt sich, das Buch zu lesen.

Menschlichkeit.TV-Sendung nach Mitternacht

Film über Bertha von Suttner, der Friedenskämpferin, wird von ORF 2 zwanzig Minuten nach Mitternacht gebracht. Um 0:20 vom 30.Juli auf 31. Juli. Seltsames Programm!

Hans Högl

NB. Auch die ORF-Antwort unten lesen!

Bertha von Suttner kämpfte dafür, dass der 1.Weltkrieg nicht zustande kam. Es
gab Zeitungen, die den Krieg schürten. Und da positioniert der Unterhaltungschef von ORF 2 den Film „Eine Liebe für den Frieden- Bertha von Suttner und Alfred Nobel“ auf die Spätmitternacht. Ein unglaublicher Affront eines Mediums, das vorgibt, so menschlich und aufklärerisch zu sein.

Diese kritische Notiz sandte ich an den Chef der ORF-Unterhaltung und erhielt eine wichtige Korrektur. Es ist also nicht so, dass der ORF auf Stellungnahmen nicht reagiert. Wichtig ist es, Redakteure namentlich anzuschreiben. Die Antwort lautete:

Sg. Herr Dr. Högl, herzlichen Dank für Ihre Vorab-Nachricht. Der Film kommt seit der Erstausstrahlung im Dezember 2014 am kommenden Donnerstag zum bereits 7. Mal zum Einsatz. Er läuft somit jedes Jahr – zu unterschiedlichen Sendezeiten.

ORF2 bisher:
8.12.2014/20:15
6.3.2016/14:35
8.3.2018/00:06
18.3.2019/23:57
26.10.2019/00:11
25.12.2019/09:07

Unser Publikum hat somit die Möglichkeit diesen Film zu unterschiedlichen Zeiten sehen zu können.Während die Premiere im Hauptabend erfolgt ist, sind die weiteren Einsätze am Nachmittag, oder programmlich abgestimmt auf ein vorangesetztes Programm programmiert gewesen. So auch am kommenden Donnerstag – an dem Barbara Stöckl die beiden Schauspieler Klaus Maria Brandauer und Philipp Hochmair als Gäste in ihrer Sendung begrüßt. Auf Grund des großen Publikumsinteresses an dieser, im Dezember 2019 ausgestrahlten Sendung, bieten wir sie im Sommer unserem Publikum erneut an. Passend danach zeigen wir den Film, in dem Philipp Hochmair in einer Hauptrolle Arthur von Suttner verkörpert..
Zudem bieten wir den Film am Fr, 21.8. um 20:15 Uhr auf unserem – gemeinsam mit ARD, ZDF & SRF geführten – Kultursender 3SAT an.

Mit freundlichen Grüßen, Alexander Hofer

Malaria-Todesfälle halbiert

Selten erfahren wir in Medien von positiven Entwicklungen. Hier ein Exempel, was den erfolgreichen Kampf gegen Malaria betrifft.

Hans Högl

Anopheles-Mücken sind die Überträger des Malaria-Erregers. Acht US-Präsidenten, vier Päpste und vermutlich Alexander der Große und Mohammed haben sie infiziert. Die Sachbuchautorin Sonia Shah schätzt, dass jeder zweite Mensch seit der Steinzeit durch Malaria gestorben ist. „Das wären dann 50 Milliarden Menschen“, schreib das Spiegel-Buch „Früher war alles schlechter“.
2015 starben fast 300.000 afrikanische Kinder vor ihrem fünften Geburtstag an Malaria. Im 21. Jahrhundert hat sich die geschätzte Zahl von 800.000 im JAHR AUF 400.000 HALBIERT. Der Grund dafür war kein genialer Impfstoff, den es leider noch nicht gibt (Text 2018), sondern ganz banal: chemisch behandelte Moskitonetze millionenfach verteilt.

Hoffen auf Impfstoff gegen den Corona-Virus?

Der Ebola-Virus wurde besiegt. Also hoffen wir, dass es auch mit dem Corona-Virus gelingt. Diese Hoffnung macht uns der bekannt kritische Spiegel-Verlag.

Hans Högl

Die Epidemie des Ebola-Virus in Westafrika wurde 2016 offiziell für beendet erklärt.Dem Ausbruch fielen 2014 und 2015 rund 11.300 Menschen zum Opfer, fast alle in Afrika. Im Dezember 2016 wurde bekannt, dass ein wirksamer Impfstoff gefunden wurde. Besonders ausgezeichnet hatte sich der belgische Mediziner Peter Piot, der in London tätig war und dann von der Queen zum Ritter geschlagen wurde. Es zeigte sich, dass die Entwicklung eines Impfstoffes für eine seltene Krankheit in armen Ländern auch für die Pharmaindustrie attraktiv sein kann.

Diese Aussage findet sich auf S. 30 des Spiegel-Buches mit dem Titel „Früher war alles schlechter. Neue Fakten, warum es uns trotz Kriegen, Krankheiten und Katastrophen besser geht“. Der Autor heißt Guido Mingels.

Betriebsräte seien für Werksvertrags-Arbeiter bei Tönnies nicht zuständig

Hans Högl: Medien berichten dann, „wenn es brennt“, also viel zu spät. Schon 2007 waren Skandale in der Tönnies-Fleischfabrik bekannt. Nichts geschah bis zur Corona-Krise. Die Aufklärungsfunktion von Medien ist relativ, wenn Ereignisse nicht besonders auffallen.

Der „Falter“ (Nr 27/2020) brachte den Beitrag „Von Sklaven und Schweinen“. Die Reporterinnen des „Falters“ berichten von einem Rumänen der „14 Stunden das Stück hackelt“. Aber die Tönnies-Betriebsräte seien für Werkvertrags-Arbeiter nicht zuständig!, heißt es in einem kurzen Satz im „Falter“. Nun-dann gute Nacht ihre Betriebsräte und Gewerkschaft, wenn Ihr den Sinn Eures Auftrages so auffasst. Die Arbeiterführer des 19.Jahrhunderts drehen sich im Grabe um.

Schon 2007 nannte der deutsche Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium Gerd Andres das Unternehmen Tönnies als Beispiel für unhaltbare Zustände in der Fleischindustrie, und er verwies auf 2000 osteuropäische Mitarbeiter.(Quelle Wikipedia).

In der Ems hinter der Kläranlage Rheda-Wiedenbrück wurde 2019 an zwei Stellen eine hohe Belastung mit multiresistenten, selbst gegen Reserveantibiotika gefeiten Bakterien nachgewiesen und ein Zusammenhang mit Tönnies-Abwasser vermutet (Wikipedia). Dass das Grundwasser im Raum der Tönnies-Betriebe relativ belastet wäre, darauf weist der obige Hinweis von 2019 hin. Aber dies würde in deutschen Medien gegenwärtig nicht thematisiert, erfuhren wir.

Prekäre Situation in Italien

Hans Högl-Blick auf Italiens Innen-Probleme; denn meist ist die Perspektive in Berichten jene vom eigenen Landes auf das andere.

Familiengründung als Mutprobe: Die kinderreiche Großfamilie ist einer der Mythen, die sich um Italien ranken. Mit der Realität hat dieses Bild heute wenig zu tun. Italien steckt in einer Geburtenkrise, wie es sie in keinem anderen Land Europas gibt. Viele der 20- bis 40-Jährigen leben in prekären Verhältnissen. Eine Familie zu gründen, können sie sich schlichtweg nicht leisten.

Welche Zukunft für ORF 1 ?

ORF 1 ist jener ORF-Sender, der nur in geringem Ausmaß dem öffentlich-rechtlichen Auftrag entspricht. Neue interessante Vorschläge könnten ihm eine letztlich doch gute Zukunft sichern.

Udo Bachmair

Zu Zeiten des ORF-Generalintendanten Gerhard Zeiler ist ORF 1 zu einem gleichsam kommerziellen Sender geworden. Als Abspielkanal für täglich gleich mehrere US-Filme war er somit kaum mehr von privater, rein profitorientierter TV-Konkurrenz unterscheidbar. In diesem Zusammenhang stellten schon damals manche die Berechtigung für ORF-Gebühren in Frage.

In den vergangenen Jahren hat sich manches gebessert, hat die Programmierung von ORF 1 wieder mehr öffentlich-rechtliche Anteile aufgewiesen. Zu nennen seien da etwa attraktive ORF 1-Eigenproduktionen, wie Dok.Eins oder Willkommen Österreich. Und dennoch: Es fehlt ORF 1 an nötigen Innovationen und Visionen, um auch für die Zukunft gewappnet zu sein.

Interessante Vorschläge zur Rettung von ORF 1 kommen von Golli Marboe, TV- und Filmproduzent und von den NEOS in den ORF-Publikumsrat entsandt. Dem Medienexperten zufolge sollte ORF 1 auf völlig neue Beine gestellt werden. Als „ein Grenzen überschreitendes mitteleuropäisches Programm“, wie Marboe in einem Gastkommentar für die Tageszeitung Der Standard vorschlägt.

Der Autor wünscht sich eine Neugründung von ORF 1, „einen Sender, der aus Dokus, Reportagen und mittelfristig auch aus fiktionalen Programmen besteht, die nicht aus Amerika kommen, sondern die Österreich und Mitteleuropa ins Zentrum der Berichterstattung rücken“. Es sollten Inhalte vermittelt werden, die „Nachbarn zu einer Gemeinschaft werden lassen“.

Marboe schwebt in seiner „europäischen Vision für ORF 1“ ein Projekt zusammen mit den öffentlich-rechtlichen Sendern der Nachbarn vor. Ein Projekt, das „selbstredend auch als Online-Plattform stattfinden müsste“. Überlegenswert, wenngleich umstritten, wäre zudem die Idee, die unzähligen Sportübertragungen von ORF 1 künftig dem Spartenkanal ORF-Sport-Plus zu überlassen.