Archiv für den Monat: Oktober 2021

Plagiate in Medien

Feine Plagiate in Medien: Das Radio- Ö1- Mittagsjournal kupfert ein Thema des „Spiegels“ ab.

Hans Högl

Es ist schon etwas irritierend, wenn Medien selber das tun, was sie anderswo anprangern, nämlich Plagiate in der Wissenschaft.

Das deutsche Magazin „Der Spiegel“ griff in der letzten Nummer das Thema Drogen und die Mafia in den Niederlanden sehr breit auf. Heute Montag gab es das ähnliche Thema im Ö1- Mittagsjournal. Hier fiel kein Wort darüber, dass der „Spiegel“ das Thema einige Tage vorher zum Schwerpunktthema gemacht hatte. Als wäre das nicht bekannt gewesen. Man erzähle mir nicht, dass dies alles nur Zufall ist.

Gefügig durch Inseratenkorruption ?

Der Versuch von Regierenden, Medien zu beeinflussen, um sie u.a. mittels Inseraten gefügig zu machen, hat in der jüngsten Debatte eine neue Dimension erreicht.

Udo Bachmair

„Inseratenkorruption“ lautet ein Schlagwort rund um die Vorwürfe gegen Ex-Kanzler Kurz und seine „Prätorianer“ (Kurier). Es war doch schon immer so in unserem Lande. Ja, sagen Politexperten, doch die Qualität sei nun doch eine erschreckend neue. Da habe sich eine junge machttrunkene Truppe angeschickt, nicht nur gegen den eigenen Parteichef zu putschen („alte Deppen“ laut SMS des Kurz-Intimus Thomas Schmid), sondern auch mit fragwürdigen Methoden die Macht im ganzen Land zu erobern. Mit frisierten und aus Steuergeld finanzierten Meinungsumfragen sowie mittels besonders gehäufter Schaltungen von Inseraten in der Kurz-ergebenen Fellner’schen Gratispostille „Österreich“.

In einer Veranstaltung des Presseclubs Concordia gestern Abend in Wien sind die Themen Inserate und Presseförderung erneut zur Sprache gekommen. Eine Diskussion, die nun, nach den unsäglichen Entwicklungen rund um versuchten Medienkauf durch die größere Regierungspartei neu Fahrt aufgenommen hat. Die ÖVP habe laut ORF-Insidern immer wieder probiert, auch in ORF-Redaktionen „hineinzuregieren“. Der Verleger Eugen Russ ( Vorarlberger Nachrichten ) kritisiert, dass Presseförderung hierzulande nach Gutsherrenart erfolge und nicht nach demokratischen Grundsätzen. Jedenfalls bestehe Medienpolitik in Österreich nicht darin, Qualitätsjournalismus zu fördern, sondern Werbeträger.

Ähnlich Daniela Kraus, Generalsekretärin des Presseclubs. Sie hält die Regierungswerbung in der jetzigen Form für einen Systemfehler, der zur Korruption anrege, darüber hinaus wettbewerbsverzerrend und intransparent sei. Was tun ? Presseförderung müsse auf Qualitätsjournalismus abzielen. Kriterien müssten u.a. Qualitätssicherungsmechanismen in Redaktionen, Fehlermanagement und Weiterbildung sein. Besonders wichtig seien Sorgfalt und Einhaltung ethischer Grundregeln. Der Presseclub Concordia- Kooperationspartner der Vereinigung für Medienkultur- hat dazu ein eigenes profundes Konzept entwickelt.

Ebenfalls am Podium der erwähnten Diskussion war der Politikwissenschafter und Medienpolitik-Forscher Andy Kaltenbrunner. Er hat für eine umfassende Studie * erhoben, dass die Buchung von Inseraten oft sehr willkürlich erfolge, ohne klare Kommunikationsziele sowie mit bevorzugter Behandlung einzelner Medienhäuser, vor allem im Boulevard-Bereich. Die Inseratenbuchung könne bei Medien “Wohlwollen für persönliche Zwecke“ sichern, so heißt es übrigens in einem internen SMS des Finanzministeriums..

• Die Studie hat den Titel „Scheinbar intransparent“ – Inserate und Presseförderung der österreichischen Bundesregierung. Erschienen im Delta-Verlag.

WORLD PRESS PHOTO 21 und Fotos über Ischgl (Tirol)

Foto- Medientipps: Ausstellung World Press Photo 21 und Fotos aus Partytempeln der Skihochburg Ischgl

Hans H ö g l

Lois Hechenblaikner zeigt Fotos (und signiert Fotobücher) in der Galerie Westlicht am DIENSTAG, 19. OKTOBER, 19 UHR.

2020: Ganz Europa blickte nach Tirol, weil sich aus den Partytempeln der Skihochburgen das Virus rasant über den Kontinent verbreitete, da hatte Hechenblaikner das passende Fotobuch schon in der Schublade. Die schlicht „Ischgl“ genannte Publikation im Steidl-Verlag schlug ein wie eine Bombe.

Für die einen ist er ein Nestbeschmutzer, für die anderen gerade deshalb der „Thomas Bernhard der Fotografie“: Lois Hechenblaikner hält mit seinen Fotografien seit nunmehr 30 Jahren dem alpinen Massentourismus den Spiegel vor. Mit dem scharfen Blick eines Kulturanthropologen führt er uns durch den Amüsierbetrieb der Pisten und Skihütten, zeigt die ebenso enthemmte wie technisch hochgerüstete Après-Ski-Kultur und den Raubbau an der Bergwelt durch Speicherseen und Liftanlagen.

Lois Hechenblaikner ist Tiroler.Er kam als Autodidakt zur Fotografie. Seit den 1990er-Jahren beschäftigt er sich fotografisch mit der alpinen Tourismuswirtschaft und veröffentlicht dazu Fotoarbeiten und stellt sie international aus. Kostproben seiner Bonmots zum Thema Après-Ski: „Wie konnte es geschehen, dass aus ehemals ärmlichen Bergbauern hochprofitable Alkoholhändler geworden sind?“.-„Der deutsche Gast ist zumeist ein sehr kontrollierter Mensch, dem nimmt man das Geld nicht so einfach ab. Man muss ihn zuerst zwischen 0,7 und 1,2 Promille einstellen. Erst dann kann man ihn monetär abmelken“.

WORLD PRESS PHOTO 21

Bis 24.10. präsentiert die Galerie WestLicht in Wien Westbahnstraße die besten Pressefotografien des Jahres. Täglich 11–19 Uhr, donnerstags 11–21 Uh 15 Euro / 10 Euro ermäßigt.

Illiberale Demokratie ante portas ?

Wandelt Österreich in Richtung „Orbanismus“ ? In einem bemerkenswerten Interview für die jüngste Ausgabe der Zeitschrift „Österreichs Journalist:in“ ortet der einflussreiche Verleger Horst Pirker entsprechende Gefahren.

Udo Bachmair

Pirker spricht in dem Interview das aus, was kein großer Verleger vor ihm jemals so deutlich gesagt haben dürfte. Österreich sieht der erfahrene Medienmann auf dem Weg in eine illiberale Demokratie. Die Medien seien auf strategischen Irrwegen, viele davon komplett abhängig von der türkis eingefärbten Regierungspartei ÖVP. Pirker bezieht sich dabei unter anderem auf die riesigen Geldflüsse für Anzeigen und Regierungspropaganda. Details dazu werden demnächst in seinem neuen Buch aufgelistet.

Weitere Themen des ebenfalls dieser Tage erscheinenden Magazins „Österreichs Journalist:in“: Das Sesselrücken im ORF, Milliardeninvestitionen von Google und Facebook zur Beeinflussung von Medien, die Debatte um die Krise des Journalismus, das „Meinungsasyl“ auf Servus TV, Tipps zur Gründung von Medien-Start-ups u.v.a.m.. In eigener Sache wirbt der Herausgeber des renommierten Medienmagazins, Johann Oberauer, für die neue Website www.journalistin.at Diese informiert über aktuelle Jobangebote und wer gerade wohin wechselt.