Archiv der Kategorie: Medien und Bildung / Religion

Erlebnis der Vielfalt des Donauraumes

Existieren in Medien Staaten an der Donau – wie Bulgarien- nur dann, wenn es politischen Protest gibt? Die „Donau“-Ausstellung in der Schallaburg zeigt Wirtschaftliches, Kulturelles und Ökologisches, das wenig bekannt ist.

Hans Högl

Seit einer Woche existiert in den Medien sogar Bulgarien. Nun – da es Proteste gibt -über eine längst gegebene Unzufriedenheit. Bis vor Kurzen gab es kein Interesse an Berichten über Bulgarien und Rumänien. Das ist eigene Erfahrung.

Die Ausstellung „Donau. Menschen, Schätze & Kulturen“ in der Schallaburg bei Melk lenkt den Blick auf diesen großen Strom und auf zehn Anrainer-Länder mit sieben Sprachen. Wer weiß, dass auch die Ukraine und Moldawien Anteil an der Donau haben? Die Reise führt vom Donaudelta beginnend in zehn Ausstellungsetappen bis in die Wachau. Das wissenschaftliche Konzept stammt vom Byzantinisten Dominik Heher.

Über das Eiserne Tor hatte schon der römische Kaiser Trajan eine imposante Brücke bauen lassen. Heute ist dieses Nadelöhr entschärft durch ein E-Werk, und so können Fische vom Schwarzen Meer nicht mehr donauaufwärts schwimmen. Die bulgarischen Stadt Ruse bzw. Russe wird ausführlich dargestellt. Aus Ruse stammt Elias Canetti. Ein Bulgare war auch der „Verhüllungs“-Künstler Christo.

Am serbischen Donauufer wurden jungsteinzeitliche Funde von der Vinca-Kultur geortet. Vor mehr als 7.000 Jahren lebten hier Menschen, und die antike Kultur aus dem Orient gelangte donauaufwärts nach Westeuropa. Vertieft werden die geopolitischen Konflikte zwischen den Habsburgern und den Osmanen vom 16.-18. Jahrhundert.- Die Wasserstraße der Donau ist auch Quelle für Freizeit und Lebensraum für Tiere und Pflanzen.

Ich besuchte die Ausstellung vergangenen Donnerstag. Ein Bekannter warnte mich vor einem Massenandrang. Dem war nicht so. Die Ausstellung ist gut besucht, aber ich war mit nicht mehr als 3-5 Personen gleichzeitig in einem Raum.

Menschlichkeit.TV-Sendung nach Mitternacht

Film über Bertha von Suttner, der Friedenskämpferin, wird von ORF 2 zwanzig Minuten nach Mitternacht gebracht. Um 0:20 vom 30.Juli auf 31. Juli. Seltsames Programm!

Hans Högl

NB. Auch die ORF-Antwort unten lesen!

Bertha von Suttner kämpfte dafür, dass der 1.Weltkrieg nicht zustande kam. Es
gab Zeitungen, die den Krieg schürten. Und da positioniert der Unterhaltungschef von ORF 2 den Film „Eine Liebe für den Frieden- Bertha von Suttner und Alfred Nobel“ auf die Spätmitternacht. Ein unglaublicher Affront eines Mediums, das vorgibt, so menschlich und aufklärerisch zu sein.

Diese kritische Notiz sandte ich an den Chef der ORF-Unterhaltung und erhielt eine wichtige Korrektur. Es ist also nicht so, dass der ORF auf Stellungnahmen nicht reagiert. Wichtig ist es, Redakteure namentlich anzuschreiben. Die Antwort lautete:

Sg. Herr Dr. Högl, herzlichen Dank für Ihre Vorab-Nachricht. Der Film kommt seit der Erstausstrahlung im Dezember 2014 am kommenden Donnerstag zum bereits 7. Mal zum Einsatz. Er läuft somit jedes Jahr – zu unterschiedlichen Sendezeiten.

ORF2 bisher:
8.12.2014/20:15
6.3.2016/14:35
8.3.2018/00:06
18.3.2019/23:57
26.10.2019/00:11
25.12.2019/09:07

Unser Publikum hat somit die Möglichkeit diesen Film zu unterschiedlichen Zeiten sehen zu können.Während die Premiere im Hauptabend erfolgt ist, sind die weiteren Einsätze am Nachmittag, oder programmlich abgestimmt auf ein vorangesetztes Programm programmiert gewesen. So auch am kommenden Donnerstag – an dem Barbara Stöckl die beiden Schauspieler Klaus Maria Brandauer und Philipp Hochmair als Gäste in ihrer Sendung begrüßt. Auf Grund des großen Publikumsinteresses an dieser, im Dezember 2019 ausgestrahlten Sendung, bieten wir sie im Sommer unserem Publikum erneut an. Passend danach zeigen wir den Film, in dem Philipp Hochmair in einer Hauptrolle Arthur von Suttner verkörpert..
Zudem bieten wir den Film am Fr, 21.8. um 20:15 Uhr auf unserem – gemeinsam mit ARD, ZDF & SRF geführten – Kultursender 3SAT an.

Mit freundlichen Grüßen, Alexander Hofer

Welche Zukunft für ORF 1 ?

ORF 1 ist jener ORF-Sender, der nur in geringem Ausmaß dem öffentlich-rechtlichen Auftrag entspricht. Neue interessante Vorschläge könnten ihm eine letztlich doch gute Zukunft sichern.

Udo Bachmair

Zu Zeiten des ORF-Generalintendanten Gerhard Zeiler ist ORF 1 zu einem gleichsam kommerziellen Sender geworden. Als Abspielkanal für täglich gleich mehrere US-Filme war er somit kaum mehr von privater, rein profitorientierter TV-Konkurrenz unterscheidbar. In diesem Zusammenhang stellten schon damals manche die Berechtigung für ORF-Gebühren in Frage.

In den vergangenen Jahren hat sich manches gebessert, hat die Programmierung von ORF 1 wieder mehr öffentlich-rechtliche Anteile aufgewiesen. Zu nennen seien da etwa attraktive ORF 1-Eigenproduktionen, wie Dok.Eins oder Willkommen Österreich. Und dennoch: Es fehlt ORF 1 an nötigen Innovationen und Visionen, um auch für die Zukunft gewappnet zu sein.

Interessante Vorschläge zur Rettung von ORF 1 kommen von Golli Marboe, TV- und Filmproduzent und von den NEOS in den ORF-Publikumsrat entsandt. Dem Medienexperten zufolge sollte ORF 1 auf völlig neue Beine gestellt werden. Als „ein Grenzen überschreitendes mitteleuropäisches Programm“, wie Marboe in einem Gastkommentar für die Tageszeitung Der Standard vorschlägt.

Der Autor wünscht sich eine Neugründung von ORF 1, „einen Sender, der aus Dokus, Reportagen und mittelfristig auch aus fiktionalen Programmen besteht, die nicht aus Amerika kommen, sondern die Österreich und Mitteleuropa ins Zentrum der Berichterstattung rücken“. Es sollten Inhalte vermittelt werden, die „Nachbarn zu einer Gemeinschaft werden lassen“.

Marboe schwebt in seiner „europäischen Vision für ORF 1“ ein Projekt zusammen mit den öffentlich-rechtlichen Sendern der Nachbarn vor. Ein Projekt, das „selbstredend auch als Online-Plattform stattfinden müsste“. Überlegenswert, wenngleich umstritten, wäre zudem die Idee, die unzähligen Sportübertragungen von ORF 1 künftig dem Spartenkanal ORF-Sport-Plus zu überlassen.

Dramatisierende Journalisten, Aktivisten u. Politiker

Kommentar über Medien durch den Wissenschafter Hans Rosling im Buch „Factfulness“(2020). Wiedergabe des fast identischen Worlautes von Hans Högl (S. 304).

Journalisten, Aktivisten und Politiker sind auch nur Menschen. Sie erliegen wie wir alle einer dramatisierenden Weltsicht. Es ist nicht das Berufsverständnis des Journalismus und nicht das Interesse von Aktivisten und Politikern, die Welt so darzustellen, wie sie ist.

Sie werden stets darum konkurrieren,
unsere Aufmerksamkeit durch aufregende Geschichten und Dramatik zu gewinnen.

Sie werden sich immer eher darauf konzentrieren,
– was Ungewöhnliche ist als auf das Gewöhnliche,
– auf neue als auf die sich langsam verändernde Verhaltensmuster

Dies betrifft sogar die hochwertigsten Nachrichtenkanäle, so Hans Rosling. Die Ergebnisse der Statistikbehörden wären zwar korrekt, aber schlicht zu langweilig.

Manche Journalisten sind sich des Einflusses negativer Nachrichten bewusst sind und bemühen sich um konstruktive Nachrichten. Es bleibt abzuwarten, welche Folgen das hat. Erwarten wir nicht, dass sich Medien allzu weit in diese Richtung bewegen. Stattdessen müssen wir Verbraucher lernen, mit Nachrichten faktenbezogen umzugehen.

Publik-Forum: Kirchen-unabhängige Zeitschrift

Hans Högl: Tour d` horizon im Publik-Forum (Kurzrezension)

In der Regel erscheint die deutsche Zeitschrift „Publik-Forum“ 14-tägig. Sie versteht sich als kritisch-christlich-unabhängig. Sie wurde von einer Initiative von Christen und Christinnen gegründet -und zwar ökumenisch-überkonfessionell und unabhängig vom Amt der christlichen Kirchen und hebt öko-soziale und politische Aspekte hervor.Ein Merkmal ist, dass sie auf gelungene Beispiele und engagierte Personen hinweist, gut lesbar ist, gern Lebensgeschichtliches bringt, und sie kann nach üblicher Diktion als „progressiv“ eingestuft werden. Sie bietet kostenlose Testexemplare an: www.publik-forum.de/pfplus

Mit Bedacht ackerte ich die letzten Hefte von Publik-Forum durch: Erfreulich ist die Vielfalt an Beiträgen: das Leben Dalai Lamas (Nr.12), Beiträge über Ökologie, die Mut machen (Kohleausstieg in Deutschland, Aufwertung der Bahn in Österreich, das erstaunliche Bild von Bäumen auf Mailands Hochhäusern).

Die Worte über die Opfer-Attituden von Matthias Lohre treffen ins Volle (Nr.13), ebenso das Thema angeblicher Mikro-Aggression, wenn freundlich nach ethnischer Herkunft gefragt wird. Der kritische Beitrag über das „Das System des Fleischbarons“ Tönnies ist solide. Aber es fehlt der Bezug auf Sigmar Gabriel. Dies ist eine Lücke im Abschnitt „Personen und Konflikte“.

Publik-Forum

Turbo-Tourismus in Ischgl als Bildband

Der Corona-Virus griff von Ischgl bis nach Island über. Da durchbrachen Massenmedien ihre Abstinenz, kritisch über Ischgl zu berichten. Nun liegt der Fotoband „Ischgl“ vor. Davon bringt „Medienkultur“ eine fundiertere Rezension als sonst in Medien üblich.

Hans Högl: Rezension

Der „Standard“-Redakteur Stefan Gmünder geht im April 2020 mit dem Fotografen Hechenblaikner durch Ischgl und erlebt gespenstische Stille. Die Gesichter der Menschen sind verschlossen, es irrlichtert das Team eines TV-Senders herum und sucht nach Sensationen. Hechenblaikner wird um ein Interview gefragt, er lehnt ab.

„Journalisten, die für einen Tag anreisen, um auf der Jagd nach einer schnellen Geschichte nur das suchen, was sie bestätigt sehen wollen, sind ihm ein Gräuel. Dass es unter den Einheimischen schon lange Widerstand gegen Partyexzesse gibt, wird in solchen Storys ebenso wenig erwähnt, wie dass Ischgl versucht, mit erstklassigen Hotels und Gourmetlokalen entgegen zu steuern.“

Seit 26 Jahre dokumentiert Hechenblaikner, Tiroler aus dem Alpbachtal, was sich in Ischgl abspielt, dem hochalpinen Ballermann des Skitourismus. Seine Bilder zeigen die Entwicklung eines armen Bergbauerndorfes zu einem Brennpunkt von Turbotourismus. Zu Fotoausstellungen wird der Tiroler Hechenblaikner im Ausland, nicht in Tirol eingeladen.

Für den breitformatigen Fotoband traf Hechenblaikner eine Auswahl unter 9.000 Bildern. Sie zeigen eine unbeschreibliche Drastik von Suff und entgrenzt-blöden Späßen ohne Scham und Wahrung jeglicher öffentlicher Sitte und entspannten Hormonhaushalt. Den architektonischen Wirrwarr im „Lifestyle“-Ort Ischgl spart der Bildband aus. Auch andere Bildbände wie „Winterwonderland“ (2012), „Hinter den Bergen“(2015) erschienen im Göttinger Steidl Verlag.

Ein Vater berichtete uns, dass seine Tochter von einer großen deutschen Versicherungsgesellschaft mit einem Urlaub in Ischgl belohnt wurde. Sie verließ diesen Pfuhl schwer erkrankt und Corona-infiziert. Mit der Ischgl-Welt hatte die Versicherung 40 Mitarbeiter honoriert, einer davon ist gestorben.

Am Ende des Fotobandes sind 15 Pressetexte der Tiroler Landespolizei über Streitereien und Körperverletzungen in Ischgl abgedruckt. So stellte sich ein Gast zu später Stunde auf die Theke, der Kellner überreichte ihm einen brennenden Golfschläger zum Köpfen einer Champagnerflasche, wobei es zu einem Umfall kam.

Nicht nur Ischgl erweckt Nachdenken. Am 26. November 2008 wird von dicker Luft zwischen Salzburger Touristikern und der Kripo berichtet. Denn es wurden partyverlängernde Substanzen wie Kokain oder Ecstasy konsumiert. Die Daten belegen, dass die Wintersaison in Skigebieten auch drogenanfällig ist. Beim Après Ski wurden verbotene Substanzen, Cannabis bis Kokain unter die Partygäste gebracht- von wem auch immer. Vgl. die letzte Seite des Ischgl-Bildband und den „Standard“-Bericht vom 27. Nov. 2008.

ORF und Zacken der eigenen „Krone“

Hans Högl- Leserbrief nicht in der Printausgabe erschienen. Folgender Text -betreffend das Engagement der „Vereinigung für Medienkultur“ wurde angeblich aus Platzgründen in der Printausgabe der Wochenzeitung „Der Falter“ nicht veröffentlicht. Darum wird er hier wiedergegeben.

Betrifft: „Zeit am Schirm“ von B. Tóth, Falter 25/20

Zutreffend lobt Barbara Tóth den ORF in seinem Bemühen, Nachrichten in einfacher Sprache zu senden. Dazu eine Erfahrung: Ich löse fallweise in einem Lokal in Dornbach/Hernals Kreuzworträtsel in Tageszeitungen. Schon vor mir hat einer das Kreuzworträtsel ausgefüllt. Und da sehe ich leere Felder, wo nach ganz gewöhnlichen englischen Worten gefragt wird, die mein Vorgänger nicht wusste. Also: das Anliegen einfacher Nachrichten ist sehr wichtig.

Von Bekannten erfuhr ich Interessantes vom schwedischen Fernsehen, nämlich dass es Nachrichten in einfacher Sprache bietet. Viele ORF-Redakteure bekunden verbal ihren Einsatz für Migrationskreise. Da dachte ich, die schwedische Variante einfacher Sprache könnte der ORF aufgreifen. Ich teilte dies mehrmals dem ORF mit. Ich tat dies als Vizepräsident der „Vereinigung für Medienkultur“ mit Vereinssitz im Presseclub Concordia. Ich schrieb dies per Mail namentlich an den Chefredakteur der Wiener Redaktion der TV-Sendung „Bundesland heute“. Nach einiger Zeit lautete dessen Antwort: Er sei sehr skeptisch.

Ich ließ nicht locker. Mit Bekannten des Translations-Institutes (früher : „Dolmetschinstitut) suchte ich die Chefredakteurin der Sendung „Heimat fremde Heimat“ am Küniglberg auf, und wir hatten ein gutes, langes freundliches Gespräch. Doch wir erhielten keine weitere Nachricht über die Realisierung unseres Anliegens. Da schrieb ich noch einmal an eine kompetente ORF-Stelle mit der wortwörtlichen Formulierung „Nachrichten in einfacher Sprache“. Dies wurde an die Abteilung orf.news.at weitergeleitet. Diesen Briefwechsel kann ich lückenlos dokumentieren. (Siehe Blog: www.medienkultur.at 19.Nov. 2019, 2. Dez. 2019).

Wie bekannt, bringt nun der ORF Nachrichten in einfacher Sprache, lobt sich und wurde auf der Webseite einer Tageszeitung sehr gewürdigt. Kann nicht vom ORF erwartet werden, dass er die Erst-Initiative der „Vereinigung für Medienkultur“ irgendwann und – wo erwähnt oder dies zumindest uns mitteilt. In ähnlicher Weise regte ich an, dass der ORF nicht nur Kochkurse, sondern auch Sprachkurse anbietet, um Deutsch zu lernen, wie dies ja auch in Wiener Volkshochschulen passiert. Der ORF hätte hier die Chance, breite Kreise zu erreichen.
Hans Högl, Wien 17, Soziologe

Normales Leben im Fernsehen?

Hans Högl

Als kleine Bestätigung für die Kurzrezension des Buches von Hans Rosling „Factfullness“ bringe ich folgenden Text.

Im Fernseh-Sessel: Eine Hölle erleben. Nirgendwo ist die Normalität unheimlicher als in einer Fernsehsendung, die uns angeblich das normale Leben vorführt. Bei «Aktenzeichen XY» deutet schon ein Schatten auf grosses Unglück hin, und beim «Bergdoktor» haben immer mindestens drei Leute hohe Schulden oder Krebs. Oder beides.

Wanted: Die Werte der EU

Ein höchst lesenswertes Buch über Jean Asselborn, einen der profiliiertesten Politiker der EU, ist vor kurzem erschienen. Autorin der Biografie ist die renommierte Journalistin und EU-Expertin Margaretha Kopeinig.

Udo Bachmair

Jean Asselborn, langjähriger luxemburgischer Außenminister, hat schon längst weit über die Grenzen seines kleinen Landes hinaus Ansehen und Respekt erworben. Der Sozialdemokrat und glühende Anhänger einer solidarischen EU hat immer wieder mit politischer Weitsicht, inhaltlicher Substanz, sprachlicher Eloquenz und auch mit seinem Humor gepunktet. Zuletzt auch in einem vielbeachteten Gespräch in der ZIB 2 des ORF.

Nun also ist Asselborn und dessen vielfältiges Leben als Politiker und Mensch Gegenstand einer empfehlenswerten Biografie. Titel des Buches der bekannten EU-Expertin und früheren KURIER-Redakteurin Margaretha Kopeinig ist „Merde alors!“. Das heißt so viel wie „Scheiße noch mal…“ Mit diesem spontanen emotionalen Ausbruch hat Asselborn bei einer EU-Konferenz den italienischen Rechtspopulisten Matteo Salini wegen einer rassistischen Bemerkung zurechtgewiesen.

Bei der Buchpräsentation jüngst in Wien sparte Asselborn aber auch nicht mit Kritik an der EU. So bezeichnete er es als größte Wunde der Union, sich angesichts partikularer Interessen nicht auf eine gemeinsame Migrationspolitik einigen zu können. In dem Zusammenhang bekräftigte er sein Credo, dass die EU „Wertegemeinschaft und keine Interessensgemeinschaft“ sei bzw. sein sollte.

Die ablehnende Haltung von ÖVP-Kanzler Sebastian Kurz zum 750 Milliarden Wirtschaftsaufbauplan der EU bewertete Asselborn als nicht europäisch. Als ebenfalls die Werte der Europäischen Union missachtend sieht Asselborn den Egoismus der Nationalstaaten und die fehlende Humanität im Umgang mit Flüchtlingen.

Die Asselborn-Biografie ist im Czernin-Verlag erschienen und kostet 25 Euro.

Medien befeuern den Instinkt der Angst

Hans Högl: Rezension-1.Folge

Medien können der Versuchung nicht widerstehen, unseren Instinkt der Angst zu befeuern. Die größten Schlagzeilen sind jene, die mehr als e i n e Art von Angst auslösen.

Ängste, die einst zum Überleben unserer Vorfahren beitrugen, sorgen heute dafür, dass Journalisten nicht arbeitslos werden. Wir sollten die Schuld nicht bei den Journalisten suchen und auch nicht erwarten, dass sie sich ändern. Das Phänomen wird weniger von der „Medienlogik“ der Produzenten befeuert als von der Aufmerksamkeitslogik, die in den Köpfen der Medienkonsumenten vorherrscht, heißt es S. 133 in dem außerordentlich wichtigen Buch „Factfulness“ von Hans Rosling (Ullstein Buch, Preis: 16 €, mit Sachindex, 393 Seiten). Für Barack Obama bringt dieses Buch Hoffnung. Bill Gates sagte dazu: „Eines der wichtigsten Bücher, die ich je gelesen habe.“

Unsere Aufmerksamkeit lenken wir auf jene Informationen, die zu unseren dramatischen Instinkten passen und die Informationen ignorieren, die dies nicht tun. Kein Redakteur würde die Nachricht bringen: Malaria schwächt sich allmählich ab. Themen, die leicht unserem Wahrnehmungsfilter passen, sind: Erdbeben, Kriege, Flüchtlinge, Seuchen, Brände, Fluten, Haiangriffe, Terror.

Und Medien liefern dazu spektakuläre Storys. „Wenn wir nicht ganz genau aufpassen, fangen wir an zu glauben, dass das Ungewöhnliche das Normale und dies der Zustand der Welt sei“, schreibt der ungemein detailliert argumentierende schwedische Autor Hans Rosling (S. 130).

Zu viele Menschen haben ein völlig verzerrtes, meist allzu düsteres Bild von der Welt. Dies beeinflusst unser Denken und Handeln.