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Verrohende Politik nicht mehr hinnehmen

Es reicht ! Unter diesem Titel- groß herausgehoben und fettgedruckt- ist auf der Leserbriefseite der Kronen Zeitung eine überraschende Leserreaktion erschienen.

Udo Bachmair

Es geschehen noch Wunder. Konsument*innen der Leserbriefseite der Kronen Zeitung sind verblüfft. In einem gut platzierten Leserbrief übt dessen Verfasserin Maria Pötscher-Eidenberger massive grundsätzliche Kritik an der Politik der ÖVP-FPÖ-Koalition.

Der Brief beinhaltet nahezu all das, wogegen die „Krone“ vor allem in der emotional aufgeheizten Migrations-und Flüchtlingsfrage bisher angeschrieben hat. Die entsprechend einseitige Auswahl an Leserbriefen mit dem erklärten Feindbild Asylwerber war ja schon fast legendär.

Umso erstaunlicher, dass das über Jahre hindurch FPÖ- nahe Kleinformat, das mittlerweile fast täglich auch dem feschen jungen ÖVP-Kanzler huldigt, nun erstmals eine Leserreaktion abgedruckt hat, in der unverhohlen von „menschenverachtender Politik“ die Rede ist.

Hier der leicht gekürzte Leserbrief im Wortlaut:

„Tag für Tag macht unser Innenminister menschenverachtende Vorschläge, die vor Jahren noch undenkbar gewesen wären. Und Herr Kurz trägt das mit !

Diese Politiker sind keine besorgten Menschen; sie leben von der Sorge und müssen dieser Nahrung geben. Und dafür sind ihnen alle Mittel recht. So auch die 1.50-Euro-Aktion. Asylwerber tragen mittlerweile in vielen Gemeinden und Städten mit ihrer Arbeitskraft zum Gemeinwohl aller bei. Dies wird von der Bevölkerung geschätzt und führt dazu, dass sich die oftmals anfänglich ablehnende Stimmung diesen schutzbedürftigen Menschen gegenüber wandelt. Und das passt unserer Regierung offenbar nicht ins Konzept.

Mittlerweile gibt es viele Menschen, die diese verrohende Politik nicht mehr hinnehmen wollen. An alle, die in Zukunft in einer Demokratie aufwachen möchten: Seid initiativ, kraftvoll und friedvoll, es kann so nicht weitergehen! Es reicht!“
(Maria Pötscher-Eidenberger)

Extra-Unterricht für Flüchtlingskinder

Hans  H ög l

Der folgende Text ist mein Leserbrief – heute 5.Sept. 2015 in der Wiener „Presse“ veröffentlicht.

Schulbehörden sind wegen der Flüchtlingskinder organisatorisch gefordert. Dies betrifft Finanzen und verfügbare Schulräume. Aber dass Willkommensklassen wie in Deutschland von Frau Stoisits glatt abgelehnt werden, verblüfft den Hausverstand. 
Ja, am Turnunterricht können  Flüchtlingskinder  regulär teilnehmen und gemeinsam im Schulhof sein. Aber sonst? Sie  brauchen elementarsten Unterricht.  Warum sollen sie nicht als Gruppe Deutsch lernen? Wie auch erwachsene Migranten an Wiener Volkshochschulen? Oder separat dem Islamunterricht folgen? Was ist daran rassistisch? 
 Flüchtlingskinder wuchsen in arabisch-islamischer Umwelt auf, sind durch die Flucht  traumatisiert.  Dies wird eine adäquate Pädagogik beachten. Und hier gilt es nicht nur unsere Sprache und Welt zu vermitteln, sondern z.B. über Zeichnen und Malen ihre Gefühle aufzuarbeiten. Aber das vermögen doch nur Fachkräfte.  
Es gibt in Großstädten Volksschulen, wo von 300 Kindern 280 Migranteneltern haben. Ich erfasste dies in einer 30-seitigen Fallstudie im Auftrag einer Pädagogischen Hochschule und des Ministeriums. Sie liegt im Stadtschulrat und Ministerium auf. 
Sprachkenntnisse von Schülern der ersten Schulklasse  können unvorstellbar rudimentär sein,  obgleich die Eltern von Migrantenkindern  seit vielen Jahren in Österreich sind. Lernspiele, von engagierten Lehrkräften in Ferien vorbereitet, sollen da Abhilfe leisten.  Es ist sinnvoll, diese Flüchtlingskinder eine Zeit lang Extra-Unterricht zu geben. Quereinsteiger können den Unterricht sehr belasten.  Da sind die Überlegungen des Ministeriums, dass die Kinder mehr Zeit zum Deutschlernen haben –  im Status der „Außerordentlichkeit- schon zielführender.  

Sorge um Ö 1

Udo Bachmair

Redakteurssprecher, Betriebräte und zahlreiche Mitarbeiter/innen des ORF haben gestern in der Tageszeitung “Der Standard” einen Appell veröffentlicht, in dem sie den Verbleib von Ö1, FM4 und Radio Wien im Funkhaus in der Argentinierstraße fordern. Das ORF-Zentrum auf dem Küniglberg ist ja als alleinige ORF-Standort in Wien geplant. Eine innerhalb und außerhalb des ORF äußerst umstrittene Entscheidung. Die Proteste dagegen mehren sich. Die Kritiker befürchten journalistischen Qualitätsverlust.

Zum Thema mein heute im “STANDARD” ungekürzt veröffentlichter Kommentar: Sorge um Ö 1 weiterlesen