Journalistische Fehler-wissenschaftlich gesehen

Hans Högl

Die Fehleranalyse in Printmedien im Buch: Wolf Schneider/Paul-Josef Raue: Das neue Handbuch des Journalismus und des Online-Journalismus, Hamburg 2012, S.16.

Ich habe alle Zahlen und Namen auf Richtigkeit überprüft: Prof. Philip Meyer (Universität North Carolina) ließ über zwei Jahre 7.600 Artikel von 22 US-Zeitungen überprüfen und stellte fest:

48 % der Artikel irrten sich mindesten in einer Tatsache; im Schnitt waren es 3 Fehler.

Die häufigsten Fehler: Zitat falsch wiedergegeben (21 %), ungenaue Überschrift (15 %), falsche Zahlen (13 %), Rechtschreibfehler (10%).

Die Redakteure gaben als Grund für ihre Fehler an: „Ich habe die Sache nicht verstanden“ (26 %); ich habe nicht genügend oder falsche Fragen gestellt (25 %); der Redaktionsschluss drohte (19 %); meine Recherche war lückenhaft, oder einfach: „Ich war zu faul“ (10 %). – Eine ähnliche Studie in Lugano (Schweiz) zeichnet ein noch düsteres Bild: 60 % der Artikel in Schweizer Zeitungen, darunter Tagesanzeiger und Basler Zeitung, sowie 52 % in italienischen, darunter Il Secolo, weisen Fehler auf. In beiden Ländern ist jede vierte Überschrift falsch, ein fast doppelt so hoher Wert wie in amerikanischen Zeitungen.

Fehler sind an der Tagesordnung, stellten auch Studenten in Hamburg und im holländischen Tilsit fest, als sie größere Artikel systematisch untersuchten. Als Grund machten sie neben Zeitdruck und fehlenden Ressourcen auch die trügerische Leichtigkeit der Internet-Recherche aus.

Dies erklärt recht gut, warum Redaktionen das Publizistikstudium nicht besonders schätzen.

 

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