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Medien und Meinungsforschung

Wie verlässlich waren die Ergebnisse der Wahlforschung vor Österreichs Nationalratswahl 2019, und wie ging der Boulevard mit den Daten um? Das ist für die Medienkultur von Belang.

Hans Högl

Österreichs Medien haben etwas gelernt – nach Misserfolgen der Wahlforschung – mit diesen fachgemäßer umzugehen. Dies trifft erstaunlicherweise auf die Boulevard-Zeitung „Österreich“ zu, die ihr Lesepublikum sogar über Schwankungsbreiten der Wahlprognosen informiert.

Laut der Zeitung „Österreich“ kam die ÖVP neun Tage vor der Wahl auf 34 % der Stimmen mit einer Schwankungsbreite von 3,2 %- (reell dann 37%). Das heißt: Die Kurz-Partei schöpfte exakt die maximal positive Schwankungsbreite aus.

Die SPÖ kam nach den Prognosen auf auf 23 % ( reell dann 21,7%), die Grünen auf 12 % (reell 14 %) die Neos auf 8 % (reell 7,8 %), die Liste Jetzt auf 2 % (reell 2 %). Erstaunlich genau war das schwache Abschneiden von Peter Pilz mit der Liste Jetzt, obgleich ihm eine TV- Bühne geboten wurde.

Positiv hervorzuheben ist ein Beitrag über Wahlbeisitzer in der „Presse am Sonntag“, die ehrenamtlich ab 6:15 Uhr für rund 13 bis 14 Stunden im Einsatz waren und neben einer kleinen Mittagsverpflegung und einer Vergütung von knapp 50 € in Wien (in Oberösterreich mit 100 €) tätig waren. Manchmal fehlt die Bereitschaft dazu.

Die Schweiz hat die Wahlkontrolle einfacher geregelt und diverse Wahltermine zusammengelegt. In Österreich sind bald wieder Wahlen auf Länderebene an unterschiedlichen Terminen. In der Schweiz wird vier mal pro Jahr gewählt und gleichzeitig über drei Bereiche abgestimmt – über den Bund, den Kanton und die Gemeinde. Das führt rund zu 12 Abstimmungen pro Jahr – einer Anzahl, die für Österreich höchst ungewohnt ist.

Darum wäre eine Einführung des Schweizer Wahlsystem für Österreichs Wähler höchst ungewohnt. Doch auch hierzulande wären andere Formen von mehr an Partizipation wünschenswert. Vgl. Analysen vor ein paar Tagen – zu „Krone“-Kommentare von Tassilo Wallentin und zu den Forderungen der FPÖ.