Kategoriearchiv: Medienschmankerl

Arbeit geben als Hilfe – laut Gandhi

Die Frage, wie helfen, stellt sich aktuell immer wieder. Bei Mahatma Gandhi fand ich folgende Sätze (Hans Högl):

„Den Nackten Kleider schenken, heißt sie beleidigen. Gib ihnen Arbeit, so dass sie das Geld für Kleider durch eigener Hände Arbeit verdienen können.“

„Es ist eine Versündigung, Freiküchen für die aufzumachen, die zu körperlicher Arbeit fähig sind. Ihnen Arbeit zu geben, ist verdienstlich.“

Mahatma Gandhi: Wer den Weg der Wahrheit geht, stolpert nicht. Verlag Neue Stadt 2016, p. 129. Originaltitel: „A Thougt for the Day“

NB. Es gilt genau zu lesen: Gandhi deutet im letzten Satz an, dass es Leute gibt, die nicht zu körperlicher Arbeit fähig sind. Und diesen gilt es sehr wohl zu helfen! Es kann und soll Hilfe geben für Menschen, die keine Leistung erbringen.

Firmen lassen Jobsuchende zappeln

Folgender Text stammt aus einem Massenblatt der Schweiz – der Gratiszeitung 20Minuten.ch. Ich bringe ihn als Blog der Medienkultur, um zu zeigen, dass auch Massenblätter manchmal glaubwürdig Wichtiges melden. Die Zeitung 20Minuten.CH kann mit „Heute“ in Wien verglichen werden.

Hans Högl

Rund 200 Bewerbungen verschickte Sara Ulmann vergangenes Jahr. Sie bewarb sich als Sekretärin, Sachbearbeiterin oder Direktions-Assistentin. „Zwei Drittel der Firmen antworteten mir überhaupt nicht.“ Der Rest schrieb eine Eingangsbestätigung oder Absage. Das sei ihr an die Substanz gegangen. „Zum Glück habe ich aber doch noch eine Stelle gefunden.“

Da potentielle Arbeitgeber ihre Bewerber „ghosten“, sich also nicht melden, kritisiert Fabian Dütschler, ein Schweizer Geschäftsführer einer IT-Personalleistungsagentur. Der Personalexperte Michel Ganouchi sagt: „Dieses unsägliche Verhalten ist seit Jahren bekannt und hat trotzdem nicht abgenommen.“ Die Funkstille gebe den Bewerbern keine Wertschätzung und vermittle das Gefühl, nicht gebraucht zu werden. Ähnliches passiert auch anderswo und nicht nur in den letzten Jahren. Schon vor Jahrzehnten.

Industriekultur im Burgund

Frankreich gilt als Kulturland und Burgund ist auch berühmt für Weine. Den historisch Interessierten erinnert es an die glückliche Heirat des Habsburgers Maximilian mit Maria von Burgund. Weniger bekannt ist Burgund in seiner Produktion von Stahl.Nicht zuletzt wir in Österreich blicken zusehr in Technikfragen auf Deutschland. Wegen dieser Besonderheit Burgunds erscheint dieser Beitrag im Blog der Medienkultur.

Hans Högl

Burgund ist seit gallischer Zeit ein Zentrum der Verarbeitung von Eisen. Die Zisterzienser in der Abtei Fontenay betrieben im 12./13.Jahrhundert die damals wohl größte Schmiede der Welt mit einem gewaltigen wassergetriebenen Hammer. 1782 wurde im Ort Le Creusot die Fonderie Royal eröffnet: Sie lieferte dem König, dann der Revolution Kanonen- und machte pleite.

1836 kauften die Brüder Schneider aus Lothringen die leer stehenden Industriegebäude und gründeten ihr Stahlimperium und produzierten Dampfturbinen, Dieselmotoren, Loks, Kriegsgeräte, Gleis. Es wurde Zentrum der französischen Stahlindustrie, ein französisches Pendant der Krupp und deren ernsthafte Konkurrenten und sie sprachen im antideutschen Klima ihren Namen bald lieber „Schneidre“ aus. Es belieferte Frankreich in beiden Weltkriegen mit schweren Waffen. Ein Steinkohlerevier um Monceau-les-Mines war für die Produktion von Stahl sehr wichtig.

In den 1950ern engagierte sich Firmenchef Charles Schneider im französischen Atomkraftwerkbau. 1970 fusionierten die Schneider-Werke mit einem anderen Stahlkocher, und diese meldeten 1984 Insolvenz an. Ganz Frankreich war erschüttert, Tausende arbeitslos, das Imperium zerstückelt. Übrig blieben Schneider-Electric und die Reaktorschmiede Creusot Forge.

In Creusot ist heute ein Museum Ecomusée de l`homme et de l`industrie. Der Schnellkochtopf von 1953 wurde zum Verkaufsschlager im französischen Wirtschaftswunder und wurde in der Nähe von Lyon erzeugt.

Diese Anregungen entnahm ich einem Reiseführer mit einer überraschend ansprechenden Gestaltung, nämlich einem neuen Baedeker(!): Burgund, Ostfildern 2019. 11. überarbeitete Auflage (p.26, 244). Dazu fehlen Informationen im Dumont Reise-Taschenbuch Burgund, Ostfildern 2017.

Müssen Hunde wirklich Fleisch fressen ?

Der Zürcher „Tages-Anzeiger“ vom 28. August 2019 stellt sich dieser oft „ideologisch aufgeladenen“ Frage. Ähnlich Zugespitztes zum Thema Fleischkonsum fand ich bisher nirgends. Darum richte ich darauf die Aufmerksamkeit und ordne dies in der Rubrik „Medienschmankerl“ ein.

Hans Högl

Die Schlussfolgerung im Beitrag lautet: Mag mein Tier, was ich ihm serviere? Um ihm vegetarische Kost schmackhaft zu machen, sollte man das Futter nur „sehr behutsam umstellen“. Doch selbst dann lässt sich nicht jeder Hund auf fleischlose Mahlzeiten ein. Und nichts wäre gewonnen, wenn das Tier zu Hause das fleischlose Futter verschmäht – dafür aber vielleicht aus dem nächsten Mülleimer ein weggeworfenes Wurstsandwich „räubert“.

Laut Tages-Anzeiger sucht „ein wachsender Anteil der Hundebesitzer nach einem ausgeklügelten Ernährungskonzept für das Tier“. Ja – da denken wohl Menschen aus dem armen Süden- diese Probleme der Schweizer möchte ich haben, sei als Kommentar angefügt. Doch auch in Wien und München befassen sich Veterinärforscher mit dem Thema. Eine Münchner Tierärztin widerspricht der Auffassung mancher Tierbesitzer, „dass eine strikt vegane Kost ohne Ei und Milch für Hunde geeignet wäre“.

Die bekannte Köchin und Wiener Grünpolitikerin Sarah Wiener sagt zum Fleischkonsum der Menschen: Wir können zumindest unseren Fleischkonsum einschränken und zumindest Fleisch aus der eigenen Region, am besten aus ökologischer Haltung von Familienbetrieben oder Kleinbauern kaufen. Die „Badische Zeitung“ (Freiburg im Breisgau) bedauert am 24.u.25. August die Zunahme des Fleischkonsums und die damit negativen Folgen für die Umwelt und verweist auf Fleisch-Ersatzprodukte. Manche Firmen setzen auf das Labor- andere auf Insektenzucht Zwar habe Fleisch von Wildschweinen und Rehen eine gute Ökobilanz, doch für die Versorgung des Massenmarktes taugt es nicht.

Schweiz: Mulmige Gefühle bei Konzernen

Die OECD und die G-20 erörterten in Paris: Konzerne sollen in jenen Ländern ihre Steuern entrichten, wo sie ihre Umsätze erzielen. Und für sie soll ein Mindest-Steuersatz gelten. Dagegen regt sich Widerstand – so in der Schweiz – dem Sitz großer Konzerne. Diese Analyse biete ich ehrenamtlich auf unserem Blog als Engagierter in der „Vereinigung der Medienkultur . Spenden sind willkommen. IBAN: AT 31 2011 1300 0310 1325

Hans Högl

Es kreisen Bilder von Medien um kuriose Clowns, TV-Politikkomiker und Schauspieler auf der größten Bühne der Welt, dem Fernsehen. So stand gestern der Brite Boris Johnson im Zentrum, vor ein paar Tagen galt der Blick dem siegreichen TV-Star und politischen Komiker und neuen Präsidenten in der Ukraine. Ohne Unterlass vernehmen wir Tweets vom Egozentriker und Geschäfts-Politik-Dealer der USA, dann wieder von politischen Spielernaturen in Italien. Es sind kuriose männliche Politikclowns, die von den Massen aus Verzweiflung über das öffentliche (Un) Wohl gewählt werden. Doch bahnt sich eine Hoffnung an?

In der Schweiz geht eine Angst um. Schweiz liebt internationale Steuer-Flüchtlinge. Doch Konzerne sollen laut OECD nicht sosehr dort Steuern entrichten, wo sich ihren Sitz, ihr Gesäß niederlassen, sondern wo sie ihre Umsätze erzielen. Und es soll eine Mindeststeuer gelten. Da erschrickt der Verband der Konzerne in der Schweiz: das käme einer „substantiellen Erosion des Steuersubstrats“ gleich.

Ecce: Vokabeln mit klassisch-antiken Sprachwurzeln: substantiell, Erosion und Substrat- ein Schleier für das Gemeinte. Und da orten maßgebliche Schweizer Kreise dies als gefährlichsten Angriff der internationalen Gemeinschaft auf die Schweiz. Das käme noch teurer als jener auf das Bankgeheimnis. Aber ereignet sich denn das erörterte Wunder?

Der Schweiz als beliebten Sitz größter Firmen drohen Milliardenausfälle, schreibt die „Neue Zürcher“ am 22. Juli 2019 auf der Titelseite. Denn 400 Fachleute der G-20 Staaten trafen sich bei der OECD in Paris und diskutierten über neue Regeln der Besteuerung. „Doch so gut die Laune des OECD-Steuerchef war, so mulmig dürfte den Teilnehmern aus der Schweiz zumute gewesen sein. Denn die Schweiz gehört zu den Ländern, die wohl die Rechnung für diese „Party“ zahlen müssen. Eine Party – welche Sinn-Verdrehung von etwas, das die Alltagsmoral Vergehen heißt, aber was bisher die Weltpolitik als legal betrachtete.

Und so will der Schweizer Bund, den Schaden begrenzen – mit Bündnispartnern, die da sind: Niederlande, Irland, Luxemburg und – siehe da – auch mit dem so hochgelobten Skandinavien und mit Kanada und Singapur. In der Aufzählung fehlen mir die Londoner City und Steueroasen in den USA.

Und da handelte ein angesehener Kleinstaat im Herzen Europas Jahrzehnte im wohlverstandenen ach` so liberalen Eigeninteresse: Er bietet größten Wirtschaftskonzernen und Leuten mit Supergehältern an, ihren Steuersitz in einem wunderschönen Kantönli zu wählen und Brosamen ihrer Riesengewinne zu versteuern, was dann anderen Ländern und ihren Budgets fehlt. Während kleine und mittlere Betriebe und die Mittelschichten und die kleinen Leute ihren Steuervorschreibungen nachkommen und die Staatsbudgets einigermaßen füllen, entziehen sich die Manager der Großkonzerne und dahinter ihre Financiers ihrer Pflicht und dies ganz legal und mit bisheriger stillschweigender internationaler Zustimmung.

Viele Staaten Europas bieten Sozialleistungen oft nur auf Pump, sind zwar nicht so
hochverschuldet wie Griechenland und Italien, aber doch in einem so gefährlichen Ausmaß, dass sie eines Tages ihre Sozialleistungen nicht mehr stemmen und als Bankrotteure zur Kasse gebeten werden.

In Hamburg wurden 500 in der Elbe getauft

Hans Högl

Gewisse Extra-Ereignisse erfuhr ich durch Bekannte und kennzeichne sie als Medienschmankerl.
In der Regel dringt Solches kaum von der Elbe bis an die Donau.

500 Menschen wurden beim großen Elbtauffest der Evangelischen Kirche in Hamburg gesegnet. „Die Taufe schließt nicht aus, sondern öffnet das Tor zur Welt“, sagte Bischöfin Kirsten Fehrs bei dem Open-Air-Gottesdienst. Insgesamt beteiligten sich 65 Gemeinden und 93 Pastoren, die im Anschluss an die Predigten an verschiedenen Taufstationen in der Elbe und am Strand die Zeremonien vollzogen. Laut Veranstalter handelte es sich dabei um das größte Tauffest Deutschlands. Rund 5000 Gäste waren dabei.(dpa)

VOEST-Chef: Klare Worte beim Abschied

Hans Högl

Wien (OTS) – „Starker Abgang“ lautet der Titel des Interviews, das Esther Mitterstieler mit Voestalpine-Chef Wolfgang Eder geführt hat – zu hören in „Saldo – das Wirtschaftsmagazin“ am Freitag, den 7. Juni um 9.42 Uhr in Ö1 (ORF-Radio). Folgendes Resumé des Interviews brachte die Austrian Presse Agency (apa) und sparte dabei Heikles aus, das wir ergänzen. In den vergangenen 15 Jahren war Eder Vorstandschef. Anfang Juli gibt er diesen Posten ab. Er fragt sich, ob die Stahlindustrie in Europa und Österreich noch eine Zukunft hat, wenn die Politik nicht aufwacht.

Dr. Eder sagte ferner: Ende 1985 war die alte Voest Alpine (ein für Österreich sehr großer Staatsbetrieb) „quasi bankrott„. (Jahrzehntelang musste die Voest von Staatsfinanzen durchgefüttert werden. Verantwortlich waren die Großparteien ÖVP und SPÖ, wobei die SPÖ den Vorrang in Staatsbetrieben hatte. Lange Zeit hatten parteipolitische Aktionen den Vorrang gegenüber dem Wirtschaftlichen. Das ist bekannt und bekunden Voest-Arbeiter klar im Gespräch. Die Zeitschrift „Datum“ erwähnt, dass Frauen von Voest-Arbeitern beim Einkaufen beschimpft wurden). Wolfgang Eder: Es gab 85.000 Mitarbeiter. Er war Koordinator der Strukturreform. Und Ende 1995 hatte die VOEST um 70.000 Mitarbeiter weniger. Exakt 15.070. Ich traute zuerst meinen Ohren nicht und hörte dies noch einmal. Ja – es war zutreffend: Es wurden 70.000 Mitarbeiter abgebaut, entlassen oder freigesetzt. Eder verwendete alle drei Worte. Das war für ihn persönlich d a s einschneidenste Ereignis. Und sein Team war glücklich, und es war der größte Erfolg, dass am 31. August 2005 die letzte staatliche Aktie abgegeben wurde. Sehr wichtig findet Eder, den Mitarbeitern gegenüber sehr ehrlich mitzuteilen, wie es um den Betrieb steht.

Folgendes klammerte die apa-Version aus: Zur politischen Lage sagte Eder: Das Image Österreichs habe in den letzten Jahren sehr gelitten, und viele Kollegen aus dem Ausland begegneten ihm mit „breitem Kopfschütteln“. „Die Regierung Kurz hat viel an Good will verspielt“. Dies betrifft nicht die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, sondern das Image Österreichs. Und dies wirkt sich indirekt auf die Wirtschaft aus. „In den letzten 15-20 Jahren ist in Österreich zu viel Außergewöhnliches passiert“. Und das sieht Eder sehr kritisch.

Ferners stört ihn das Plakative in der politischen Kommunikation. Sein Tipp: „Zuerst denken, dann handeln“. Statt der öffentlichen Meinung nachzuhecheln, sollten sich die Politiker lieber Zeit nehmen, in Ruhe über Zukunftsthemen nachzudenken. Und dies ohne Handy. Eine Auszeit von ein paar Tagen sei in Unternehmen üblich, um eine neue Strategie zu finden, so Eder. In Zeiten der großen Koalition sei oft das Land nur verwaltet worden. In den Phasen der „Alternativregierungen“ sei zumindest am Anfang etwas weiter gegangen. (Eder nannte keine Namen).

Als die wichtigsten Themen für die kommende Zeit sieht Eder, dass die geplante Steuerreform (in die Wege geleitet durch Bundeskanzler Kurz) zu Ende geführt wird, die in die richtige Richtung geht, dann die Entbürokratisierung und schließlich die Frage der Pensionen, um die sich jede Partei drückt. Auch das sparte die Kurzfassung der apa-Nachricht aus.

 

Bevölkerung in Frankreich: Jeder Dritte kommt von auswärts

Hans Högl

Ein Grundanliegen der Medienkultur ist es, sachliche Informationen zu finden. In Vorbereitung auf eine Burgundreise stieß ich auf das wertvolle Buch Günter Liehr: Frankreich. Ein Länderporträt, Berlin 2013. Darin werden im Sinne des Verständnisses für andere Länder und Menschen viele Positiva und Besonderheiten von Frankreich dargestellt, aber auch Aspekte, die aus mitteleuropäischer Sicht nachdenklich stimmen. Dem Buch entnehme ich auf S. 90 folgenden Text.

Klare Zahlen existieren in Frankreich zu keiner Einwanderungsgruppe; denn es dürfen keine statistischen Angaben über Abstammung und Religion gesammelt werden. Minderheiten existieren (formal) in Frankreich nicht. Es gibt nur Staatsbürger, Citoyens. Dem offiziellen Dogma zufolge soll die ethnische Zugehörigkeit keine Bedeutung haben. Die Republik gibt sich farbenblind.

Die Fiktion der Herkunftslosigkeit blendet aber Realitäten aus, die für eine große Zahl von Citoyens von großem Belang sind. So behindert sie die Auseinandersetzung mit Phänomenen wie der rassischen Benachteiligung bei der Arbeitssuche.

Die republikanische Schule steckt in einer Krise. Für die Kinder der Zuletzgekommenen hat die Gesellschaft nur wenige Perspektiven zu bieten. Zu einem großen Teil sind sie in ghettoähnliche Vorstadtsiedlungen abgeschoben, haben meist zwar die französische Staatsangehörigkeit, aber nicht viel mehr. Und gerade Kinder algerischer Immigranten machen permanent die Erfahrung, auf Misstrauen und Vorurteile zu stoßen, die aus kolonialen Zeiten stammen.

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Eine Notiz zu Österreich und Wien: Nun Österreichs Politik ist zuletzt sehr kritisch im In- und Ausland beurteilt worden. Wenig bekannt ist, dass die Stadt Wien seit Jahrzehnten darauf achtet, dass die Großstadt Wien bevölkerungsmäßig durchmischt ist. D.h. die großen Sozialbauten befinden sich in a l l e n Stadtbezirken, auch in sogenannten Nobelgegenden. Ebenso wenig ist bekannt, dass es in Österreich schon seit der Monarchie einen offiziellen islamischen Religionsunterricht in Schulen gibt, der staatlicherseits bezahlt wird.

 

Hervorragende „Wiener Zeitung“

Hans Högl

Wir befürworten als Team in der Medienkultur die bisherige Finanzierung des ORF durch die Gebührenzahler. Dies trägt zu dessen Unabhängigkeit bei. Auch die FPÖ-Angriffe auf Armin Wolf sind im Prinzip zurückzuweisen, wenngleich er in seinem Stil auch gelegentlich fragwürdig ist. Doch der ORF darf nicht immun sein versus partieller Kritik: So verhält sich doch der TV- Sender ORF 1 erwiesenermaßen fast identisch wie ein Privatsender.

Ich höre regelmäßig den weithin anerkannten ORF-Hörfunksender Ö 1. Da gibt es wunderbare Sendungen wie kürzlich im Ö1-Journal-Panorama über die Eroberer von Mexiko und Peru, stammend aus der Extremadura in Spanien. Übrigens: ein Gastbeitrag. Deren Entlohnung ist mehr als mager. Auch andere Sendungen sind zurecht hochgeschätzt: wie z.B. die Radiokollegs, „Menschenbilder“ , Ambiente. Aber mich verwundert die gelegentliche Phantasielosigkeit in der Themenauswahl von Ö 1- Journalen. Da gibt es immer wieder den Lieblingsfeind Trump und die Waffenlobby in den USA. Wie heute früh. Ja, schön und gut. Aber es gibt auch anderes in der Welt. In Spurenelementen erfahre ich etwas über die Korruptionsverteidiger von Rumäniens Sozialdemokraten.

Welche Welt tut sich mir in der Lektüre der „Wiener Zeitung“ auf! So heute: Ich lese von der künftigen Kanzlerin Brigitte Bierlein: von ihrer Kritik an Ex-Innenminister Kickl in Asylfragen, von Ihren Sorgen um die Pressefreiheit in Österreich und den fragwürdigen Inseraten durch Regierungen (aller Parteien!). Und ich lese, dass die Sozialdemokraten in Dänemark vor einem Sieg stehen, weil sie „links und migrationskritisch“ sind und so die Rechtspopulisten halbieren. Ferner erfuhr ich, dass die Bundesforste in OÖ einen Wassernutzungsvertrag mit einer US-Firma geschlossen haben. Weiters: dass das Aramäische, die Sprache Christi, die noch in Maalula bei Damaskus gesprochen wird, in Gefahr ist, zu verschwinden…..Wo höre und erfahre ich das im ORF? Ich lasse mich gern korrigieren! Wer kann denn alles sehen und hören! Ich halte die ausführlichen Texte in Österreichs Qualitätsblättern für sehr wichtig. Ja, selbst im „Kurier“. Mich wundert auch, dass im ORF kaum irgendwann Journalisten der wirklich ausgezeichneten „Kleinen Zeitung“ zu Wort kommen. NB. Der ORF zitiert nie die „Wiener Zeitung“!

Ohrfeigen von Eltern in der Schweiz

Hans Högl

Aus der Schweiz, dem Land des großen Pädagogen J. Heinrich Pestalozzi (gest. 1827), erfahre ich eine Information mit Seltenheitswert. Darum ist dies ein Fund für die „Medienkultur“, und ich weise diese Information unserer Rubrik „Medienschmankerl“zu. In einem Gespräch mit einem Experten konnte der folgende, wirklich überraschende Inhalt der „Neuen Zürcher“ als richtig bestätigt werden. Der Hinweis auf Pestalozzi deutet an, dass dieser große Schweizer Pädagoge schon seit langem für eine liebenswerte Erziehung eintrat, was im Kontrast zur gegebenenfalls vorhandenen Praxis steht. Überraschend dazu ist auch die rechtliche Lage.

„Eine Ohrfeige hat noch niemandem geschadet. Dieser Meinung scheinen viele Eltern auch heute noch zu sein. Laut einer gemeinsamen Studie der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften und der Haute Ecole de Travail Social Fribourg erleben rund zwei Drittel aller Jugendlichen in der Schweiz elterliche Gewalt in der Erziehung. Jeder Fünfte muss sogar schwere Übergriffe wie Fausthiebe oder Schläge mit Gegenständen hinnehmen. Trotzdem landen nur die wenigsten Fälle vor Gericht – wohl auch deshalb, weil körperliche Züchtigung in der Schweiz, im Gegensatz etwa zu Deutschland, noch immer zulässig ist, wenn sie ein «gewisses Mass» nicht überschreitet. Mein Kollege Alois Feusi ist dem Phänomen der elterlichen Gewalt nachgegangen – und hat einen der seltenen Gerichtsprozesse dazu besucht.“

Im Jahr 2017 rückten Angehörige ….Stadtpolizei Zürich und .. Winterthur rund 180-mal wegen familiärer Gewalt gegen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren aus; 2018 waren es etwa 200 Fälle. …Fest steht allerdings, dass die Zahl der nicht ans Licht gekommenen Fälle sehr viel höher liegt. ….Die Forscher befragten 8317 durchschnittlich zwischen 17 und 18 Jahre alte Jugendliche aus zehn Kantonen; 1200 von ihnen leben im Kanton Zürich. Die Befragten besuchten Berufsschulen, Schulen der Übergangsausbildung, Fachmittelschulen und Gymnasien. 41,2 Prozent der Befragten mussten in ihrer Kindheit und Jugend Züchtigungen wie Ohrfeigen, Schubsen und Stossen oder hartes Anpacken hinnehmen. 21,9 Prozent mussten auch schwere Gewalt wie Fausthiebe oder Schläge mit Gegenständen über sich ergehen lassen.–Die Autoren des Forschungsberichts zur elterlichen Gewaltanwendung betonen, dass ihre Stichprobe keine schweizweite Repräsentativität beanspruche. Die Quelle: NZZ-online 20.Mai 2019. Der Text wurde etwas gekürzt.