Kategoriearchiv: Medienschmankerl

EU-Wahlkampfbrief der FPÖ als Realsatire der besonderen Art

Die „Soziale Heimatpartei“ und ihre vorgeblichen Patrioten hätten tatsächlich österreichische Interessen in großem Umfang verkauft ? Das könnte das Skandal-Video von Ibiza nahelegen. Umso skuriller ein EU-Wahlkampfslogan der FPÖ: Nur sie würde einen Ausverkauf österreichischer Interessen stoppen..

Udo Bachmair

>>Sie hätten einen großen Teil der Interessen ans Ausland verkauft, von der Umleitung der Bauaufträge bis hin zur Wasserversorgung. Das wäre Korruption pur.
>>Sie hätten-am Rechnungshof vorbei-Millionenspenden für die eigene Partei abgezweigt und damit noch mehr Geld in Inserate und Wahlpropaganda fließen lassen.
>>Sie hätten die „Kronen Zeitung“ -ohnehin viele Jahre auf Strache-Kurs-an eine vermeintliche Oligarchennichte verscherbelt und sie mit „zack zack zack“ noch gefügiger gemacht.

All das und mehr ließe sich aus jenem Video schließen, in dem FPÖ-Chef Strache und sein Adlatus Gudenus offenherzig über die Umgestaltung der Republik sprechen und damit den Eindruck von Machtrausch und Geldgier erwecken.

Da kommt einem auch der Ausspruch des „FPÖ-Wolfs im Schafspelz“, Norbert Hofer, in den Sinn:
„Sie werden sich noch wundern, was alles möglich ist“

Als Realsatire der besonderen Art erweist sich nun ein FPÖ-Wahlkampf-Brief, der heute in den meisten Postkästen gelandet ist. Unter den strahlenden Konterfeis von Strache und EU-Spitzenkandidat Vilimsky heißt es da unter anderem:

„Nur wenn Sie am 26. Mai wirklich zur Europawahl gehen und Ihre Stimme der FPÖ geben, kann der AUSVERKAUF ÖSTEREICHISCHER INTERESSEN GESTOPPT werden.“……

Sand- Abbau gefährdet Umwelt

Hans Högl-Kurznotiz aus NZZ online

In Medien hat es Seltenheitswert, dass über Sand im Konnex der Umweltfrage gesprochen wird. Darum greife ich diesen Kurztext auf. Im Übrigen: Vor einiger Zeit hat auch ARTE über den SAND als Rohstoff eine Doku gebracht.

Das Uno-Umweltprogramm (UNEP) verlangt die Regulierung des Rohstoffs Sand. Sand ist laut Angaben des UNEP der nach Volumen zweitgrösste weltweit gehandelte Rohstoff nach Wasser. Bevölkerungswachstum und Bauboom sowie unregulierter Sandabbau können die Umwelt gefährden. In seinem ersten Sandbericht zeichnet das Uno-Umweltprogramm Gefahren und Lösungen auf.

EU-Wahlkampf: In der FPÖ-Falle

Hans Högl

Einen bemerkenswerten Kommentar schrieb der EU-Korrespondent der als halb-links-sozial-liberal geltenden Tageszeitung „Der Standard“, und zwar THOMAS MAYER am 26. April 2019.

Seine Diagnose: Ein Gutteil der österreichischen Medienbranche konzentriert sich ausschließlich auf e i n Feindbild, die FPÖ, anstelle selber konstruktive Lösungen zu bieten. Und gerade damit stärkt man diese Gruppierung, die immer wieder sehr Bedenkliches von sich gibt. Von einem Mitarbeiter Jörg Haider weiß man, dass Haider dieses Spiel der Provokation bewusst und wiederholt praktizierte und sich so in den Mittelpunkt des Interesses schob. So verkündigte Haider das ganze Land Kärnten großspurig als völlig tschetschenenfrei- es gab damals einen einzigen Tschetschenen, von dem er Kärnten befreite…

Es gilt die Frage zu stellen, warum die nationalistischen Parteien in Europa soviel Auftrieb erfahren, darauf gab Prof. Ötsch bei unserer Veranstaltung im Presseclub Concordia teilweise ganz andere Antworten, als immer nur den Verweis auf die populistische Sprache. Er deutete das Wiedererstehen der Rechten auch als Folge der Finanzkrise (die Verantwortlichen wurden nie zur Rechenschaft gezogen) und mit der reellen Situation der Einkommenseinbußen breiter Kreise und er sagte auch, dass in Osteuropa es schwere Fehler eben sozialdemokratischer Parteien waren, die zum Aufstieg von Rechtspopulisten wie in Ungarn beitrugen.

Zuletzt leisteten die Sozialdemokraten Rumäniens ein Schmuckstück, indem sie jede Korruption per Gesetz als nicht strafwürdig deklarierten. Warum fehlt dazu der große Aufschrei? Heute wählt Spanien: Vergessen wir nicht: in Andalusien beträgt die Arbeitslosigkeit 20 % und nach Andalusien drängen nun viele illegale Migranten als Ersatz für die gesperrte Balkanroute. Wir werden erfahren, wie die rechtspopulistische Partei Vox abschneidet. Den Spaniern, die Vox wählen, missfällt auch, dass die Sozialdemokraten Spaniens -laut Wiener Zeitung- die Kreuze und Bilder der Monarchie aus den Schulen entfernten und die Konservativen dies nicht rückgängig machten.

Der Kommentar selbst im Wortlaut:

Muss die FPÖ täglich demonstrativ geächtet werden, so wie andere Rechte quer durch Europa? Der Intensivwahlkampf zu den Europawahlen hat in Österreich gerade erst begonnen. Er wird relativ kurz ausfallen, denn schon in vier Wochen sind die Bürger dazu aufgerufen, sich für eine von sechs wahlwerbenden Parteien oder die Liste von Johannes Voggenhuber zu entscheiden. Ideologisch gesehen wäre die Bandbreite dabei also gar nicht so klein für ein EU-Land, in dem nur 18 von insgesamt 751 Mandaten im Europäischen Parlament zu vergeben sind.

Aber noch bevor diese ihre Klingen politisch so richtig gekreuzt haben, scheint es wieder einmal nur noch ein großes Thema zu geben: die FPÖ. Nicht dass extremistische Ausritte in deren Reihen zu ignorieren wären. Die Frage „Wie hältst du es mit den Blauen?“ ist aber so überbordend, dass alle anderen europarelevanten – und in Wahrheit viel wichtigeren – Themen verdrängt werden: Wer hat die besten Konzepte zum Klimawandel? Zur Schaffung von Jobs? Zur Bewältigung der Folgen der Digitalisierung, der Migration? Zur lebenslangen Weiterbildung? Und, und, und.

Stattdessen geht es im Kreis, um die FPÖ. Muss sie demonstrativ täglich geächtet werden, so wie andere Rechte quer durch Europa? Fragwürdige Positionierung Den bisher negativen Höhepunkt lieferte SPÖ-Spitzenkandidat Andreas Schieder in der „ZiB 2“ des ORF. Gleich zwei Mal hielt er ein Bild von Lega-Chef Matteo Salvini in die Kamera, der eine Maschinenpistole in Händen hält – ganz so, als wäre Italiens rechter Innenminister ein Amokläufer. Viel tiefer können sich ernsthafte Parteien im EU-Wahlkampf nicht positionieren: Indem sie stilistisch wie ihre rechten Gegner werden.

Die blauen Wahlstrategen dürfen sich freuen. Noch bevor sie mit ihren EU-skeptischen Slogans so richtig losgelegt haben, sind sie schon wieder in aller Munde. Alle gegen die FPÖ: In der schrillen Polarisierung fühlen sich freiheitliche Politiker am wohlsten. Ein Grund, warum Kleinparteien dann oft Probleme bekommen. Man kennt das von früheren Wahlen zur Genüge. Die sogenannten proeuropäischen Parteien diverser Richtungen täten gut daran, sich in Wahlkämpfen durch Ideen zu unterscheiden, mit Lösungen, ja sogar mit positiver Stimmung und Konzepten für das zukünftige Europa Wahlkampf zu betreiben – für ihre Sache, nicht nur gegen etwas. Eines fällt EU-weit übrigens auch auf: Die Rechtsparteien beherrschen das Handwerk zu mobilisieren, sie hauen sich rein. Die traditionellen Volksparteien sorgen hingegen kaum für Begeisterung. (Thomas Mayer, 26.4.2019) –
derstandard.at/2000102122621/EU-Wahlkampf-In-der-FPOe-Falle

Junge Praktikanten in Brüssel

Hans Högl- Medientipp angesichts der EU-Wahl

NEUE KRÄFTE FÜR DIE EU.Junge Praktikanten in Brüssel.
Reportage, Erstausstrahlung.Deutschland, 2019

Sie sind jung, haben einen sicheren Job gekündigt, um in Brüssel ein Praktikum von fünf Monaten in den EU-Institutionen zu machen. Die EU ist für sie attraktiv, denn sie hat Macht und ist für die Karriere nützlich. Mit der Schottin Rosie Birchard und dem Deutsch-Uruguayer Jeremy Dommnich schaut ARTE hinter die Kulissen der EU-Institutionen.

19:40 – 20:10, ARTE- 03.05. FREITAG

Wiederbelebung toter Ortskerne

Hans Högl

Architekt Roland Gruber ist ein führender Experte für Entwicklungsstrategien im ländlichen Raum.Er hat auch in Berlin ein Büro und setzt Projekte unter anderem in Westfalen um. Sein Ausgangspunkt ist Österreich.Ihn beschäftigt die Frage, wie kann Leben und Arbeiten im ländlichen Raum für Menschen jeden Alters wieder attraktiv werden und bleiben.Denn junge Menschen verlassen ihre ländlich Heimatgemeinden, und Unternehmen wandern ab.

Gruber.“Der ländliche Raum wird totgeschwiegen. Doch in Österreich stellt er 95 % der Fläche. Das kann man nicht aufgeben.“ Darum verweise ich im Sinne der Medienkultur auf eine außergewöhnlich konstruktive ORF-Sendung, im Radio-Kultursender Ö1, konkret auf die Sendung „Im Gespräch“ mit Renata Schmidtkunz am 25.4. um 21:00 und am 26.4. um 16.05. Die Sendung kann in der ORF-Radiothek eine Woche lang nachgehört werden: oe1.ORF.at/imgespraech

Grubers erstes Projekt war der Stadtkern von Haag in NÖ, einer Kleinstadt im Mostviertel. Um das Zentrum zu beleben, wurde ein Konzept für ein Sommertheater entwickelt. Gruber versucht, positive Chancen zu sehen- so auch im steirische Industrieort Trofaiach. Und es entsteht in Kapfenberg eine neue Gründerzeit, wo die VÖEST ein neues Stahlwerk errichtet.

Der Architekt Gruber sucht jene Bevölkerungskreise miteinzubeziehen, die in der Regel übersehen werden und sich nicht zu Wort melden. Es geht also um intensive Bürgerbeteiligung, um Ideen für Projekte aufzugreifen. Eine Anregung von Gruber: Dörfer und Orte sollten ein paar Wohnungen für Studierende zur Verfügung stellen, wo diese ein halbes Jahr wohnen und das Leben auf dem Lande erfahren könnten. NB. Es gibt verschiedene Typen von Dörfern, so ausgehöhlte Bauerndörfer, aber auch Industriedörfer und solche am Rand von Ballungsräumen.

Der Verfasser diese Zeilen befasste zwischen 1980 und 2000 mit „Aktivierenden Dorfbefragungen“ quer durch Österreich – auch in nicht-touristischen Regionen und hielt Seminare und Vorträge an Universitäten. Dies war ein ähnlicher Ansatz wie jener von Gruber. Daraus entstanden die Bücher Hans Högl: „Hinter den Fassaden des Tourismus. Dörfer im Stress (Studien-Verlag Innsbruck 1995) und „Bin kein Tourist, ich wohne hier“. Neben viel Interesse dafür erntete ich von Berufskollegen und Soziologen auch Kopfschütteln, denn wer wird sich denn schon mit Dörfern befassen?

Bilder aus dem Waldviertel

„Verlassene Heimat“- Titel eines neuen Buches über das Waldviertel. Eine Empfehlung.

Udo Bachmair

Das im Verlag „Bibliothek der Provinz“ erschienene Buch von Franz Krestan und Engelbert Reis begleitet durch „leere Häuser voller Geschichten“, so der Untertitel. Beeindruckende Bilder von verlassenen Behausungen und Gärten angereichert mit Textbeiträgen, u.a. von ORF-Moderator Tarek Leitner, haben ein lesens- und sehenswertes Werk entstehen lassen. So schreibt der Autor von „Mut zur Schönheit“:

„Es ist nicht das alt Gewordene, das uns anspricht. Es ist etwas anderes, das diesen Dingen anhaftet und uns berührt. Die Kleinteiligkeit, die Materialien, die Maßstäbe, die unseren menschlichen Aktionsradius entsprechen. Insofern ist das kein Plädoyer für das Alte, sondern für die Achtsamkeit im Umgang mit Veränderungen von etwas so Eindrücklichem wie unsere Lebensumgebung.“ (Tarek Leitner)

Buchpräsentation heute am 25.4.2019 in Drosendorf , Bürgerspital, 19.30 Uhr.

Das Buch beginnt mit einem von mir verfassten Essay :

Verfall und Vergänglichkeit

Scheinbar stumm stehen sie da. Verfallene, vergessene Häuser. Vergessen? Nein, nur bedingt. Sie bleiben verankert im Kopf und im Herzen von noch unter uns weilenden früheren Bewohnern. Wehmut über nicht mehr Zurückholbares sowie Freude über gelungenen Neubeginn halten deren Erinnerungen wach.
Und welcher Art ist das Empfinden des Betrachters, der sich erstmals hineinversenkt in helle und finstere Gedanken über all die Vorgänge, Erlebnisse und Erscheinungen, die das alte historische Gemäuer miterlebt und unentrinnbar aufgesogen hat?
Sich hineinzuversetzen in all das, was über Generationen hinweg an Glück und Leid in alten Räumlichkeiten erlebt und erlitten worden sein mag, lässt Bilder freudvoller wie bitterer Erkenntnisse entstehen. Solcherart eingestimmt erscheinen die längst dem Verfall preisgegebenen verlassenen Objekte nicht mehr wirklich stumm. Sie leben auf andere Art weiter. Sie zeugen vom Gelächter von Kindern, von fröhlichen Runden scherzender Freunde, von wehklagenden Sterbenden, von Ärger, Streit und Hader. Und über alldem – sei’s zu hoffen – von Liebe, Leidenschaft und wundersamen Träumen. Verwitterten Mauern und vergessenem alten Inventar scheint da nichts Menschliches fremd.
Doch was bleibt von all den Träumen, den Sehnsüchten und Hoffnungen? Den unbeschwert verbrachten Stunden in den mit Zufriedenheit und Besitzerstolz gespachtelten Wänden des früheren Heims?
Werden so manche Geheimnisse, die die Mauern der Gebäude behütet haben, jemals enthüllt? Viel bleibt der Vorstellungskraft des Betrachters überlassen. Die Ästhetik des Verfallenen und Verfallenden beflügelt die Phantasie.
Ehemals glanzvolle Hausfassaden, verschnörkelte Treppengeländer, kaum mehr erkennbare Wandbemalungen, alte verrottende Möbel und Requisiten aller Art, längst erkaltete Kachelöfen, die einmal für gemütliche Wärme sorgten, morsche Türrahmen, abblätternde Farbsplitter, verwilderte Gärten, in denen sich Unkraut und Getier ausgebreitet haben: Sie alle bezeugen den Wandel von Zeit und Natur. Unbehindert dem Verfall ausgesetzt, bilden sie eine neue Form von Schönheit.
Verlassene und vergessene Orte nehmen gewissermaßen einen Platz zwischen Leben und Tod ein. Sie beleben Gedanken an die eigene Vergänglichkeit und Endlichkeit. Und: Sie können auch neue Wege eröffnen. Wege zu tieferer Selbsterkenntnis. ( Udo Bachmair )

Mehrstimmigkeit – Vokal-Polyphonie als Innovation in Notre Dame

HANS HÖGL

Über die Notre Dame von Paris wurde schon sehr viel publiziert. Der Leiter der Forschung des „Institute for Cultural Excellence“, Klaus Neundlinger, erwähnte im Gastkommentar in der „Wiener Zeitung“ am 20. April mit dem Titel „Der Hut der Kirche brennt“ eine ziemlich unbekannte, aber folgenreiche Innovation von Notre Dame.

Hier wurden die Grundlagen für die Vokal-Polyphonie gelegt – jene Form der Mehrstimmigkeit, welche die europäische Musik von allen anderen Musiktraditionen dieser Welt unterscheidet und die später auf die Instrumentalmusik übertragen wurde.

Im 12.Jahrhundert erklangen dort zum ersten Mal die geistlichen Werke von Perotinus und Leoninus, jenen Mönchen, die als Meister der Epoche von Notre Dame (1160 bis 1250) in die Musikgeschichte eingingen. Auch heute noch sind viele Menschen fasziniert von den drei-bis vierstimmigen Klanggebäuden aus ferner Zeit.

Solch` seltene Hintergrund-Informationen sind Teil der Medienbeobachtung der „Vereinigung für Medienkultur“.

Digitaler Konsum belastet das Klima

Hans Högl

Auf einen bisher wenig bekannten Aspekt der Umweltbelastung möchte ich hinweisen. Solch` seltene Infos zu kommunizieren, ist unter anderem Aufgabe der Medienkultur. Den Text entnehme ich der Qualitätszeitung, der Neuen Zürcher (online vom 16.April 2019). Ich reihe dies auch in die Rubrik Medien-Ökologie ein- denn auch Medien haben einen Bezug zur Ökologie- wie in diesem Falle. Was digital ist, muss noch lange nicht grün sein. Die Umweltkosten der Informations- und Kommunikationstechnologie (ICT) werden zumeist unterschätzt. Ein wichtiger Treiber für einen rasch steigenden Stromverbrauch ist das Streaming von Videos.

Unterwegs zehn Minuten ein Video anschauen braucht gleich viel Strom wie ein Elektroofen während fünf Minuten im Vollbetrieb.
Bei der Klimadiskussion sind die Rollen klar verteilt: Auf der Seite der «Bösen» stehen die Schwerindustrie, der Verkehr und die Landwirtschaft. Zu den «Guten» gehören demgegenüber die meisten Dienstleister, weil deren Produkte – etwa Versicherungen oder Kredite – eher immaterieller Natur sind. Die Informations- und Kommunikationstechnologie (ICT) wird bei die­ser Einteilung meist der guten Seite zugeordnet. Die Digitalisierung gilt als Teil der Lösung und nicht als Teil des Klimaproblems. Schliesslich werden die elektronischen Gadgets ja im­mer kleiner. Und die über Displays genutzten Dienste muten irgendwie virtuell an – und somit schadstoffarm.

Schädlicher als die Luftfahrt

Doch die Sache ist komplexer. Das zeigt eine Studie der französischen Denkfabrik «The Shift Project». Die Organisation hat den ökologischen Fussabdruck der vermeintlich sauberen ICT-Branche zu mes­sen versucht. Sie kommt zum Schluss, dass die umweltpolitischen Folgen der digitalen Wirtschaft konstant unter­schätzt werden. Grund dafür sei nicht nur die fortschreitende Miniaturisierung der Geräte, sondern auch die «Unsichtbarkeit» der verwendeten Infrastruktur – ein Phänomen, das verstärkt werde durch die wachsende Verfügbarkeit von Dienstleistungen in der sogenannten Datenwolke. Das Cloud-Computing sorge dafür, dass die physische Realität digitaler Produkte noch schwieriger wahrnehmbar werde.

Gar so wolkig-harmlos ist die Schadstoffbilanz der Branche nämlich nicht. So wird der An­teil der ICT-Branche an den weltweiten Treibhausgasemissionen auf 3,7% geschätzt; das ist fast doppelt so viel wie der Beitrag der zivilen Luftfahrt (2%) und knapp die Hälfte des Schadstoffausstosses aller Personenfahrzeuge und Motorräder (8%). Sorgen macht den Studienautoren vor allem die rasche Zunahme des digitalen Energieverbrauchs um zirka 9% pro Jahr. Setzt sich dieser Trend fort und steigt das Datenvolumen im Internet weiterhin um rund 30% pro Jahr, wäre die ICT-Branche schon 2025 für 8% aller Treibhausgasemissionen ver­antwortlich.

Was sind die wichtigsten Gründe für den rasant steigenden Energieverbrauch der Branche? Genannt werden vier Treiber. Erstens die weltweit um zirka 11% pro Jahr wachsende Zahl von Smartphones und deren immer energieintensivere Features. Zweitens die wachsende Verbreitung digital vernetzter Peripheriegeräte in Freizeit und Haushalt, seien es Fitness-Armbänder oder komplexe Überwachungssysteme. Drittens der Aufstieg des Internets industrieller Dinge. Und viertens die Explosion des Datenverkehrs, was primär auf Angebote internationaler Tech-Giganten wie Google, Apple, Facebook, Amazon, Baidu oder Alibaba zurückgeführt wird.

Energieintensität nimmt zu

Während die Energieintensität des globalen Bruttoinlandprodukts derzeit um 1,8% pro Jahr sinkt, ist bei der ICT-Branche das Gegenteil der Fall. Deren Energieintensität wächst um 4%. Das heisst, der Konsum von 1 Euro an digitaler Technologie verursacht einen Energiekonsum, der 37% höher ist als noch im Jahr 2010. Dass die digitalen Geräte immer leistungsfähiger werden, ändert daran wenig, denn gleichzeitig steigt auch die Nutzung. Ein Beispiel: Zwar hat die Batteriekapazität von Smartphones in den letzten fünf Jahren um 50% zugelegt. Die Häufigkeit des Aufladens ist in diesem Zeitraum aber konstant geblieben, zumal die Geräte nun einfach länger genutzt werden; ein typisches Beispiel eines Rebound-Effekts.

Die Abschätzung von Klimaschäden ist zwar mit viel Unsicherheiten verbunden. Dennoch zeigt die Studie, dass auch vermeintlich unverdächtige Aktivitäten mit umweltpolitischen Kosten verbunden sind. Ein Bei­spiel ist das Streaming von Videos, das für über 80% der Zunahme des Datenverkehrs im Internet verantwortlich ist. Der vor allem bei jungen Generationen populäre Zeitvertreib benötigt 1500-mal mehr Energie als der gewöhnliche Betrieb eines Smartphones. Wer zehn Minuten über die Cloud ein Video anschaut, verbraucht gleich viel Strom, wie wenn er während fünf Stunden nonstop E-Mails mit angehängten Dateien verschickt. Oder wenn jemand während fünf Minuten einen elektronischen 2000-Watt-Ofen mit voller Kraft im Heizbetrieb hält.

Doch darf man den steigenden Stromverbrauch des Internets pauschal der ICT-Branche anlasten? Zweifel an einer solchen Lesart hat Jean-Marc Hensch, Geschäftsführer von Swico, dem Wirtschaftsverband der Schweizer ICT- und Online-Branche. Wenn ein Journalist eine E-Mail verschicke, so Hensch, müsse der da­mit verbundene Stromverbrauch eigentlich eher dem Mediensektor angelastet werden. Letztlich stelle die ICT-Industrie ja nur die Apparate zur Verfügung, um den Konsumenten elektronische Kommunikation oder das Speichern von Daten zu er­möglichen. Entsprechend fragwürdig sei es, wenn im Rahmen der «Klimastreiks» betont wer­de, eine kleine Zahl von 100 Unternehmen sei für drei Viertel der CO2-Emissionen verantwortlich.

Im Visier der Umweltorganisationen

Tatsächlich stehen hinter dem Stromverbrauch letztlich immer eigenverantwortliche Konsumenten, die mehr Datenvolumen nachfragen, oder neue Smartphones, deren Produktion auch Seltenerdmetalle benötigen. All dies den ICT-Firmen anzulasten, greift zu kurz. Dennoch geraten die Unternehmen zusehends ins Visier von Umweltorganisationen. Green­peace publiziert etwa unter dem Titel «The Guide to Greener Electronics» ein Ranking zur Umweltpolitik grosser ICT-Firmen. Bezüglich Transparenz schneidet dabei Amazon wenig löblich ab. Apple, Microsoft und Samsung wird derweil vorgeworfen, sie würden die Lebensdauer ihrer Produkte absichtlich verkürzen, indem Reparaturen oder Upgrades unnötig erschwert würden. Die Zeiten, in denen digital mit grün gleichgesetzt wurde, scheinen endgültig vorbei zu sein.

Verrohende Politik nicht mehr hinnehmen

Es reicht ! Unter diesem Titel- groß herausgehoben und fettgedruckt- ist auf der Leserbriefseite der Kronen Zeitung eine überraschende Leserreaktion erschienen.

Udo Bachmair

Es geschehen noch Wunder. Konsument*innen der Leserbriefseite der Kronen Zeitung sind verblüfft. In einem gut platzierten Leserbrief übt dessen Verfasserin Maria Pötscher-Eidenberger massive grundsätzliche Kritik an der Politik der ÖVP-FPÖ-Koalition.

Der Brief beinhaltet nahezu all das, wogegen die „Krone“ vor allem in der emotional aufgeheizten Migrations-und Flüchtlingsfrage bisher angeschrieben hat. Die entsprechend einseitige Auswahl an Leserbriefen mit dem erklärten Feindbild Asylwerber war ja schon fast legendär.

Umso erstaunlicher, dass das über Jahre hindurch FPÖ- nahe Kleinformat, das mittlerweile fast täglich auch dem feschen jungen ÖVP-Kanzler huldigt, nun erstmals eine Leserreaktion abgedruckt hat, in der unverhohlen von „menschenverachtender Politik“ die Rede ist.

Hier der leicht gekürzte Leserbrief im Wortlaut:

„Tag für Tag macht unser Innenminister menschenverachtende Vorschläge, die vor Jahren noch undenkbar gewesen wären. Und Herr Kurz trägt das mit !

Diese Politiker sind keine besorgten Menschen; sie leben von der Sorge und müssen dieser Nahrung geben. Und dafür sind ihnen alle Mittel recht. So auch die 1.50-Euro-Aktion. Asylwerber tragen mittlerweile in vielen Gemeinden und Städten mit ihrer Arbeitskraft zum Gemeinwohl aller bei. Dies wird von der Bevölkerung geschätzt und führt dazu, dass sich die oftmals anfänglich ablehnende Stimmung diesen schutzbedürftigen Menschen gegenüber wandelt. Und das passt unserer Regierung offenbar nicht ins Konzept.

Mittlerweile gibt es viele Menschen, die diese verrohende Politik nicht mehr hinnehmen wollen. An alle, die in Zukunft in einer Demokratie aufwachen möchten: Seid initiativ, kraftvoll und friedvoll, es kann so nicht weitergehen! Es reicht!“
(Maria Pötscher-Eidenberger)

Grüne: Stark in der Schweiz

Hans Högl

Es ist anzunehmen, dass weder das Medien-Publikum in Österreich noch in Deutschland, folgende Kurzmeldung von NZZ-online besonders wahrnimmt. Darum bringe ich diese als Medien-Schmankerl.

„Eine grüne Welle geht durch die Schweiz. Zürich, Luzern, Baselland – in den letzten Wochen haben Grüne und GLP in kantonalen Parlamenten massiv an Sitzen gewonnen.“