Kategoriearchiv: Medienschmankerl

Konsum von News als Gift ?

Für sanfte oder radikale News-Diät! Überlegungen aus Isabella Neltes Buch „Denkanstöße 2021“, erschienen im Verlag Piper.

Hans Högl

Was sind News ?: Die kleine Eule im Christbaum in New York, Präsident A trifft Präsident X.,365 Tweets von Trump, Putsch auf Neu-Guinea, ein Busunglück in Sofia …usw. usw.Medien füttern uns mit „Breaking News“, mit Häppchen trivialer G`schichten, es ist nichtsnutziges Zeug, Fast Food ohne Gewicht, für den Geist das, was Zucker für den Körper ist.

Doch warum lassen wir uns damit zuschütten? Aus sinnbefreiter Neugier? Ein Gegenprogramm dazu sind oft lange Artikel, Essays, Reportagen, Dokus, Beiträge von Fachleuten und Bücher (!). Der Autor, Rolf Dobelli, ist führender Lebensberater, nennt im Einzelnen (!) Qualitätsmedien, die Hintergründe bieten, komplexe Sachverhalte nicht meiden und wie wir uns von toxischen News lösen, welche Strategien dazu dienen.

Wie wär`s mit Nachdenken? Seit der Gründung von Microsoft gönnt sich Bill Gates zweimal im Jahr je eine volle Woche Nachdenkzeit. Er packt einen ganzen Koffer voller Bücher und einen Stapel Notizpapier ein und verschwindet auf einer Insel.

Menschen klagen über Stress-Symptome wegen News-Konsums (so über online-News). Das belegen viele Studien. Sind News Gift für den Körper?

Büchlein für Nachrichtenmenschen

Hans Högl

Gestern genoss ich eine Ausstellung im fast menschenleeren Wiener Museum Albertina. Die Corona-Regel erlaubt es.Im Shop des Museums stieß ich auf ein nebenbei medien-relevantes Büchlein. So schenke ich ideell allen werktätigen Nachrichten-Produzenten und dem Publikum ein dünnes Büchlein, einen Kalender für 2021 mit dem Titel „Freuden und Tage“ (aus der Inselbücherei). Hier lässt sich auflisten, was es an schönen und positiven Tagen und Entwicklungen im kommenden Jahr gibt, und worüber sich im Sinne konstruktivem Journalismus berichten lässt. Das ist auch nützlich für Leute, die überall nur saure Gurken sehen.

Eine andere Entdeckung war das Büchlein „Was französische Eltern besser machen. 100 verblüffende Erziehungstipps aus Paris“ (ein Goldmann-Taschenbuch). Die US-Autorin Pamela Druckerman beschreibt leicht verdaulich, was sie beim Großziehen ihrer drei Kinder in Frankreich gelernt hat. Sogar ein Register hat das Büchlein.

Pariser Eltern schicken ein ungezogenes Kind in der Regel in sein Zimmer, „damit es dort ausraucht“ oder über sein Verhalten nachdenkt und mann/frau sagt ihm auch, es könne zurückkommen, sobald es sich beruhigt hat. So ganz ohne Grenzen und Konsequenzen geht es nicht. Bei älteren Kindern sind es ein paar Tage ohne Fernsehen oder Videospielen. Oder dass der Teenager eine Woche ohne sein Handy auskommen muss. Elten berichten mir, dass sie grundsätzlich versuchen, ihre Kinder vor einer Bestrafung immer erst zu verwarnen und ihre Drohung auch konsequent wahrzumachen. Die nächste Kurzrezension nimmt sich die „Denkanstöße 2021“ vor, ein Taschenbuch aus dem Piper Verlag.

Corona-Skeptiker- kein Recht auf Intensivbett ?

Die folgende außerordentliche Meldung verdient meiner Meinung nach eine Diskussion. Quelle: Der Tagesanzeiger (Zürich)

Hans Högl

Aus einem Interview mit einem Gesundheitsökonomen.

«Corona-Skeptiker verwirken ihr Recht auf einen Intensivplatz bei Engpässen». Willy Oggier gehört zu den profiliertesten Gesundheitsökonomen der Schweiz. Im Gespräch lobt er die Corona-Politik Österreichs – und wartet mit radikalen Vorschlägen auf.

Ein Vorschlag eines Lesers für Coronaleugner oder Verharmloser von einem Leser der Kleinen Zeitung (19.Nov.): Macht doch Gebrauch von einer Patientenverfügung und verzichtet im Fall einer Coviderkrankung auf ein Intensivbett.

Sollen Konzerne für Öko-Schäden haften?

Die Schweizer „Konzerninitiative“ ist bei uns kaum bekannt. Darum greife ich sie für die folgende Analyse auf.

Hans Högl

Wenn auch steigende Corona-Daten in Schweizer Medien dominieren, steht doch die Konzern-(Verantwortungs)-Initiative im Blick. Sie verlangt von Unternehmen, dass ihre ausländischen Tochterfirmen dafür haften, wenn sie Menschenrechte verletzen oder die Umwelt zerstören. Nicht selten schaden Unternehmen besonders in „Entwicklungsländern“, wo geholfen werden soll.

Das Anliegen ist umstritten. Die Reformierte und Katholische Kirche befürworten die Initiative. Die „Freisinnigen“ und andere Parteien sind dagegen, auch die Schweizer Regierung hat Vorbehalte. Medien schalten sich ein: die „Neue Zürcher“, bekannt als neoliberal, berichtet davon, aber äußert Bedenken. Laut Gegnern schaffe dies ein Einfallstor für PR-Klagen durch ausländische Anwaltskanzleien und NGOs. Eher auf Pro-Position ist der eher linke „Tagesanzeiger“. Eine Schweizer Grün-Liberale, die im Sudan Entwicklungsarbeit leistete, befürchtet, dass durch die Initiative Arbeitsplätze im Süden verloren gingen.

Trends lassen vermuten, dass die Initiative des Schweizer Volkes am 29. November die Mehrheit erreicht.Die Konzern-Initiative ist ein Signal für globale Unternehmen.

Warum 70 Millionen doch Trump wählten

Trump habe ein breiter US-Anti-Intellektualismus geholfen, analysiert Wolfgang Hochbruck, Univ. Prof. für Nordamerika-Studien) in der Badischen Zeitung (Freiburg i.B.).

Ein Interview mit Wolfgang Hochbruck ausgewählt und gekürzt von Hans Högl :

BZ: War das Ringen um den Sieg für Sie eine Überraschung?

Hochbruck:...Äußerst bedrückend ist es, dass diesem Mann nach vier Jahren kontinuierlicher Lügen und dem unglaublichen Flurschaden mehr als 68 Mill. Amerikaner ihre Stimme gaben.

BZ: Wie kann einer, der lügt, sich rüde verhält und rassistisch äußert, trotzdem millionenfach gewählt werden?

Hochbruck: In den USA besteht seit dem 18. Jahrhundert ein Anti-Intellektualismus und eine Wissenschaftsskepsis. Das wird von der Populärkultur positiv aufgegriffen: Eines der ersten Dramen der US-Geschichte, Royal Tylers „The Contrast“, macht genau das – die männliche Hauptfigur erklärt, sie habe kein Interesse daran, irgendetwas zu lernen, wenn es einen negativen Eindruck vom Land vermittelt.

BZ: Setzt Trump auf eine ordinäre Sprache?

Hochbruck: Natürlich. Der Mann hat sich diese relativ primitive Sprache und diesen Sprachduktus, dieses ständige Wiederholen von einfachen Floskeln, systematisch angeeignet, und er benutzt das als Waffe.- Hillary Clinton hat 2016 verächtlich von den „Deplorables“ – den Bedauernswerten – gesprochen. Das war eine erbärmliche Dummheit und einer der Gründe, weshalb diese Leute nach wie vor zu Trump stehen. Sie fühlen sich von den Demokraten nicht angesprochen, abgehängt.- Die weiße Mittelschicht hat Angst, was zu verlieren. Das ängstigt mehr als das Coronavirus.

BZ: Man hatte zuletzt den Eindruck, dass die demokratischen Strukturen funktionieren….
Hochbruck: …Ja, doch der Senat ist ein Witz – mit zwei Figuren pro Staat, egal ob es sich um fast entvölkerte Landstriche handelt wie in Wyoming oder ob zig Millionen dort leben wie in Kalifornien, Texas oder New York. Das verlangt eine Reform.

BZ: Tun wir Trump auch unrecht, ist das Trump-Bashing berechtigt?
Hochbruck:Trump erinnert uns Deutsche an unsere schlimmsten Zeiten – er ist eine hysterische Mischung aus Kaiser Wilhelm II., Franz-Josef Strauß und Gert Fröbe als Auric Goldfinger in dem gleichnamigen James-Bond-Film; dieses Aufgeblasene, Freche, Unverschämte, diese Haltung „Ich kann hier machen, was ich will“.

Keine Jobs würden im ORF politisch besetzt, sagt Wrabetz

Dieses Medien-„Schmankerl“ kommentierte ein Poster so: „Wie sehr muss man an seiner Macht hängen, um sich sowas sagen zu trauen“. Vgl. „Standard/Etat“ vom 1.Nov.2020 10:31.

Hans Högl

ORF-Chef Wrabetz erklärt, „keine“ Jobs im ORF würden politisch besetzt. Generaldirektor findet, „es spricht einiges dafür weiterzumachen“ nach 2021 – „Ich nehme für mich in Anspruch, widerständig gewesen zu sein“.

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz erklärt dem Magazin „Profil“, es würden „keine“ Jobs im ORF politisch besetzt….
Wrabetz nennt als Beispiele für seine Widerständigkeit: Er habe sich „geweigert“, Korrespondent Ernst Gelegs „rauszuschmeißen“ und Armin Wolf zu „entfernen“, was die FPÖ verlangt habe.

Ein Weitermachen sieht Wrabetz gerade in einer Krise als wichtig.

Für die 15-Minuten-Stadt: Paris hebt 70.000 Parkplätze auf

Beispielloser ökologischer Umbau von Paris

Quelle: Der Schweizer Blog infosperber.ch „sieht, was andere übersehen“ . Dies ist auch ein Thema der Medienkultur und obwohl seit LANGEM vorgesehen in der Rubrik Medienschmankerl, überrascht es manche. Hans Högl

Die Pariser wussten bei der Wahl, was Anne Hidalgo als Bürgermeisterin will, dass die Sozialistin PARIS zu einer grünen Stadt umbauen will mit kurzen Wegen, mit weniger Parkplätzen und weniger Autos. Der stellvertr. Bürgermeister David Beillard kündigte an, die Stadt werde in den kommenden 6 Jahren 70.000 oberirdische Parkplätze aufheben und umnutzen – zu Grünflächen, Spielplätzen sowie Rad- und Fußwegen.

Damit wird in Paris jeder zweite oberirdische Parkplatz verschwinden, von den 550.000 verbleibenden Parkplätzen befinden sich 480.000 in Einstellhallen. In Paris werden 13 Prozent aller Fahrten mit dem Auto gemacht. So sei es «abnormal», dass Autos 50 % der öffentlichen Fläche der Stadt brauchen.

Ab 2021 soll auf Autostrassen in Paris Tempo-30 gelten – einzige Ausnahme ist die Ringautobahn Périphérique. Das Ziel heisst «15-Minuten-Stadt» – eine Stadt, in der alles, was der Mensch im täglichen Leben braucht, innerhalb von 15 Minuten erreichbar sein soll, so der Lebensmittelhandel, Geschäfte, Parks, Cafés, Arbeitsplätze, Schulen, Sportanlagen, Gesundheitszentren. Und das alles zu Fuss oder mit dem Velo. Beim Autofahren sollen jene bevorzugt werden, die das Auto wirklich brauchen: Logistik, Gewerbe, Personen mit eingeschränkter Mobilität.

Während ihrer ersten 6-jährigen Amtszeit wandelte Hidalgo Schnellstraßen entlang der Seine in Flaniermeilen und Radwege um. Die früher verstopfte, drei Kilometer lange Rue de Rivoli, an welcher der Palais du Louvre steht, ist heute ein Radweg.

Das Konzept der 15-Minuten-Stadt lieferte Prof. Carlos Moreno (Sorbonne) und sagte: «Wir wissen, für Menschen ist es besser, in der Nähe ihres Wohnortes zu arbeiten. Und wenn sie da einkaufen und die Freizeit verbringen, können die Menschen ein ruhigeres Leben führen.»

Jedes Quartier der «15-Minuten-Stadt» soll sechs Funktionen erfüllen: Leben, Arbeiten, Versorgen, Sorgen, Lernen und Geniessen…..Das neue Konzept will nicht nur Autostrassen in Radwege umzuwandeln, sondern will städtische Nähe und Aufenthaltsqualität zu schaffen – so für Kinder. Spielplätze und temporäre Fahrverbote sind im Umfeld von Schulen. Die grösste Schwierigkeit für die 15-Minuten-Stadt ist der Weg zur Arbeit.
Das Konzept stammt von der US- Autorin Jane Jacob, die 1961 den Klassiker «The Death and Life of Great American Cities» verfasste.

Grundrechte für Tiere (Affen)? Zum Welt-Tierschutztag

Zu einer anderswo kaum beachteten Initiative: Für Tierrechte in der Schweiz

Hans Högl

Von allen Tieren sind Affen den Menschen am ähnlichsten – sollen sie Grundrechte erhalten? Am Welt-Tierschutztag und am Tag des Mystikers Franziskus, veröffentlicht der gleichnamige Papst heute ein Rundschreiben. Eine Initiatve in Basel fordert für Tiere, für Primaten, das verfassungsmäßiges Recht auf Leben und auf körperliche und geistige Unversehrtheit. Das Argument: Primaten zeichnen sich aus: durch ihr Gehirn, ihre Sozialstruktur und hohe physische und psychische Leidensfähigkeit.

Basel ist ein weltweit bedeutender Pharmastandort- so wundert es nicht, dass diese kantonale Initiative entstand, ein Sachverhalt -bekannt in sozialethischer Fachliteratur. Es geht um Grundrechte für Tiere. Um dies überhaupt umzusetzen, müssten Primaten rechtlich vertreten werden – so durch einen speziell Beauftragten beim Veterinäramt oder eine Ombudsperson.

Auch der Verfasser dieses Textes bejaht schonenden und schmerzfreien Umgang mit Tieren. Die Basler Initiative ist ein Impuls für ein Gespräch. Am Pharmastandort Basel wurden noch Ende der 1980-er Jahre über 1000 Affen gehalten und in Tierversuchen „auf teilweise schlimme Art und Weise gequält“ (Neue Zürcher 16.9.). Inzwischen haben Tests an Primaten am Forschungsstandort Basel „keine Bedeutung mehr“.

Schon in „Laudato si“ schrieb 2015 Papst Franziskus: „Obschon der Mensch in die Pflanzen- und Tierwelt eingreifen und sich ihrer bedienen kann, wenn es für sein Leben notwendig ist, lehrt der Katechismus, dass Tierversuche nur dann legitim sind, wenn sie in vernünftigen Grenzen bleiben und dazu beitragen, menschliches Leben zu heilen und zu retten.“ (Kap. 130). Sehr vernünftige Worte. Viel aufregender klingt es, vom Grund- oder Menschenrecht für Tiere zu reden.

Vorbilder für westliche Bauelemente aus islamischen Ländern

Dies ist These einer Arabistin. Davon eine außergewöhnlich Buchrezension zum strittigen Thema Islam

Hans H ö g l

Auf Reisen lernte ich islamische Länder kennen: den Iran, die Osttürkei, Marokko, Syrien, Jordanien. Hierbei entstand die Frage, wo die Spitzbögen erfunden wurden. Denn die frühe islamische Kunst kennt sie. War die Gotik davon beeinflusst? Wir erfuhren: Es waren auch Christen, die für den Islam Bauwerke planten und es sei unklar, wer die Priorität für die Spitzbögen habe.

Dazu bot eine Antwort ein Beitrag in der Tageszeitung „Die Presse“ am 8. Sept. 2020 mit dem Titel „Wie schön ist die Gotik, gepriesen sei Allah!“ Und vorweg hieß es: dass das, was „wir für stolze Symbole unserer abendländisch-christlichen Kultur halten, ist fast komplett vom islamischen Morgenland abgekupfert.“ Es war die Rezension eines Buches der Arabistin Diana Darke.

Davon nun ihre zentralen Thesen. Sie löste vorher einen Riesenwirbel aus, als sie schrieb, dass Vorbilder für Bauelemente von Notre Dame in Syrien stünden. Das war Anlass für ihr Buch, und sie belegt, dass die Tore des Domes in Amalfi in Süditalien nicht runde, sondern spitz zulaufende Bogen krönten. Dies erstaunte 1065 den Benediktinerabt von Monte Cassino. Und sein Mitbruder, der Abt von Cluny, kopierte diese Idee beim Neubau seiner Kirche. Und ein weiterer Abt errichtete in St. Denis bei Paris das erste Gotteshaus in rein gotischem Stil. Und seine Steinmetze zogen weiter, um auf der Insel der Seine Notre-Dame zu errichten.

Die Arabistin will hiermit die europäische Bauwerke nicht abwerten, aber doch aufzeigen, „wie stark die Bautraditionen der Kulturkreise ineinander verwoben waren“.

Aufstieg der Schwarzen in den USA!?

Ungewöhnliche Infos sind selten. Hier ein Exempel.

Hans Högl

Im Enthusiasmus über «Black Lives Matter»-Parolen wird leicht vergessen, dass die schwarze Bevölkerung in den vergangenen fünfzig Jahren sozial aufgestiegen ist. So hat sich seit den siebziger Jahren die schwarze Mittelklasse in den USA verdoppelt, und die obere Mittelklasse hat sich vervierfacht.

Die meisten Weißen können nicht vorstellen, dass mehr Schwarze in ihren Vierteln leben. Donald Trump spielt deshalb mit der Angst der weißen Vorstädter vor einem Wertverlust ihrer Immobilien. Doch der Anteil schwarzer Menschen, die in Armut leben, hat sich seit den sechziger Jahren mehr als halbiert. Text leicht verändert übernommen von nzz online 12. Sept. 2020

Ich ersuche um Kommentare zu diesem Text. Stimmt denn das, was die „Neu Zürcher“ schreibt? Wer hat andere Informationen? Wer möchte dies ergänzen?
Danke dafür! Wer haben pro Tag zwischen 4.000 bis 6.000 Hits, wir wünschen Kommentare unseres Publikums.