Kategoriearchiv: Medienschmankerl

Sind Frauen nur die Opfer? Ein provokativer Roman

War die MeToo-Debatte zu einseitig?

Hans Högl- Buchrezension

Lisa Taddeo (2020) three women – drei Frauen, München 2020. 6. Aufl.(USA 2019)

Das Buch handelt vom Begehren von drei unterschiedlichen Frauen. Angeblich suchte die Autorin acht Jahre quer durch die USA nach wahren Berichten von Frauen, die ihr Begehren schildern. Sie wissen es anzustellen, um zu erreichen, was sie wollen – in gekonnten Inszenierungen. Ist nun das Buch ein Roman oder eine Reportage? Wie auch immer- es ist fesselnd und prickelnd von einer 39-jährigen Frau verfasst.

Sloane stammt aus höchsten Kreisen, das Studium sagt ihr nicht zu, sie gründet mit einem Spitzenkoch ein Restaurant im vornehmen Newport. Der Besuch des Fitnessstudios hilft, Gewicht abzunehmen und auch selbstinduziertes Erbrechen. Und es heißt: „Sie beherrschte die Kunst, absolut begehrenswert zu erscheinen, von Tag zu Tag besser.“ Sie will ihren Mann und seine fast karnickelhafte Unersättlichkeit gibt ihr das Gefühl, die begehrteste Frau der Welt zu sein. Über sie und ihren Mann geht das Gerücht, es zu dritt zu machen.

Lina wünscht körperliche Beachtung. Das Ehepaar hat Kinder, aber warum heiratete sie einen Mann, der sich kaum für sie interessiert, sie links liegen lässt. Sie wartet am Fluss auf einen geheimnisvollen Mann, der ihr gehören würde und gerade auf Sie wartet und sie damit in ihrem ganzen Sein bestätigt. „Er war eigentlich der Grund ihrer Existenz. Ihre Mutter und ihre Schwestern und die Rückseite ihres Vaters konnten ihr gestohlen bleiben.“

Besonders fesselt Maggie Leben. Sie hat als 17-jährige Schülerin eine heftige Romanze und Liebelei mit dem verheirateten und beliebtesten Lehrer in North Dakota. Da dies im Laufe der Zeit endet und kein Kontakt mehr besteht, klagt Maggie nach Jahren den Lehrer in einen Gerichtsprozess wegen Missbrauch an und schadet ihm finanziell. Und was war das Motiv dafür? Wollte sie ihn wenigsten einmal wieder sehen?

Diese Buch steht polar zum Trend von MeToo – wenngleich indirekt; denn die Autorin sammelte schon früher Berichte. Die MeToo-Anklagen zeigen arge Verfehlungen von mächtigen Männern auf. Und der sozial-liberalen „Süddeutschen“ scheint es bei der Rezension die Rede verschlagen zu haben: „Es ist ein fragwürdiges Buch, aber geradezu unwiderstehlich“. Seit Oktober 2017 gibt es Berichte über sexuelle Übergriffe. MeToo wurde ein globaler (Medien) Trend. Für die einen wurde es ein Befreiungsschlag, für die anderen eine Hexenjagd – so ARTE.

Perle im Fernseh-Meer des Larifari. Wissenschafter-Biografie

Ein Meisterwerk eines deutschen TV-Films über das Leben des Astronomen Johannes Kepler. Dies im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Bei privaten TV-Anstalten dominiert eher Kommerz mit Unmengen an Schwachsinn. Aber es gibt Ausnahmen.

Hans H ö g l

Die Corona-Wochen gaben mir den Impuls, ungelesene Bücher zu entsorgen. Das Buch „Unser Kosmos“ hatte ich bisher nie angerührt. Und da kam eines zum anderen. Ich vertiefte mich ins Buch, und da bot Fernsehen einen deutschen Film, produziert von SWR,BR und Arte, über Leben und Werk des Astronomen Johannes Kepler. Der Film: ein Meisterwerk einer Wissenschafter-Biografie. Das Anschauliche des Filmes verlebendigte das Buch des US-Astronomen Carl Sagan und darin fesselte mich der Bezug Religion und Astronomie. Kepler, 1571 geboren im württembergischen Städtchen Weil, studierte Theologie in Tübingen, um Geistlicher zu werden, und da er protestantische und mathematische Interessen hatte, wurde er nicht Geistlicher, sondern Mathematik-Lehrer in einer evangelischen Schule in Graz. Doch in Graz griff die katholische Richtung hart durch, da verließ Kepler diese Stadt und wurde obgleich Protestant nach Prag berufen als Mitarbeiter des Astronomen Tycho Brahe am Hof des katholischen Habsburgers Rudolf II. Hier entdeckte Kepler die nach ihm benannten Planetengesetze. Sein Schirmherr Rudolf II. wurde abgesetzt, und Kepler wurde „aufgrund seines kompromisslosen Individualismus in Fragen der Lehre aus der lutherischen Kirche ausgeschlossen“.

Keplers 74-jährige Mutter Katharina wurde als Hexe verdächtigt und in Württemberg bei Nacht und Nebel in einer Wäschetruhe fortgeschafft und „in einem Kerker der Protestanten“ gefangen gehalten und sollte – wie Galilei von den Katholiken – als Hexe gefoltert werden. Ihr Sohn zeigte Widersprüche im Prozess auf, und so wurde Keplers Mutter nur „bei Todesstrafe lebenslänglich aus Württemberg verbannt“. Zwischen 1615 und 1629 wurden in dem Heimatstädtchen Weil jährlich drei Frauen gefoltert und als Hexen verbrannt. Nun: Hexenprozesse gab es auch im puritanischen frühen Amerika. Vgl. Arthur Millers Theaterstück „Hexen von Salem“ mit historischem Hintergrund.

Eine Rückblende zum Bezug Weltbild und Religion: Bekannt sind die Verbrennung des Dominikanermöchs Giordano Bruno als Ketzer und Galileis Probleme mit der Katholischen Kirche. Höchstens beiläufig ist bekannt, dass Kopernikus katholischer Geistlicher war und Martin Luther ihn, den Heliozentriker, als Emporkömmling und Narren bezeichnete. Dies zum Bezug christlicher Konfessionen zum Werden des neuzeitlichen Weltbildes.

Quelle: Carl Sagan „Unser Kosmos“, München 1982, p. 76-79.

Auch Sterne müssen sterben. Für Freunde von Katastrophen

Medien sind voll von Unglück, Konflikten und Katastrophen. Dem will ich mich widmen – und Gefahren der Sternenwelt aufgreifen und Raum für Angstlust schaffen. Sollen wir die Erde verlassen, bevor sie unbewohnbar wird?

Hans Högl

Rein statistisch gesehen wird die Erde alle 10.000 Jahre von einem etwa 200 m großen Asteroid getroffen. Der Einschlag hätte schwerwiegende – vor allem klimatische Folgen für die Einschlagregion. Ein Einschlag im Meer würde mit einer gewaltigen Flutwelle vor allem Küstenregionen heimsuchen.

Sollen wir die Erde verlassen, bevor sie unbewohnbar wird? Die Menschheit könnte im Sonnensystem Kolonien bilden, um den Fortbestand der Gattung zu sichern. Für den Fall, dass die Erde durch einen Astroideneinschlag unbewohnbar wird. Für die lange Fahrt können sich Astronauten einfrieren.
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Zusammenstöße zwischen Sternen selbst „sind so gut wie ausgeschlossen“ und zwar wegen den riesigen Abstände. Doch in dichten Galaxien könnte sich alle 500 Millionen Jahre ein Zusammenstoß ereignen. Dieser Zusammenstoß würde sich aber wieder über Millionen Jahre erstrecken. Dabei können Galaxien miteinander verschmelzen oder einander durchdringen, wobei eine Galaxie der anderen Sterne entreißen kann. „Das hört sich dramatisch an, ist aber für die Sterne der beiden Galaxien folgenlos“ (S. 45)

Unsere Milchstraße erwartet einen Zusammenstoß mit dem Andromedanebel. Sie bewegen sich aufeinander zu mit 200 km/sec. Daraus folgt, dass sie in etwa 3,7 Mrd. Lichtjahren zusammenstoßen werden (Ebenda).

Dies fand ich in dem Buch Gerhard Staguhn (2011) Die Rätsel des Universums, Köln. Mit Sach- und Personenindex. Umfang: 206 S. Der Autor ist Journalist und hat sich intensiv mit Astronomie befasst und schreibt außergewöhnlich klar.

Vgl. ferner: Prinja Raman (2005) Das Universum. Fasziniernde Entdeckungen im All, Darmstadt (Orig. Engl. 2004). – Duden (2001) Astronomie. Basiswissen Schule.Sehr geeignet zur Klärung von Begriffen.

Schweizer Waffenfabrikant und Nazis

Dass der Schweizer Waffenindustrielle E.G.Bührle den Nationalsozialisten Kanonen lieferte, ist wohl wenig bekannt. Darum greife ich das aus dem Nachbarland für unseren Blog auf. Für Österreichs Medien sind die Waldbrände in Kalifornien wichtiger.

Hans Högl

Streit um die Kunstsammlung des Waffenfabrikanten Emil Georg Bührle

Zur Eröffnung des Zürcher Kunsthaus-Erweiterungsbaus soll die Geschichte des Waffenfabrikanten und Kunstsammlers Emil Georg Bührle (1890–1956) neu aufgearbeitet werden. Doch das Forschungsprojekt ist in die Kritik geraten. Nicht nur seien vonseiten der Stadt und der Bührle-Stiftung «verharmlosende» Änderungsvorschläge eingebracht worden, sondern es sollen ganze Abschnitte verändert oder gleich weggelassen worden sein, zum Beispiel zum Thema Antisemitismus. Der Grüne Markus Knauss nahm die Querelen am Mittwochabend zum Anlass für eine Fraktionserklärung im Zürcher Gemeinderat: «Politisch ist eine solche Einflussnahme für uns absolut inakzeptabel.» ….

Der Industrielle Emil Georg Bührle, der im Zweiten Weltkrieg die Nazis mit Kanonen belieferte, war ein Kunstfreund und Mäzen. Seine Geschäfte mit Waffen, aber auch seine private Kunstsammlung waren schon früh Gegenstand heftiger Polemiken, vor allem von links. Moral und Ethik scheinen für viele als Kompass unumgänglich bei der Betrachtung eines Manns, der mit dem Verkauf von Rüstungsgütern an die Nazis exorbitante Summen verdiente. Und der sie dann auf dem Kunstmarkt einsetzte, auf dem viele Gemälde wegen Hitlers Kriegs- und Raubzügen überhaupt erst zu haben waren. Bis heute bleibt Bührle eine umstrittene Persönlichkeit.(NZZ online 27.8.2020)

Globale Themen als Kurz-Infos. Medientipp

Wie finden Interessierte verlässliche Kurz-Infos über globale Themen – und nicht nur dann, wenn ein Konflikt ausbricht (vgl. Libanon)

Hans Högl

Der deutsch-französische Kultursender ARTE bringt die je 10-minütige exzellente Kurzsendung „OFFENE GRENZEN„. Einige Themen als Beispiele:

Chinas Machtinteressen im Westpazifik/ Japan-Rückkehr ins Zentrum?/ Geopolitik im Cyberspace/ Künstliche Intelligenz als neues Machtinstrument?/ Singapur- Modellstaat?/ Kann Großbritannien auf den Commonwealth setzten?/ Ernährung: Globalisierung auf unseren Tellern/ Wer beherrscht den Weltraum?/ Migration in Afrika/Epidemien im Laufe der Geschichte…..

Wer diese Sendungen programmiert, verfügt über gute Übersichten.

Bankverbrecher läuft frei herum

Beachtlicher Leserbrief im Massenblatt die „Krone“

Hans Högl

Wenn eine Zeitung in Österreich von Intellektuellen verachtet wird, dann ist es das Massenblatt „Die Krone“. Sie erreichte früher über 40 % des österr. Publikums, heute sind es um die 30 %. Wie auch immer dieses Blatt generell zu evaluieren ist, so ist die Frage eines Leserbriefschreibers legitim. Er kritisiert, dass derjenige, der den Bankenskandal im Burgenland im Wesentlichen verursacht hat, freien Fußes ist, wo doch viele Menschen und Gemeinden Geld verloren haben oder sich darum sorgen mussten.

Text des Leserbriefes mit dem Titel „Gleichheit“.

„Es fragt verblüfft das Publikum, warum läuft jener frei herum, der alle Welt brutal belogen, die vielen Sparer frech betrogen. Ein Hendeldieb (Hühnerdieb), den man gefasst er landet kurzerhand im Knast (Gefängnis). Wobei wir bei der Frage wären, kann diesen Vorgang wer erklären? Ach so, ein Typ ist prominent! Ein Hoch der Gleichheit, die man kennt. Willibald Zach, Krems.“

Gibt es das- „Der Spiegel“ mit Positivnachrichten?

Hans Högl. Buchrezension

Auf allen Kanälen erreichen uns Bilder und Nachrichten aus einer Welt, die aus den Fugen zu geraten scheint. Diverse Medien umstellen die Öffentlichkeit fast lückenlos mit schlechten Nachrichten. Kein Wunder, dass die Menschen Angst vor der Zukunft haben.

Aber diese Perspektive offenbart nur einen Teil der Wirklichkeit. Sie beschränkt sich darauf, was schief geht. Und das sehr kritische Magazin „Der Spiegel“ fragt: Wie war das vor zehn, vor 50 Jahren?

Und so handelt das SPIEGEL-BUCH „Früher war alles schlechter“ von langfristigen Fortschritten der Menschen und stellt dies in kurzen Texten und illustrativen Graphiken dar.

Die im Buch erörterten Themen, in denen sich die Welt verbesserte, sind z.B.: Meerwasserentsalzung, Sauberes Wasser weltweit und sanitäre Anlagen, Müttersterblichkeit, Wohlstand in China, Schusswaffenkriminalität, Zugang zu Elektrizität, Jugend und Alkohol. Insgesamt werden in einem Band 63 Themen erörtert. Es lohnt sich, das Buch zu lesen.

Wird Italiens üppiges Parlament zurecht gestutzt?

Hans Högl

Unsere Medien neigen dazu, Auslandsnachrichten im Sinne von inländischem Parteiinteresse zu deuten. Unabhängig davon verweise ich aus dem Kontext der Medienkultur auf ein folgenreiches Referendum in Italien und dies früher als sonst in unseren Medien.

Die Länder des EU-Südens stehen im Mittelpunkt der jetzigen EU-Verhandlungen. Von einer Seite (Merkel-Macron) wird Hilfe für den Süden mit der unverschuldeten Corona-Krise argumentiert. Tatsache ist, dass es in Ländern wie Spanien und Italien schon lange eine gefährliche Jugendarbeitslosigkeit gibt und in Italien eine große Schattenwirtschaft. Doch vielen Italienern geht es als Person besser als dem italienischen Staat. Dieser steht vor großen Problemen und deren politische Elite tanzt quasi weiter auf dem Vulkan.

Nun diese selbstgenügsame politische Elite erfährt im frühen Herbst einen Test, der zwar nicht die Halbinsel grundlegend ändert, aber doch signifikativ für einen partiell-wichtigen Wandel ist.

Im Frühherbst sind die Italiener voraussichtlich zu einem Verfassungsreferendum aufgerufen und werden gefragt, ob sie wünschen, die üppige Zahl der Parlamentarier zu verringern, nämlich die Abgeordnetenkammer soll von 630 auf 400 vermindert werden, die Zahl der Senatoren von 315 auf 200 sinken.

ORF – Gebührenzahler quasi ohne Mitsprachechance

Der „Standard“- Medienjournalist Harald Fidler interviewte den früheren ORF-General T.Podgorski am 16.Juli 2020, nachzulesen auf „Standard/Etat“.Es ist ein vielsagendes Interview im Sinne der Medienkultur des Landes (Hans Högl).

STANDARD: Kann der ORF unabhängig sein?
Podgorski: Nein. Er wird ja bezahlt von der Regierung.
STANDARD: Von den Gebührenzahlern.
Podgorski: Die haben ja kein Mitspracherecht. Ich weiß das aus eigener Erfahrung. Ich habe als ORF-Generalintendant eine lange fällige Gebührenerhöhung gemacht. Da geht man von einem zum anderen wirklich als Knecht mit dem Hut in der Hand, muss sich tief verbeugen und wird angeschnauzt, dass man so viel Geld verbraucht und das nicht notwendig ist. Übrigens von Rot und Schwarz gleichermaßen.

Hans Högl: Hier bestätigt Podgorski nichts Neues, aber ungewöhnlich direkt, dass eine Mitsprache der Gebührenzahler quasi kaum gegeben ist. Hier muss der zahnlose Publikumsrat genannt werden, der selbstverständlich mehr Kompetenzen haben könnte und sollte, wenn man das wollte. Publikumsräte haben dies schon lange gefordert. Es geht nicht darum, dass Publikumsräte konkret Programme von Tag zu Tag gestalten, sondern dass sie bei Programm -Schienen, Formaten entscheidender mitbestimmen. Und der Ablauf der Sitzungen des Publikumsrates könnte viel effektiver bei einer Moderation gestaltet werden. Wenn man das will, sagte mir eine Moderatorin, die zur Verfügung stünde….

Ein Exempel für ein neues Sendeformat: In Österreich hat jede/r fünfte BewohnerIn Schwierigkeiten mit Deutsch, eine fundamentale Voraussetzung für Integration. Was hindert den ORF in modernen Weise für diese Menschen Deutschsprachkurse anzubieten?. Muss es denn soviele Kochkurse geben?

Landminen optimal aufgespürt

Hans Högl:Good News (Nzz-online)

Landminen: In Kambodscha werden Ratten zum Aufspüren von Landminen eingesetzt. Während die Tiere es schaffen, in 20 Minuten 200 Quadratmeter zu durchkämmen, braucht ein Techniker mit Metalldetektor dafür bis zu vier Tage. Seit April 2015 wurden bereits vier Millionen Quadratmeter von explosiven Kriegsresten mit Hilfe der Ratten gesäubert.