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Mediendämmerung

In der Medienlandschaft hat sich in den vergangenen Jahren ein markanter Wandel vollzogen. So hat die Mediennutzung via Internet enorm zugenommen. Tageszeitungen haben an Einfluss und Bedeutung verloren. Dabei sind bzw. wären gerade Qualitätsmedien von demokratiepolitisch hoher Relevanz. Vor all dem steht die Frage, wie guter Journalismus trotz widriger Entwicklungen der Medienbranche aufrechterhalten und gefördert werden kann.

Ilse Kleinschuster *

Unter dem Titel „Mediendämmerung“ veröffentlichte die Wiener Zeitung am 29.6.2023 einen Gastkommentar von Konrad Paul Liessmann. Ich erinnerte mich daran als ich heute im STANDARD den Kommentar von Petra Stuiber gelesen habe, in dem sie meint, „in den Medien muss sich viel ändern, damit Journalismus überleben kann.“ https://www.derstandard.at/story/3000000317058/in-medien-muss-sich-viel-aendern-damit-journalismus-ueberleben-kann

Sicher braucht es von Zeit zu Zeit neue Studien (bezugnehmend auf die Studie des „Medienhaus Wien“, im Auftrag unseres Medienministers Andreas Babler) als Grundlage, anhand derer althergebrachte Vorgehensweisen überholt und neu konzipiert werden können. Ob sich dann daraus resultierende Vorschläge kulturpolitisch auch effektiv umsetzen lassen, wird die Zukunft zeigen. Journalistische Leistungen sollen einer der Studien zufolge besser messbar gemacht werden. Als förderwürdig sollen künftig gelten: Newsroom-Strukturen, Korrespondentenbüros, Produktionsflächen inklusive Audio-Video- und Podcast-Ausstattung und die Arbeitsplätze für Rechercheteams. Dieser Vorschlag birgt hohe Kosten, die wohl zu einem politischen Hürdenlauf einladen.

Petra Stuiber ist skeptisch „in Anbetracht der Rasanz, mit der journalistische Arbeitsplätze derzeit verschwinden“ könnte sich die Frage nach den öffentlichen Kosten für Journalismus als der demokratiegefährdende Kipppunkt im medialen Wandel herausstellen. Als Journalistin, die für Qualitätsjournalismus einsteht, finde ich ihre Bedenken berechtigt. Ich meine auch, dass sich guter Journalismus ohne eine Anzahl von dafür gut qualifizierten Menschen, denen auch genügend Zeit für gute Recherchen gewährt wird, nicht ausgehen kann. Und mit Petra Stuiber meine ich auch: „wo guter Journalismus fehlt, ist die Demokratie gefährdet.“

Leistungsgerechte Förderung hin oder her, ich denke, solange Milliarden an Fördergeld von österreichischen Medien an Google und Co abfließen, wird’s wohl nix mit den dringend notwendigen Reformen. Jedoch, sollte es möglich sein, eine Dividende aus diesem staatlichen Gewinn für ein Grundeinkommen für Arbeit im Bereich des Journalismus zu verwenden.- So wie das Volksbegehren nach einem Bedingungslosen Grundeinkommen (z.B. für Care Arbeit) würde wohl auch dieses abgelehnt….

Es sei denn …, diese Koalition gibt ihrer Wählerschaft klar und deutlich zu bedenken, dass gerade jetzt, im Zeitalter der digitalen Kommunikation, Tageszeitungen, gar solche auf Papier, kulturpolitisch wichtig sind. Denn, dass sie dies nicht seien, so K.P.Liessmann, sei „eine These, die paradoxerweise umso falscher wird, je raffinierter und leistungsfähiger die Instrumente der Künstlichen Intelligenz werden, die zunehmend unsere medialen Produkte bestimmen, denn wie das Geld lebten auch Medien von einer wesentlichen Disposition: Vertrauen. Die klassische Informationsflut werde mittlerweile flankiert von einer undurchsichtiger werdenden Quellenlage und der wachsenden Schwierigkeit, zwischen realitätsnahen und fingierten Dokumenten überhaupt unterscheiden zu können. Wenn allgemein zugängliche Programme jede Stimme imitieren, wirklichkeitsgetreue visuelle Fälschungen generieren und Texte aller Art produzieren können, gleiche die Suche nach verlässlichen Nachrichten im Internet einer Fahrt im Diffusen: Mediendämmerung. Es erscheine nahezu zwingend, dass man unter solchen Bedingungen noch am ehesten dem traut, was die eigene Weltsicht bestätigt. Dafür gibt es für jeden genug im Netz. Das Denken bewegt sich im Kreis. Die Alternative wäre, an allem prinzipiell zu zweifeln. Das mache das Leben nicht leichter“. https://www.wienerzeitung.at/h/mediendammerung

* Gastautorin Ilse Kleinschuster ist freie Journalistin und besonders engagierte Aktivistin im Bereich der Zivilgesellschaft

Macht der Medien und „richtige Kommunikation“

Wird aus Berichterstattung Meinungsmanipulation in Zeiten multipler Krisen?
Muss „richtige Kommunikation“ auf der Strecke bleiben bei Themen wie Klimawandel oder Corona?

Ilse Kleinschuster*

„Viele Politikmaßnahmen gehen immer noch von einem rationalen Verhaltensmodell des Menschen aus. Die Wirksamkeit von Maßnahmen und Kommunikation hängt aber entscheidend davon ab, wie Menschen darauf reagieren. Hier setzt die Verhaltensökonomie an. Ein neuer Ansatz in der Politikgestaltung, der auf dem Analysieren und Verstehen menschlichen Verhaltens beruht“, eine Thematik, mit der sich Sophie Karmasin in ihrem Referat zur Einführung einer Vorlesung im Rahmen der Reihe „Mut zur Nachhaltigkeit“ beschäftigt.

Das Thema interessiert auch mich schon lange. Als aufmerksame Zeitungsleserin fühle ich mich oft auf die Frage nach richtiger Kommunikation zurückgeworfen. Und als langjährige Aktivistin in einer zivilgesellschaftlichen Organisation, die sich mit Fragen zu einer „besseren Welt“ beschäftigt, entdecke ich schon – in Gemeinschaft mit vielen anderen – viel Lösungspotential. Wenn ich dann aber die Tageszeitungen zur Hand nehme, muss ich lange suchen. Tja, meist ist es dann ein Bericht über einen „Green Brand“ Unternehmer, der auf sich aufmerksam macht, aber nichts von den vielen kleinen selbstorganisierten und sich selbstausbeutenden Unternehmungen, die sich mit ihren Visionen schon länger auf dem Feld der Praxis tummeln.

Verhaltensänderungsaffine Menschen sind offensichtlich dem heutigen Mainstream-Journalismus nicht der Rede wert. Journalisten und Journalistinnen stumpfen so ihre Konsumenten ab – und müssen die Schraube der Zuspitzung, Skandalisierung und Übertreibung weiterdrehen. Ob dadurch der Journalismus nicht selbst seine Position gegenüber den sozialen Medien geschwächt hat? Sicher aber hat er dadurch seinen großen Anteil an der Verbreitung allgemeiner Verunsicherung und Zukunftsangst. Außerdem fördert ein derart zugespitzter Stil der Berichterstattung den Vertrauensverlust in die Politik. Wobei das sicher auch die Schuld von gewissen populistischen Politikern ist. Ob wir in Österreich diesbezüglich eh noch ganz gut aufgestellt sind, das zu beurteilen überlasse ich Fachleuten. Ich denke, es könnte ohne das Korrektiv des kritischen Journalismus noch viel schlechter bestellt sein.

Bezüglich der Berichterstattung in den letzten Monaten fällt mir nur immer mehr eine starke Unausgewogenheit auf, was die möglichen Problempakete für unsere Zukunft betrifft. Ich erlebe, wie sehr das neue Corona-Virus die Aufmerksamkeit fesselt und so die Wirtschaft und das Leben vieler Menschen beeinflusst (wobei ja in Kreisen der Befürworter einer „Großen Transformation“ ,eine „Green New Deal“, dies nicht unbedingt nur negativ gesehen wird!).

Es ist ja lobenswert, wie sehr versucht wird, mittels staatlicher Logistik und Hightech-Medizin die Corona-Pandemie in den Griff zu bekommen und wie die mediale Berichterstattung dabei sich ins Zeug legt. Aber letztlich macht es den meisten Menschen doch Angst und diese wirkt bekanntlich lähmend. Was diese Zeit aber jetzt braucht sind inspirierende Innovationen. Wäre es demnach nicht besser, statt Angst zu schüren vor einem neuen Virus, die Menschen auch darüber zu informieren, dass sie sich auf ein ständiges Auftreten neuer Erreger einstellen sollten. Es würde vielen auch nicht schaden sie zu informieren, wie auch Konflikte und überhaupt nicht nur ein hoffentlich nie eintretender Gebrauch von Atomwaffen und regelmäßige Pandemien die Lösungskapazität für die anstehenden großen Herausforderungen, etwa im Bereich der Ökologie, stark einschränken.

Ich wünschte, es entstünde eine breitere Diskussion bezüglich Falschinformation (zumindest keine irreführende Information), diese sollte aber demokratisch organisiert sein und nicht „von oben“ als „Kommunikationskampagne gegen Falschinformation“, wie es der EU-Ratspräsident Charles Michel vor dem Corona-Gipfel zum Kampf gegen die Pandemie kürzlich vorgeschlagen hat.

Hier vermisse ich noch die Macht der Medien und ihre Verantwortung den BürgerInnen gegenüber – objektiv zu informieren und als öffentlicher Raum für „richtige Kommunikation“ zu dienen!

*Ilse Kleinschuster ist engagiertes Mitglied der Initiative Zivilgesellschaft und der Vereinigung für Medienkultur

Irritation um deutschnationale Gesinnung

Kritik an umstrittener Rede des 3. NR-Präsidenten weitgehend ohne Medienecho

Udo Bachmair

Er ist einer der höchsten Repräsentanten der Republik Österreich. Er gehört dem Präsidium des österreichischen (!) Nationalrates an. Er ist immerhin dritter Nationalratspräsident: Der ehemalige FPÖ-Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer. Er scheint nach einem schmeichelweichen Wahlkampf mit verschleiernden Rhetoriktricks nun keine Hemmungen mehr zu verspüren, seine weit rechte Gesinnung leidenschaftlich zu offenbaren. Getan, gesagt beim berühmt-berüchtigten Akademikerball der freiheitlichen Burschenschafter in der Wiener Hofburg.

Traditionelle Medien sind nicht oder nur am Rande auf die Rede Hofers „aufgesprungen“. Das Links-Rechtsspektrum hat sich in unserem Lande offenbar bereits derart verschoben, dass Äußerungen in der Öffentlichkeit, die noch vor Jahren als rechtsextrem eingestuft worden sind, heute bereits in die Mitte gerückt und salonfähig geworden sind.. Vor diesem Hintergrund dürften manche JournalistInnen und PolitikerInnen entsprechende Sensibilitäten bereits eingebüßt haben..

Eine der wenigen Ausnahmen stellt hingegen der grüne Abgeordnete Karl Öllinger dar. Er warnt unermüdlich vor den Gefahren von rechts und hat sich nun auch die erwähnte Rede Norbert Hofers „vorgenommen“. In einem Bericht der APA, der wie gesagt kaum Eingang gefunden hat in Tageszeitungen oder in den ORF und daher an dieser Stelle veröffentlicht wird, heißt es zur Causa:

„Dass sich der Dritte Nationalpräsident und Vizechef der FPÖ seine Ballkarte für den Akademiker-Ball der FPÖ von den BürgerInnen der Republik Österreich zahlen lässt, ist das eine, dass er dann aber bei diesem FPÖ-Ball vor teilweise rechtsextremen Burschenschaftern auch noch mit einem Bekenntnis zur deutschnationalen Gesinnung punkten will. Das ist unverschämt und inakzeptabel“, reagiert der grüne Abgeordnete Karl Öllinge auf die vom Online-Magazin Vice veröffentlichte Rede des FP-Präsidentschaftskandidaten am Ball. In dieser Rede bekennt sich die Nr. 2 der FPÖ offensichtlich zur deutschen Fahne („Und ich trage sie mit Stolz!“) und wünscht, dass „sich diese Farben wieder erheben können“. Irritation um deutschnationale Gesinnung weiterlesen