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Verrutschter Diskurs

Der Diskurs zu Israel-Palästina wird speziell in Deutschland und Österreich eher emotional und kaum faktenbasiert geführt. Vor diesem Hintergrund sieht sich neben anderen Journalistinnen besonders auch die Nahost-Expertin Kristin Helberg aktuell erneut medialen Angriffen ausgesetzt. Im Gespräch mit etos.media-Redakteur Jakob Reimann spricht sie über verengte Debattenräume und die Strategien hinter der Diffamierung. Im Folgenden das (von Udo Bachmair) leicht gekürzte Interview.

Kristin Helberg * (auf Fragen von etos.media**)

etos.media: Als Journalistin und Autorin äußern Sie sich in deutschsprachigen Medien klar und kompetent zu Israel-Palästina sowie weiteren Kriegen und Konflikten in Westasien – und werden dafür seit Langem von proisraelischen und rechten Akteuren angegriffen. Wie gehen Sie damit um?

Kristin Helberg: Ich betrachte diese Akteure nicht als „proisraelisch“ und verstehe mich selbst auch nicht als „propalästinensisch“. Als Journalistin bin ich nicht für oder gegen bestimmte Menschen oder Staaten, sondern wende die gleichen Standards in der Berichterstattung über Israel und Palästina an wie in anderen Kontexten. Weil viele deutsche Medien das nicht tun, stehen wir „Nahost-Experten“ dann als einseitig propalästinensisch da. Wir werden in Talkshows eingeladen, um die – inzwischen oft von CDU-Politikern vorgetragene – israelische Propaganda zu entlarven, und werden hinterher als „Hamas-Versteher“ beschimpft. Eigentlich müssten da Vertreter beider Parteien sitzen, deren Aussagen wir unabhängig einordnen oder erklären könnten. Aber palästinensische Perspektiven fehlen meist komplett. Der Diskurs zu Israel-Palästina ist so verrutscht, dass Experten, die auf der Grundlage von Völkerrecht und Menschenrechten argumentieren, als Terrorapologeten dastehen – das ist das Problem. Wer in Deutschland die israelische Armee zitiert, steht vermeintlich auf der „richtigen Seite der Geschichte“, wer humanitäre Helfer, Menschenrechtsorganisationen, UN-Kommissionen und internationale Gerichtshöfe zitiert, gilt als „Israel-Hasser“ oder hat eine „Obsession mit Israel“.

etos.media: In letzter Zeit häufen sich die Angriffe gegen Sie. Sehen Sie darin eine koordinierte Kampagne, oder braucht es dafür gar keine Koordination mehr?

Kristin Helberg: Gute Frage. Ich gehe davon aus, dass sich die Protagonisten untereinander kennen, aber die Dynamik entsteht wahrscheinlich ohne konkrete Absprachen. Wenn linke anti-deutsche Autoren mit der Diffamierung anfangen und am Ende rechte Polemiker mit den gleichen Falschbehauptungen Hitler verharmlosen, läuft etwas gehörig schief.
Da ich sehr auf Fakten und eine korrekte Sprache achte, liefere ich wenig Angriffsfläche. Das frustriert manche. Wenn sie nichts gegen mich finden, kommt das Argument mit dem „syrischen Ex-Mann“. Das ist einerseits lustig, andererseits sexistisch. Denn es unterstellt, dass ich als weibliche Analystin sage, was ich sage, weil ich mit einem Syrer verheiratet war. Beeinflussung durch die Ehefrau vermutet man bei männlichen Kollegen eher nicht.
Jetzt glauben meine Gegner, „neues Material“ gegen mich gefunden zu haben: meine Arbeit für Zeit zu reden. Deshalb stürzen sie sich darauf. Sie versuchen, mich als „palästinasolidarische Aktivistin“ darzustellen – was etwas Ehrenwertes ist, aber nicht meinem Selbstverständnis entspricht – und so meiner Glaubwürdigkeit als Journalistin zu schaden.

etos.media: In den Artikeln über Sie und Zeit zu reden fallen häufig Begriffe wie „antiisraelisch“ oder „israelfeindlich“. In Zeiten von Völkermord, ethnischer Säuberung, Besatzung und anhaltenden Bombardierungen mehrerer Länder in der Region: Wie viel politisches Schmähpotenzial steckt heute in solchen Begriffen?

Kristin Helberg: In Deutschland als „Israelfeind“ markiert zu werden, ist ein Problem. Aber ich muss dem Staat Israel nicht feindlich gegenüberstehen, um ihn in seiner aktuellen Verfasstheit zu kritisieren – als Besatzungsmacht expandierend und ohne vollständig markierte Grenzen, mit Institutionen, die für die genannten Verbrechen verantwortlich oder daran beteiligt sind. Die Besatzung palästinensischer Gebiete hat ja nicht unter der aktuellen Regierung begonnen, sondern besteht seit Jahrzehnten, ist laut Internationalem Gerichtshof (IGH) auf Dauer angelegt und deshalb illegal. Neu ist die offiziell beschlossene und vorangetriebene Annektierung. Ich bin also weder „antiisraelisch“ noch „israelfeindlich“, sondern ordne ein, was unabhängige Quellen feststellen.

etos.media: Bei einer Veranstaltung sollen Sie gesagt haben, es sei ein großes Problem, dass Deutschland sich mit der Staatsräson klar für das Existenzrecht Israels ausspreche.

Kristin Helberg: Meine Aussagen wurden hier bewusst verkürzt und missverständlich wiedergegeben. Das Problem besteht darin, dass das bloße Nachdenken über eine Veränderung israelischer Staatlichkeit in Deutschland skandalisiert wird. Menschen, die sich für eine andere territoriale Lösung als die Zweistaatenlösung einsetzen, wird pauschal unterstellt, sie wollten Juden vertreiben. Dabei gibt es auch in Israel Menschen, die über einen Staat mit gleichen Rechten für alle oder eine Konföderation nachdenken. Über die Möglichkeiten des gleichberechtigten Zusammenlebens von sieben Millionen Juden und sieben Millionen Nicht-Juden zu diskutieren, bedeutet nicht automatisch, die reale Existenz des Staates Israel infrage zu stellen oder gar einen Angriff auf den Staat Israel zu rechtfertigen. Deswegen sprechen sich viele deutsche Juristen gerade dagegen aus, die Leugnung eines völkerrechtlich nicht kodifizierten Existenzrechts unter Strafe zu stellen.

etos.media: Spätestens seit dem Hamas-Angriff auf Israel und dem israelischen Zerstörungskrieg in Gaza ist der Begriff der „Staatsräson“ allgegenwärtig. Wie beeinflusst dieses aus dem Feudalismus stammende Konzept die Berichterstattung?

Kristin Helberg: Die deutsche Politik hat die Sicherheit Israels als Teil der Staatsräson definiert und versteht diese als unbedingte Solidarität mit dem israelischen Staat und seiner Regierung, nicht mit den dort lebenden Menschen. Auf dieser Grundlage setzen Politiker und Journalisten Antisemitismus inzwischen mit Israel-Kritik gleich und behaupten, damit sowohl jüdisches Leben in Deutschland als auch Israel als „Wertepartner“ schützen zu wollen. Dabei erreichen sie mit dieser Vermischung das genaue Gegenteil: Sie schaden hier lebenden Juden und zivilgesellschaftlichen Akteuren in Israel, die unsere eigentlichen Verbündeten sein sollten. Juden weltweit dürfen unter keinen Umständen mit den Taten Israels in Verbindung gebracht werden – erst recht nicht in Zeiten, in denen Israel wegen Genozids angeklagt ist und Haftbefehle gegen israelische Politiker wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorliegen. Deshalb muss verantwortungsvoller Journalismus klar zwischen Hass auf Juden als Juden und Kritik an Israel wegen aktuell stattfindender Verbrechen unterscheiden. Genau für diese Differenzierung setze ich mich in meiner Arbeit als Journalistin und als Moderatorin bei Zeit zu reden ein.

Die Journalistin und Politikwissenschaftlerin Kristin Helberg berichtete sieben Jahre lang von Damaskus aus über Westasien, hat mehrere Bücher zu Syrien geschrieben und lebt heute als Autorin, Analystin und Moderatorin in Berlin. Sie ist Mitgründerin der Gesprächs- und Bildungsinitiative Zeit zu reden, deren Veranstaltungen sie seit September 2024 moderiert. Früher auch als ORF-Korresponentin tätig gewesen, ist Kristin Helberg heute seitens des ORF nicht mehr erwünscht…

Das ungekürzte Gespräch ist abrufbar via www.etosmedia.de/politik/wer-internationale-gerichte-zitiert-gilt-als-israel-feind-im-gespraech-mit-kristin-helberg<

Militarisierung in Medien und Politik *

In Politik und Medien greifen Aufrüstung und Militarisierung weiter um sich. Am Beispiel des Ukraine- und des Gazakriegs zeichnet sich eine besonders unheilvolle Entwicklung ab.

Udo Bachmair *

Der Ukrainekrieg und die Medien

Verstärktes Aufrüsten in Worten und Taten gibt zunehmend Anlass zur Sorge. Wachsende Kriegsrhetorik in Politik und Medien verheißen nichts Gutes. Der unheilvollen Entwicklung könnte seriöser und differenzierender Journalismus begegnen. Der Mangel eines solchen lässt sich zurzeit vor allem am Beispiel der Berichterstattung westlicher Medien zum Ukraine- und Gazakrieg belegen.

Im Fall des Ukrainekriegs wird ein russisches Bedrohungspotential herbeigeschrieben und -geredet, das angeblich ganz Europa bedroht. Hand in Hand mit einem schon traditionellen antirussischen Feindbild, an dem medial und auch seitens politischer Akteure bereits seit langem konsequent gearbeitet wird. Die enorme Aufrüstung der EU wird somit begleitet und angeheizt durch entsprechende verbale Munition mit speziell militaristischem Wording.

Putin habe die Absicht, ganz Europa zu überfallen, heißt es immer wieder seitens russophober Hardliner, unter ihnen etwa EU-Mandatar Helmut Brandstätter. Der Ex-Kurier-Chefredakteur befindet sich damit in mehr oder weniger, ja eher weniger guter Gesellschaft mit militaristischen Wortführerinnen, wie Kommissionspräsidentin Von der Leyen, der Vorsitzenden des außenpolitischen Ausschusses der EU-Kommission, Strack-Zimmermann sowie nicht zuletzt mit Ex-Außenministerin Bärbock, die längst vergessen hat, dass die Grünen einmal Motor der Friedensbewegung waren. Die EU-Außenbeauftragte Kallas komplettiert die Riege an Kriegsrhetorikerinnen.

Ein diplomatisches Engagement der EU, diesen unnötigen Krieg zu beenden, lässt weiterhin zu wünschen übrig. Anstatt die gefährliche Lage zu kalmieren, hat der neue deutsche Kanzler Merz Öl ins Feuer gegossen mit der Ankündigung noch reichweitenstärkerer Raketen, die nun problemlos auf den Moskauer Zentralraum und andere Städte Russlands abgeschossen werden könnten. Die damit einhergehende Kriegsrhetorik bringt es auch mit sich, dass etwa der Begriff Frieden zu einem negativ geladenen Begriff mutiert ist. Er wird vorwiegend zu Begriffen wie Diktatfrieden oder Friedensdiktat umgemünzt.

Grundsätzlich ist klar: Kriegspropaganda betreiben immer beide Seiten eines Konflikts. Gleichgeschaltet wirkende Medien und auch zahllose PolitikerInnen gehen hingegen davon aus, dass nur Russland Kriegspropaganda betreibt, nicht aber auch die Ukraine. Daraus resultiert jener durch diverse Studien bereits mehrfach belegte Eindruck, dass in der westlichen Berichterstattung ukrainische Propaganda oft als „faktenbasiert“ präsentiert wird, russische hingegen als bloße Propaganda. Friedensrhetorik hingegen wird als naiv abgetan, eine solche würde Aggressoren, wie Putin, nur weiter ermuntern, wird argumentiert.

In Politik und Medien wird zunehmend vermittelt, dass ein Sieg der Ukraine unbedingt nötig sei, da ansonsten die Existenz ganz Europas auf dem Spiel stünde. Damit wären auch „unsere westlichen Werte“ betroffen. Aber man fragt sich, ob denn die Ukraine diesbezüglich tatsächlich Vorbild sein könne, ein Staat, der hinsichtlich Korruption und Pressefreiheit weltweit die hintersten Ränge belegt. Ungeachtet dessen wird ein Sieg gegen Russland von Politik und Medien gleichsam zur Pflicht erkoren. „Wir müssen kriegstüchtig werden“, tönt es vor allem aus Deutschland, angestimmt und befeuert auch vom SPD-Verteidigungsminister Pistorius.

Vor diesem Hintergrund verdichtet sich der Eindruck, dass auch die öffentlich-rechtlichen Medien, die zur Objektivität auch in der außenpolitischen Berichterstattung verpflichtet wären, die Politik vor sich hertreiben, immer mehr und immer weiter aufzurüsten. Angesichts der enormen Profite der Waffenkonzerne sowie der Interessenslage der NATO fehlt offenbar jeglicher Wille, weiterer intensiver Aufrüstung abzuschwören. Es läge natürlich auch am russischen Präsidenten, größere Verhandlungsbereitschaft zu bekunden, auch wenn ihm der Westen noch so sehr die kalte Schulter zeigt.

Aus Moskauer Sicht hat der Westen mit der NATO-Erweiterung bis an die Grenzen Russlands eine besonders gefährliche Entwicklung provoziert. Jede Bereitschaft und Fähigkeit scheinen dafür zu fehlen, sich auch in die Position Russlands hineindenken zu können. So wird die subjektiv gefühlte Bedrohung durch die westliche Militärallianz ebenfalls als bloße Propaganda abgetan. Diesbezügliche Einseitigkeit erscheint besonders schmerzlich dann, wenn sie in einem neutralen Staat wie Österreich gang und gäbe ist. Auch hierzulande werden besorgte Menschen, die auf Friedensverhandlungen drängen, als „russische Trolle“ verächtlich gemacht.

Schon Jahre vor dem Krieg haben westliche Medien und PolitikerInnen Russland beharrlich zu einem Feindbild hochstilisiert. Dabei helfen einzelne Begriffe und Worte, wie sie auch in der vermeintlich objektiven Nachrichtensprache verwendet werden. So werden in Meldungen und Kommentaren Äußerungen russischer Politiker tendenziell mit Prädikaten wie „behaupten“, „unterstellen“ etc. versehen. Wenn ein ukrainischer oder EU Politiker eine Stellungnahme abgibt, lauten hingegen meist die Prädikate „betonen“, „bekräftigten“, „erklären“ etc., also positiv geladene Begriffe.
Abermals sei bekräftigt, dass ein Angriffskrieg im 21. Jahrhundert in Europa ein absolutes „No Go“ sein sollte. Großmachtphantasien mit einem realen Krieg erzwingen zu wollen, ist menschen- und völkerrechtlich strikt abzulehnen. Krieg und Gewalt sind per se Verbrechen, besonders ein aggressiver militärischer Überfall. Das heißt aber nicht, dass automatisch nur der Aggressor Kriegsverbrechen begeht.

Leider muss sich auch der ORF manche Kritik gefallen lassen. So werden überwiegend ExpertInnen in Ö1-Journale oder ZiB 2-Sendungen eingeladen, die undifferenziert proukrainisch und militaristisch argumentieren. Damit werden auch die zahlreichen Hintergründe, die mit zum Ausbruch des Krieges 2014 bzw. 2022 geführt haben, weitgehend ignoriert. Einer der vorbildlichen Ausnahmen unter den ORF-Redakteuren ist Christian Wehrschütz. Er bleibt trotz mancher Widerstände gegen ihn beharrlich bei seinem journalistischen Ethos, objektiv zu bleiben im Sinne von Audiatur et altera pars.

Es wäre falsch, allen JournalistInnen vorzuwerfen, sich auch in heiklen außenpolitischen Fragen nicht um Objektivität und Seriosität zu bemühen. Manchen aber scheint nicht bewusst zu sein, dass sie sich für eine Seite (pro Ukraine, pro Israel) vor den Karren spannen lassen. Unter der einfachen Devise: Die Einen gut, die Anderen böse. Somit bleibt das bereits lange aufgebaute Feindbild Russland weitgehend unverrückbar. Außenpolitische Ressorts sind personell so sehr ausgedünnt worden, dass für die Nutzung ausreichend alternativer Quellen kaum noch Zeit bleibt. So wird medial meist das präsentiert, was die großen westlichen Agenturen mit ihrem speziellen Wording vermitteln.

Nicht zuletzt aus diesem Grund polemisieren manche heimischen Medien und PolitikerInnen gegen die Neutralität. In einigen Kommentaren wird unverhohlen Stimmung aufbereitet für einen Beitritt Österreichs zur NATO. Dabei böten sich für Österreich als neutralen Staat große Chancen, Kriegsparteien an einen Tisch zu holen. Nur: Österreichs Neutralität hat massiv Schaden erlitten durch eine österreichische Außen- und „Neutralitäts“-Politik, die den Namen längst nicht mehr verdient, die sich bei globalen Konflikten jeweils einseitig positioniert.

Der Gazakrieg und die Medien

Angesichts des immer brutaler werdenden Vorgehens der israelischen Regierung unter Netanjahu wächst die Kritik an dessen Kriegskabinett mehr und mehr. Vor allem Frankreich, Großbritannien und Kanada haben gegen die Kriegsführung Israels Stellung bezogen. Auch der deutsche Kanzler Merz hat überraschend klare Worte der Kritik zur überbordenden Reaktion Israels auf das Hamas-Massaker gefunden. Das offizielle Österreich hingegen zeigt sicher eher zurückhaltend mit direkter Kritik am potentiellen Kriegsverbrecher Netanjahu.

Im Gegensatz zu Ländern außerhalb Österreichs und Deutschlands erscheint es hierzulande als absolutes Tabu, von Völkermord zu sprechen. In unseren Medien, etwa in der reichweitenstarken ZiB1 ist vorsichtig von Umsiedelung die Rede, beschönigendes Wort für Vertreibung. Experten, die klar von Völkermord und Vertreibung sprechen, wie etwa der deutsche Politologe Lüdders, werden hierzulande weitgehend verschwiegen. Irritierend erscheint auch, dass eine humanitäre Bewegung wie die Sozialdemokratie nicht größeren Mut fasst, die Hölle auf Erden, wie UNO-Hilfsorgane die Lage in Gaza beschreiben, klar als Kriegsverbrechen zu bezeichnen.

Ausnahme Ex-Bundespräsident Heinz Fischer, der sich beeindruckend deutlich von der rechtsextremen Regierung Israels distanziert hat. Umgehend sah er sich dem Vorwurf des Antisemitismus ausgesetzt. Nicht nur in der Servus-TV-Sendung „LinksRechtsMitte“ , in der Fischer vom rechtslastigen Soziologen Heinzelmaier sowie auch von Puls 4 Chefredakteurin Milborn als dezidiert antisemitisch bezeichnet wurde, auch in einem ORF-Talk mit dem Ex-ÖVP-Abgeordneten Engelberg wurde die Antisemitismus-Keule gegen Fischer eifrig geschwungen.

Immer wieder ist auch die Rede von einem Krieg Israels gegen die Hamas. Die Realität zeigt jedoch, dass mit bereits mehr als 50.000 Toten und 100.000en Verletzten und Verkrüppelten hemmungslos vor allem die Zivilbevölkerung ins Visier genommen wird. Doch Israels Propaganda spricht von gezielten Angriffen auf Hamas-Terroristen. Umgekehrt sehen Menschen in Gaza auch die israelische Regierung als „Terrorregime“. Doch niemals würden westliche Medien einen solchen Sprachgebrauch für Israels Regierung verwenden bzw. verwenden dürfen.

Würde ein (österreichischer) Journalist es wagen, von Angriffskrieg Israels gegen Gaza zu schreiben, bekäme er nicht nur einen gewaltigen Shitstorm zu spüren, sondern auch berufliche Existenzprobleme. „Kriegsverbrechen“, „Völkermord“ oder wie erwähnt „Angriffskrieg“ wären in Mainstream Medien absolut verpönt. Die Formulierung „Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine“ hingegen wird fast zur journalistischen Pflicht. Wenn man etwa von der sogenannten Faktencheck-Abteilung der APA ausgeht, die diese Formulierung „empfiehlt“. Die Bezeichnung „Ukrainekrieg“ sei zu neutral und verharmlose die Rolle Putins als Aggressor.

Der Versuch einer Sprachregelung als Vorgabe für einen freien und seriösen Journalismus? Einer solchen Entwicklung gilt es entgegenzuwirken.

* Der (leicht gekürzte) Beitrag von Udo Bachmair ist erstmals von der Solidarwerkstatt Linz (Redaktionsschluss Anfang Juni) veröffentlicht worden. Abrufbar ist der Beitrag (in voller Länge) via www.solidarwerkstatt.at/frieden-neutralitaet/aufruestung-in-politik-und-medien