Schlagwortarchiv: Dankesrede an Gerhard Zeiler

Marionette der Kronenzeitung

Gerhard Zeiler, bekannter Medienmanager, Kandidat der Kronenzeitung für das Amt des SPÖ-Vorsitzenden, hofft nun auch auf Unterstützung der Partei. „Ich will, dass man mich will“ lautet flehentlich seine Devise. Ein inhaltliches Konzept hat er bisher nicht vorgelegt. Sein Credo: Die Wirtschaft stärken. Sozialdemokratische Positionierung sieht für manche allerdings anders aus. Abgesehen davon, dass nicht nur Bablerunterstützern die beispiellose Anti-Babler-Kampagne der Krone ungut aufgestoßen ist. Nun hat sich der renommierte Autor und politisch wache Kopf Robert Menasse mit einer „Dankesrede“ an den Möchtegern-SPÖ-Chef zu Wort gemeldet (Einleitung Udo Bachmair):

Robert Menasse *

Vierfacher Dank an Gerhard Zeiler

1. ICH DANKE GERHARD ZEILER für seine Bereitschaft, mit Hilfe einer Kampagne der Kronenzeitung zu versuchen, Bundesparteiobmann der SPÖ zu werden. Es wird ihm nicht gelingen, und dahinter steht eine geniale Idee: dadurch wird sich nämlich endlich herausstellen, dass die Kronenzeitung nicht so mächtig ist, wie sie selbst glaubt und wie die meisten Politiker glauben. Dies ist von nicht zu unterschätzender Bedeutung für die österreichische Öffentlichkeit, und für die österreichischen Politiker, die dann begreifen werden, dass es absolut nicht notwendig ist, der Kronenzeitung und überhaupt dem Boulevard in Zukunft noch Schutzgeld zu bezahlen.

2. ICH DANKE GERHARD ZEILER für die unterhaltsame Bereicherung der österreichischen Innenpolitik. Suche nach Kompromissen ist langweilig, Pragmatismus ist fad, das Krakeelen vom rechten Rand ist repetitiv – da präsentiert Gerhard Zeiler eine Innovation: Politischen Surrealismus. Das ist noch nie dagewesen in der Welt der Demokratien, die auf einem Parteiensystem beruhen, dass einer auf die surreale Idee kommt, sich auf dem Marktplatz hinzustellen und zu verkünden: Ich will eine Regierungspartei übernehmen.
Und ich will, dass man mich will!

Wir kennen Millionäre, die gründen Parteien. Wir kennen Millionäre, die kaufen Parteien. Aber das ist neu, das ist blanker Surrealismus, dass einer ausruft: Ich will eine staatstragende Partei übernehmen.
Glaubt Gerhard Zeiler, er ist Godot? Und da ist er endlich?

Und der Surrealismus wird auf die Spitze getrieben, indem die österreichischen Medien und das Parteipersonal so tun, als wäre das völlig normal, und man müsse nun Pro und Contra diskutieren. Und es springen pensionierte Politiker auf die Bühne, nein, natürlich auf den Boulevard, und rufen, ihre Rollatoren energisch vor sich herschiebend: mit ihm geht die neue Zeit! Das hat kein Breton geschrieben, das hat kein Ionesco gedichtet.

3. ICH DANKE GERHARD ZEILER dafür, dass er uns ein so lebendiges, lehrreiches Beispiel dafür abgibt, wie übersteigerte Eitelkeit einen Menschen so realitätsblind macht, dass er nicht mehr erkennt, dass er nichts anderes mehr bewirkt als eine peinliche Selbstbeschädigung. Er glaubt, dass er eine Initiative setzte, er glaubt, dass er es ist, der handelt, und merkt nicht, dass er sich bloß zur Marionette der Kronenzeitung machen ließ, die ihn einfach als neue Waffe gegen Babler und dessen medienpolitischen Absichten gut brauchen kann. Zeiler glaubt, er hat das Heft in der Hand, aber in dem Heft steht nur: Zeiler ist ein nützlicher Idiot.

Dieses Beispiel wird noch viele Jahre im Staatskundeunterricht an österreichischen Schulen und in Einführungsproseminaren Erstes Semester Politikwissenschaft besprochen werden und somit positive Auswirkung auf die politische Bildung der nächsten Generationen haben. Danke Gerhard Zeiler.

4. ICH DANKE GERHARD ZEILER dafür, dass er klargemacht hat, was sozialdemokratisches Interesse ist. Wenn Zeiler wirklich ein denkender und empathischer Sozialdemokrat wäre, der sich jetzt in dieser schwierigen Situation produktiv einbringen will, dann hätte er sich gefragt, wie er mit seiner Expertise der Partei helfen könnte. Natürlich nicht mit einer weiteren Obmannschlachtungsdebatte, sondern: er, der erfolgreiche Medienmanager, hätte ohne großes Aufheben dem Medienminister Babler angeboten, ihn in seiner Medienpolitik beratend zu unterstützen.

Aber er hat es vorgezogen, in dieser für die Republik und die Öffentlichkeit und die Zukunft so wichtigen Frage Babler in den Rücken zu fallen und sich zur Marionette der Kronenzeitung zu machen, die zerstören will, was jeder Sozialdemokrat verteidigen muss. Das ist lehrreich. Danke, Gerhard Zeiler. Wir verstehen die Lehre.

Alles Gute für Ihren Ruhestand!

• Der Beitrag von Robert Menasse ist zunächst auf Facebook und in der Tageszeitung Die Presse veröffentlicht worden