Kategoriearchiv: Medienschmankerl

Syrien-Krieg: Wer ist hauptverantwortlich ?

Infos zum Syrien-Konflikt: Vereinzelt journalistische Lichtblicke

Udo Bachmair

Assad, Putin böse. Die USA und die syrischen Rebellen gut. So einfach macht es sich der Boulevard. Nur der ? Nein, auch sogenannte Qualitätsmedien gefallen sich in einer oft verblüffend einseitigen Sicht der Welt. Kein Wunder, sind die Hauptbezugsquellen für Informationen (auch) über den Syrienkonflikt fast ausschließlich die großen westlichen Agenturen wie AP, UPI, Reuters oder AFP. Von diesen wiederum beziehen kleinere Agenturen wie die dpa oder Österreichs APA ihre außenpolitischen Erkenntnisse. Diese wiederum fließen ein in die Redaktionskonferenzen auch österreichischer Medien.

Manchen auch seriösen JournalistInnen scheint dabei in der Hektik der Alltagsarbeit nicht bewusst zu sein, dass Informationen dieser Art wegen der dahinter stehenden Interessen einfach nicht objektiv sein können. Dabei bedürfte gerade eine so komplexe Causa wie der Syrien-Krieg einer differenzierenden Annäherung .

Doch es gibt journalistische Lichtblicke. So mischen sich in den Mainstream westlicher Berichterstattung  vereinzelt auch Analysen, die belegen, dass der Syrien-Krieg ein von langer Hand geplanter, von außen hineingetragener Konflikt ist. Analysen, die zudem klarmachen, dass Schwarz-Weiß-Malerei und Feindbildpflege den Blick auf die Realität weitgehend verstellen. So wird Medienkonsumenten zu Syrien, im Besonderen zu Aleppo, das Bild vermittelt: Das Assad-Regime bombardiert gezielt die eigene Bevölkerung, unterstützt von „den aggressiven Russen“. Die Brutalität der von den USA und Saudiarabien unterstützten radikalen Oppositionsgruppen bleibt ausgeklammert..

Umso überraschender daher ein ZDF-Interview mit alternativer Sicht der Zusammenhänge. Darin wird jenseits westlicher oder russischer Propaganda auch das Interesse Washingtons klar benannt. Prof. Günter Meyer, renommierter Syrien- und Nahostexperte der Universität Mainz weist in dem Gespräch faktenbasiert nach, wer denn eigentlich die Hauptverantwortung für die Not der Menschen in Syrien trägt :

heute.de: Die Hilfsorganisation World Vision vergleicht Aleppo mit Berlin nach dem Zweiten Weltkrieg. Die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen spricht von einem „kompletten Kollaps der Menschlichkeit“ in Aleppo. Und der UN-Generalsekretär gibt zu: „Wir alle haben die Menschen in Syrien bislang kollektiv hängenlassen.“ Herr Meyer, was hat die Welt in Syrien falsch gemacht?

Günter Meyer: Die Welt hat in Syrien sehr vieles falsch gemacht, aber wir müssen auch sagen, wer was falsch gemacht hat: Und hier liegt die Hauptverantwortung bei den USA. Nach Aussagen des ehemaligen Oberkommandeurs der NATO, General Wesley Clark, begann die US-Regierung bereits unmittelbar nach den Terrorschlägen am 11. September 2001 mit den Planungen des Regimewechsels in sieben Ländern, die von den USA als Gegner angesehen wurden, darunter Irak, Libyen und auch Syrien.

Um dort dieses Ziel zu erreichen, haben die USA seit 2005 die Rahmenbedingungen geschaffen. Dazu gehörte neben zahllosen medialen Propagandaaktionen gegen das Assad-Regime die Finanzierung und Ausbildung einer Armee von Terroristen gemeinsam mit Israel und Saudi-Arabien. Diese Truppen sollten für den Sturz der Regierungen in Damaskus und Teheran eingesetzt werden, wie der renommierte Journalist Seymour Hersh 2007 aufdeckte.

heute.de: 2011 begann der Krieg in Syrien. Welche Fehler wurden da gemacht?

Meyer: Der Westen, also insbesondere die USA, hat die aufständischen Dschihadisten mit Waffen versorgt und teilweise auch ausgebildet. Die materielle und personelle Logistik wurde vor allem von der Türkei abgewickelt, während die finanzielle Unterstützung zum größten Teil aus Saudi-Arabien und Katar kam. Saudi-Arabien hat dabei salafistische Extremisten gefördert, um in Syrien eine radikal-islamistische Regierung zu etablieren. Hier war die Eroberung von Aleppo 2012 für die Dschihadisten ein wichtiger Schritt.

heute.de: Mal abgesehen von den USA. Was muss sich Russland an der Situation in Aleppo vorwerfen lassen?

Meyer: Ohne die militärische Intervention Russlands im September 2015 wäre inzwischen nicht nur Aleppo komplett von den Dschihadisten erobert worden. Auch das Assad-Regime wäre längst zusammengebrochen. Damit hätten die Assad-Gegner unter Führung der USA ihr Ziel des Regimewechsels zwar erreicht. Die Macht hätten jedoch die stärksten militärischen Kräfte an sich gerissen. Und das wären die islamistischen Extremisten, wie die zum Al-Kaida-Netzwerk gehörende Nusra-Front und der von der internationalen Allianz unter US-Führung bekämpfte Islamische Staat (IS). Wem, wie israelische Politiker erklärten, eine solche Terrorherrschaft lieber ist als das Assad-Regime, der kann Putin vorwerfen, dass er dies verhindert hat. Syrien-Krieg: Wer ist hauptverantwortlich ? weiterlesen →

Preiserhöhung – herzig formuliert

Hans H ö g l

Mich erreicht eine graziöse Formulierung des UPC-Kabel-TV: „Wir informieren Sie über eine nicht ausschließlich begünstigende Änderung der Vertragsbedingungen„. Und dann – wir verkürzen den Text- Ihr TV-Paket erhöht sich von 53,80 € auf 55,75 € (dies sind 1,95 €). Fairerweise fügen wir an: Im Einleitungssatz wird allgemein auf eine Preiserhöhung hingewiesen.

„ZEIT“-Interview von Bundeskanzler Kern

Hans   H ö g l

Für Österreichs Medien ist es eigentlich ein Alarmschrei: Bundeskanzler Christian Kern gab der Frankfurter Allgemeinen ein wichtiges Interview, und in der letzten Ausgabe der Wochenzeitung Die ZEIT erschien am 20. Oktober sein langes Gespräch mit dem Chefredakteur der ZEIT, Giovanni di Lorenzo. Darin drückt sich indirekt Reserve zur Medienqualität in Österreich aus.

Das Gespräch in der ZEIT ist außerordentlich lesenswert – so zeigt es Hintergründe für die Erfolge von Populisten in diversen Ländern Europas auf. Der Artikel sollte Pflichtlektüre  nicht nur  jedes Österreichers sein – gleichgültig welcher politischen Ansicht.

NB. Die ZEIT erinnert im Österreich-Teil immer wieder an Landsleute,  die im Ausland erfolgreich sind und setzt damit einen Gegenakzent zur ostösterreichischen Raunzerei, der lamentatio Austriaca. Wo haben wir bisher erfahren, dass Josef Aschbacher, von Geburt Tiroler Bauernsohn, Direktor des Erdbeobachtungsprogrammes der Europäischen Weltraumbehörde (Esa) ist?

New Yorker Beziehungsgeflecht der Clinton-Familie

Überaus informativ war die Graphik über das Beziehungsgeflecht der Familie Bill und Hillary Clinton in New York. Zu finden in der Ausgabe am 13. Oktober im Wirtschaftsteil (!) mit dem Titel: Amerikas Aristokratie lässt wählen. Eindrucksvoll wird gezeigt, wie verflochten politische und wirtschaftliche US – Eliten sind: So hat die Clinton-Tochter Chelsea über Ihren Mann Investmentbanker Marc Mezvinsky Kontakt zu Goldman Sachs. Bill Clinton war in der Georgetown University in der gleichen Bruderschaft wie Robert Rubin, in der Kappa Kappa Psi. Rubin war Ex-Co-Chairman bei Goldman Sachs und Finanzminister unter Bill Clinton. Auch Henry Paulson, Finanzminister unter George W. Bush, war Studienkollege von Bill Clinton.

 

Emotionen versus Fakten in Medien

Hans H ö g l

Stefan Petzner, früher erfolgreicher Kampagnenchef von Jörg Haider, gab dem Medienmagazin „Zapp“ ein Interview. Petzner erläutert darin, dass die Leute auf Einzelfälle reagieren und so emotionalisiert werden. Den Einzelfall eines Tschetschenen, berichtet in Medien, hat Stefan Petzner aufgegriffen und kampagnisiert und sozusagen ganz Kärnten tschetschenen-frei gemacht.

Die gefühlten  Wahrheiten sind stärker  als objektive, korrekte statistische Daten.   Zapp in 3-sat war für 15.Oktober vor Mitternacht geplant, de facto war die Sendung ab 1:02. Und Medien springen auf Provokationen, anstelle diese zu ignorieren (Petzner).

Medienberichte über gravierende Vorfälle, Einzelfälle, im Jargon des Journalismus werden dies G`schichten genannt, erregen die Aufmerksamkeit, erhöhen die Quote, peitschen die Gefühle auf. Und für die Masse, für die Leut`, sind solche Emotionen DIE WAHRHEIT. So entstehen maßlose Ängste, Übertreibungen, Ausländerhorror… Es geht ums Zuspitzen, um hörbar zu werden. Und offensichtlich verlangt dies der Volksmund.

Fakten sind Grundlage für den Diskurs.

Dass dies im Journalismus täglich passiert, ist keine Frage – vor allem im Boulevard, aber nicht nur. Auch Qualitätsmedien kennen das Begehren nach intensiver Aufmerksamkeit. Das ist Gold für die Werbekasse. Durch die AfD und die maßlosen Vorwürfe „Lügenpresse“ sind auch die traditionellen Medien aufgewacht, dass auch sie vielleicht Fehler machen. Früher wurde auch geflunkert und gelogen, vielleicht nicht so krass wie in der AfD. „Die Härte der Lügen hat zugenommen“, so der Spiegel-Onlinechef augenzwinkernd. Auch die Faktenlage über Stars in Freizeitjournalen kann spärlich, manchmal frei erfunden sein.  

Glückspiele im ORF. Anteile an Lotto-Toto.

Hans H ö g l

Der ORF hat an der Lotto-Toto-Holding einen Anteil von 18.7 % . Weder in Deutschland noch in der Schweiz ist eine Rundfunkanstalt an einem Glücksspielkonzern beteiligt.

Anlässlich der 14. Konferenz der Initiative Zivilgesellschaft im Wiener Rathaus stellte ich am 2. Oktober einer Journalistin die Frage nach der Verantwortung des ORF für die massive Werbung für das Glückspiel. Nun entdecke ich zufällig im Blog Dossier die überraschende Antwort. Frage an unsere Leser, wem dies bekannt wurde und ob irgend ein österreichisches (Print) Medium das je aufgegriffen hat. Wir haben im Text die wichtigsten Passagen des Dossier-Beitrages hervorgehoben.

ORF im Glück

Der ORF hat auffällig viele Glücksspielinhalte im Programm. Er strahlt Werbung für fragwürdige, gar illegale Spiele aus und macht über eine Beteiligung selbst gute Geschäfte mit Glücksspielen. Darüber spricht man beim ORF nicht gerne. Hat der Öffentlich-Rechtliche ein Glücksspielproblem?

Auf Knopfdruck fliegt der Hubschrauber ein und setzt die Bar am Sandstrand ab. Die Party kann beginnen. Vorausgesetzt, man ist „reicher als reich“, so der Werbespot von EuroMillionen. Seit Jahren lockt das Lotteriespiel mit enormen Gewinnsummen, oft jenseits von 100 Millionen Euro, und immer mehr Menschen spielen mit. Nach Angaben der Österreichischen Lotterien, die das Glücksspiel 2004 in Österreich einführten, hat sich der Umsatz von 132 Millionen (2005) auf 306 Millionen im Jahr 2015 mehr als verdoppelt. Einzig die Automatenkasinos WINWIN entwickelten sich im selben Zeitraum noch besser.

An der Erfolgsgeschichte schreiben und schneiden auch Österreichs Medien kräftig mit – keiner so sehr wie der ORF. Für den Öffentlich-Rechtlichen sind Glücksspiele wie EuroMillionen ein Dreifachjackpot: Es gibt Geld für die Werbung, es gibt Geld für die passende Glücksspielsendung im Programm. Und schließlich gibt es noch einmal Geld über die Beteiligung an den Österreichischen Lotterien – der ORF verdient also auch an den Umsätzen jener Glücksspiele, die er im Programm breit bewirbt. So viel Glück wie der ORF hat keine andere öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt im deutschsprachigem Raum.

„Kein betriebsnotwendiges Vermögen“

Weder in Deutschland noch in der Schweiz ist eine Rundfunkanstalt an einem Glücksspielkonzern beteiligt. Man stelle sich den Aufschrei vor, wäre die ARD Geschäftspartner des deutschen Automatenriesen Gauselmann. In Österreich stört es indes nicht weiter, dass der ORF seit kurzem auch mit Novomatic im selben Firmenboot sitzt. 

Ausschnitt aus der komplexen Eigentümerstruktur der Lotterien, Stand: Juli 2016

Selbst die Kritik des heimischen Rechnungshofes an der Glücksspielbeteiligung des ORF verhallte mehrfach. 2009 und 2012 stellten die Prüferinnen und Prüfer fest, dass es sich dabei um „kein betriebsnotwendiges Vermögen“ handelt. Sie empfahlen, die Anteile zu verkaufen. Der ORF reagierte abwehrend:

„Bei den Anteilen an der Österreichischen Lotterien Gesellschaft m.b.H. sei zu berücksichtigen, dass diese ein überaus wichtiger Partner des ORF ist. Eine über diese Position des Geschäftspartners hinausgehende Einflussmöglichkeit bringe dem ORF auch finanzielle Vorteile.“

Während in Deutschland vor wenigen Jahren sogar die Lotto-Ziehung aus den Programmen der Öffentlich-Rechtlichen flog, vergeht beim ORF so gut wie kein Tag ohne Glücksspiel: Neben EuroMillionen läuft zweimal in der Woche die Ziehung von Lotto 6 aus 45 (samt Joker), einmal Bingo, die Brieflosshow, Toitoitoi, das Klassenlos und nicht zu vergessen: Money Maker, die tägliche sommerliche Gelddusche. So kommt es, dass der ORF zurzeit mehr Glücksspiele im Programm hat als alle deutschen und Schweizer öffentlichen-rechtlichen Rundfunkanstalten.  03.08.2016, Update: 08.08.2016

Pariser Klimaabkommen tritt in Kraft

nzz.at  6. Oktober 2016

Pariser Klimaabkommen tritt Anfang November in Kraft. Mit der Ratifizierung durch die EU-Staaten sowie durch Kanada und Nepal wurde gestern, Mittwoch (5. Okt. 2016) , die Zahl der nötigen Unterstützer erreicht, um die Vereinbarung wie vorgesehen innerhalb von 30 Tagen in Kraft treten zu lassen. Mindestens 55 Staaten mussten das Abkommen ratifizieren, die gemeinsam für mindestens 55 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich sind.  NB. Auch die USA und China haben unterschrieben.

  • NZZ.ch: Pariser Klimaabkommen tritt in 30 Tagen in Kraft
  • NB. Bekanntlich sind Großmächte und Staaten meist vorsichtig, Verträge zu unterzeichnen, bzw. sie unterzeichnen Verträge und nehmen fallweise davon gewisse Paragraphen aus.  So haben die USA die Verträge der UNO-Arbeitsorganisation ILO   n i c h t   unterzeichnet, die USA   nehmen auch nicht am Internationalen Gerichtshof teil.
  • (Auch Hitler entzog sich den Verpflichtungen des Völkerbundes,  und das Dritte  Reich trat aus dem Völkerbund aus).
  • Dies schicke ich jenen Total-Skeptikern voraus, die meinen, dass Verträge überhaupt nichts bedeuten und nur ein Fetzen Papier sind. Selbstverständlich fehlt noch die Umsetzung der Klima-Verträge. Aber immerhin das Abkommen ist nun gültig. Wenige haben daran geglaubt. Hans Högl

Friedensbewegung in ORF. In: Mediathek!

Hans Högl

Am Dienstag, 29. März 2016 ab 11.50 wurde die Gründonnerstag- Sendung „Vom Schauplatz“ von ORF II  über die Wiener Friedensbewegung wiederholt und kann über die Mediathek wohl noch abgerufen werden.  Titel:  Ein bisschen Frieden.

Diese  Sendung widerlegt ein wenig, dass vor allem ORF-Fernsehen generell  scheut, über bestimmte  Initiativen (NGOs) zu berichten.  Den Verdacht wird man nicht los.   

Zum Film: „Die Welt ist schlecht, aber was kann ich schon ändern?“ Diesen Satz
hört man oft, wenn es um Politik geht. Und dennoch gibt es immer noch
Menschen, die glauben, dass sich der Kampf für das Gute lohnt. Und dass
es keine verlorene Zeit ist, für den Frieden, für Frauenrechte, gegen
Atomkraft oder für offene Grenzen auf die Straße zu gehen. Manche von
ihnen, wie die Wiener Friedensaktivisten Alois Reisenbichler und Sonja
Jamkojian tun das seit Jahrzehnten. Dass die Umwelt sie bisweilen als
blauäugig und ‚Berufsdemonstrierer‘ verspottet, kann ihnen nichts
anhaben. „In der Welt würde nur noch Hass und Gewalt regieren, hätten
wir nicht für das Gute gekämpft“, sind sie überzeugt.

http://tvthek.orf.at/program/Am-Schauplatz/1239/Am-Schauplatz/12232611

Überfülle an Informationen

In meiner Medien-Schatztruhe fand ich, Hans Högl,  folgendes Zitat – zufällig von Solschenizyn. Ähnliches haben viele andere formuliert. Der Sachverhalt leuchtet jedem ein, der auf  Gratiszeitungen, die Boulevardpresse und zahllose TV-Sender  nur den oberflächlichsten Blick wirft.  Das ist der Grund, warum ich dieses Zitat wählte. Die unzähligen oberflächligen Informationen rauben uns zu viel an Lebenszeit.

Solschenizyn klagte „dass die unerträgliche Flut an überflüssigen und detaillierten Informationen unsere Seele ruiniert, bis hin zur geistigen Armut; jenseits einer Grenze muss man sich vor Informationen schützen“ .  Zitiert in:  Spiegel am 24. Sept. 1990, S. 184.- Was damals schon zutraf, gilt heute umso mehr.

TV-Duell unter Demokraten. Progressiv mit Geld von Wall Street

Hans Högl

Den bemerkenswerten Text aus der „Neuen  Zürcher Zeitung“ – Online  5.2.2016. 05:49 habe ich gekürzt.

Hillary Clinton  und Bernie Sanders sind die beiden verbliebenen demokratischen US-Präsidentschaftskandidaten. Sie lieferten sich eine harte  TV-Debatte in New Hampshire. Bernie Sanders sagt, seine Vorschläge seien keineswegs radikal. Viele mit Amerika vergleichbare Länder hätten Universitäten ohne Studiengebühren und Gesundheitssysteme, deren Leistungen für Kranke gratis seien und über Steuern finanziert würden. Beides will Sanders in den USA umsetzen, wenn er ins Weiße Haus einzieht. Für Hillary  Clinton ist das Illusorisch.

Sie sagte, Sanders solle endlich aufhören, ihr zu unterstellen, sie sei den Banken an der Wall Street und anderen großen Unternehmen hörig, weil diese ihr Geld gespendet hätten.  Sanders hebt als Kontrast hervor, das Geld für seine Kampagne stamme von einer großen Zahl von Sympathisanten, die im Schnitt nicht Millionen, sondern lediglich 27 Dollar spendeten. Clinton hielt nach ihrem Ausscheiden aus der Regierung Obama Reden für viel Geld.  Scharfe Kritik erntet sie nun für Auftritte bei Firmen wie Goldman Sachs , wo sie ohne großen Aufwand für drei Reden 675 000 Dollar kassierte.

Das Grundthema der Kampagne von Sanders lautet, die amerikanische Wirtschaft sei zugunsten der Reichen getürkt und das Wahlsystem korrupt, weswegen Firmen wie Goldman Sachs dominierenden Einfluss auf die Politik hätten.  Klare Oberhand behielt Clinton im außenpolitischen Teil des Duells. Sanders hebt stets hervor, dass er 2002 als Kongressmitglied gegen eine Invasion im Irak gestimmt habe, Clinton jedoch dafür. Damit will er sagen, er habe zwar nicht die Erfahrung der früheren Außenministerin, doch sei sein Urteilsvermögen besser.

 

Conchita zu Politik und Erfolg. Bestseller

Hans H ö g l:  Mich fesselte Conchitas Bestseller. In ihrem steirischen Heimatort Bad Mitterndorf wurde sie wie eine „Königin“ empfangen und Ehrenbürgerin. Ich kenne seit Jahren den Ort und das Gasthaus ihrer Eltern und fand Erstaunliches, wie Tom über Erfolg und Politik denkt, über die EU und ob junge Leute wählen sollen.

Conchita Wurst: Ich, Conchita. Meine Geschichte, München 2015

Wie wächst Erfolg? C. lobt ihren strengen Hauptschullehrer Max Schruff aus Bad Mitterndorf. Jeden Freitag gab es den verhassten Englisch-Vokalbeltest. Gutes Englisch kam ihr dann sehr zugute. Hinter ihrem Erfolg steckt viel Einsatz:   C. verbringt Stunden mit dem Make-up und schon v o r   dem Euro-Songcontest gab sie 400 Interviews. Das Kleid für Kopenhagen hat C. selbst entworfen.

Für C. entsteht Großes nicht aus Zufall. Das ist eine Illusion. „Ich glaube an Ideen, die dem Herzen entspringen, und an Fleiß, Disziplin, Nachhaltigkeit und 10.000 Stunden, die man einer Sache widmen soll. Bei sechs Stunden täglich sind dies rund 4 ½ Jahre.“ Und C. fragt sich: Ist das, was wir Unterhaltung nennen, nicht oft einfach Zeit ver-treiben? .

Conchitas politische Aktion: ..Aktiv zu sein, …nicht rumzusitzen und zu lamentieren, ist mir ein großes Anliegen.“ Wählen zu gehen findet sie notwendig! „Wollen wir Frieden, Akzeptanz und Liebe, können wir nicht darauf warten, dass alles vom Himmel fällt. Und sie lobt Musiker, die den Schuldenerlass der Länder der Dritten Welt fordern, für notleidende Kinder und für den Kampf gegen Aids etwas tun. Ihre eigenen Werbeeinnahmen fließen in ein Sozialprojekt.

Sie will eine tolerantere Gesellschaft versus Homosexualität – vielleicht ändern die „Holzköpfe“ ihre Einstellung. “Schließlich ist die Selbstmordquote bei homosexuellen Jugendlichen viermal so hoch wie bei heterosexuellen.“ Ihre Oma hatte Verständnis für sie, Mitschüler im Dorf  oft nicht, auch nicht Modeschüler in Graz.

Sie liebt Europa und bejaht die EU; denn in Europa gibt es seit 70 Jahren keinen Krieg. „Den Sender ARTE gibt es, weil es Europa gibt!“ ….“Um die ehemaligen Feinde, Deutschland und Frankreich, die über Jahrhunderte hinweg Krieg gegeneinander führten, kulturell enger zu verbinden, wurde im Jahr 1992 (der TV-Sender) ARTE ins Leben gerufen. Ich mag den Sender und seine seriöse Ausrichtung“ (S. 88).