Archiv der Kategorie: Medien und Bildung / Religion

Britisches Empire und Niederlage in Afghanistan

Zur Erinnerung für Russen und US-Amerikaner und für die NATO ein kaum erwähnter historischer Rückblick zum Königreich Kabul: Von Afghanen besiegte Briten

Hans Högl

„Die Briten können es nicht vergessen, dass die wilden Gebirgsstämme Afghanistans vor hundert Jahren den aus Indien einmarschierten englischen Truppen mehrere Niederlagen beigebracht, die völlig geschwächte Expeditionsarmee während ihres verzweifelten Rückzugs über den Khyber überfallen und so grausig niedergemetzelt haben, dass dieses Ereignis noch heute als eine der größten Katastrophen des British Empire gilt.“ Das schrieb:
Annemarie Schwarzenbach 1940 (S. 55).

Und Nicolas Bouvier schrieb 1963: „Hier endlich ist Asien ohne Minderwertigkeitskomplex“.

Zitate in dem bemerkenswerten kulturhistorischen Bildband „Afghanistan“ von Axel Steinmann von der gleichnamigen Ausstellung im Museum für Völkerkunde in Wien 2003. Umfang: 239 Seiten.

Wo Kinder in Stockholm spielen

Vielfältige Kinderspielplätze in Vasastan (Stockholm) u. Vergleich mit Wien.Impressionen

Hans Högl – Kurzreport

Mit meinen Enkelkindern war ich auf vier Kinderspielplätzen im Stadtteil Vasastan in Stockholm. Mir fiel das außerordentlich (!) phantasievolle Spielplatz-Angebot für Kinder auf. Einmal sah ich an einem Anschlagbrett aufgelistet, welche Vielfalt an pädagogischen Zielen verfolgt werden. Nun – diese Spielplätze sind nicht innerhalb von großen Wohnblöcken, sondern räumlich getrennt und in angemessener Distanz zu Wohnanlagen.

Unwillkürlich verglich ich damit die Wiener Situation – vor allem jene i n n e r h a l b großer Gemeindebauten – soweit dies eben erfahrbar ist. Wer kann denn schon eine Millionenstadt überblicken? Ich kenne in Wien im 17. und 16. Bezirk diverse städtische Wohnanlagen, die ich durchquere. Immer wieder sind zu sehen: Verbote, Ball zu spielen und Rad zu fahren. Es ist hier ein Lieblings“sport“, Hinweis- und Verbotstafeln aufzustellen. Wo bleibt Freude am Bewegungstrieb der Kinder?

Doch es ändert sich langsam: Kinder dürfen auf Wiesen lagern, Bewohner sogar kleine Beete anlegen. Und die Stadt Wien bemüht sich, kleinere Plätze im Stadtgebiet für alle Bewohner gefälliger und lebenswerter zu gestalten- manchmal mit Partizipation der Bevölkerung, wo auch recht Positives gelingt- wie am Hamerlingplatz in Wien 8.

Eines kann überaus d e u t l i c h in Stockholm beobachtet werden: Ab 17 Uhr sind in hohem Ausmaß auch Männer anwesend, die Kinder zu den Spielplätzen begleiten. Nun – das gibt es auch zunehmend in Wien- aber hier in Stockholm fällt dies besonders stark auf. Dies ist eine Folge sozialpolitischer Maßnahmen.

In Wien ist gut gelöst, wohl besser als i n Paris, aber auch besser als in Stockholm (!),Ortskundige bestätigen dies: Nämlich es gibt in Wien kaum Banlieues, große Vorstadtzonen (Trabantenstädte) mit einer sehr einkommensschwachen (Migrations) Bevölkerung. In Wien finden sich Gemeindebauten in allen Bezirken, auch in wohlhabenden. Die Vermischung ist gut gelöst, und Wien ist eine sichere Stadt.

Afghanistan: Wie konnte es soweit kommen?

Politik und Medien zeigen sich überrascht von der raschen Machtübernahme der Taliban in Afghanistan. Nicht so Emran Feroz, Autor eines neuen Buches.

Udo Bachmair

“Der längste Krieg“- so der Titel des Buches von Emran Feroz, eines langjährigen Afghanistan-Reporters und Publizisten. Das Werk beleuchtet anschaulich und informativ die vielfältigen Hintergründe und Entwicklungen des Afghanistankonflikts. Im Speziellen klärt der Autor auf über eine für ihn durchaus erwartbar gewesene neue Machtübernahme der Taliban. Ganz im Gegensatz zur westlichen Fehleinschätzung, die neben anderen sowohl der US-Präsident als auch die deutsche Führung eingestehen.

Der Westen habe von Anfang an grundlegende Fehler begangen, diagnostiziert Feroz. Gleich nach der Invasion von 2001. Damals habe der Westen, allen voran die USA, ein korruptes Regime an die Macht gebracht, das ausschließlich daran interesseiert gewesen sei, sich selbst zu bereichern. Westliche Gelder seien abgezweigt und nach Dubai geschafft worden anstatt eine militärische und polizeiliche Sicherheitsstruktur aufzubauen und zu finanzieren. So habe es in der afghanischen Armee immer „Geistersoldaten“ gegeben, also Soldaten nur auf dem Papier. Deren Gehalt habe irgendjemand kassiert..

Heute, im Vorfeld der nunmehrigen Machtübernahme der Taliban, seien die Voraussetzungen ähnlich, sagt Emran Feroz in einem Kurier-Interview. Vom Westen unterstützte korrupte Eliten inkl. bestechliche Beamte hätten sich um die Sorgen der Bevölkerung nicht gekümmert. Feroz konzediert jedoch, dass auch die Taliban nicht fähig sein werden, funktionierende Strukturen aufzubauen.

Die Hauptfehler würden aber beim Westen liegen, bekräftigt der Autor im Interview: „Man hat sich nach der Machtübernahme mit Warlords eingelassen, die teils brutale Mörder waren, gab sich damit zufrieden, dass diese Mörder zumindest auf der Seite des Westens standen. Als die begannen, sich zu bereichern, die Korruption überhandnahm, gab man sich zufrieden. Nach dem Motto: So sind die eben hier.“

Äußerungen, Einschätzungen eines Afghanistan-Experten, die nur selten Eingang in aktuelle Medienberichte finden. Dabei würde der Qualität außenpolitischer Berichterstattung durch mehr Differenzierung ein guter Dienst erwiesen. Gerade auch in der komplexen Causa Afghanistan.

Auslieferung an ein Terrorregime ?

Hält es Österreichs Innenminister Nehammer tatsächlich menschlich und moralisch vertretbar, Menschen an ein Terrorregime auszuliefern ? Wo bleibt der Aufschrei der Medien ?

Udo Bachmair

Innenminister Nehammer, der sich in der Asylfrage längst bereits FPÖ-Positionen angebiedert hat, will hart bleiben. Die türkis-grüne(!) Bundesregierung bleibt offenbar dabei, afghanische Flüchtlinge auch nach der Machtübernahme der Taliban in ihre Heimat abschieben zu wollen.

Eine Regierung, die sehenden Auges Menschen möglicher Verfolgung, Folter und der Todesstrafe aussetzt ?? Das wäre ein fataler humanitärer Tabubruch.

Ähnlich sieht das auch die evangelische Diakonie. Asylexperte Christoph Riedl wirft der Regierung eine „trotzige Haltung“ vor: „Statt sich zu überlegen, wie man möglichst vielen Menschen helfen kann, überlegt man weiterhin, wie man Menschen nach Afghanistan abschieben kann, was völlig absurd ist”, betont Riedl gegenüber dem Evangelischen Pressedienst (EPD).

Zudem weist Riedl darauf hin, dass ein Abkommen mit der afghanischen Regierung zur Rücknahme abgeschobener Menschen aus Afghanistan hinfällig sei: “Wer soll dieses Abkommen einhalten? Das hat eine Regierung unterschrieben, die es jetzt nicht mehr gibt“.

Nicht nur Journalist*innen fragen sich auch, wo Außenminister Schallenberg geblieben ist. Warum schweigt er und handelt nicht ? Österreichs Außen- und Menschenrechtspolitik sehen Experten ohnehin schon in Verruf geraten..

Jedenfalls ist auch für den evangelisch-lutherischen Bischof Michael Chalupka klar : Weitere Abschiebungen nach Afghanistan wären eine „Auslieferung an ein Terrorregime“. Chalupka verweist in einem Schreiben an die Medien und an die Pfarrgemeinden auf eine Studie der Diakonie, wonach abgeschobenen Afghanen “Gefahr für Leib und Leben, Verelendung und Verfolgung” drohe.

ORF-Newsroom: Politik-Zugriff erleichtert?

Der neue ORF-Generaldirektor ist bestellt. Roland Weißmann, der Regierungskandidat, wird sein Amt allerdings erst 2022 antreten. Der bis dahin noch amtierende ORF-Chef Alexander Wrabetz will aber dennoch gemeinsam mit dem Neuen das umstrittene Großprojekt Newsroom finalisieren.

Udo Bachmair

Der neue große Newsroom im ORF-Zentrum auf dem Küniglberg wird das Herzstück der ORF-Information. Die bisher weitgehend unabhängig voneinander agierenden Redaktionen von TV, Radio und Online werden künftig in dem neuen Newscenter zusammengelegt. Das heißt: Die Berichterstattung in den Bereichen Außenpolitik, Innenpolitik, Wirtschaft, Kultur erfolgt künftig zentral aus dem nicht unumstrittenen riesigen Newsroom. So wird das Funkhaus in der Argentinierstraße, Hort u.a. der renommierten Radiosender Ö1 und FM4, 2022 endgültig in Richtung „Küberg“ abgesiedelt.

Alle Bedenken gegen diese Entwicklung werden von der alten und der neuen ORF-Führung vom Tisch gewischt. Genügend Stimmen auch seitens der Programm-MitarbeiterInnen haben davor gewarnt, die bisherige durchaus befruchtende Konkurrenz zwischen den unterschiedlichen Redaktionen durch deren Verortung an einer einzigen zentralen Stelle zu gefährden. Wie der multimediale Newsroom konkret ausgestaltet sein wird und wie dort Kooperation und Kommunikation zwischen den erwähnten Ressorts ablaufen werden, bleibt vorerst unklar. Noch wichtiger: Wer wird dort das Sagen haben ?

Weder im Konzept von Weißmann noch in dem von Wrabetz finden sich dazu klar ausgearbeitete Strukturen. Eine Organisationsanweisung soll im Herbst folgen. Die ORF-Redakteursvertreter beklagen jedoch, bei den meisten Planungssitzungen nicht eingebunden worden zu sein. „Da gibt es noch viele Fragezeichen“, so kürzlich Dieter Bornemann vom ORF-Redakteursrat. Auch andere Redakteurssprecher wollen Widerstand leisten gegen einen drohenden politischen Zugriff. Der wird durch „Fusionierung und Zentralisierung“ freilich erleichtert, befürchten Insider.

Sowohl Weißmann als auch Wrabetz versuchen im Zusammenhang mit einem potentiellen neuen zentralen Chefredakteur zu beruhigen. Zu nachhaltig sind offenbar Erfahrungen mit dem unter Generaldirektorin Monika Lindner installierten TV-Chef Werner Mück. Der hatte den Ruf, eifrig als „Exekutor“ im Sinne der ÖVP agiert zu haben. Wie auch immer: Sollte der fast schon legendären Kurz’schen Message-Control auch im ORF verstärkt zum Durchbruch verholfen werden, könnte das an den ORF-Redakteuren scheitern. Deren Sprecher haben angekündigt, parteipolitische Unabhängigkeit „mutig und konsequent“ verteidigen zu wollen.

ORF als Spielball der Politik

Angesichts der Wahl der neuen ORF-Spitze durch den Stiftungsrat stellt sich mehr denn je die Frage nach der Unabhängigkeit der Berichterstattung des für Österreichs Medienlandschaft wohl wichtigsten Unternehmens.

Udo Bachmair

Im ORF-Stiftungsrat, dem oberstes Entscheidungsgremium des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, kann erstmals eine klare Mehrheit der größeren Regierungspartei einen ORF-Generaldirektor allein bestimmen. Das Gremium ist offiziell unabhängig, gemäß österreichischer Realpolitik jedoch parteipolitisch besetzt.

Dass nun die Regierung ohne Rücksicht auf Oppositionsparteien einen nur ihr genehmen Kandidaten in den ORF-Chefsessel hieven kann, erscheint Medienbeobachtern demokratiepolitisch höchst bedenklich. Es liegt nun an den ORF-Journalisten, trotz aller Einflussversuche unabhängige Berichterstattung zu garantieren.

Zur Causa ORF im Folgenden ein Auszug aus einer Rede, die ich aus Anlass einer alternativen Medienenquete gehalten habe :

Ein unabhängiger Rundfunk ist unverzichtbarer denn je.

Natürlich kann und soll der Wert des Öffentlich-Rechtlichen neu diskutiert, teils auch neu definiert werden.

Das erscheint umso notwendiger im Umfeld einer Medienlandschaft, die geprägt ist von einem beispiellosen Konzentration an Boulevardmedien speziell im Osten unseres Landes.

Dem ORF und den Qualitätszeitungen kommt in dem Zusammenhang eine besondere Rolle zu. Auch als Gegengewicht zu all dem, was sich an höchst bedenklichen Inhalten in den sogenannten „Sozialen“ Medien abspielt. Hass und Hetze gegen Minderheiten, insbesondere gegen Flüchtlinge und Asylwerber.

Der ORF dagegen muss ein Hort sein für seriösen differenzierenden Qualitäts-Journalismus

Er kann die Rolle aber nur dann erfüllen, wenn von ihm und seinen Programmitarbeitern Druck genommen wird.

Und: Wenn auch seine Finanzierung gesichert ist.

Aus meiner Sicht sollte das bisherige Finanzierungsmodell erhalten bleiben, teils Werbeeinnahmen, teils Einnahmen über die Gebühren. Diese jedenfalls sollten von den jeweiligen Landesabgaben entschlackt werden.

Keinesfalls zu begrüßen wäre der Vorschlag, den ORF aus dem Bundesbudget zu finanzieren. Denn dann müsste die ORF-Führung jährlich zum Finanzminister pilgern, um demütig die Sicherstellung der weiteren Finanzierung zu erbitten.

Erwartetes Wohlverhalten seitens des ORF verstünde sich in diesem Fall wohl von selbst. Auf der anderen Seite ein noch effektivere Zugriffsversuche der großen Regierungspartei auf das Unternehmen.

Der ORF muss allerdings die finanzielle Unterstützung im wahrsten Sinn des Wortes auch verdienen:

In erster Linie mit Qualität seiner Programme und journalistischer Glaubwürdigkeit.

Diese kann und sollte etwa auch in der außenpolitischen Berichterstattung gestärkt werden. Durch weniger Schlagseite bei so komplexen Causen wie etwa dem Ukraine-, Nahost oder Syrien-Konflikt.

Oder in der innenpolitischen Berichterstattung darauf zu achten, nicht der gespenstisch gut inszenierten Regierungspropaganda auf den Leim zu gehen.

Der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk sollte bestrebt sein, seinen Kultur-und Informationsauftrag auch mit einer besseren Durchmischung auf die einzelnen Kanäle zu erfüllen. So wären sicher weitere Programmkorrekturen von ORF 1 vonnöten. Damit kann der Kritik begegnet werden, dieser Kanal sei programmiert wie ein kommerzieller Privatsender.

Das heißt: Der ORF muss sich klar unterscheidbar machen.

Das gelingt zum überwiegenden Teil bei ORF 3 sowie bei Ö 1.

Und das soll so bleiben. Das soll nicht durch neue Zugriffsversuche auf den ORF gefährdet werden.

Wer wir sind, bleibt offen

Fehlende Antworten in Wissenschaft und Medien zur tiefsten Frage: Was ist der Mensch?

Hans Högl

Wissenschaft kommt oft ziemlich breitspurig daher, im „Gehabe“ „wir wissen`s“. Oft tut sie so, als hätte sie „alles im Griff“. Doch der größte Feind der Erkenntnis ist die Illusion des Wissens. Das größte Lernhindernis ist die Arroganz, schreibt der originelle Alternativ-Schuhfabrikant Heini Staudinger aus dem Waldviertel in der neuesten Ausgabe seiner Zeitschrift „brennstoff, nr. 59. Die Einleitungsworte oben finden sich in diesem Heft, das in der Regel bemerkenswerte Artikel bietet.

Staudinger: „Wer und was wir sind, ist heute um keinen Deut weniger geheimnisvoll als zur Zeit der ersten Menschen. Die Wissenschaften haben dieses Rätsel nicht gelöst, sondern vertieft. Verweis auf einen Beitrag im Heft von Fabian Scheidler.

Die gleiche Frage stellte ich mir spontan, als ich gestern mit dem Rad in der vielbesuchten Wiener Mariahilfer Straße war und auch die Menschenmassen auf dem Stephansplatz sah. Medien konzentrieren sich auf die Sekunden der Weltgeschichte, auf das reelle vielfältige Geschehen. Auch die Wissenschaft, so wichtig sie ist, gibt uns auf existentielle Fragen nach dem Sinn des Lebens und des Menschen kaum eine Antwort.

Unglück und Fundglück

Seltene Informationen

Hans Högl

Manchmal sind Rückblicke wichtig, wenn diese aktuelle Ereignisse relativieren – in diesem Fall Überschwemmungen. So bringt heute Georg Markus im Wiener „Kurier“( 25.Juli) eine umfangreiche Reportage darüber, dass es wiederholt an der Donau – so 1954 z.B. in Melk zu einer großen Überschwemmung gekommen ist.

Eher selten sind Berichte darüber, dass drei Geldbörsen mit Bargeld gefunden wurden, die deutsche Urlauber versehentlich in Österreich liegen gelassen haben (Die Krone, 25. Juli) und die ihnen zurückgegeben wurden.

Ich selbst machte einmal die Erfahrung bei einer Autofahrt nach Spanien über Frankreich. So ließen wir beim Tanken in Lyon unsere Tasche versehentlich liegen – mit dem Geld der Gruppe. Bei meiner Rückfahrt aus Spanien suchte ich das Fundamt in Lyon auf. Meine Freunde meinten, es sei sinnlos. Und es wurden mir aber alle Fundstücke mit Bargeld zurückgegeben. Der Finder: ein Mann mit italienischem Namen.

Die Stadt Wien hat am Gehsteig vor den Amtshäusern der Bezirke Behälter aufgestellt, in welche Fundstücke hineingegeben werden können, ohne es der Polizei zu melden. Diese Maßnahme bewährt sich.

Welt sehen, wie sie wirklich ist

Panische Zukunftsangst in Gesprächen und Medien

Hans Högl

Beiläufig wird uns in Gesprächen und auch in Qualitätsmedien eine panische Zukunftsangst vermittelt. Darum greife ich -auch mit eigener Überzeugung – eine Literaturempfehlung wortwörtlich auf, die Matthias Horx, der bedeutende Zukunftsforscher und frühere „ZEIT“-Journalist, in seinem Buch „15 1/2 Regeln für die Zukunft. Anleitung zum visionären Leben“ (2019) gibt (S. 337).

Hans Rosling Nachlass – sein Buch: Factfulness- Wie wir lernen, die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist, Berlin 2018 – ist eine wichtige Grundlage, um panische Zukunftsangst zu überwinden -und die Welt in ihrem Wandel konstruktiv zu betrachten. “Das Buch bietet neben einer Zusammenfassung von Rosling Welt-Statistiken auch eine Einführung in die future biases, jene Wahrnehmungsverzerrungen, die uns die Zukunft ausschließlich aus der Warte der Angst sehen und positive Entwicklungen ignorieren lassen. Die Tatsache, dass es zu einem Weltbestseller geworden ist, gibt mir Hoffnung.“

Als Symptom von Entwicklungsländern – nur die Armut?

Das übliche Verständnis von Entwicklungsländern ist fragwürdig, meint der indische Philosoph Amartya Sen.

Hans Högl- vertiefte Buchrezension

Zu Andreas Sator: Alles Gut?! Unangenehme Fragen & opimistische Antworten für eine gerechtere Welt, Wien 2019.

Andreas Sator (30) studierte „Internationale Entwicklung“: Oft wenn von Entwicklungsländern die Rede ist, meint man ärmere Länder. „Ich mag den Begriff nicht sehr“, schreibt Andreas Sator; denn entwickelt zu sein, heißt für den indischen Philosophen Amartya Sen, frei zu sein. Frei davon, Hunger zu haben oder als Kind früh sterben zu müssen. Frei sein, heißt ein Leben zu führen, das man möchte, lesen, schreiben, rechnen zu können, sich politisch zu beteiligen und frei seine Meinung äußern zu können.

China ist heute wesentlich reicher als vor 40 Jahren, aber wie entwickelt ist dieses Land wirklich? Dennoch: Den stärksten Rückgang extremer Armut verzeichnet China, dort ist die extreme Armut in 25 Jahren von über 66 Prozent auf 0,7 Prozent gefallen (p. 91). Eine fulminanten Entwicklung durch eine relativ freie Marktwirtschaft unter Lenkung der kommunistischen Partei.

Doch die Menschen in China können nicht frei reden. Wer ein falsches Wort über Xi Jinping sagt, wird eingesperrt. Frei wählen ist nicht möglich, es gibt nur eine einzige Partei in einem Land mit 1.300 Millionen Menschen.
Sen definiert also Armut nicht als niedriges Einkommen, sondern als Mangel an Möglichkeiten (Sator p.36 f.)

Dass ein Land reicher wird, ist nicht genug. Sicher: in einem bitter wirtschaftlich armen Land, fehlt Geld für Schulen, gute Universitäten, zu wenig Geld für Straßen und Infrastruktur, für Krankenhäuser. Wie ist dies mit Kuba?