Waldviertel-Film „Über die Jahre“. Ungewöhnlich!

Hans H ö g l

Sie werkeln noch weiter in der Manufaktur – das Wort Fabrik will nicht über die Lippen – sie spüren – irgendwann stehen die Räder still, und es geht zu Ende. Aber sie bleiben, halten durch. Fast Scham regt sich, zu sehen, an welch` museumsreifen Textil-Maschinen Leute frühindustriell anmutend mechanische Arbeit verrichten und danach wie Fallobst in die Zeit des späten, freien Nachmittags gleiten. Sie  tauchen ein in die Weite der Felder und Wälder und stehen vor Teichen, sind in der Stille des Landes, weit von dynamischen Metropolen und ohne deren Vielfalt an Optionen. Das Leben nach dem Verlust der entlohnten Arbeit fließt unaufgeregt wie ein ruhige Fluss. Es wird schon weiter gehen. Sie halten durch, haben Boden unter den Füßen, beschäftigen sich rund ums Haus und in Wohnungen, die durchaus passabel wirken. Und erfinderisch suchen sie neue Beschäftigung oder auch nicht. Die Grenze zur böhmischen Welt überschreiten sie nicht. Seltsames glauben sie über tschechische Gasthöfe.

Dieser Film über die kleinen Leute widerlegt Vieles,  was einige G`scheiteln über das Landleben missverstehen oder phantasieren. 

Ein Rätsel – wie es den Filmemachern gelingt, uns ohne Krach und Aufputscher in Spannung zu halten! Wie wohltuend dieser einfühlsame  Humor. Vielleicht ist dieser Film ein Schlüssel dafür , um zu verstehen, warum  a u c h  aus diesen Regionen – wie dem nachbarlichen Mühlviertel – Personen an die Spitze gelangen:  die Direktorin der Nationalbibliothek, eine Chefredakteurin  und der Vizekanzler. Es ließen sich noch andere aufzählen – aus diversen ländlichen Regionen und wenig geachteten Vorstädten.

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