Israel/Gaza und ORF-Schlagseite

Die Bezeichnungen „Kriegsverbrechen“ oder gar „Völkermord“ sind in Medien Österreichs und Deutschland weitgehend tabu, wenn es um die Aggression Israels gegen Gaza geht. Gerade auch in den öffentlich-rechtlichen Medien wie dem ORF, der zur Ausgewogenheit auch in der außenpolitischen Berichterstattung verpflichtet wäre, dominiert das pro-israelische Narrativ. Als Ausnahme sticht die differenzierende journalistische Arbeit des Nahost-Korrespondenten Karim El-Gawhary hervor. Diesem verdienten und mehrfach preisgekrönten ORF-Redakteur soll nun u.a. wegen des Vorwurfs israelkritischer Beiträge der Vertrag nicht mehr verlängert werden. Das sehen medienkritische Beobachter:innen als jüngsten Beleg für die mediale Schlagseite in der Nahostberichterstattung.

Von Martin Adel und Franz Fluch *

Im März 2018 ging eine Nachricht an zahlreiche Freunde und Bekannte, die den Verfasser (M.A.) in seiner jahrzehntelangen Tätigkeit für den ORF begleitet hatten. Darin heißt es:

„[…] Heute (31.03.2018) höre ich das Ö1-Mittagsjournal. Ich bin immer noch entsetzt. […]. Ich muss bedauernd sagen: Ich geniere mich für diese Art der ‚ausgewogenen‘ Berichterstattung und kann für dieses Medium, für das ich in über 30 Jahren als ständiger freier Mitarbeiter tausende von Beiträgen gestaltet hatte, nicht mehr arbeiten!“

Laut einem UNO-Bericht waren unter den am 30. März 2018 getöteten 17 palästinensischen Demonstranten 8 Schülerinnen und Schüler im Alter von 13 bis 19 Jahren – getötet von israelischen Sicherheitskräften durch gezielte Schüsse mit scharfer Munition und aus sicherer Distanz: an nur einem Tag von dem rund sechs Monate anhaltenden Protestmarsch in Gaza, dem Great March of Return. Zeitlich davor lagen die massiven Militäroperationen und v.a. Luftschläge der IDF gegen Gaza im Jahr 2008 Operation Gegossenes Blei, 2012 Operation Wolkensäule und 2014 Operation Protective Edge, insgesamt vier große „militärische Interventionen“ innerhalb von nur 10 Jahren. Viele Berichte bestätigten die immer prekärer werdende Situation der Zivilgesellschaft: 2,2 Millionen Menschen zusammengepfercht auf einer Gesamtfläche, die kleiner als Wien ist.

Am 7. Oktober 2023, erfolgte der brutale Gegenschlag der Hamas, bei dem israelischen Angaben zufolge „695 israelische Zivilisten, einschließlich 36 Minderjähriger, 373 Mitglieder der israelischen Sicherheitskräfte und 71 Ausländer ermordet“ und 251 Geißeln entführt wurden. Doch das Töten israelischer Zivilisten wird in der westlichen Berichterstattung anders bewertet als das Töten palästinensischer Zivilisten. „Getötete israelische Zivilisten werden individuell gezeigt, und ihr Tod wird von Politikern und in den Mainstream-Medien stets als das Resultat der ,barbarischen, grausamen Massaker der Hamas´ dargestellt. Es scheint, dass diese Formulierungen in Artikeln über den Gaza-Krieg obligatorisch geworden sind. Im Gegensatz dazu wird über den Tod von Palästinensern pauschal und in Passiv-Formulierungen berichtet, wobei die hinter den Tötungen stehende israelische Seite nicht genannt wird.“

Das trifft in eklatanter Weise auch auf die Berichterstattung im ORF zu, dem öffentlich-rechtlichen Leitmedium Österreichs – insbesondere für die letzten Monate, in denen es offenbar leichter gefallen ist, angesichts anderer Schlagzeilen, die „Vorkommnisse“ in den Palästinenser-Gebieten unter den Tisch zu kehren.

Kein Bericht über die Mahnwachen israelischer Friedensaktivist:innen, die sich in Tel Aviv (sozusagen vor der Nase ‚unserer‘ ORF-Korrespondenten) Fotos von jenen Kinder vor die Brust hielten, die im Gazastreifen bei Bombardements oder von Scharfschützen der IDF mit gezielten Kopfschüssen getötet wurden. Kein Wort über die mehrfache Stürmung der renommierten Birzeit University (nördlich von Ramallah im besetzten Westjordanland), der wichtigsten palästinensischen Universität, durch israelische Streitkräfte – mit scharfer Munition und Tränengas; zuletzt am 6. Januar 2026 (nach Angaben des palästinensischen Regierungskommunikationszentrums wurden mindestens 8000 Studierende und Lehrende eingeschlossen, und eine unbekannte Zahl von scharfer Munition verletzt). Und auch kein Wort über die Armeebagger, die rund um den Jahreswechsel 2025/26 Dutzende von palästinensischen Wohnhäusern in Ost-Jerusalem oder etwa im Flüchtlingslager Nur Schams dem Erdboden gleich gemacht haben (Tausende sind im Winter auf einen Schlag obdachlos; in der knappen Räumungszeit ist ihnen bis auf ein paar Kleidungsstücke so gut wie nichts geblieben ).

Es ist ja nicht so, dass zu diesen (und vielen weiteren) relevanten Ereignissen keine vertrauenswürdigen Informationsquellen vorlägen, es ist vielmehr das Verschweigen dieser Nachrichten, das verstimmt und als Dauerzustand irritiert! Denn man muss den Eindruck gewinnen, dass dieses Verschweigen systematisch ist und Methode hat.

Seit wenigen Monaten verbreitet sich die Nachricht, der Vertrag des langjährigen ORF-Korrespondenten für den gesamten arabischen Raum, Karim El-Gawhary, solle nicht mehr verlängert und sein Büro in Kairo geschlossen werden. Es kursieren Zeitungsmeldungen, wonach die Israel-Korrespondenten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Österreich dessen bisherige Aufgaben mit übernehmen sollen. Diese haben in ihren Beiträgen zumeist nur das pro-israelische Narrativ übernommen (etwa unhinterfragt und unkommentiert äußerst fragwürdige israelische Armeesprecher zu Wort kommen lassen). Sie haben damit immer wieder willfährig das tatsächliche Geschehen in Gaza, in den militärisch besetzten Gebieten im Westjordanland und Ostjerusalem verzerrt und einseitig dargestellt, mitunter sogar gänzlich unterdrückt und so das tatsächliche Leid der palästinensischen Bevölkerung verharmlost. (Dass sie diese Berichte in den Hauptnachrichten von Österreichs größtem Medienkonzern mit einem Jahresbudget von 1,1 Milliarden Euro unwidersprochen verbreiten können, ist ein Skandal.)

Erst kürzlich (am 18. November 2025) wurde einer dieser Korrespondenten, Nikolaus Wildner, für seine Berichterstattung mit dem Arik-Brauer-Publizistikpreis ausgezeichnet, gestiftet von der Medienbeobachtungsstelle Naher Osten, kurz mena-watch, die von dem in Wien und Tel Aviv lebenden österreichischen Stahlmagnaten Erwin Javor finanziert wird. Den Leiter des ORF-Nahostbüros in Kairo, Karim El-Gawhary, unterstellt sie hingegen, er habe in seiner Gaza-Berichterstattung stets „Originaltöne eines Ahmeds, eines Mohammeds oder einer Ghada parat, die herzzerreißende Geschichten zu erzählen haben, bei denen letztendlich immer Israel zum Bösewicht stilisiert wird.“ Dem hält der vierfache Journalist des Jahres und Träger des Goldenen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich auf dem sozialen Netzwerk X entgegen, er „widerspiegle die arabische Welt wie sie ist und nicht wie man meint, dass sie zu sein habe oder wie sie sich politische Interessengruppen zurechtbiegen wollen.“

Wildners Vorgänger als Israel-Korrespondent des ORF, Tim Cupal, wurde 2024 mit dem Haupt-Preis „Journalistinnen und Journalisten des Jahres“ von Österreichs journalist:in ausgezeichnet (für seine Berichterstattung 2023). Cupal wird in dem ihm gewidmeten Artikel (im genannten Branchenmagazin) mit den Worten zitiert: „Das ist eine große Ehre, nicht nur für mich, sondern auch für meinen Kollegen Nikolaus Wildner.“ (28.05.2024) „Und bei diesem bedankte er sich bei der Preisverleihung nun auch dafür, dass Wildner die Stellung halte, während er in einer kritischen Zeit nach Wien gekommen war, um die Ehrung entgegenzunehmen.“ Und der Laudator Hanno Settele habe Cupal gedankt für seine „umsichtige, disziplinierte Arbeit, die zeige, wie wertvoll es ist, dass der ORF Korrespondenten hat.“

Grundsätzlich wäre dagegen nichts einzuwenden; im Gegenteil, wenn man nicht ernsthafte Bedenken gegen die Berichte über die Lage der palästinensischen Zivilbevölkerung haben müsste. Die Abberufung Karim El-Gawharys – die Tageszeitung Der Standard berichtete darüber am 19.12.2025 („Kopf des Tages“) – ist nur ein Zeichen. Sechs Wochen davor war es in Jerusalem zu einem bemerkenswerten Treffen zwischen Israels Staatspräsident Yitzhak Herzog und dem Direktor des israelischen Rundfunks KAN, Golan Yochpaz. mit dem ORF-Generaldirektor Roland Weißmann gekommen.

Inzwischen fordert eine Petition „die Verlängerung des Vertrags von Karim El-Gawhary und die Beibehaltung des ORF-Korrespondentenbüros in Kairo als unabhängigen Standort für die Nahost-Berichterstattung“ , die bis Mitte Januar 2026 mehr als 20.700 Österreicher:innen unterzeichnet haben. El-Gawharys Vertrag mit dem ORF endet im Juni 2026. Und nur einen Monat später „ist auch noch die ORF-Wahl, die Generaldirektor Roland Weißmann zu schlagen hat. Ohne politische Rückendeckung ist er auf verlorenem Posten.“

Benötigt der Generaldirektor des ORF die Rückendeckung des offiziellen Israel? Geht es um die erfolgreiche Selbstzensur des ORF hinsichtlich der Nachrichten aus dem Gazakrieg? Um das Totschweigen eines mehrfach deklarierten Vernichtungskriegs in Gaza? Um die ‚Geheimhaltung‘ von Sätzen wie jenen des stellvertretenden Knesset-Vorsitzenden Nissim Vaturi am Abend des Hamas-Massakers in einem Post auf X? Da steht: „[…] jetzt haben wir alle ein gemeinsames Ziel: den Gazastreifen von der Erde auszuradieren. Wer nicht dazu imstande ist, wird ausgetauscht.“

Selbst aus Deutschland, dessen Regierungen sich seit vielen Jahren den unbedingten Schutz israelischer Interessen als „Staatsräson“ verordnet haben, hört man dagegen kritische Töne: Am 20. Dezember 2025 berichtete der Deutschlandfunk etwa, dass seit der zweimonatigen „Waffenruhe“ zwischen der Hamas und Israel – allein bis Ende November – mindesten 130 Kinder getötet wurden. „Laut Amnesty International begehen israelische Behörden weiterhin einen Völkermord, indem sie Lebensbedingungen schaffen, die auf die physische Zerstörung abzielen. Israel weist diese Vorwürfe zurück und verweist auf erfolgte Hilfslieferungen. Ein Urteil des IGH steht derzeit noch aus. Unabhängige Experten und Genozid Forscher sprechen ebenfalls von einem Völkermord, unter ihnen der berühmte israelische Historiker Bartov.“ Letzte Berichte von der weiterhin apokalyptischen Situation der ‚Bewohner’ von Gaza kamen von Karim El-Gawhary.

Omer Bartov ist Experte; er war Infanterist im Jom-Kippur-Krieg und später Kompaniechef, ehe er zu Mitte der 1970er Jahre, nach vier Jahren, den Militärdienst quittierte; er forschte über Jahre zu den Kriegsverbrechen der Wehrmacht in Osteuropa und über die Hintergründe des Holocaust und ist derzeit Professor für Holocaust- und Völkermordstudien an der renommierten Brown University auf Rhode Island. Noch Ende 2023 hegte er Zweifel daran, dass Israel in Gaza einen Völkermord begehe; nur dem Tatbestand ethnischer Säuberungen, einem Kriegsverbrechen, könne er zustimmen. Spätestens im Mai 2024 revidierte er gegenüber der britischen Zeitung The Guardian seine Zweifel. Im Deutschlandfunk-Interview vom 20.12.2025 – also nach Inkrafttreten des Waffenstillstandsabkommens in Gaza (das im ORF immer wieder und fälschlicherweise als zweistufiger „Friedensprozess“ bezeichnet wird) – sagte er: „Das Töten und die Bombardierungen gehen nach der Waffenruhe weiter. Es gibt täglichen Beschuss durch die israelische Armee. Was wir wissen, ist dass die israelische Armee mehr als die Hälfte des Gazastreifens kontrolliert. Die Menschen leben dort nach wie vor unter absolut entsetzlichen Bedingungen.“

Kritische jüdische Stimmen kommen im ORF kaum zu Wort. Das wiederum ist zum Stein des Anstoßes für die unmittelbar nach dem 7. Oktober 2023 gegründete jüdisch-palästinensische Friedensinitiative Standing Together Vienna geworden, bei der österreichischen Medienaufsichtsbehörde Beschwerde gegen den ORF einzureichen:

„Als kritische Juden und Jüdinnen, als PalästinenserInnen und Menschen jedweder Herkunft und religiöser Überzeugung, die in Österreich leben und mit ihrer Haushaltsabgabe die Unabhängigkeit des ORF garantieren sollen, fordern wir den ORF auf, im Hinblick auf die Berichterstattung zum Nahen Osten ebendieses Mandat zur unabhängigen, umfassenden und objektiven Berichterstattung sowie seine gesellschaftliche Rolle als ,public watchdog´ der Politik zu erfüllen.“

Dass diese Beschwerde, erhoben im Kontext der möglichen Schließung des ORF-Korrespondenten-Büros in Kairo und dem offenbar beschlossenen Ende von Karim El-Gawharys Berichterstattung für den ORF, sowie der in den ORF-Nachrichten gefeierten Preisvergabe des Arik-Brauer-Publizistikpreises von mena-watch an Nikolaus Wildner, dass also diese Beschwerde kaum ein Echo in der Öffentlichkeit gefunden hat, verwundert eigentlich nicht.

Hört man das Ö1-Mittagsjournal – der längsten und solidesten Nachrichtensendung des ORF – vom 30.12.2025 (Live-Gespräch mit dem ORF-Korrespondenten in Israel, Nikolaus Wildner), muss die Hörerschaft hingegen verstehen, es seien die Hamas, ja insgesamt die Palästinenser und auch gleich die arabischen Staaten rundum, die die westliche Demokratie im Nahen Osten als Fremdkörper ablehnen würden. Die Schuldfrage bezüglich des Konflikts im Nahen Osten scheint klar, und Informationen, die angetan sind, diese Klarheit zu beseitigen, sind nicht erwünscht.

Was in den Leit- und Massenmedien nicht vorkommt, erfährt auch in der Wahrnehmung der Allgemeinheit keine Aufmerksamkeit. Medienpolitik ist daher essentiell und determiniert die Meinungsbildung. Und so wird die Berichterstattung, zumal die der Leitmedien, zum Politikum.

Vor über 10 Jahren, im Juni 2015, veröffentlichte mena-watch (auf der eigenen Web-Seite) das 20-seitige MENA-Dossier „David oder Goliath?“ Zur Kritik an einer Ö1-Sendereihe. Stein des Anstoßes war die fünfteilige Reihe Betrifft Geschichte „Zur Geschichte des Nahostkonflikts zwischen Israel und den Palästinensern, erzählt von dem ehemaligen israelischen Soldaten Samuel Welber und der israelischen Menschenrechtsaktivistin Roni Hammermann“, worauf sowohl der Ö1-Chef als auch der Hauptabteilungsleiter der Ö1-Wissenschaft von mena-watch zum Rapport zitiert wurden, um zu den im MENA-Dossier erhobenen Vorwürfen Stellung zu nehmen. Und die beiden kamen der Aufforderung tatsächlich nach! Welche Macht und welchen Einfluss räumt man damit einer Lobby ein? David gegen Goliath? Wer ist David und wer Goliath?

mena-watch – wie auch andere pro-zionistische Initiativen zugunsten der derzeitigen israelischen Regierungspolitik – hält sich offenbar lieber im Hintergrund und zählt auf einflussreiche Verbündete oder Mitglieder. Vor Kurzem, am 23. Dezember 2025, berichtete die österreichische Tageszeitung DIE PRESSE in ihrer online-Ausgabe: „Die Initiative ,Solidarität Israel`, der auch der ehemalige Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka angehört, hat die Abberufung der ehemaligen ORF-Journalistin Renata Schmidtkunz gefordert.“ Sie sollte eine parlamentarische Veranstaltung zum Holocaust-Gedenktag moderieren. Begründet wurde die geforderte „Abberufung“ von Schmidtkunz mit ihrer angeblich einseitigen Nahost-Berichterstattung; (einer absurden Forderung, wenn man weiß, dass Schmidtkunz zahlreiche freundschaftliche Beziehungen zu Israelis pflegt, das Land vielfach bereist hat, und während eines Sabbaticals begonnen hatte Hebräisch zu lernen). Der Forderung wurde schließlich nicht entsprochen, weil die „etablierte und vielfach ausgezeichnete Journalistin“ bereits mehrere Veranstaltungen im Hohen Haus moderiert hatte (zuletzt bei einer Feier zum 20. Jahrestag der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem/Israel, zu der sie ausgerechnet von Wolfgang Sobotka, dem damaligen Nationalratspräsidenten, eingeladen worden war).

Hinter der Forderung nach Ausladung von Schmidtkunz als Moderatorin stand Solidarität Israel (ein Verein in Gründung), die ihre „Stimme gegen Antisemitismus und Antizionismus in all ihren Formen“ erhebe und der auch der ehemalige Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, Ariel Muzicant, als Proponent angehört. In deren Begründung des Ansinnens an das Parlament heißt es, dass die „Palästina-Aktivistin“ in sozialen Medien „wiederholt Narrative“ verwendet habe, die „als hochproblematisch und eskalationsanfällig aufgefallen“ seien.

Dafür also sind ‚Beobachtungsstellen‘ da, um jenseits staatlicher Kontrollinstanzen Personen ins Visier zu nehmen, die ihre freie Meinung äußern, deren Inhalt ihnen nicht passt. (Hinlängliche Beispiele aus der Geschichte zeigen, wohin solche „Zensur“ und „Listen“ in der Regel führen. Nur ein „kleines Beispiel“ aus der jüngeren Vergangenheit ist der Rücktritt des international anerkannten Judaisten und Direktors des Jüdischen Museums Berlin im Juni 2019 nach scharfer Kritik durch den Zentralrat der deutschen Juden.)

Am 1. Oktober 2024, präsentierte Francesca Albanese auf Grundlage ihres Berichts „Anatomie eines Völkermordes“ in der 79. Sitzung der UN-Generalversammlung ihren „Report der Sonderberichterstatterin zur Lage der Menschenrechte in den seit 1967 besetzten palästinensischen Gebieten“. Titel: „Koloniale Auslöschung durch Völkermord“. Der Bericht löste ein ähnliches politisches Erdbeben aus wie die Haftbefehle wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit gegen Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, gegen Israels Verteidigungsminister Yoav Galant (und gegen den Hamas-Anführer Mohammed Deif), ausgestellt von Karim Khan. Der an Khan gerichtete briefliche Einschüchterungsversuch, unterzeichnet von den US-Kongressabgeordneten Tom Cotton, Mitch McDonald, Ted Cruz, Marco Rubio, verfehlte allerdings bisher deren Ziel, nämlich die Abweisung der Klage gegen Netanjahu und Galant. Aber in dem Brief wird Karim Khan unverhohlen gedroht: „WER ISRAEL ANGREIFT, DEN GREIFEN WIR AN. Wenn Sie die im Bericht genannten Maßnahmen umsetzen, stellen wir die Unterstützung für den Internationalen Strafgerichtshof ein, sanktionieren ihre Mitarbeiter und Partner und verhängen ein Einreiseverbot für sie und ihre Familien. Sie wurden gewarnt.“

Drohungen kommen auch aus Israel: Im Mai 2024 berichtete die renommierte britische Tageszeitung The Guardian (auf Basis gemeinsamer Recherchen mit dem israelisch-palästinensischen News-Portal +972 Magazine und der hebräisch-sprachigen Nachrichtenseite Local Call): „Israels Auslandsgeheimdienst Mossad, der Inlandsgeheimdienst Shin Bet und der Militärgeheimdienst würden seit 2015 auf Anordnung der Regierung den IStGH mit nachrichtendienstlichen Mitteln ausspähen […] Betroffen von den Geheimdienstoperationen sei unter anderem die Kommunikation von zahlreichen IStGH-Offiziellen, einschließlich des derzeitigen Chefanklägers Karim Khan. Die Ausspähung des IStGH reiche bis in die jüngsten Monate und Wochen.“

Auch die unhaltbaren und deskreditierenden Angriffe gegen Francesca Albanese haben seit der Veröffentlichung ihres Reports drastische Ausmaße angenommen: Am 30. Oktober 2024 gab sie in New York eine Pressekonferenz zu ihrem vorgelegten Bericht. Anwesend war auch Mike Wagenheim, Korrespondent vom Israelischen Fernsehen i24 News; trickreich versuchte er, Francesca Albanese Antisemitismus zu unterstellen, indem er sie fragte: „Vor ein paar Tagen wurde ein geplantes Briefing mit Kongressabgeordneten abgesagt. Ich weiß nicht, ob die jüdische Lobby dahintersteckt oder?“ Albanese darauf: „Das ist aber Antisemitismus!?“ Wagenheim bestätigte: „Ist es!“ Albanese wiederum schlagfertig und lächelnd: „Haben Sie gesagt, nicht ich!“

Noch am selben Abend wurde Francesca Albanese in New York auf einem riesigen Billboard eines Hochhauses am New Yorker Times Square als Antisemitin diffamiert. Dort, in New York, „einer Metropole mit 1,3 Millionen jüdischen Bürgern“, wählte ein Jahr später „jede und jeder Dritte der jüdischen Bevölkerung“ den Moslem Zohran Mamdani zum Bürgermeister. Bereits am ersten Tag seiner Amtsführung annullierte er die Übernahme der umstrittenen IHRA-Antisemitismus-Definition, die sein Vorgänger im Amt, Eric Adams, verkündet hatte.

Am 28. Dezember 2025 berichtet die spanische Tageszeitung El Pais in ihrer englischen online-Ausgabe, dass die im Februar von der US-Regierung gegen Richter und Staatsanwälte des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) verhängten Sanktionen – wegen der Ausstellung von Haftbefehlen gegen Benjamin Netanjahu und seinen Verteidigungsminister Yoav Gallant – nun auch gegen Francesca Albanese erlassen worden seien. „Ihr Visum wurde widerrufen, und ihr wird die Einreise in die Vereinigten Staaten verweigert – so kann sie beispielsweise nicht zur UNO reisen, um einen ihrer beiden Jahresberichte vorzulegen.“ Betroffen davon seien alle ihre Vermögenswerte, alles eingefroren, darunter „ihr Bankkonto und ihre Wohnung in den Vereinigten Staaten […] Die US-Sanktionen haben weitreichende Folgen für Albanese […] Sie kann weltweit kein Bankkonto eröffnen und keine Kreditkarte besitzen, da sie auf der Liste des Office of Foreign Assets Control (OFAC) des US-Finanzministeriums steht, das gegen Geldwäsche und Terrorismus vorgeht. Dieses Ministerium verbietet allen Finanzinstituten, Personen auf dieser Liste als Kunden zu akzeptieren. Jede Bank, die dies dennoch tut, darf nicht mit Dollar handeln, muss mit Strafen in Millionenhöhe rechnen und wird aus den internationalen Zahlungssystemen ausgeschlossen.“

Am 4. Juni 2025 verkündete The News of Israel in einem Headliner: „Erschreckende Umfrage: 82% der israelischen Juden befürworten die Vertreibung der Bewohner Gazas“.

Was im Gazastreifen aber tatsächlich geschehe, gehe über eine Vertreibung hinaus, konstatiert Omer Bartov: „Denn die Menschen können nicht gehen. Es gibt keinen Fluchtweg. Premierminister Netanjahu sagte im Mai wörtlich: ,Sie werden nicht in ihre Häuser zurückkehren können. Wir haben ihre Häuser zerstört. Unsere einzige Herausforderung ist, Länder zu finden, die Sie aufnehmen´.“

Nun hat Israel Ende Dezember die ostafrikanische Region Somaliland als unabhängigen und souveränen Staat anerkannt. Laut dem israelischen Sender Channel 12 sei Abdirahman Mohamed Abdullahi, Regierungschef der abtrünnigen Region am Horn von Afrika und des früheren britischen Protektorats, bereits im Oktober 2025 zu einem Geheimtreffen mit Benjamin Netanjahu, Mossad-Chef David Barnea und Verteidigungsminister Israel Katz nach Israel geflogen „als Israel nach Ländern suchte, die bereit waren, Palästinenser aufzunehmen, die es während des Krieges aus dem Gazastreifen umsiedeln wollte“ , berichtete die Times of Israel am 26. Dezember 2025. Und, wenn die Times of Israel davon berichtet, dann tut es – wie in diesem Fall – auch der ORF.

Und, um seine selektive Berichterstattung zu den Konflikten im Nahen Osten noch besser erfüllen zu können, muss Karim El-Gawhary weg? Der Protest dagegen droht unterzugehen.

Seit Oktober 2023 hat die jüdisch-arabische Friedensinitiative Standing Together Vienna 110 Mahnwachen für alle israelischen und palästinensischen Opfer auf dem Wiener Platz der Menschenrechte abgehalten. Frauen in Schwarz Wien tun es seit 25 Jahren. Nicht zuletzt, weil ihnen öffentliche Versammlungsräume zusehends verweigert wurden – wegen der Befürchtungen, es könnten antisemitische Äußerungen fallen. Gegründet wurde der Verein von der jüdischen Menschenrechts- und Friedensaktivistin Paula Audrey Abrams-Hourani, der ehemaligen Pianistin aus Cleveland/Ohio, die gerechten Frieden mit ihrem palästinensischen Mann Fayssal Hourani vorlebte. Sie starb Anfang Juni 2018. Frauen in Schwarz Wien halten immer noch ihre Mahnwachen ab: Stumm, im Zentrum Wiens, Ecke Kohlmarkt und Graben; ihr Motto: Wir vergessen Gaza nicht!

Ö1-Mittagsjournal, 30.12.2025, https://oe1.orf.at/player/20251230/817345/1767092521000
https://www.mena-watch.com/mena-dossier-david-oder-goliath-zur-kritik-an-einer-oe1-sendereihe/
https://www.diepresse.com/20430526/trotz-protest-gegen-palaestina-aktivistin-parlament-haelt-an-fest
Ebd.
https://www.ohchr.org/sites/default/files/documents/hrbodies/hrcouncil/sessions-regular/session55/advance-versions/a-hrc-55-73-auv.pdf
https://www.un.org/unispal/document/genocide-as-colonial-erasure-report-francesca-albanese-01oct24/

https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/abhoeren-drohen-spioniert-israel-den-strafgerichtshof-aus,UEB9lLo
https://webtv.un.org/en/asset/k1l/k1lr8ngem8
https://webtv.un.org/en/asset/k1l/k1lr8ngem8
Serge Halimi: „Streit um Israel“, Le Monde diplomatique, Dezember 2025
https://english.elpais.com/international/2025-12-28/the-complicated-life-of-francesca-albanese-a-rising-figure-in-italy-but-barred-from-every-bank-by-trumps-sanctions.html
https://de.newsofisrael.com/israel/2025-06-04/schockierende-umfrage-82-der-judischen-israelis-befurworten-die-vertreibung-aus-gaza/
https://www.fr.de/kultur/gesellschaft/gaza-krieg-genozid-forscher-omer-bartov-im-interview-93867077.html
https://www.timesofisrael.com/israel-becomes-first-country-to-recognize-breakaway-somaliland-as-independent-state/
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* Martin Adel war Universitäts-Lektor (an den Universitäten Madrid/Complutense, Klagenfurt, Wien und Innsbruck), Buch-Autor sowie Autor von zahlreichen Buchbeiträgen und Zeitungs-Artikeln und (von 1984-2015) ständiger freier Mitarbeiter beim ORF/Ö1 Wissenschaft.

* Franz Fluch ist Journalist und Buch-Autor. Er berichtete von 1983 bis 2002 als ständiger freier Mitarbeiter für den ORF-Kultur- und Informationssender Ö1 aus Lateinamerika und dem lusophonen Afrika, ist Gründungsmitglied und war langjähriger Vorsitzender der Gesellschaft für bedrohte Völker Österreich.

Bedrohter Journalismus

Der renommierte Nahostkorrespondent Karim El-Gawhary, dessen Vertrag die ORF-Führung nicht verlängern will, hat kürzlich in Wien einen spannnenden Vortrag gehalten. Leider war es keinem der ORF-Medien wert, darüber zu berichten. Der private TV-Sender Puls 24 hingegen scheute sich nicht, über Gawharys Referat ausführlich zu informieren.

Udo Bachmair / Adalbert Krims

In seinem Vortrag über die aktuelle Lage in Nahost ist El-Gawhary nicht nur auf die „brutale Besatzung“ des Gazastreifens durch Israel eingegangen, sondern hat sich auch mit dem „kolonialen“ Projekt des Trump’schen „Friedensrates“ beschäftigt. Darüber hinaus hat der Referent die pro-israelische „Schlagseite“ in der Medienberichterstattung vor allem in Deutschland und Österreich kritisiert.

Angesichts des Kriegs im Gazastreifen sieht der langjährige ORF- Journalist die Zukunft des Journalismus massiv bedroht. „Ich mache diesen Job jetzt seit über 30 Jahren. Gaza war die erste Geschichte, in der ich als Journalist vollkommen ausgeschlossen wurde“, sagte El-Gawhary. Der Ausschluss von Journalisten aus dem Gazastreifen sei eine „Katastrophe“ und habe es der israelischen Regierung ermöglicht, Berichte über die Lage vor Ort – etwa von Hilfs- oder Menschenrechtsorganisationen – zu diskreditieren. „Was passiert beim nächsten Krieg, nachdem all diese Organisationen diskreditiert und diffamiert wurden?“, fragte El-Gawhary.

Über den Konflikt zwischen Israel und der Hamas müssten Journalistinnen und Journalisten „genauso kritisch über alle Kriegsparteien“ berichten wie in anderen Konflikten. Das „Messen mit zweierlei Maß“ müsse ein Ende haben, so El-Gawhary. Deutschsprachigen Medien warf er eine Voreingenommenheit in der Berichterstattung vor: „Ich finde, dass es in der Berichterstattung in Deutschland und Österreich eine große Schlagseite gibt.“ Guter Journalismus müsse überall „den Mächtigen kritisch gegenüberstehen“ – unabhängig davon, ob es um den Nahost-Konflikt oder den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine gehe.

Trump und die Medien

Mitunter herrscht mediale Verwirrung darüber, wie Person und Politik Donald Trumps einzuschätzen sind. Handelt der autoritäre US-Führer erratisch oder konsequent und berechenbar?

Wolfgang Koppler *

Wurde Trump bis zu seiner nunmehrigen zweiten Präsidentschaft als rechtslastiger Dämon, Krimineller oder auch nur als Kretin gehandelt, wird er nun in den Medien geradezu hofiert und der von ihm angefachte Sturm aufs Kapitol augenzwinkernd als Fauxpas eines eigenwilligen Kindes eingestuft.

Dies konnte man in der durchaus entspannten und nicht uninteressanten jüngsten ORF-Diskussion von 3 am Runden Tisch mit Hannelore Veit und der Börsenexpertin Monika Rosen beobachten. Wobei man zur Ehre von Rosen zugestehen muss, dass Sie ihre privaten Erwägungen wohl mehr für sich behielt und das Ganze nur vom geschäftlich-wirtschaftlichen Standpunkt aus betrachtete. Die ehemalige USA-Korrespondentin Veit hingegen schien aus ihrer Bewunderung kein Hehl zu machen. Dem Tüchtigen gehört die Welt und Geld und Macht rechtfertigt alles.

Auch die Printmedien sind längst auf diesen Zug aufgesprungen. Hat man uns mit der Monroe pardon Donroedoktrin auf ein jedwedes Eingreifen der USA in Lateinamerika vorbereitet, so bereitet man uns jetzt schon auf eine Annexion Grönlands durch die USA vor. Ob mit oder ohne Kauf, ist da wohl nicht so wichtig. Schließlich wurde auch Louisiana einst von den USA gekauft und die Bevölkerung dort musste im 18. und 19 Jahrhundert zahlreiche Regimewechsel über sich ergehen lassen, wie uns die FAZ** erklärt. Und die Sklaven und Indianer waren sowieso nichts wert, zumal damals von einer Sklavenbefreiung noch keine Rede war.

Die Geschichte des Westens ist eine von Eroberung, Kolonisation und Unterdrückung. Und um Moral und Völkerrecht geht es nur, wenn es gilt, jemanden zu dämonisieren, der dem Westen im Wege steht. Welches Regime nach dem Sturz eines solchen echten oder vermeintlichen Bösewichts folgt – nicht so wichtig. Denn wir sind immer die Guten, pardon Mächtigen.

Müssen wir uns jemand wie Trump unterordnen, dann sonnen wir uns eben im Glanz von dessen Tüchtigkeit. Wie nennt man das doch schnell in der Psychologie: Erweiterten Narzissmus. Eines muss man Trump lassen: Er hat unser aller infantilen Narzissmus aufgedeckt. Und unseren Opportunismus.

* Mag. Wolfgang Koppler ist Journalist und Jurist. Er lebt in Wien.

** https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/mehr-wirtschaft/trump-will-groenland-kaufen-lehren-aus-louisiana-accg-200443339.html

Mangelnde Selbstkritik

Immer wieder werden im ORF Experten interviewt, die mehr oder weniger zufriedenstellend Antworten auf komplexe Fragen zur laufenden Entwicklung geben (können). Kürzlich zu Gast war in der ZiB2 der deutsche Politikwissenschafter Herfried Münkler.

Wolfgang Koppler *

Das Vertrauen in unsere Intellektuellen scheint ungebrochen. Auch wenn ihnen zur aktuellen Lage nicht viel mehr einfällt als eine Aufrüstung Europas und die Suche nach Verbündeten, obwohl man sich eigentlich nur von Feinden umgeben sieht. Kritik am eigenen Weltbild hat da keinen Platz.

Diese Gedanken kamen mir, als ich in der ZiB2 Herfried Münkler hörte, dem zu Trumps Großmachtambitionen, die sich jetzt zunehmend gegen das eigentlich verbündete Europa richteten, nicht sehr viel einfiel. Er drückte sich im Hinblick auf Trump bemerkenswert zurückhaltend aus, sah wenig Möglichkeiten, ihn an einer Annexion von Grönland zu hindern, zumal dort schon eine amerikanische Militärbasis existiere, musste aber doch zugeben, dass das Bündnis mit den USA dann wohl obsolet wäre. Dass vielleicht China in seinen Ambitionen auf Taiwan durch Trumps imperialistische Anwandlungen bestärkt werden könnte, wie Interviewer Armin Wolf einwandte, bestritt er nicht.

Natürlich sah er – ebenso wie zahlreiche andere . nur die Möglichkeit einer Emanzipation Europas (allerdings stark verkleinert, da für ihn Europa natürlich an der russischen Grenze endet) angesichts einer Auflösung der Welt in möglicherweise fünf Blöcke. Da sich Europa allein nur schwer behaupten könnte, bräuchte es vielleicht Indien als Verbündeten (China kam für ihn natürlich nicht in Frage, da er dieser Macht, anders als der Völkerrechtlicher Janik einen Tag zuvor, ersichtlich misstraute.

Zum Schluss ging es wieder einmal um die österreichische Neutralität, die in einem solchen System der Selbstbehauptung größerer Einheiten keinen Platz hätte. Fragt sich nur, wer die diplomatischen Kontakte zu dem eher euro- und NATO-skeptischen Indien oder anderen Staaten des globalen Südens knüpfen sollte ? Von der luciden Klarheit, die Katja Gasser Münkler vor längerer Zeit anlässlich der Vorstellung eines Buchs attestierte, war eher wenig zu bemerken. Offenbar sind Europas intellektuelle und wirtschaftliche Eliten nicht einmal in der Krise zur Selbstkritik fähig – an sich und an unserer Kultur.

Wie soll da ein Dialog mit dem Globalen Süden gelingen ? Oder die gesellschaftliche Spaltung überwunden werden?

* Gastautor Mag. Wolfgang Koppler ist Journalist und Jurist und lebt in Wien

Lob für Ö1 und den KURIER

Wir als Vereinigung für Medienkultur stehen nicht an, Medien mitunter auch zu loben, wie wir es in zwei gegenständlichen Fällen zeigen.

Udo Bachmair

Ein überraschendes Highlight an Mut und Pressefreiheit hat das Jahresende erleuchtet. Eva Menasse, Autorin und engagierte Beobachterin des aktuellen Geschehens, konnte im Ö1-Journal zu Gast-Interview* die ORF-Führung für deren Verhalten in der Causa El-Gawhary ganz ungehindert kritisieren. Dafür gebührt dem für das Gespräch mit Menasse zuständigen leitenden ORF-Redakteur Andreas Pfeifer volles Lob.

Bekanntlich hat ORF-Generaldirektor Roland Weißmann (angeblich unmittelbar nach seinem Israel-Besuch..) beschlossen, den Vertrag mit dem zu recht mehrmals preisgekrönten Nahostkorrespondenten nicht über den Sommer 2026 hinaus zu verlängern. Polit-Insider vermuten, dass die ORF-Führung dem Druck der Israelitischen Kultusgemeinde und anderen nachgegeben habe.

Die Hauptkritiker von El-Gawhary, unter ihnen vor allem ÖVP Granden wie Ex-NR-Präsident Wolfgang Sobotka, die jegliche Kriegsverbrechen des rechtsextremen israelischen Regimes gegen die Bevölkerung von Gaza leugnen, unterstellen dem Nahost-Korrespondenten anti-israelische Berichterstattung. Verteidiger El-Gawharys würdigen hingegen dessen sachorientierten Berichte und mitfühlenden Reportagen.

Die Entscheidung des ORF-Generals in dieser Causa, gegen die sich auch eine Petition mit bisher an die 20.000 Unterschriften wendet, sehen politische Beobachter auch im Zusammenhang mit der Neuwahl des ORF-Chefs im August. Sie könnte Weißmann die nötigen ÖVP-Stimmen für dessen Wiederwahl sichern…

Ein Lob gebührt nicht nur dem Info-Team von Ö1, sondern auch dem KURIER, der sich nicht gescheut hat, einen kritischen Kurzkommentar von mir zum Fall El-Gawhary abzudrucken:

„Aus also für Karim El-Gawhary. Die ORF-Führung kann es sich offenbar leisten, auf einen ihrer besten Journalisten zu verzichten. Der mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete Nahost-Korrespondent hat sich mit seinem von Sachverstand und Empathie getragener Berichterstattung beim ORF-Publikums beliebt gemacht, Er hat sich nicht gescheut, nach dem grauenhaften Massaker vom 7. Oktober deutlich auch jene Gräuel anzusprechen, die das israelische Kriegskabinett unter Netanjahu der palästinensischen Bevölkerung in Gaza zugefügt hat. Einige Kräfte hingegen, allen voran die Kultusgemeinde, die jegliche Kriegsverbrechen in Gaza leugnen, haben El-Gawhary bereits seit längerem im Visier ihrer Kampagne. Es besteht der fatale Eindruck, dass die ORF-Führung nun dem Druck dieser Kräfte nicht mehr standgehalten hat. Ein Armutszeugnis für den Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk.“

* https://oe1.orf.at/player/20251231/817398/1767179330000

Verzicht auf billiges Gas

Das österreichische News-Portal Futurezone bereichert die Debatte rund um die Versorgung mit (russischem) Erdgas.

Wolfgang Koppler *

Moral in der Politik stiftet in unserer gewinnorientierten Gesellschaft sehr oft mehr Schaden als Nutzen.

Nichts zeigt dies deutlicher auf als die nun in Deutschland wohl bald neu entflammende Debatte über russisches Erdgas. In einem Artikel aus futurezone werden angesichts eines nun doch nicht mehr ganz unrealistischen Friedens in der Ukraine interessante und eigentlich jedermann einleuchtende Fragen aufgeworfen. Die man in Österreich noch gar nicht stellen darf:

Macht es Sinn, anstelle von günstigem russischem Gas auch nach einem Frieden im Ukrainekrieg teures US-amerikanisches (und auch noch wesentlich umweltschädlicheres) Flüssiggas zu importieren und sich statt von Putin von Donald Trump abhängig zu machen ?

Wie bekommt man eine darniederliegende Wirtschaft wieder flott, wenn man auch noch mit wesentlich höheren Energiekosten als etwa die USA zu kämpfen hat und mit den Energieimporten auch noch die US-amerikanische Wirtschaft fördert ?

Soll man zwei Pipelines am Grunde der Ostsee ungenützt liegen lassen, bloß um seine Prinzipientreue zu demonstrieren ?

Würde man nicht viel leichter zu einem Frieden gelangen, wenn man Russland eine Aufhebung der Sanktionen in Aussicht stellte, wie es die diesbezüglich eher pragmatische US-Administration tut ?

So offen werden diese von mir natürlich etwas provokant formulierten Fragen im gegenständlichen Artikel natürlich nicht gestellt, aber die diesen zugrunde liegenden Überlegungen schimmern doch durch. Wobei futurezone natürlich auf rechtliche und politische Hindernisse verweist. Oder soll man sagen: Borniertheit ?

* Gastautor Wolfgang Koppler ist Journalist und Jurist und lebt in Wien

Neuer Zivilisationsbruch

Erdöl-Piraterie – Seit der Machtübernahme Donald Trumps werden Fischerboote in internationalen Gewässern der Karibik von US-Drohnen angegriffen. Ein Zivilisationsbruch, der allerdings schon früh anderswo begann.

Ilse Kleinschuster *

9/11, dieses Datum wird nicht so schnell vergessen, denn “Die ganze Welt wurde damals zum Kriegsschauplatz erklärt. Die Auswirkungen von alldem sehen wir heute nicht nur in der Karibik, sondern auch vor unserer eigenen Haustür. Das können wir nicht hinnehmen. Wir dürfen nicht schweigen”, sagt Lisa Ling, ehemals Drohnentechnikerin der U.S. Air Force. Sie arbeitete im Rahmen des geheimen „Remotely Piloted Aircraft Program“ an Predator- und Reaper-Systemen. Nach Einsätzen in Afghanistan und anderen Einsatzgebieten verließ sie das Militär aus Protest gegen die hohe Zahl ziviler Opfer. Heute tritt sie als Whistleblowerin, Menschenrechtsaktivistin und kritische Stimme gegen den globalen Drohnenkrieg auf.

Ich weiß nicht, ob es wirklich so vielen klar ist, wie Khalil Dewan meint, dass auch die jüngsten Angriffe der Trump-Administration in der Karibik im Gesamtbild der Eskalation des amerikanischen Antiterrorkrieges betrachtet werden müssen. Khalil Dewan ist Rechtswissenschaftler an der SOAS-University in London und Experte für Drohnenkrieg, gezielte Tötungen und internationales Recht. Es sei der lange Schatten des ‘War on Terror’. Zwei Jahrzehnte lang hätten die USA Drohnenangriffe, Todeslisten und einen gigantischen Überwachungsapparat normalisiert. Wenn man so eine Maschine einmal gebaut hat, suche die sich stets neue Ziele. Seine Forschung konzentriert sich auf den Nahen Osten, Südasien und das Horn von Afrika, wo westliche Staaten militärische Gewalt außerhalb klassischer Kriegsgebiete einsetzen. Er berät NGOs und Menschenrechtsorganisationen und gilt als kritische Stimme gegenüber der Ausweitung moderner Schattenkriege.

Finden Zivilisationsbrüche in krisengeschüttelten Zeiten wie diesen nicht am laufenden Band statt, ohne dass dahinter der Krieg gegen Terror steht? Wird nicht schon seit Jahrzehnten mittels militärischer Einsätze außerhalb von Kriegsgebieten gegen UN-Menschen- und Völkerrecht verstoßen ohne großen Aufschrei unserer Tageszeitungen. Ich finde es daher irgendwie verwunderlich, dass die Wiener Zeitung ** sich dem Thema der US-Drohnenangriffe in der Karibik so ausführlich und kritisch gewidmet hat. Der Autor des Berichts, Emran Feroz, ist austro-afghanischer Journalist und Reporter. Sollte es vielleicht aus Angst vor Überwachung seiner Berichterstattung sein, dass er bewusst nur im Sinne dieses althergebrachten Grundes, ‚war against terror‘, berichtet?

Etwas skeptisch geworden stellt sich für mich die Frage, ob dieser ‚wertvolle‘(?) Artikel (mit seinen genauen Quellenangaben) vielleicht etwas mit dem neuen Europäischen Medienfreiheitsgesetz (EMFA) zu tun haben könnte. Dieses Gesetz ist im August 2025 in Kraft getreten und sein Ziel ist angeblich, dass die Empfänger von Mediendiensten „Zugang zu hochwertigen Mediendiensten haben sollen, die von Journalisten unabhängig und im Einklang mit ethischen und journalistischen Standards erstellt worden sind und somit vertrauenswürdige Informationen bereitstellen“.

Sollte es jetzt ein „Wahrheitsministerium“ in Brüssel geben, welches es sich zur Aufgabe macht, Desinformation zu bekämpfen, eine Vielfalt an Medien zu erhalten und Journalisten vor politischem und wirtschaftlichem Druck zu schützen?!? – Ich wage es zu bezweifeln nach all dem was ich zuletzt gehört habe von Regulierungsbehörden und ‚Dissensmanagement‘ und von den Mächtigen, von ‚parasitären Eliten‘, die dahinterstehen. Piraterie hat es wohl immer schon gegeben, aber dabei ging es bis vor kurzem nicht um Erdöl.

* Ilse Kleinschuster ist Journalistin und aktives Mitglied der Zivilgesellschaft

** https://www.wienerzeitung.at/a/fluch-der-karibik-mit-den-drohnen-trumps#infos-und-quellen

Fröhliche Weihnachten

1969 jubelten wir über den ersten Menschen auf dem Mond. Zu Weihnachten 2025 jubeln manche über den ersten Menschen, der mehr als 700 Milliarden Dollar besitzt: Elon Musk. Der wird von Medien und Politik eher bewundert als kritisiert.

Wolfgang Koppler *

Ein Artikel in der Kleinen Zeitung zeigt ein Foto über einen infantil jubelnden Elon Musk, dem das Forbes-Magazin nunmehr mit dem Titel des „Reichsten Menschen der Welt“ gekürt hat. Der Oberste Gerichtshof von Delaware hat dabei im Zusammenspiel mit der besonders unternehmensfreundlichen Gesetzgebung des US-Bundesstaates Delaware ein bisschen mitgeholfen, indem er eine Vergütungsvereinbarung, die eine Richterin nach einer Aktionärsklage zuvor als „unfassbar“ (in Österreich würde man wohl den Ausdruck sittenwidrig verwenden) einstufte, als rechtlich einwandfrei einstufte. Nicht ohne auch noch die Rechtsmeinung der Vorinstanz in Delaware als „ungebührlich und für Musk ungerecht“ zu bezeichnen, wie man der Kleinen Zeitung und msn.com entnehmen kann.

Anscheinend ist das Geld das Einzige, was zählt. Vorbei sind die Zeiten, wo Musk mit seinen rechtslastigen Aussagen für Aufsehen sorgte, vergessen ist das Chaos, das er als Leiter des „department for government efficiency anrichtete“. Teslafahrer können ihre Autos behalten und die (entschuldigenden) Pickerl „I bought it, before Elon went crazy“ wieder entfernen. Musk ist der reichste Mensch der Welt. Und ein Auto zu fahren, das ein solcherart Gesegneter auf den Markt gebracht hat, ist ja wohl für manche eine Ehre. Der Mensch, der dahinter steht, mit seinen Gewalterfahrungen, seinen sozialen Störungen und seinen problematischen Ansichten und Geschäftsmethoden (wie man Musks Wikipedia-Eintrag entnehmen kann), der interessiert niemand.

Wohl kein absolutistischer Herrscher aus der Zeit des Gottesgnadentums wurde so unkritisch gesehen wie moderne Erfolgsmenschen. Die Welt scheint vor Ihnen auf den Füßen zu liegen. Der infantile Narzissmus der Renaissance hat uns diese Vergöttlichung des Menschen eingebläut. Und die US-amerikanischen Puritaner haben dem auch noch einen religiösen Anstrich gegeben, indem sie den Reichen als von Gott auserwählt ansahen. Ganz gleich, welche zerstörte Seelen sich hinter der glanzvollen Fassade verbergen.

Der erste Mensch mit mehr als 700 Milliarden Dollar ! Da muss es ja wieder aufwärtsgehen.

Fröhliche Weihnachten !

* Mag. Wolfgang Koppler ist Journalist und Jurist. Er lebt in Wien

https://www.msn.com/de-at/nachrichten/other/laut-forbes-magazin-elon-musk-besitzt-als-erster-mensch-%C3%BCberhaupt-mehr-als-700-milliarden-dollar/ar-AA1SK1qC

https://www.dw.com/de/elon-musk-milliardaersliste-forbes-reichtum-gerichtsurteil-delaware-usa-tesla-spacex/a-75256548

ORF: Aus für Karim El-Gawhary

Nun erscheint es fix. Der ORF verzichtet auf einen seiner profiliertesten Korrespondenten. Er verlängert nicht mehr den Vertrag von Karim El-Gawhari. Er schickt einen besonders renommierten und hervorragenden Journalisten in die Wüste, der sich mit viel Sachverstand und Empathie beim Publikum äußerst beliebt gemacht hat. Damit entsteht der Eindruck, dass ausgerechnet der zur Ausgewogenheit verpflichtete Öffentlich-Rechtliche Rundfunk dem Druck von Kräften in diesem Land weicht, die differenzierende Nahostberichterstattung ablehnen und Ohne Wenn und Aber hinter Israels rechtsextremem Kriegskabinett stehen (Mod-Text Udo Bachmair).

Adalbert Krims *

Ich bin hin- und hergerissen zwischen Wut, Trauer und Ratlosigkeit. Bis zuletzt hatte ich gehofft, dass der ORF vor der Kampagne gegen Karim El-Gawhary NICHT in die Knie gehen wird! Nun lese ich aber (ausgerechnet!) in der KRONE, dass die Entscheidung gefallen sein soll. Karims Vertrag mit dem ORF, der Mitte 1926 ausläuft, wird NICHT verlängert. Er hat fast 35 Jahre für den ORF berichtet und leitete seit 2004 (also seit über 21 Jahren!) das ORF-Büro in Kairo für die gesamte arabische Welt. Er wurde seither mit vielen Journalistenpreisen ausgezeichnet – u. a. auch 4mal als „Journalist des Jahres“. 2023 verlieh ihm der Bundespräsident das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich.

Karim stand Jahrzehnte für einen engagierten, aber faktenorientierten und fairen Journalismus. Immer wenn sich im Nahen Osten Konflikte mit Israel zuspitzten, nahmen auch die Kritik – und die Interventionen – gegen ihn im ORF zu. Sogar Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde bezichtigten ihn öffentlich, Hisbollah- oder Hamas-Sympathisant zu sein. Seine Berichte über den Gaza-Krieg in den letzten 2 Jahren haben dann aber zur offenen Forderung nach Ablösung El-Gawharys geführt, sowohl öffentlich in den social media wie auch „diskret“ durch Interventionen bei der ORF-Führung.

Was jetzt noch besonders absurd ist: Man will das Büro in Kairo überhaupt schließen und die gesamte Nahostberichterstattung (also auch über den arabischen Raum) vom Israel-Büro des ORF machen lassen. Damit ist ja auch eine klare politische Botschaft verbunden – der ORF (wie leider auch die österreichische Bundesregierung) stellt sich hier klar auf EINE Seite. Übrigens wurde Nikolaus Wildner vom ORF-Büro in Tel Aviv erst vor wenigen Wochen mit dem Arik-Brauer-Preis „für faire und fundierte Nahost-Berichterstattung“ ausgezeichnet. Was so schön „objektiv“ klingt, sieht etwas anders aus, wenn man weiß, wer diesen Preis stiftet: Nämlich der „Nahost-Thinktank“ mena-watch, der gerade in Österreich eine wichtige Rolle bei der Verbreitung „pro-israelischer Narrative“ spielt (um es vorsichtig auszudrücken)

https://www.krone.at/3991480
https://www.derstandard.at/story/3000000301334/orf-soll-sich-laut-bericht-von-karim-el-gawhary-trennen
https://www.heute.at/s/tv-hammer-orf-star-muss-nach-35-jahren-gehen-120150897

* Adalbert Krims, langjähriger ORF-Redakteur, nun freier Journalist, lebt als engagierter Politik- und Medienexperte in Wien

„Champion der Freiheit“?

Sie ist ein Fan von Donald Trump. Trotz seiner menschen- und völkerrechtlichen Vergehen, trotz seiner antidemokratischen Grundposition: Die venezolanische Oppositionsführerin Maria Corina Machado. Ihr wird nicht grundlos vorgeworfen, mit dem Trump-Regime gemeinsame Sache zu machen und Venezuela wieder ganz den (Öl-)Interessen der USA auszuliefern. Sie soll auch offen sein für eine militärische US-Intervention in ihrem Heimatland. Einer polarisierenden Person wie Machado den Friedensnobelpreis zu verleihen, erscheint aberwitzig. Jedenfalls verwirrend.(Einleitungstext Udo Bachmair)

Wolfgang Koppler *

Was tut man da bloß ? Wohin soll man sich wenden, wenn die so hochgelobte venezolanische Oppositionelle und Friedensnobelpreisträgerin Machado laut dem deutschen Polit-Magazin „Spiegel“ vom 14.12. Trump zum „Champion der Freiheit“ erklärt. Immerhin muss auch der Spiegel zugeben, dass Trumps Aktionen (wie etwa die Kaperung eines Öltankers) gegen das Völkerrecht verstößt.

Irgendwie entsteht da ein Knoten im Hirn. Wie soll man das einordnen ? Trump als Freiheitskämpfer oder als autoritärer, rechtslastiger Dämon, der unsere Freiheit zerstört. Die herkömmlichen Schwarz-Weiß-Schemata scheinen da nicht so recht zu passen – nicht nur in diesem Fall. Plötzlich kann man nicht einfach irgendwelche Slogans nachbeten, dabei seine Emotionen loswerden und sich dabei auch noch überlegen fühlen. Man könnte dabei plötzlich zwischen allen Stühlen sitzen.

Unangenehmerweise ist man auf einmal gefordert, nicht nur selbst zu denken, sondern auch noch Persönlichkeit zu entwickeln. Ohne auf andere schielen zu können und denen das Denken zu überlassen. Man ist nicht gewöhnt, abzuwägen, eine Entscheidung zu treffen und mit sich selbst ins Reine zu kommen. Und dabei vielleicht auch noch anzuecken. Längst abgehängte und als altmodisch abgetane Begriffe wie Gewissen, Herz und Seele scheinen gar nicht mehr so absurd. Vielleicht braucht man so was wirklich ? Das kann ja weh tun. Wie soll man nur auf eigenen Beinen stehen ohne das bequeme Verschwinden in der Masse einer Partei oder einer Interessensgemeinschaft ?

Aber vielleicht müssen wir das. Um dann vielleicht als wirklich freie Menschen wieder zusammenzufinden.

https://www.msn.com/de-at/nachrichten/other/venezuela-mar%C3%ADa-corina-machado-nennt-donald-trump-champion-der-freiheit/ar-AA1SkEaL?ocid=msedgdhp&pc=HCTS&cvid=693f4ce198a14bb49b64bf4d65030d0e&ei=15

* Gastautor Mag. Wolfgang Koppler ist Journalist und Jurist. Er lebt in Wien