ORF als Spielball der Politik

Angesichts der Wahl der neuen ORF-Spitze durch den Stiftungsrat stellt sich mehr denn je die Frage nach der Unabhängigkeit der Berichterstattung des für Österreichs Medienlandschaft wohl wichtigsten Unternehmens.

Udo Bachmair

Im ORF-Stiftungsrat, dem oberstes Entscheidungsgremium des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, kann erstmals eine klare Mehrheit der größeren Regierungspartei einen ORF-Generaldirektor allein bestimmen. Das Gremium ist offiziell unabhängig, gemäß österreichischer Realpolitik jedoch parteipolitisch besetzt.

Dass nun die Regierung ohne Rücksicht auf Oppositionsparteien einen nur ihr genehmen Kandidaten in den ORF-Chefsessel hieven kann, erscheint Medienbeobachtern demokratiepolitisch höchst bedenklich. Es liegt nun an den ORF-Journalisten, trotz aller Einflussversuche unabhängige Berichterstattung zu garantieren.

Zur Causa ORF im Folgenden ein Auszug aus einer Rede, die ich aus Anlass einer alternativen Medienenquete gehalten habe :

Ein unabhängiger Rundfunk ist unverzichtbarer denn je.

Natürlich kann und soll der Wert des Öffentlich-Rechtlichen neu diskutiert, teils auch neu definiert werden.

Das erscheint umso notwendiger im Umfeld einer Medienlandschaft, die geprägt ist von einem beispiellosen Konzentration an Boulevardmedien speziell im Osten unseres Landes.

Dem ORF und den Qualitätszeitungen kommt in dem Zusammenhang eine besondere Rolle zu. Auch als Gegengewicht zu all dem, was sich an höchst bedenklichen Inhalten in den sogenannten „Sozialen“ Medien abspielt. Hass und Hetze gegen Minderheiten, insbesondere gegen Flüchtlinge und Asylwerber.

Der ORF dagegen muss ein Hort sein für seriösen differenzierenden Qualitäts-Journalismus

Er kann die Rolle aber nur dann erfüllen, wenn von ihm und seinen Programmitarbeitern Druck genommen wird.

Und: Wenn auch seine Finanzierung gesichert ist.

Aus meiner Sicht sollte das bisherige Finanzierungsmodell erhalten bleiben, teils Werbeeinnahmen, teils Einnahmen über die Gebühren. Diese jedenfalls sollten von den jeweiligen Landesabgaben entschlackt werden.

Keinesfalls zu begrüßen wäre der Vorschlag, den ORF aus dem Bundesbudget zu finanzieren. Denn dann müsste die ORF-Führung jährlich zum Finanzminister pilgern, um demütig die Sicherstellung der weiteren Finanzierung zu erbitten.

Erwartetes Wohlverhalten seitens des ORF verstünde sich in diesem Fall wohl von selbst. Auf der anderen Seite ein noch effektivere Zugriffsversuche der großen Regierungspartei auf das Unternehmen.

Der ORF muss allerdings die finanzielle Unterstützung im wahrsten Sinn des Wortes auch verdienen:

In erster Linie mit Qualität seiner Programme und journalistischer Glaubwürdigkeit.

Diese kann und sollte etwa auch in der außenpolitischen Berichterstattung gestärkt werden. Durch weniger Schlagseite bei so komplexen Causen wie etwa dem Ukraine-, Nahost oder Syrien-Konflikt.

Oder in der innenpolitischen Berichterstattung darauf zu achten, nicht der gespenstisch gut inszenierten Regierungspropaganda auf den Leim zu gehen.

Der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk sollte bestrebt sein, seinen Kultur-und Informationsauftrag auch mit einer besseren Durchmischung auf die einzelnen Kanäle zu erfüllen. So wären sicher weitere Programmkorrekturen von ORF 1 vonnöten. Damit kann der Kritik begegnet werden, dieser Kanal sei programmiert wie ein kommerzieller Privatsender.

Das heißt: Der ORF muss sich klar unterscheidbar machen.

Das gelingt zum überwiegenden Teil bei ORF 3 sowie bei Ö 1.

Und das soll so bleiben. Das soll nicht durch neue Zugriffsversuche auf den ORF gefährdet werden.

Seltenes Wort zum Tod

Ein außergewöhnliches Wort zum Sterben. Der Wiener Musiker, Maler und Poet Ernst Wilfried Huber verdrängte nicht den Tod.

Hans Högl – ein letzter Freundschaftsdienst

Der Musiker – Maler – Poet – Weiser Ernst Wilfried Huber hat am 21.07. 2021 im Alter von 80 Jahren die physische Welt verlassen. Er lehrte viele Jahre Musik in Wien an der Pädagogischen Akademie, er komponierte, malte und schrieb Gedichte, so ein außergewöhnliches lang vor seinem Tod:

ein schwarzer abgrund – man fällt und fällt und fällt. Es wird heller und heller – man erwacht in einer anderen welt- wo dieses fallen aufgefangen wird.

Ein spezielles Thema seiner Malkunst waren die hebräischen Buchstaben. Eine Kleinschrift (2021) trägt den Titel: „22 Zeichen des Seins schreiben Geschichte(n)“. So lautet der Text Nr. 4 geheimnisvoll wie moderne Lyrik: „Türen immer wieder Türen. Flügel auf und zu. Geschlossen – wieder offen- niemals findet ein Luftzug Ruh.“

Die Gattin des Verstorbenen, Mag. Eva Huber, ist akademische Malerin und ausgebildete Psychotherapeutin und verbindet weiterhin in ihrem Atelier moderne Methoden der Psychotherapie, Kunsttherapie und kreative Kunst in Euratsfeld (und Wien). Das Atelier und die reichhaltige Künstlerwerkstatt sind in Euratsfeld NÖ. Vgl. https://www.huberbilder.com

Wie über Corona „gut“ berichten

„Vom Fachchinesischen ins Österreichische“ war Motto von Günther Mayr (ORF-Wissenschaft)

Hans Högl- Resumé eines Interviews des Leiters der ORF-TV-Wissenschaftsredaktion

In der Zeitschrift „Gesund leben“ von der Wiener Ärztekammer fand sich Günther Mayrs langes Interview (05/21). Ich bringe daraus Passagen: Der 54-jährige Bregenzer Günther Mayr wurde ein ORF-Star, und er ist ein Fußballfan.

Beispiele aus dem Leben helfen dem Zuschauer, sich abstrakte Dinge besser vorzustellen. Günther Mayr: „Meine Erfahrung ist: Erzählt man Geschichten, folgen einem die Menschen. Natürlich muss man sich vorher ganz genau überlegen, wie man diese Geschichten erzählt. … Rückversichern als Qualitätskontrolle auf der fachlichen Seite ist sehr wichtig.“ …Wir (Journalisten) sind keine Virologen, keine Spezialisten. Aber wir versuchen, die Thematik zu verstehen und das „Fachchinesische ins Österreichische zu übersetzen“. Genau diese Übersetzung ist unsere Aufgabe.

Die Zuseher finden es toll, wenn ich das Thema mit einem Augenzwinkern betrachte. Das gibt einem das Gefühl, irgendwie schaffen wir`s schon, auch wenn die Lage ernst ist. Wir Österreicher ticken humortechnisch ein bisserl anders als die Deutschen. Die Angst zu beseitigen, ist in unserer Berichterstattung ein ganz wichtiger Punkt. Wie auch unser Bundespräsident immer wieder sagt: „Irgendwann ist die Sache vorbei!“ „Natürlich ist es zach“ und es geht uns alle unendlich auf die Nerven. Aber Humor ist eine Möglicheit, gesunde Distanz zum Thema zu schaffen.

Die Coronaberichte sollten verlässlich sein und die Menschen nicht durch zu viel Details überfordern. Dazu selbstkritische Worte von Günther Mayr: „Was wir nicht hätten machen sollen – im Nachhinein gesehen – ist, die Wirksamkeit der einzelnen Impfstoffe an genauen Zahlen festzumachen, sie zu vergleichen und darüber zu berichten. Also Impfstoff A wirkt zu 95 %, Impfstoff B zu 92 %. ….Das würden wir aus heutiger Sicht nicht mehr tun. Denn das hat dazu geführt, dass die Leute die Impfungen vergleichen wie Autos. Meins hat 95 PS, deines nur 92 PS. Zur Impf-Verunsicherung – à la: Welchen Impfstoff bekomme ich? haben leider auch die Medien beitgetragen.“ „Und auch einzelne Hersteller“.- „Es hat auch anfangs bei den Masken geheißen: Die helfen nix! Heute weiß man, dass das nicht stimmt…Auch wir haben damals über die Nutzlosigkeit der Masken berichtet, denn wir berichten ja nicht das Gegenteil von dem, was die Fachwelt sagt.“
„Wir sind nicht fehlerfrei, aber wer ist das schon? Es ist die erste Pandemie, die wir erleben- da ist es ganz logisch, dass man von Anfang an, nicht immer alles richtig macht.“

Hans Högl: Eines Tages kann uns wirklich die Klimakatastrophe so massiv und umfassend treffen, dass ein zu häufiges Plaudern darüber zu wenig ist. Dann ist auch verlässlicher Wissenschaftsjournalismus dringend gefordert.

Leere Phrasen über Klimawandel?!

Die medialen Warnungen über den Klimawandel und die Parallel-Werbung für schnelle Autos in TV-Sendern- – das schafft Unbehagen und ist widersprüchlich bis hin zur leeren Phrase.

Hans Högl

Nun -die Coronaberichte ebben ab, die Klimafrage rückt wieder in den Vordergrund. In einer Fülle von Sendungen – nicht nur im ORF -sondern auch und in deutschen TV-Sendern ist die Klimafrage allgegenwärtig.

Der Klimawandel hat vielfältige Ursachen, aber dass der Verkehr – z.B. auf Basis von Benzin und Diesel- ein wichtiger Faktor unter anderem ist, steht außer Frage. Ich stelle eine Frage und deute mein Unbehagen an: Ja, wir können die Autos nicht einfach abschaffen – auch nicht die Werbung für Autos. Dennoch sehe ich eine Diskrepanz zwischen den wiederholten Warnungen über den Klimawandel und die gleichzeitige auch öffentlich-rechtliche Werbung für Benzin- und Dieselautos.

Ich möchte einen Gedankenimpuls geben, ohne jetzt und sofort ein Verbot für diese Werbung zu fordern. Aber es ist ein Unbehagen, das mich erfasst- bei soviel Worten über Klimawandel. Es gilt auch die Forderung von Unternehmensethik – auch für die Fernsehstationen. Auch wenn es weh tut.

Kleinstaaten bei Olympiade in Tokyo

Weltnachrichten vernachlässigen in der Regel viele Kleinstaaten

Hans Högl

Es ist durchaus sinnvoll, dass sich die Medienberichte primär auf wichtige Staaten beziehen. Wir wären sonst überfordert. Doch die weltweit agierenden Nachrichtenagenturen sind primär anglo-amerikanisch bzw. französisch und fallweise russisch. Dennoch: Es lohnt, einige dieser über 200 Staaten zu nennen, die sich bei der Eröffnungsfeier der Olympiade in Tokyo präsentierten, aber ganz selten in Medien genannt werden. Darunter sind Karibik-Inseln, die als Steuerparadiese gelten.

Hier eine Aufzählung einiger dieser Staaten: Aruba (eine niederländische Karibikinsel), Antigua (Karibikstaat), Virgen Islands (US-amerikanische Jungferninseln /Karibik), Guyana (britisch), Grenada (Karibik-Staat), Cayman Island (Karibik); Staaten in Ozeanien oder Asien: Mauritius (Indischer Ozean), Kiribati (Inselstaat im Pazifik), Mikronesien (Pazifik); dann subsaharische afrikanische Staaten: Guinea Bissau (Westafrika), Liberia, Gambia (in Westafrika – von Senegal umschlossen), Gabon (westlich von Kongo); selten genannte europäische Staaten: North Macedonia und Cyprus (beim Konflikt um Meeresbodenschätze erwähnt)

Wer wir sind, bleibt offen

Fehlende Antworten in Wissenschaft und Medien zur tiefsten Frage: Was ist der Mensch?

Hans Högl

Wissenschaft kommt oft ziemlich breitspurig daher, im „Gehabe“ „wir wissen`s“. Oft tut sie so, als hätte sie „alles im Griff“. Doch der größte Feind der Erkenntnis ist die Illusion des Wissens. Das größte Lernhindernis ist die Arroganz, schreibt der originelle Alternativ-Schuhfabrikant Heini Staudinger aus dem Waldviertel in der neuesten Ausgabe seiner Zeitschrift „brennstoff, nr. 59. Die Einleitungsworte oben finden sich in diesem Heft, das in der Regel bemerkenswerte Artikel bietet.

Staudinger: „Wer und was wir sind, ist heute um keinen Deut weniger geheimnisvoll als zur Zeit der ersten Menschen. Die Wissenschaften haben dieses Rätsel nicht gelöst, sondern vertieft. Verweis auf einen Beitrag im Heft von Fabian Scheidler.

Die gleiche Frage stellte ich mir spontan, als ich gestern mit dem Rad in der vielbesuchten Wiener Mariahilfer Straße war und auch die Menschenmassen auf dem Stephansplatz sah. Medien konzentrieren sich auf die Sekunden der Weltgeschichte, auf das reelle vielfältige Geschehen. Auch die Wissenschaft, so wichtig sie ist, gibt uns auf existentielle Fragen nach dem Sinn des Lebens und des Menschen kaum eine Antwort.

Unglück und Fundglück

Seltene Informationen

Hans Högl

Manchmal sind Rückblicke wichtig, wenn diese aktuelle Ereignisse relativieren – in diesem Fall Überschwemmungen. So bringt heute Georg Markus im Wiener „Kurier“( 25.Juli) eine umfangreiche Reportage darüber, dass es wiederholt an der Donau – so 1954 z.B. in Melk zu einer großen Überschwemmung gekommen ist.

Eher selten sind Berichte darüber, dass drei Geldbörsen mit Bargeld gefunden wurden, die deutsche Urlauber versehentlich in Österreich liegen gelassen haben (Die Krone, 25. Juli) und die ihnen zurückgegeben wurden.

Ich selbst machte einmal die Erfahrung bei einer Autofahrt nach Spanien über Frankreich. So ließen wir beim Tanken in Lyon unsere Tasche versehentlich liegen – mit dem Geld der Gruppe. Bei meiner Rückfahrt aus Spanien suchte ich das Fundamt in Lyon auf. Meine Freunde meinten, es sei sinnlos. Und es wurden mir aber alle Fundstücke mit Bargeld zurückgegeben. Der Finder: ein Mann mit italienischem Namen.

Die Stadt Wien hat am Gehsteig vor den Amtshäusern der Bezirke Behälter aufgestellt, in welche Fundstücke hineingegeben werden können, ohne es der Polizei zu melden. Diese Maßnahme bewährt sich.

Dänischer Mohammed-Karikaturist gestorben

Wertekonflikt bei Globalisierung und Pressefreiheit

Hans Högl

Der dänische Mohammed-Karikaturist Kurt Westergaard ist gestorben.
Seine umstrittenen Mohammed-Karikaturen hatten Proteste und gewalttätige Ausschreitungen in zahlreichen Ländern ausgelöst. Wie die Zeitung «Berlingske» am Sonntag online meldete, starb Westergaard nach langer Krankheit im Alter von 86 Jahren, wie seine Familie mitteilte.

Unser Publikum wird ersucht, zu kommentieren, wie es diesen Wertekonflikte beurteilt. Ist „Medien-Freiheit“ grenzenlos oder sind auch mögliche Folgen zu beachten? Es geht also um Gesinnungsethik und Verantwortungsethik.

Flugzeuge mit nachhaltigem Treibstoff

Häufige Neigung, begrüßenswerte Änderungen nicht hervorzuheben.

Hans Högl

Swiss betankt seine Flugzeuge in Zürich mit nachhaltigem Treibstoff: Ab sofort werden alle Flugzeuge, die vom Flughafen Zürich starten, mit einem als nachhaltig zertifizierten Treibstoff betankt, der die CO2-Emissionen um bis zu 80 Prozent reduziert. Der Einsatz des teureren Treibstoffs wurde möglich, weil Swiss-Kunden bereit sind, dafür einen Aufpreis zu bezahlen.

Welt sehen, wie sie wirklich ist

Panische Zukunftsangst in Gesprächen und Medien

Hans Högl

Beiläufig wird uns in Gesprächen und auch in Qualitätsmedien eine panische Zukunftsangst vermittelt. Darum greife ich -auch mit eigener Überzeugung – eine Literaturempfehlung wortwörtlich auf, die Matthias Horx, der bedeutende Zukunftsforscher und frühere „ZEIT“-Journalist, in seinem Buch „15 1/2 Regeln für die Zukunft. Anleitung zum visionären Leben“ (2019) gibt (S. 337).

Hans Rosling Nachlass – sein Buch: Factfulness- Wie wir lernen, die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist, Berlin 2018 – ist eine wichtige Grundlage, um panische Zukunftsangst zu überwinden -und die Welt in ihrem Wandel konstruktiv zu betrachten. “Das Buch bietet neben einer Zusammenfassung von Rosling Welt-Statistiken auch eine Einführung in die future biases, jene Wahrnehmungsverzerrungen, die uns die Zukunft ausschließlich aus der Warte der Angst sehen und positive Entwicklungen ignorieren lassen. Die Tatsache, dass es zu einem Weltbestseller geworden ist, gibt mir Hoffnung.“