Archiv der Kategorie: JÜNGSTE BEITRÄGE

Corona – Zahlen ohne und mit Hirn

Hans Högl

In der Tageszeitung „Die Presse“ mache ich eine großartige(!), erwartete Entdeckung. Schon lange habe ich darauf gehofft.Aber vielleicht habe ich Manches übersehen. Wer kann denn die mediale Flut überblicken!? Jedenfalls brachte es die Wiener „Presse“ richtig auf den Punkt und schrieb recht vernünftig Folgendes:

In Spanien kommen auf 1 Mio Einwohner 510 Tote durch Covid-19 Erkrankungen.
In Italien auf 1 Mio Einwohner 446 Tote…..
In Frankreich auf 1 Mio Einwohner 357 Tote…..
In Deutschland auf 1 Mio Einwohner 73 Tote…..

Mit anderen Worten: Hier werden endlich die Corona-Toten in Relation zu der Gesamtbevölkerung gesetzt. Ob man Mr. Trump liebt oder nicht, tut nichts zur Sache:
Es leuchtet doch jedem Schulkind ein, dass ich die bloße Zahl der Corona-Toten von riesigen Staaten wie von den USA oder Russland nicht mir denen eines Klein- oder Mittelstaates vergleichen kann, z.B. die der USA mit Monaco oder Spanien, das die Einwohnerzahl des einen oder anderen US-Bundesstaates hat.

Die Anzahl der in den USA an Covid-19 Erkrankten muss in Bezug gesetzt werden zur Zahl der Bewohner der gesamten USA. Der Vergleich von absoluten Zahlen ist irreführend. Aber damit wird nicht selten sinnlos herumgeworfen. Die „Presse“ verglich Daten vom gleichen Tag (den 28.4.) und publizierte sie am Folgetag. Abgesehen davon, gilt weiter zu prüfen, ob die Gestorbenen nur an Covid-19 gestorben sind und nicht auch zusammen mit anderen Krankheiten. Aber das ist noch einmal ein anderer Standpunkt.

Mehr Geld vom Staat- tönt es von Profi-Fußballern!

Hans Högl

Von Überall tönt es in der Corona-Krise: Wir wollen Geld vom Staat! Das fordern auch Salzburger Hoteliers, ausgedrückt in den „Salzburger Nachrichten“. Aus seriöser Hintergrundinformation weiß ich, dass die „Salzburger Nachrichten“ auch im Tourismusgeschäft verankert sind.

Im Heimatbuch des niederösterreichischen Dorfes Asperhofen schrieb ein Autor über die Zeit nach 1950: Es war keineswegs immer nur die „gute, alte Zeit“. Es war eine Zeit, wo sich die Menschen nicht auf den Staat verlassen konnten, keine Psychologen zur Verfügung standen, sondern jeder für seine Familie selbst verantwortlich war (Ing. Göbl, Geschichte von Asperhofen 2007.). Ja, es soll Hilfe geben, Hilfe zur Selbsthilfe.

In diversen Unternehmungen bekommen Spitzenmanager seit den 1990-iger Jahren in zunehmendem Maße unglaublich hohe Gehälter! Wäre es jetzt nicht wünschenswert, dass in der gesamten westlichen Welt (nicht allein einzeln in Ländern!) dieses Missverhältnis der Gehälter und Tantiemen von Managern zurechtgestutzt würde! So etwas Ähnliches fordert heute überraschenderweise die altliberale „Neue Zürcher“ von den Sportprofis auf nzz-online.
Auch der Staat kann überfordert sein! Die Zeche zahlen dann alle.

Zur NZZ: 200 bis 250 Millionen Franken braucht der Schweizer Fussball angeblich, um die Corona-Krise zu überleben. Angesichts von drohenden Geisterspielen rufen Funktionäre nach Bürgschaften vom Bund und nach Kurzarbeitergeld. «Wenn auf Bundesebene nichts passiert, wird der Profifussball bald anders aussehen», sagt der Präsident der Swiss Football League (SFL), Heinrich Schifferle. Das wäre angesichts der von der Realität abgehobenen Spielergehälter vielleicht gar nicht schlecht, so die NZZ.

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SPD will ein Aus der US-Atomwaffen

Hans Högl -Medienschmankerl

SPD-Spitze will US-Atomwaffen aus Deutschland verbannen

Partei- und Fraktionsführung sprechen sich gegen die nukleare Teilhabe der Bundesrepublik aus. Die Sozialdemokraten positionieren sich so für die Zeit nach Merkel und wollen offenbar ein grosses Kampfjet-Geschäft mit den USA verhindern, auf der Atomwaffen transportiert werden können. Quelle NZZ

Filmwunder aus Österreich!? ARTE-Medientipp

Hans Högl

Im ARTE-Monatsmagazin lautet ein Beitrag „Kleines Land, großes Kino“, gemeint sind große österreichische Filmregisseure – so Otto Preminger, Michael Haneke, Christoph Waltz und eine Reihe anderer. Am 20. Mai wird ab 20:15 der Film „Happy End“ von Michael Haneke gezeigt. Der preisgekrönte Film zeigt das Schicksal einer großbürgerlichen französischen Familie.

Am gleichen Abend ist ab 21:55 die Filmdoku „Cinema Austria“– die ersten 112 Jahre (!) und am 25. Mai bringt ARTE ab 20:15 Hanekes Film: „Das weiße Band.Eine deutsche Kindergeschichte“. Eine sehr knappe Inhaltsangabe: In einem norddeutschen protestantischen Dorf werden Kinder mit äußerster Strenge erzogen. Ein ausgezeichneter Film, das schreibe ich als einer, der den Film gesehen hat.
Wichtig erscheinen mir auch österreichische Dokumentarfilme.

Der Autor im Magazin-Text sucht, die kulturellen Hintergründe zu deuten, die zum bedeutendem Filmschaffen von Österreichern führen. In Manchem bleibt er bei Klischees. Doch sein Schlusswort überzeugt: Österreich ist ein modernes Land ist, das mit seinen übermächtigen Traditionen sehr kreativ umgeht.

Ich ergänze eine Erfahrung eines Soziologen, der in Norddeutschland tätig war. Es sei hier eher erlaubt als in Österreich, seriös Experimente zu machen. In Differenz dazu ist der Spielraum im Land an der Donau größer für Späße. Abgesehen von Bayern, ist Österreich wohl im Relation zu Deutschland kulturell konservativer. Aber es dürfte mehr Sinn und Toleranz für besondere Verhaltensweisen eröffnen, auch mehr Mut für Unkonventionelles, dafür zu stehen, was nicht gerade modisch ist, weil es weiter vernünftig erscheint. So wurde die Straßenbahn in Wien nie abgeschafft wie in Hamburg, auch nicht die Schlafwagenzüge und ein Österreicher hat die berühmte Leica wieder auf Schuss gebracht.Wesentlich ist wohl, dass Kultur und vor allem das Schauspiel in Österreich eine sehr große Wertschätzung genießt.

Social Media, Armin Wolf und ORF-Interna

Hans Högl

Was sich ORF-intern abspielt, erfährt man nicht in orf.news.at sondern in Printmedien. Darum ist es im Sinne der Pressefreiheit gut, dass es private und öffentliche Medien gibt. Pressefreiheit gibt es ja de facto nicht: in absolutistischen Regimen, in extrem rechten und linken Diktaturen. Dies ist ein Anlass dafür, auf eine Publikation des prominenten ORF-Kommentators Armin Wolf zurückzugreifen, der viel auf Social Media unterwegs ist, aber den es bisher nicht so erwischt hat wie seinen Kollegen Hans Bürger, der nun vorübergehend außer Dienst gestellt wurde.

Armin Wolf hat schon vor einigen Jahren nach vielen Semestern sein politikwissenschaftliches Studium mit einer Dissertation beendet, und Kernaussagen davon sind im sehr lesenswerten Büchlein: „Was brauchen wir noch Journalisten“ wiedergegeben (Picus Verlag Wien 2013, 142 S.) Viele seiner Aussagen zur Medienwelt bleiben aufschlussreich. Bemerkenswert ist auch Armin Wolfs Notiz zur „Neuen Zürcher Zeitung“, die seinem Urteil gemäß einen „hervorragenden Auslandteil“ hat und die ein bekannter Publizistikprofessor bei sich stapelt.

Armin Wolf schreibt, dass trotz der unglaublich technischen Möglichkeiten, die das Netz bietet, nur professionelle Medien vier zentrale Funktionen des Journalismus erfüllen können: 1. Die gründliche Recherche, das Überprüfen von Informationen – 2. die Selektion – also das Bewerten und Auswählen – 3. die Redaktion und 4. die Publikation. Dazu braucht es Ressourcen: organisatorisch, inhaltlich und finanziell. Bei Wikileaks im Jahr 2010 wurden 251.287 Depeschen online gestellt. Wer kann diese alle lesen? Doch Teams von Journalisten haben diese professionell gesichtet und ausgewertet (S. 63-65).

NB. Die Bildschirmpause von Hans Bürger währte fünf Tage. Ab Freitag, den 24. April kehrt er auf den Bildschirm zurück, berichten die Kleine Zeitung und Der Standard. (In orf news wird das wieder nicht vermerkt!)

Krise, Krise und Good News – Gute Nachrichten

Hans Högl

Aufgrund von starker Nachfrage liefert die Deutsche Presse-Agentur (dpa) nun auch Nachrichten, die sich objektiv als positiv bewerten lassen. Unser Blog www.medienkultur.at hat seit Langem die Rubrik „Good News“. Z.B. findet sich dort im Archiv eine bemerkenswerte Aussage des Deutschen Fußballtrainers:

Joachim Löw- Deutscher Bundestrainer- Was im Leben zählt

Was im Leben zählt. Botschaft des deutschen Fußballtrainers J. Löw

oder dass es in Dänemark gelungen ist, die Pestizide in der Landwirtschaft zu verringern.

Es gibt bereits im Journalismus zwar recht theoretisch den neuen Ansatz des Konstruktiven Journalismus, um aus der Negativspirale herauszutreten, indem neben kritischer Berichterstattung Lösungsansätze geboten werden. Dänemarks öffentlicher Rundfunk ist darin Vorreiter. Und es wurde betont, dass die ausschließlich negative Darstellung öffentlichen Lebens demokratiegefährdend ist. Insgesamt ist von konstruktivem Journalismus in Österreich wenig zu merken.

Ein Einwand: Ganz neu ist in der Corona-Krise das bisher in Medien wohl bisher extrem selten ausgedrückte starke Lob -auch im Boulevard- für Pflegeberufe, für Ärzte und Krankenschwestern, für Lehrkräfte und vereinzelt für Landwirte. Dies sind Berufe, die im Vollsinn systemrelevant sind. Arbeiter und Angestellte wurden nicht genannt. Übrigens: Eine ausländische 24-Stunden-Pflegekraft verdient am Tag 50 €, wie mir glaubhaft eine Pflegerin mitteilte. Und es ist ein Fall bekannt, wo eine Pflegerin für ihre aufopfernde Tätigkeit als Lohn die kleine Wohnung der Verstorbenen als Erbe erhielt.

Der Haupttrend in Alltagsgesprächen und auch im Journalismus besteht zweifellos in der wertvollen Analyse kritischer Zustände, aber auch im Negativismus und auch in der steten Haltung: „Ich klage an!“- Ich fordere von anderen…..

Corona-Krise: Bewährungsprobe auch für die Pressefreiheit

Österreich ist in der Liste der Pressefreiheit um zwei weitere Plätze abgerutscht. Die Gefahr verstärkter Medienkontrolle auch nach der Corona-Krise erscheint nicht ausgeschlossen.

Udo Bachmair

Österreich ist also im internationalen Pressefreiheits-Ranking weiter abgesackt. Grundlage dafür waren laut „Reporter ohne Grenzen“ in erster Linie Versuche der abgedankten türkis-blauen Koalition, unliebsame Medien zu schwächen und zu bedrohen, ORF-Journalisten einzuschüchtern sowie auch den Boulevard zu instrumentalisieren. Fortgesetzte Message Control reicht aber offensichtlich auch bis in die Zeit der aktuellen Regierungskoalition. Dazu in der Tageszeitung Der Standard Rubina Möhring, die Sprecherin der renommierten Journalistenorganisation:

„Die Angriffe auf die Pressefreiheit, die unter Schwarz-Blau vermehrt in Österreich zu beobachten waren, haben weder seit Ende der schwarz-blauen noch mit Antreten der schwarz-grünen Regierung ein Ende genommen“.

Diese Analyse trifft im Besonderen auf die message-control-gesteuerte Berichterstattung der ZIB 1 zu. Angesichts des Einflusses von Gerald Fleischmann, des Medienbeauftragten von Kanzler Kurz, auf die ZIB1-Redaktion konnte sich der Kanzler über Wochen hinweg nahezu täglich in der ZIB 1 ausgiebig inszenieren, auch wenn das journalistisch nur selten zu rechtfertigen war. Oppositionsstimmen sowie unterschiedliche Expertenpositionen waren nur marginal zu vernehmen. Stattdessen mitunter substanzlose und regierungsanbiedernde Kommentare innenpolitischer ZIB 1-Redakteure.

Positive Gegenbeispiele im ORF sind die ZIB 2 und die hervorragenden Ö1-Journale. Dort fallen trotz der schwierigen Corona-Zeit journalistische Kriterien, wie neue Inhalte, Differenzierung, kritische Annäherung und Fragestellungen, größtenteils nicht unter den Tisch. Auch Vorschläge von Nichtregierungsparteien sowie unterschiedliche Meinungen aus dem Wissenschaftsbereich zur Corona-Causa werden gemäß den Ausgewogenheitskriterien des öffentlich-rechtlichen Rundfunks entsprechend wahr- und ernstgenommen.

Die Medienlandschaft insgesamt und mit ihr die Freiheit der Rede und der Presse werden angesichts der Corona-Krise auf eine harte Probe gestellt. In Ländern mit bereits deutlich eingeschränkter Pressefreiheit, wie etwa in Ungarn, wird das Thema Covid-19 erst recht als Rechtfertigung für autoritäre Maßnahmen auch gegenüber Medien genommen. Auch wenn sich die Lage in Österreich noch vergleichsweise gut darstellt, bleibt auch hier die bange Frage, nicht zuletzt bezogen auf die ZIB 1 : Wird die vom Kanzler beschworene „neue Normalität“ von Dauer sein, auch nach Corona ?

Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund kommt der Appell der „Reporter ohne Grenzen“ zum richtigen Zeitpunkt:

„Die Verschlechterung Österreichs in der Rangliste der Pressefreiheit zeigt uns vor allem, dass wir wachsam bleiben und Presse- und Informationsfreiheit aktiv verteidigen müssen.“

Ulrich Becks Buch „Risikogesellschaft“ aktueller denn je

Hans Högl

Schon am 8.April verwies ich auf das Buch von Ulrich Beck: Risikogesellschaft (1986). Heute am 21.April greift die Wiener Zeitung in einem Kommentar ebenfalls dieses Buch auf.

Es macht perplex, wie hellsichtig der Soziologe Ulrich Beck 1986 auch die Schattenseiten der Globalisierung für die Weltgesellschaft sieht: die Gefahren der atomaren Rüstung und die ökologischen. Sinngemäß betrifft dies auch weltweite Gefahren durch gefährliche Viren.

Ulrich Beck: „Die Potenzierung der Risiken lässt die Weltgesellschaft zur einer Gefahrengemeinde schrumpfen“.
„Der Machtgewinn des technisch-ökonomischen Fortschritts wird immer mehr überschattet durch die Produktion von Risiken.“Diese lassen sich nur in einem frühen Stadium als latente Nebenwirkungen legitimieren. Die Risikoproduktion lässt sich nicht mehr lokal und gruppenspezifisch beschränken, sondern enthält eine Globalisierungstendenz.

Arbeitslosigkeit verdoppelt in Europa?

Hans Högl: Eine wirkliche relevante Meldung in der Infoflut

McKinsey erwartet Verdoppelung der Arbeitslosenzahlen in Europa
(reuters) Die Arbeitslosigkeit in Europa könnte sich in den kommenden Monaten fast verdoppeln. Nach Schätzungen des Beratungsunternehmens McKinsey liefen 59 Millionen Arbeitsplätze Gefahr, wegen der Coronavirus-Pandemie wegzufallen. «Der Verlust dieser Arbeitsplätze wäre nicht nur eine Tragödie auf individueller Ebene. Auch aus der wirtschaftlichen Perspektive wäre es schmerzhaft», so McKinsey in seinem Bericht am Montag.

Ver-kehr-te Flugwelt

Hans Högl

Der Begriff Flugscham taucht erstmals im März 2018 in schwedischen Zeitungen auf- und der Gedanke, dass man sich schämen müsse, durchs Fliegen den Klimawandel voranzutreiben.

Jetzt im April 2020 verhandelt die Lufthansa, zu der die AUA gehört, mit der österreichischen Regierung und möchte hunderte Millionen Schadenersatz, weil so viele Flüge ausfallen. Im übrigen hat die AUA zig-tausende Österreicher*innen als Angestellte.

Laut eines verlässlichen Berichts erwartet die AUA-MUTTER-LUFTHANSA vom österreichischen Staat 500 Millionen € an Staatshilfe, auch von 800 Mio € ist die Rede. Werner Kogler, Vizekanzler der Grünen, sagte in einem anderen Kontext, manche glauben, Geld wachse auf den Bäumen. Zur Lufthansa gehören auch die nationale Fluggesellschaft der Schweiz und die belgische Brussels Airlines.