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„Sicherungshaft“ als beschönigender Begriff

Die Sprache der Rechten in Politik und Medien ist zunehmend in die Mitte gerückt und hat den Mainstream erobert. Beispiel etwa der Begriff der vielzitierten „Sicherungshaft“. Ein als euphemistisch geltender Terminus, der bereits undifferenziert in den Sprachgebrauch der meisten Medien Eingang gefunden hat.

Udo Bachmair

Sprache hat enormen Einfluss auf Denken und Handeln der Menschen, sind sich Sozialforschung und Sprachwissenschaft einig. Begriffe wie „Sicherungshaft“, „illegale Migration“, oder „Ausreisezentren“, ein aus dem politisch rechtsstehenden Bereich gespeistes Wording, wird von Medien und Politik bereits als weitgehend normal empfunden.

Solche und andere Begriffe der politischen Rechten, die es erfolgreich in den Mainstream geschafft haben, dienen dem „politischen Einsatz von Euphemismen“, wie die renommierte Sprachforscherin Ruth Wodak kürzlich bei einer Pressekonferenz in Wien betonte. Damit würden tabuisierte Themen akzeptabel gemacht.
Dieser Technik bediene sich auch die neue Regierung. Erwartungsgemäß die Kurz-ÖVP, der Populismus nicht fremd ist. Dass die Grünen auch da nicht deutlicher gegensteuern, überrascht.

Laut Wodak sind etwa „Rückkehrzentren“ oder „Ausreisezentren“ Euphemismen, die verschleiern, dass die Betroffenen zwangsweise in ihre Heimat zurückkehren müssten.

Dass rechts orientierte Positionen und damit einhergehende Wortwahl schleichend in die Mitte wandern, zeigt sich besonders beim vielzitierten Terminus „Sicherungshaft“. Dieser Begriff ist nach Erkenntnissen Wodaks ein Euphemismus für „Schutzhaft“, die es ermöglicht, Menschen auf bloßen Verdacht hin einzusperren.

Einige wenige Journalist*innen verwenden den den Begriff nicht mehr unbedacht und undifferenziert. Positive Beispiele in dem Zusammenhang sind etwa die Präsentatorin der ORF-Sendung „Report“, Susanne Schnabl oder Ö1-Journal-Moderator Christian Theiretzbacher. Sie sprechen von „sogenannter Sicherungshaft“. Die Vorbildwirkung auf andere Medien lässt noch zu wünschen übrig.

ORF-Report zur EU-Wahl: Lob für Susanne Schnabl

Hans Högl

Gestern (30.4.2019) gestaltete die ORF-Journalistin Susanne Schnabl die TV-Sendung „Report“ zur EU-Wahl. Sie brachte diverse politische Kandidaten an einen Tisch in einem Hochhaus und sie nahm in der Mitte Platz. Auffällig war: Der Moderatorin ging es nicht primär um Konfrontation um jeden Preis und nicht um Selbstinszenierung, sondern sie schuf eine Atmosphäre des Gesprächs – auch unter sehr diversen Politikern.

Die Reporterin setzte ferner quasi ein Stichprobe – an die zehn Wähler und Wählerinnen aus verschiedenen Regionen Österreich- zusammen, lud sie an einen Tisch und moderierte deren Gespräch über die EU-Wahl, ohne sich selbst in den Vordergrund zu spielen. Diese Leute waren in der Mehrzahl keine Gebildeten, und der Zuseher merkte, wie oft die Teilnehmer in ihren Ansichten unsicher waren, und es kam auch die abstruse Meinung von einer Person zum Ausdruck, dass die EU eine Diktatur wäre. Dies stellte Susanne Schnabl zwar richtig, aber sie begegnete den Menschen wie auch den diversen Politkern mit Achtung, und der Beobachter spürte die Empathie, wie die Journalistin den Menschen begegnet.

ORF-Journalistin Susanne Schnabel, ORF-Sendung „Report“, Journalismus mit Empathie, Gesprächs-Atmosphäre, Stichprobe von Wählerinnen und Wählern, Achtungsvoller Umgang auch mit Politikern