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Gegen den Zeitgeist. Framing – subtil manipulieren

Zeit-Magazin vom 14.3.2019 (Beitrag ausgewählt von Hans Högl).

Framing bedeutet, dass ein Begriff mit einer Bewertung fest verkoppelt wird – und zwar so, dass es vielfach nicht auffällt, und darum ist es umso wirksamer. Z.B.“Der weiße Mann“ ist ein erfolgreiches Framing. Wie oft ist zu lesen, dass der weiße Mann an diesem und jenem schuld ist, eigentlich an allem.

Du hörst ständig weiße Männer im abwertenden Sinn, und irgendwann hat sich das ins Hirn gebrannt, schreibt Harald Martenstein.Der Einwand: Die Liste der MeToo-Angeklagten anderer Hautfarbe ist lang, an Platz eins steht Bill Crosby.

„Männlichkeit“ ist schlecht, „weiblich“ ist immer gut.

Es gibt linkes und rechtes Framing. Ein rechter Erfolgsbegriff ist „Lügenpresse“ (Ein Als ob: als würden Medien auf nichts anderes sinnen, als zu manipulieren. Denken wir an die Panama Papers usw. Und wieviele Reporter riskieren ihr Leben in Diktaturen! – Hans Högl),

Vermehrt Stimmungsmache mit Social Bots

Rechte Parteien und Strömungen laden heikle Themen im Netz intensiv mit Polemik und Emotionen auf.   

Udo Bachmair

Rechtspopulisten und Rechtsextremisten haben mithilfe von Social Bots intensive Stimmungsmache gegen den UNO-Migrationspakt betrieben. Das bestätigt die Internetplattform Botswatch in ihrer jüngsten Analyse. Demnach ist fast ein Drittel aller Kurznachrichten zum Thema von programmierten Systemen abgesetzt worden. Sie sollen den Eindruck vermitteln, dass es im Netz eine größere Ablehnung des Migrationspaktes gebe als dies der Realität entspricht.

Die Manipulation der öffentlichen Meinung durch diese Art von „Information“ erscheint auch demokratiepolitisch äußerst bedenklich. Zudem erschwert die auf rechter Polemik basierende Stimmungsmache den sachlichen Disput über sensible und komplexe Themenbereiche wie etwa die Migrationsfrage. Rechte Parteien und Strömungen haben es immer schon besser verstanden, neue Medien für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Liberale und Linke haben sich offenbar auch im Netz weitgehend verabschiedet..

Desinformation gefährdet Demokratie

Hans Högl – Buchrezension zur Medienforschung

Bedeuten Fake News das Ende der informierten Gesellschaft? Der renommierte Journalistik-Professor und Medienwissenschaftler Stephan Russ-Mohl untersucht die digitale Bedrohung der Demokratie und mögliche Lösungen in seinem neuen Buch.

Das Vertrauen in die Medien ist beschädigt. Spätestens seit Pegida-Trupps auf der Straße „Lügenpresse“ skandieren, wird der Glaubwürdigkeitsverlust des Journalismus öffentlich diskutiert. Dabei verbreiten nur wenige Redaktionen absichtlich Falschinformationen.

Stephan Russ-Mohl zeigt auf, warum es sich für bestimmte Akteure lohnt, vor allem über soziale Netzwerke Falschinformationen und Konspirationstheorien zu verbreiten. Immer raffiniertere Propaganda, hochprofessionelle Public-Relations-Experten, aber auch Roboter in sozialen Netzwerken („social bots“), darüber hinaus die Algorithmen und die Echokammern von Google, Facebook etc. tragen ihren Teil dazu bei, dass die Desinformation überhandnimmt. So gibt  es vermehrt Akteure, die aus machtpolitischen Motiven an medialer Desinformation und an einer Destabilisierung unserer Demokratie interessiert sind oder die aus kommerziellen Motiven eine solche Destabilisierung in Kauf nehmen.

Russ-Mohl geht über die Risiken und Nebenwirkungen (un„sozialer“ Medien hinaus und schlägt Lösungen vor. Dessen Hauptfrage lautet, wie sich der wachsende Einfluss der „Feinde der informierten Gesellschaft“ eindämmen lässt, darunter sind Populisten, Autokraten und deren Propagandatrupps. Könnte zum Beispiel eine „Allianz für die Aufklärung“ etwas bewirken, der sich seriöse Journalisten und Wissenschaftler gemeinsam anschließen?

Stephan Russ-Mohl Die informierte Gesellschaft und ihre Feinde. Warum die Digitalisierung unsere Demokratie gefährdet, Köln, Oktober 2017. 280 Seiten, mit Personenregister.

Über den Autor: Stephan Russ-Mohl ist Prof. für Journalistik (Universität Lugano, Schweiz) und leitet das European Journalism Observatory (www.ejo-online.eu). Von 1985 bis 2001 war er Publizistik-Professor an der FU Berlin. Er studierte Sozial- und Verwaltungswissenschaft an den Universitäten München, Konstanz und Princeton. Der Autor hat zeitweise in den USA (Stanford Univ.) und in Italien gelebt.

 

 

 

EU-Kommissar Öttinger u. Werbeabgabe

Hans H ö g l

Ich hörte kürzlich den EU-Kommissar Öttinger in Wien sprechen.  Mit ihm hatte ich mich vorher wenig befasst und aus deutschen Medien vernahm ich eher spöttische Anspielungen.  Nun gut.  Umso mehr war ich über Öttingers Vortrag überrascht. Er sprach rund eine Stunde lang über die digitale Welt und dies völlig frei und konnte auch  auf die speziellen Fragen des Publikums  sehr gut antworten. Heute übermittelt mir eine Bekannte einen Facebook-Text, einen sehr  kritischen Kommentar über Öttinger. Ich klopfe den Text ab und entdecke Folgendes:  Dem Kritiker gefällt nicht, dass Google in Zukunft Werbeabgaben zu leisten habe. Das ist auch ein Anliegen des österreichischen Bundeskanzlers. Nämlich bisher ist online-Werbung frei ist von Abgaben,  und dies schadet bekanntlich den Printmedien. Aber eben dies kritisiert der deutsche interessensgeleitete Online-Beitrag.

Hier der maßgebliche Textausschnitt:  „Derzeit steht die Reform des EU-Urheberrechts oben auf Oettingers Agenda. Ganz im Sinne der flüsternden Verleger sieht Oettingers Vorschlag auch ein weit reichendes Leistungsschutzrecht für Presseerzeugnisse im Web vor. Google soll für jeden Textausschnitt zahlen, den es von Medien-Seiten übernimmt. Dass Google den Verlagen nichts stiehlt, sondern mit den übernommenen Text-Snippets Besucher für das Produkt interessiert und sie dem Verlags-Angebot zuleitet, bestreiten sowohl einige Verleger als auch Oettinger in trauriger Regelmäßigkeit – was in vielerlei Hinsicht bizarr genug ist.“    Also: Da ist die Katze aus dem Sack.

Der Einleitungssatz im newsticker ist sehr vernünftig:  „Journalistische Unabhängigkeit ist ein hohes Gut: Gerät die kritische Berichterstattung flächendeckend unter Interesseneinfluss, leidet darunter die Meinungsbildung, und letztlich ist dadurch sogar unsere demokratische Grundordnung gefährdet.“  Und dann kommt es  dick: Was Oettinger tut, ist zutiefst antidemokratisch.  Vgl.

http://www.heise.de/newsticker/meldung/Kommentar-Pressefreiheit-a-la-Oettinger-3338665.html  Ja dieser Beitrag steht sehr unter Interessenseinfluss von Google!

Lügenpresse!? Manipulierte Bilder. Scobel heute in 3-sat.

Heute Do 29. Sept.  3-sat: Medientipp

Das manipulierte Bild.  20.15. Zur visuellen Manipulation

scobel- Niedergang des Journalismus.  21.00 Woher kommt der Begriff „Lügenpresse“?

3 -sat  bietet ein dreimonatiges TV- & Kulturprogrammheft  – es ist schon verfügbar für Oktober, November, Dezember.  Mit differenzierten Hintergrund – Besprechungen und Bilddokumentationen der Sendungen. Heftumfang: 74 Seiten, Preis  D € 2.50 / A 2.75 €.

Tipp: Hans H ö g l