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Medien und Corona

Der Presseclub Concordia, Kooperationspartner der Vereinigung für Medienkultur, lädt am 16.3.2021 zu einer virtuellen Pressekonferenz zum Thema : Medien und Corona. Panikmache oder Beitrag zur Bewältigung?

Udo Bachmair

Die Hauptkritik von Medienbeobachtern am Mainstream der Corona-Berichterstattung besteht im Vorwurf der Panikmache. Die Rolle der Medien bei der Krisenbewältigung oder beim Verständnis für Proteste und Demonstrationen gegen Corona-Maßnahmen ist jedenfalls nicht zu unterschätzen. Vor allem Medien mit Massenreichweiten, wie etwa der ORF mit der ZiB1, üben einen großen (überwiegend regierungsfreundlichen) Einfluss aus.

Wie hat sich die Rolle der Medien im letzten Jahr entwickelt? Vor allem in jenen Phasen, in denen der Lockdown alles andere dominiert hat ? In welchem Zusammenhang steht die Beurteilung der Medien mit jener der Regierungsmaßnahmen ? Wie entwickelt sich das Corona-Informationsverhalten? Ist das Phänomen der Nachrichtenvermeidung stabil? Wie wirkt die Corona-Informationskampagne der Regierung? Frage über Fragen, die in der PK des Presseclubs thematisiert werden sollen.

Als inhaltliche Basis für die Infos und die Diskussion dient die jüngste Analyse des Gallup Instituts in Kooperation mit dem Medienhaus Wien. Dr. Andrea Fronaschütz (Gallup) und Dr. Andy Kaltenbrunner (Medienhaus) präsentieren die Ergebnisse der mittlerweile sechsten Welle der Studie „Mediennutzung in der Pandemie“ im Gallup Corona-Stimmungsbarometer (seit März 2020).

Zeit: Dienstag, 16. März 2021, 9.30 Uhr
Ort: Concordia Cloud

Anmeldung erforderlich: Google Formular oder office@concordia.at

Die Pressekonferenz wird im Online-Raum der Concordia auf der Plattform “Zoom” durchgeführt. Die Zugangsdaten erhalten Sie einen Tag vor der Veranstaltung. Wir bitten Sie, beim Eintritt Ihren Klarnamen anzugeben.

Ton- und Bildmaterial ist im Anschluss verfügbar.

Rückfragehinweis:
Dr. Andrea Fronaschütz
a.fronaschuetz@gallup.at

Corona-Zitate zum Tag

Kann es sein, dass fast ausschließlich Virologen über fortgesetzte Lockdowns mitentscheiden ?

Udo Bachmair

Müsste die Politik nicht vermehrt auch die Meinung anderer Experten zur Grundlage schwerwiegender Corona-Entscheidungen berücksichtigen ?

Mit Fragen wie diesen beschäftigt sich neben anderen auch der Medizinethiker und evangelische Theologe Ulrich Körtner. Er sagte gegenüber dem KURIER :

„Derzeit spricht die Politik zwar mit den Sozialpartnern, aber nicht mit Soziologen oder Psychologen, die sich damit beschäftigen, wie es den Alten geht. Oder Kindern, die zwar jetzt in die Schule dürfen, aber am Nachmittag nicht zum Fußballspielen.“

Körtner weiter :

„Die Gleichung, bei dieser oder jener Inzidenz braucht es einen Lockdown, lässt sich nicht ableiten. Da müssen wir eher darauf schauen, dass wir genug Kapazitäten auf Intensivstationen haben“.

Im Übrigen sei der heutige (17.2.2021) Leitartikel von Martina Salomon „Dauer-Lockdown kann kein Rezept sein“ zum Lesen empfohlen : www.kurier.at

Corona-Partys: Zitat des Tages

Der Lockdown trifft und beeinträchtigt voll auch die Kulturbranche. Obwohl diese ähnlich der Gastronomie für die Sicherheit der Gäste entsprechend vorgesorgt und auch nicht wenig in deren Schutz investiert hat.

Udo Bachmair

Kulturveranstalterin Marlene Engel klagt stellvertretend für ihre Kolleg*innen über ihre angesichts der Corona-Maßnahmen dahindarbende Branche. Viele in diesem Bereich müssen um ihre Existenz bangen, bedauert sie in einem Standard-Gespräch. Sie weist auch auf Widersprüchlichkeiten hin: Auf der einen Seite strenge Maßnahmen, andererseits aber etwa illegale Partys, deren Veranstalter, nur weil sie prominent sind und über gute Kontakte verfügen, unbehelligt bleiben..

Marlene Engel äußert sich zum Thema unter Hinweis auf den mit dem Bundeskanzler befreundeten Szenegastronomen Martin Ho wie folgt :

„Also diese ganzen Martin-Ho-Partys finde ich peinlich. Wenn jemand, der eh auf so viel Geld sitzt und mit so vielen politischen Kontakten in Richtung Volkspartei ausgestattet ist, sich dann noch gebärdet, in irgendwelchen Almhütten im 19. Bezirk Corona-Partys zu feiern, ist das letztklassig. Aber solange die Kommunikation von seiten der Regierung zweigleisig ist, wird es auch in Privatbereichen Probleme geben. Wenn es okay ist, in einer Gondel zu sitzen und Ski zu fahren, andere aber auf eine enge Kontaktperson reduziert werden, dann sind die Leute nicht besonders motiviert, sich daran zu halten.“

( Zitat Standard 21.1.2021 )

Corona infiziert auch unsere Sprache

Nicht einmal unsere Sprache ist immun gegen das Virus. Es verbreitet sich rasant in unserem Sprachgebrauch. Angeregt durch Vorbilder aus Medizin, Politik und Medien.

Udo Bachmair

Kein anderes einzelnes Thema hat in der jüngeren Vergangenheit unser Vokabular so stark bestimmt wie Corona, bestätigen die Sprachforscher des Leibniz-Instituts für Deutsche Sprache (IDS) in Mannheim. Sie analysieren täglich die 100 Wörter, die in deutschsprachigen Onlinemedien am häufigsten benutzt werden.

Die Coronapandemie infiziert unsere Sprache. Zum Glück, denn sonst würden uns plötzlich die Worte fehlen, sagt die Medien- und Sprachwissenschafterin Susanne Kratzenberg von der deutschen Agentur „New Communication“. Was wir aktuell erleben, sei „Sprachwandel live – und zwar im Zeitraffer“. Eine Krise wie Corona hat gleichsam einen ganzen Wortschatz neu kreiert.

Vor allem die Anglizismen sind rund um die Corona-Pandemie geradezu explodiert. Das Stopfen von Löchern im deutschen Wortschatz mit englischen Fremdwörtern, wie Lockdown, Homeoffice, Homeschooling, Social Distancing etc. hat laut Susanne Kratzenberg einen Haken : Die Bedeutung vieler Anglizismen entspreche nicht oder nur teilweise ihrem Gebrauch im Deutschen.

Die Sprachwissenschafterin macht darauf aufmerksam, dass etwa Lockdown in den USA das Abriegeln von Gebäuden und Territorien bei einem Terroranschlag oder Amoklauf bedeutet. In der Coronakrise steht er im Deutschen für die Schließung zahlreicher Einrichtungen und für den Stillstand des öffentlichen Lebens.

Als weiteres Beispiel führt Kratzenberg den Begriff „Social Distancing“ an, der im Englischen die physische Distanz zwischen Menschen beschreibt. Das deutsche Wort sozial impliziert dagegen gesellschaftliche Solidarität, Verantwortung, und Gemeinsinn. Eingedeutscht „soziale Distanz“ würde also fälschlicherweise Bilder von gesellschaftlichem Abstand und einem Verbot sozialen Miteinanders entstehen lassen. Treffender wäre es, von körperlichem Abstand zu reden.

Die weitere Entwicklung der Pandemie wird offenbar bestimmen, wie lange und wie häufig sich das Coronavokabular hält. „Kandidaten für eine Verankerung im Alltag sind vor allem solche Wörter, die auch eine konkrete Veränderung in der Welt beschreiben“, so die Sprachforscher des IDS. Am Ende dieser Zeit könnten wir die Coronakrise mit einem Begriff verbinden, der dauerhaft völlig neu besetzt sei: das Wort Maske.

Unzählige neue Wortschöpfungen, Anglizismen, Redewendungen und Fachbegriffe prägen den Coronawortschatz. Erklärung und Hilfe bieten zahlreiche neue meist online erscheinende Lexika. Auch die Sprachwissenschaftler des IDS erfassen in ihrem Neologismenwörterbuch zahlreiche neue Wörter, die in der Berichterstattung rund um Corona aufgetaucht sind.

Hier der dazugehörige Link : https://www.ids-mannheim.de/index.php?id=1

Englisch auf den Schlips getreten

Hilde Weiss – Gastbeitrag einer früheren Redakteurin der „Wiener Zeitung“ – Ein aktuell bleibendes Schreiben, das sie an Hans Högl übermittelt hat. Man denke dabei auch an Corona-Wörter ( siehe dazu Beitrag „Corona infiziert auch unsere Sprache“ )

Immer mehr englische Ausdrücke zieren und verunzieren unsere Sprache. In manchen Sätzen gibt es mehr englische als deutsche Wörter. Durch das Englische werde das Deutsche besser (knapper, klarer, schwungvoller), lautet ein Argument der Denglisch-Befürworter. Ist das so? Zum Vergleich: Center, Zentrum; World of fashion, Modewelt; Show, Schau; Container, Behälter; Barbecue, Grill; Corner, Eck; wireless, drahtlos.

In der Tat: Sehr knapp ist das Event. Aber wie präzise ist es? Es ersetzt recht Diverses: Treffen, Ereignisse, Erlebnisse, Feiern, Feste, Geschehnisse, Abenteuer. Auf der Strecke bleiben hierbei Treffsicherheit und Ausdruckskraft. Woher kommt diese Scheu, (vermeintlich) neue Sachverhalte in der eigenen Sprache zu benennen? Als mangelnden Mut zum Eigenen, als Missachtung der eigenen Kultur wird dies kritisiert.

Immer mehr Menschen verschlägt es offenbar die (eigene) Sprache: Das Meiste taucht mit einem englischen Begriff versehen bei uns auf, und und fehlt Selbstwertgefühl, der Angelegenheit in Ruhe einen neuen Namen zu verpassen.

Was fehlt dem Luftsack (Airbag) und was der Hauptzeit (Primetime)? Senkrechtstarter lassen sich gerne als Shootingstar feiern, ohne zu bedenken, dass das im Englischen Sternschnuppe heißt, auch falling star genannt — Inbegriff des Kurzlebigen. Und auch das beeindruckendste Shopping-Center kommt vom mittelenglischen Wort shoppe für Schuppen.

Eigenbauentlehnungen: Obendrein sitzen wir Scheinentlehnungen auf: vieles in unserem Wortschatz klingt englischer als es ist. Zum Beispiel ist Talkmaster eine deutsche Erfindung. Die heißt im Englischen chat-show host bzw. vom talk-show host.

Auch den Dressman sucht man im Englischen vergeblich: dort heißt er male model. Und das Steppen ist Eigenbau nach fremdem Vorbild (to step, schreiten, treten). Handy heißt im Englischen handlich, praktisch, nützlich. Das Mobiltelefon heißt mobile (phone).Ein Handyman ist kein Telefonmann, es ist in geschickter Heimwerker.

Top — das kommt tatsächlich aus dem Englischen. Es existiert aber auch in unserem Zopf, dem „Obersten“, der vom mittelnieder-deutschen Wort top für höchstes Ende kommt, da Zöpfe ursprünglich am Scheitel gebundene Haarbüschel waren.

Als Scheinentlehnung erweisen sich unsere Slips, die „Schlüpfer“ (die „Schlüpfrigen“), die aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts stammen, als die Unterhosen immer kleiner wurden und der alte Name ihnen folglich zu groß. Im Englischen heißen sie allerdings underpants (Unterhosen), panties und briefs (Kurze), und slip meint ein Unterkleid oder einen Unterrock.

Slips gibt es im Deutschen schon sehr viel länger: Sie stecken z.B. im Schlips, in Form des niederdeutschen Wortes Slip für lose Enden (von Halsbinden) und andere Zipfel. Jemand auf den Schlips treten, das meint aber die Rockschöße, die Rockzipfel (und nicht, wie meist angenommen, die Krawatte). Unter Rock muss man sich dabei das Ursprüngliche, nämlich einen Mantel vorstellen.

Weihnachtswunsch an Medien ?

Ein „Medien-Schmankerl“ – ausgesucht von Hans Högl

Ein Leser der Kleinen Zeitung wünscht am 19. Nov.:

Heute gab es endlich einmal die Ausgabe der „Kleinen Zeitung“, wo das Wort Trump nicht vorkam. Jetzt wünsche ich mir noch eine „Kleine“, wo die Worte „Corona“, „Lockdown“ und „Wirtschaftskrise“ fehlen.

Ein Virus, das die Gesellschaft dramatisch verändert

Wir sind mitten drin im Lockdown Nummer 2. Schon der erste hat folgenschwere Auswirkungen. Thema eines bemerkenswerten Buches aus dem Promedia-Verlag, das sich mit Hintergründen und Konsequenzen der Virus-Maßnahmen auseinandersetzt. Titel: „Lockdown 2020“

Udo Bachmair

Ausgangssperren, geschlossene Gaststätten, eingeschränkter Schulunterricht, aufgehobene Versammlungs- und Bewegungsfreiheit, streng kontrollierte Grenzen, etc. haben innerhalb weniger Wochen große Veränderungen mit sich gebracht. Die gesellschaftlichen und gesellschaftspolitischen Einschnitte sind die heftigsten seit Jahrzehnten. Gesundheitspolitisch sind laut den Autoren des Sammelbands vor allem jene Länder betroffen, die im Ungeist des Neoliberalismus überzogene Privatisierungsschritte gesetzt und das staatliche Gesundheitswesen geschwächt haben.

Wirtschaftliche Rezession, hohe Arbeitslosigkeit und schwere soziale Verwerfungen werden in dem Buch als Hauptfolgen des Lockdown geortet. Noch gravierender erscheinen die politischen Handlungen: Ohne offene Debatte habe die Politik Hand in Hand mit den Medien Notverordnungen begrüßt und durchgesetzt und Grundrechte beiseite geschoben, Der Ausnahmezustand sei zur neuen Normalität geworden. Dabei wird die Frage aufgeworfen, ob die scharfen Einschnitte im öffentlichen Leben medizinisch gerechtfertigt waren..

Zur Sprache kommt auch die unheilvolle Verknüpfung von Stress, Umweltverschmutzung und Massentierhaltung, die eine Verbreitung von Viren begünstigt. Breiten Raum nimmt in dem Band der Herausgeber Hannes Hofbauer und Stefan Kraft auch die Umgestaltung sozialer Beziehungen und Arbeitsverhältnisse ein. Zudem würden weitere Ungleichheiten in Bildung und Geschlechterverhältnissen zutage treten. Die vermehrte Anwendung von „Künstlicher Intelligenz“ kündige ein kybernetisches Zeitalter an.

Hofbauer, Hannes / Kraft, Stefan (Hg.): Lockdown 2020.
Wie ein Virus dazu benutzt wird, die Gesellschaft zu verändern

Promedia 2020. ca. 208 S. 14,8 x 21. brosch.

Print: € 17,90. ISBN: 978-3-85371-473-7.
E-Book: € 14,99. ISBN: 978-3-85371-881-0.

Mit Texten von Ulrike Baureithel, Matthias Burchardt, Suitbert Cechura, Chuang-Blog, Rolf Gössner, Bernhard Heinzlmaier, Hannes Hofbauer, Ursula Holtgrewe, Andrej Hunko, Andrea Komlosy, Stefan Kraft, Jochen Krautz, Armando Mattioli, Alfred Noll, Peter Nowak, Walter van Rossum, Karl Heinz Roth, Roland Rottenfußer, Gerhard Ruiss, Nicole Selmer, Andreas Sönnichsen, Valentin Widmann u.a.

Corona-Krise und Sprache der Angst

Sprache in Zeiten von Corona“ war das Thema einer von der Universität Wien und der Tageszeitung Der Standard veranstalteten Online-Diskussion. Deren Teilnehmer sparten dabei nicht mit Kritik an der Regierungskommunikation.

Udo Bachmair

Die Macht der Sprache aus Politiker- und Expertenmund sei so stark gewesen wie selten zuvor, fasste Jörg Matthes, Vorstand des Publizistikinstitutes der Universität Wien, das kommunikativ Besondere der ersten Corona-Wochen zusammen. Dies gelte für Warnungen und Entwarnungen, ebenso wie für Versprechungen und Drohungen.

In der Lockdown-Phase habe die Sprache von Regierenden und Virologen Angst ausgelöst, diagnostizierte die Sprachwissenschafterin Ruth Wodak. Viele Menschen hätten es trotz stark gesunkener Erkrankungszahlen nicht gewagt, Bekannte zu treffen – aus Furcht, sich mit dem Corona-Virus anzustecken. Das Mittel der Angst sei bewusst eingesetzt worden.

Der Politikberater Thomas Hofer warf ein, dass das Spiel mit der Angst für Politiker höchst verlockend sei. Es eröffne ihnen die Möglichkeit, sich als Retter in der Not darzustellen. „Wir reiten von Angstwelle zu Angstwelle“, fügte Jörg Matthes hinzu. Dabei seien Krisenphänomene höchst komplex und stellten auch die Wissenschaftercommunity vor große Herausforderungen.