Schlagwort-Archive: Libyen

Corona und bedrohlichere Krisen

Die neue Ausgabe von INTERNATIONAL ist erschienen. Die in Wien erscheinende Zeitschrift für internationale Politik hat einmal mehr eine Fülle interessanter Beiträge zu bieten.

Udo Bachmair

Fritz Edlinger, hauptverantwortlich für INTERNATIONAL, ist es ein Anliegen, daran zu erinnern, dass es neben Corona auch andere, bei weitem auch gravierendere Krisen gibt. Der engagierte Chefredakteur der Zeitschrift zeigt sich überzeugt, dass etwa die Klimakrise für die Menschheit weitaus gefährlicher sei.

Die jüngste Ausgabe von INTERNATIONAL widmet sich vornehmlich jenen Krisensituationen, die angesichts der medial und politisch allgegenwärtigen Corona-Causa in den Hintergrund gedrängt worden sind, langfristig jedoch größere Bedrohungen darstellen, wie etwa die Gefahr eines neuen Kalten Krieges sowie rassistische und fremdenfeindliche Politik.

Aber auch Österreichs Europa- und Außenpolitik wird aufs Korn genommen. Hier sind vor allem die Interviews mit Luxemburgs Außenminister Asselborn, mit EU-Vizepräsident Othmar Karas, sowie ein Kommentar von Thomas Nowotny zu nennen, der Österreichs Außenpolitik kein gutes Zeugnis ausstellt. So habe sich Österreich vom Mitgestalter zum Außenseiter entwickelt.

Weitere Themen des jüngsten Hefts reichen von der Libyenkrise über die Vielfalt der Sprachen Zentralasiens, kulturelle Aspekte der Seidenstraße bis hin zur Zerstörung des Regenwalds.

Bestellungen von INTERNATIONAL via office@international.or.at Kennwort „Medienkultur“

„Tiefer Staat“ und globale Kriegspolitik

„Der tiefe Staat schlägt zu“- Wie der Westen unter Mithilfe von Medien Krisen erzeugt und Kriege vorbereitet. Thema eines manche verstörenden, aber dennoch lesenswerten Buches.

Udo Bachmair

Nach den Verwerfungen geballter Innenpolitik der letzten Wochen ist die Befassung mit globaler Politik intellektuell nahezu wohltuend. Der brillante Sammelband aus dem Promedia-Verlag über den „Tiefen Staat“ bietet spannende Lektüre mit zahllosen Fakten und Hintergründen zu der von den USA dominierten Weltpolitik.

Die Kernthese des von Ulrich Mies herausgegebenen Werks : Das Diktum von der „westlichen Wertegemeinschaft“ sei ein Synonym für eine „aggressive Weltherrschaft unter Führung der USA“ geworden. Wer sich dieser nicht unterordne, werde mit Drohungen und Krieg überzogen. Die Friedenshoffnung nach dem Zerfall der Sowjetunion sei „im Kampfgeschrei der NATO zerstoben“.

Die Autoren sehen einen engen Zusammenhang zwischen dem „Tiefen Staat“ und neokonservativen Akteuren. Unter „Tiefem Staat“ verstehen sie unter dem Radar der Öffentlichkeit wirkende Kräfte, die sich aus dem Finanzkapital, Rüstungskonzernen, Teilen von Außen-, Verteidungs- und Finanzministerien, US-hörigen neokonservativen Think Tanks, entsprechend beeinflussten Mainstreammedien, gekauften Wissenschaftern, NATO-Gremien, etc. zusammensetzen.

NeoCons und ihre ideologischen Helfer würden Begriffe wie liberale Demokratie, Freiheit, Reformen, Menschenrechte und Rechtsstaat zur Tarnung ihrer wahren Absichten und Handlungen missbrauchen. Diese seien Sanktionen, Wirtschaftskriege, Regime-Umstürze und Kriege. So sollen die von den USA und ihren westlichen Verbündeten angezettelten Kriege seit Beginn dieses Jahrhunderts 5 bis 7 Millionen Menschen das Leben gekostet haben. „Tiefer Staat“ und globale Kriegspolitik weiterlesen