Schlagwort-Archive: Halbwahrheiten

Kritische Medien als Salz der Demokratie

Neues Buch versucht politische Lügen zu entlarven

Udo Bachmair

„Mündig sind Bürger nicht, wenn sie einer bestimmten Politik zustimmen. Mündig sind sie, wenn sie sich von keiner täuschen lassen“.

Zitat aus dem jüngsten im Westend Verlag erschienenen Buch von Ulrich Teusch mit dem Titel „Lückenpresse“.

Der Autor legt dar, wie wichtig kritische Medien sind bzw. wären, die im Sinne einer lebendigen Demokratie Menschen in die Lage versetzen, Täuschung, Lüge und Halbwahrheiten besser zu durchschauen.

Vor allem bei so komplexen Themen und Konflikten wie dem Syrien-Krieg, dem Ukraine-Konflikt oder der Flüchtlingsfrage wäre differenzierende Berichterstattung nötiger denn je. Doch vor allem der Boulevard fördert mit Schwarzweiß-Malerei einseitige Feindbilder.

Dieser Entwicklung versucht das Buch von Ulrich Teusch entgegenzuwirken. Er fordert ein „intaktes, unabhängiges, kritisches Mediensystem“ und stellt bange Fragen wie :

Erfüllen unsere Medien diese Aufgabe ? Leisten sie, was wir von ihnen erwarten ?“

Zweifel sind angebracht..

Neue Hetze gegen Flüchtlinge

Boulevard erzeugt weiteren Aufwind für Rechtspopulisten

Udo Bachmair

Das ist sogar für die „Krone“ selbst rekordverdächtig: In der heutigen Sonntagsausgabe des Massenblattes sind ausnahmslos Leserbriefe mit Hetze gegen Flüchtlinge und Asylwerber abgedruckt. Animiert von Sätzen wie „Für die ist Geld da, und wir werden mit einem Bettel abgespeist..“ Autor dieser und ähnlicher Erkenntnisse ist Peter Gnam, bekannt als konsequent rechtspopulistischer Chef-Kommentator der Kronenzeitung.

Auf ihn berufen sich denn auch zahlreiche Leserbriefschreiber, die all ihren Frust auf Ausländer, Flüchtlinge und sonstige Minderheiten abladen. Da ist allein in der heutigen Ausgabe die Rede von einer „sicher in den Ruin treibenden Invasion“, einer „Regierung, die ihnen alles nur so nachschmeißt“, von Menschen, „die bei uns hofiert und verhätschelt werden“ bis hin zum Klischee „nur in unserem von Naiv-Gutmenschen diktierten Land beugen wir uns und kriechen zu Kreuze…“

Bekräftigt wird der politisch rechtslastige Stammtischkurs der „Krone“ in derselben Ausgabe mit einer erneuten Wahlempfehlung für den FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer durch Grünen- und Linkenfresser Michael Jeanne. Peter Gnam, ebenfalls FPÖ-Sympathisant, steuert dann noch eine „Analyse“ bei, in der er seiner unverhohlenen Freude über den klaren Vorsprung der Strache-Partei Ausdruck verleiht: „Bei so einem Vorsprung stellt Strache natürlich den Anspruch auf den Kanzler, und die ÖVP wird das akzeptieren müssen…

Eine Blatt wie die „Krone“ mit großer Dichte an rechtspopulistischen Glossisten, die jede andere Position als linkslinks brandmarken, kann sich über mehr als 22 Millionen Euro pro Jahr allein aus dem Inseratenbudget der öffentlichen Hand freuen.

Die SPÖ-geführte Regierung finanziert damit auf Kosten der Steuerzahler eine Zeitung mit, die über weite Strecken das Geschäft der FPÖ besorgt..

Österreich ist geprägt von einer ziemlich ausgedünnten Medienlandschaft. Die Schweiz hingegen kann stolz sein auf noch rund 100(!) Tageszeitungen, in Schweden sogar mehr als 170 (!). Der Großraum Wien erweist sich mit seiner hohen Konzentration an Boulevardmedien überhaupt als einzigartig. Boulevardmedien, wie auch „Österreich“, die mit Halbwahrheiten, Übertreibungen und Hetze den Rechtspopulisten in die Hände spielen, existieren so in keinem anderen vergleichbaren Rechtsstaat. Ein medienpolitischer und demokratiepolitischer Notstand.

 

Der FALTER sei gelobt

Flüchtlinge und Asylwerber : Gerüchtewelle ohne Ende

Udo Bachmair

Die Empörung über „Flüchtlingsströme“ reißt nicht ab. Angeheizt von Lügen und Halbwahrheiten über Flüchtlinge und Asylwerber. Vor allem auf Facebook nimmt rassistische Verbalradikalität  immer drastischere Formen an. Das absolute Gegenteil einer positiven Medienkultur.

Umso wohltuender eine differenzierte Annäherung an eine höchst komplexe Causa. Beispiele dafür liefert immer wieder der FALTER. Dieses Blatt kann wegen seines kompromisslosen Eintretens für Menschenrechte und seinen investigativen Journalismus nicht oft genug gewürdigt werden.

Als besonders unermüdlicher Aufdecker und Aufklärer hat sich FALTER-Chefredakteur Florian Klenk einen Namen gemacht. Im Folgenden einer seiner jüngsten Artikel :

Die Fama von Eichgraben

Florian Klenk

Wie entsteht ein hässliches Gerücht über Flüchtlinge und wie macht man Leuten Angst?

Etwa so: Auf Facebook schreibt eine Frau aus Eichgraben, ihre Nachbarin habe ihr erzählt, sie sei gestern in Eichgraben von zwei Flüchtlingen attackiert worden. Schon teilt sich das Posting 800 Mal und aus der „Attacke“ wird sofort eine Vergewaltigung.

Die Gemeinde Eichgraben – die bisher sehr erfolgreich Flüchtlinge integrierte – ist alarmiert. Mich beginnt der Fall zu interessieren, ich lebe in diesem Ort, ich habe Frau und Kids, die am angeblichen Tatort spazieren gehen. Ich beginne zu recherchieren, rufe bei der Frau an, die die Geschichte auf Facebook veröffentlichte .

Ich stoße im Gespräch mit ihr auf eine immer rätselhaftere Geschichte. Sie erzählt mir, die Nachbarin sei mit ihrem Hund in den Wald gegangen, die Flüchtlinge hätten sie angesprochen und zwar mit den Worten „schöner Hund, schöne Frau“.

Dann sei es zur Attacke gekommen.

Die Frau, eine ältere Dame hätte dann mit der Leine auf einen Flüchtling so fest zugeschlagen, dass er liegen geblieben wäre. Den anderen Flüchtling habe der Hund attackiert. Die Frau habe nun 133 gerufen und die Rettung sei samt Polizei gekommen, um den mit der Leine zu Boden geschlagenen Flüchtling zu verarzten. Sie habe neben ihm gewartet, weil er mitten auf der Straße lag.

Genau so höre ich die Geschichte auch von zwei Eichgrabnern, die sie „irgendwo gehört haben“.

Ich werde stutzig? Eine soeben attackierte alte Frau schlägt einen Angreifer mit der Leine zu Boden und ruft die Polizei und wartet neben ihm?

Die Polizei, so geht das Gerücht weiter, habe aber die Anzeige nicht entgegen genommen „weil so viele Anzeigen wegen Einbrüchen zu bearbeiten seien“. Die Rettung habe den Mann nur verarztet und liegen gelassen.

Darf das wahr sein? Höchstwahrscheinlich ist es nicht wahr:

Die Polizei sagt: es gab keinen Notruf.

Die Rettung sagt: es gab keinen Notruf.

Die Flüchtlingsheimbetreiber (eine engagierte Wirtin und die Diakonie) sagen: es gab keinen Besuch der Polizei in ihren Heimen.

Der Bürgermeister sagt: es gab keine Anzeigen.

Die Marktgemeinde gibt eine „amtliche Mitteilung“ heraus und sagt: kein Vorfall aktenkundig.

Und die angeblich attackierte Frau?

Sie sagt laut Polizei Eichgraben: „Es gab keine Attacke. Die Flüchtlinge haben mich nur angesprochen und nicht angegriffen“.

Die Frau, die das Gerücht auf Facebook streute sagt nun: „Da sehen wir wieder, wie die Wahrheit unterdrückt wird“. Die Polizei habe dem Opfer einen Maulkorb umgehängt.

So kann man das natürlich auch sehen. Für uns Eichgrabner und alle, die das Posting teilten, kann der Fall ein Lehrbeispiel sein, dass man nicht alles ungeprüft glauben soll, was irgendwer im Internet behauptet.