Leichter verständliche Nachrichten! Wie hält es der ORF?

Einfacher Sprachmodus bereits international angeboten

Hans Högl

Es gibt aber durchaus legitime Wünsche versus ORF. Dieses Unternehmen hat – obschon mit beachtlichen Qualitätsangeboten, Verbesserungspotential und einige Schwachpunkte. So erfuhr ich bei meinem Dresden-Aufenthalt von einer Germanistin: Der Deutschlandfunk bietet auf der Webseite www.nachrichtenleicht.de Nachrichten in einfacher Sprache an. Also für Menschen, welche die deutsche Sprache erlernen. Also nicht zuletzt für Migrationskreise. Ähnliches praktiziert das Schwedische Fernsehen, wie mir schwedische Verwandte mitteilen.

An solchen Angeboten könnte sich auch der ORF orientieren, wo er sich doch sonst intensiv für Menschenrechte und Flüchtlinge einsetzt. – Das Salzburg Museum (Die Neue Residenz) hat das Anliegen bereits umgesetzt, wie mir Besucher mitteilten: Es bietet Texte für elementare Sprachverwendung an, für das Niveau A 2.

Ein Beispiel vom Deutschlandfunk: Strafen für Arbeitslose zu hart. Wenn Menschen in Deutschland nicht genug Geld zum Leben haben, bekommen sie Hilfe vom Staat. Der Staat kann aber weniger oder gar kein Geld mehr zahlen, wenn man bestimmte Regeln nicht einhält. Das Bundes-Verfassungs-Gericht sagt jetzt: Das muss sich ändern. Das Job-Center darf das Arbeitslosen-Geld nicht ganz kürzen. Das Geld vom Staat heißt Hartz 4. Genauer gesagt kommt es vom Job-Center. Arbeitslose zahlen damit Essen, Kleidung und ihre Wohnung. Das Geld soll sie unterstützen, damit sie genug zum Leben haben.

Das Job-Center kann Menschen auch bestrafen. Zum Beispiel, wenn jemand einen Termin beim Job-Center verpasst. Oder wenn jemand sagt: Ich will diese Arbeit nicht machen. Dann bekommen Arbeitslose weniger Geld. Manchmal kriegen sie auch gar kein Geld mehr. Das Bundes-Verfassungs-Gericht hat entschieden: Das Job-Center darf das Geld nicht ganz kürzen. Ein Drittel weniger Geld als Strafe ist genug. Und die Politiker müssen jetzt neu über Hartz 4 entscheiden. Darüber gibt es Streit: Manche in der Partei SPD wollen gar keine Strafen mehr. Andere, zum Beispiel in der Partei CDU, finden: Ohne Strafen geht es nicht.

Die Welt ist noch zu retten

Hans Högl. Filmrezension

Der Saal des Kinos war gestern am späten Sonntag-Nachmittag gesteckt voll, und dies beim anspruchsvollen und schönen, mutmachenden Film „But Beautiful“. Und nach welchem Film wird spontan geklatscht? – wie gestern in Wien. Dem gebürtigen Mostviertler Regisseur Erwin Wagenhofer gebührt Lob, Projekte zu zeigen, die funktionieren und die Alternativen zu unserer Konsumwelt aufzeigen. Bemerkenswert war auch das Gespräch von Dalai Lama, der in liebenswürdiger Weise alle Konventionen sprengt und „Ungebührliches“ sagt. Wir sehen auch Frauen ohne Schulbildung, die Solaranlagen bauen und erleben Permakultur-Visionäre auf La Palma. Und die Schönheit von Musik und Landschaften sind bezaubernd.
Von Wagenhofer ist unter anderem der Film „We feed the World“ bekannt.

Medienkompetenz nötiger denn je

Rechtspopulismus und Freund-Feind-Schemata dominieren nicht selten Politik und Boulevard. Dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten, wäre Schulung in Medienkompetenz von der Volksschule bis ins Seniorenheim unumgänglich.

Udo Bachmair

Das Erstarken rechtspopulistischer Bewegungen geht untrennbar einher mit einer Transformation medialer Prozesse. Darin sind sich Politologen wie Kommunikationswissenschafter einig. Dieser Thematik war ein ökumenischer Studientag im St.Pöltner Bildungshaus St. Hippolyt gewidmet. Ein besonderes Augenmerk war dabei auf die sogenannten Sozialen Medien gerichtet.

Die Funktion klassischer Medien, Inhalte zu analysieren und einzuordnen, falle bei Massenmedien wie Facebook oder Twitter weg, diagnostizierte Falter-Chefredakteur Florian Klenk in seinem Eröffnungsvortrag. Anstelle von Redaktionen seien es heute Algorithmen, die über die Auswahl von Nachrichten entscheiden.

Diese Algorithmen, so Klenk weiter, seien aber nicht auf Diversität angelegt, sondern orientierten sich ausschließlich an den ohnehin schon vorhandenen Meinungen und Präferenzen der Userinnen und User. Damit entstehen die legendären Echokammern, in denen Menschen nur mehr unter sich bleiben und sich in ihren Vorurteilen und Klischees wechselseitig bestärken.

Nach seinem Referat meinte Klenk gegenüber dem Evangelischen Pressedienst, dass insbesondere SPÖ und Grüne die digitale Transformation weitgehend verschlafen hätten. Zudem operierten soziale Medien sehr oft auf emotionaler Ebene. Die Logik dieser Medien komme daher rechten Parteien, die auf klare Freund-Feind-Schemata setzten, entgegen.

Vor diesem Hintergrund wären Bildungsprogramme zur Entwicklung digitaler Medienkompetenz unerlässlich. Sie wären laut Klenk „nicht nur an Schulen, sondern auch in Pensionistenheimen, in Betriebsräten, in Firmen, in Kirchen“ nötig. Es bleibt die Hoffnung, dass dieser Appell bei der künftigen Bundesregierung nicht ungehört verhallt.

Politologin Margit Appel ging in ihrem Vortrag von geschwächten Solidaritäten in der „konkurrenzorientierten Marktwirtschaft“ aus. Zudem „tun wir uns schwer, eindeutige Identitäten zu haben“. Betroffen sei auch die religiöse Identität. Das führe zu einer „Angstgesellschaft“. Daher seien auch Christinnen und Christen anfällig für die Parolen Rechter, schloss die Referentin.

Wie ein Bauarbeiter die Grünen sieht

Wie Botschaften kompetent vermitteln, ohne Missverständnisse zu schaffen!

Hans Högl

Ich komme vom Mittagessen, bin bei der Vorortelinie. Also am Rande des Wiener sogenannten Arbeiterbezirkes Hernals. Aus Neugier betrete ich ein neues Geschäft und blicke in einen Kühlraum mit Fleischwaren. Da tritt ein Mann an meine Seite, ebenfalls Kunde, und sagt: Ich brauche nicht weiter schauen. „Schweinefleisch wird verboten. Alles wird verboten.“ Dann erfahre ich von seinem Leben: Er hat 25 Jahre auf dem Bau gearbeitet hat. Heute ist sein Rücken kaputt. Hätte er nicht arbeiten sollen?

Dann bringt er unerwartet die Kirche aufs Tapet. In einem Hort der Stadt wurde er instruiert. Wie es ja alle tun. Draußen in Neuwaldegg. Er nennt die Verbrennung der Hexen, die Erfindung des Fegefeuers, den 30-jährigen Religionskrieg. Meine Bemerkung. „Da ging`s ja nicht nur um Religion,“ steckt er beiläufig weg.

In seinem Redeschwall kommt er auf die Grünen zurück. „Sie verbieten alles, jetzt auch das Rauchen“. „Im Parteiprogramm der Grünen wird alles verboten! Ob ich es gelesen habe? Was da noch auf uns zukommt!“ Und er bekundet: „Früher war ich Sozialdemokrat, heute Freiheitlicher.“ Er verweist auf die arge Kriminalität in Wien. Ich dagegen: „Wien ist doch eine der sichersten Städte. Wir sind nicht in Chicago.“ „Ja, hier in Dornbach draußen passiert kaum was. Aber sonst in Wien! Überall sind Kriminelle. Und sie werden verschwiegen.“ Dann reicht es mir – und mit einem Ruck drehe ich mich weg, beendete ich die Diskussion, nein Instruktion. Die verhärtete Mauer solcher Menschen durchdringen nicht einmal die Argumente von zwei Doktoraten.

Die Moral der G`schicht: Verweisen Medien auf Umweltfolgen – gilt es zu sagen: Verhalten lässt sich nur schrittweise ändern! Es gilt auch die Folgen zu sehen. Zur Benützung der Autos: Schon oft wollte ich bemerken: In abgelegenen ländlichen Gegenden braucht man das Auto! Eine solche Sprache schafft Brücken, entkrampft und macht den Weg frei für ökologisches Verständnis. Und Winfried Kretschmann, Ministerpräsident von Baden Württemberg, wo Mercedes hergestellt wird, kann auch nicht sofort die Autoproduktion einstellen. Es wäre wichtig, eine maßvolle Sprache zu finden, und so können ökologische Anliegen sinnvoll nahe gebracht werden.

Feindbild Medien

Preise an JournalistInnen (Hans Högl)

„Mit dem Prälat-Leopold-Ungar-Preis werden Medienschaffende für herausragende journalistische Leistungen ausgezeichnet, die Toleranz und Verständnis im Umgang mit gesellschaftlichen Randgruppen fördern und sich mit sozialpolitischen Themen wie Armut, Obdachlosigkeit, Migration, Flucht, Alter, Krankheit oder Diskriminierung auseinandersetzen“, heißt es auf der Website der Caritas.

Landau warnt vor neuem „Feindbild Medien“.Freie Medien würden in vielen Ländern Europas wieder zu „Feinden des Volkes erklärt“, mahnte Caritas-Präsident Michael Landau bei der Preisverleihung. Längst sei das Phänomen „Fake News“ nicht nur ein Thema an den Rändern des Meinungsspektrums zu finden: „Dieses Vorurteil wurde weitergereicht: Von den Rändern bis tief in die Mitte der Gesellschaft hinein.“

Leopold Ungar (1912 – 1992) wuchs in einer jüdischen Familie auf, studierte Jus und konvertierte zum Christentum. Er baute die Caritas zu einer großen Hilfsorganisation aus. Journalistinnen und Journalisten müssten in einer solchen Situation nun „aufklärerisch im besten Sinn wirken“, so der Caritas-Präsident in seinen Eröffnungsworten.

Aufdecken ohne Bloßstellen“: Es gehe dabei um einen schonungslosen und gleichzeitig rücksichtsvollen Journalismus. „Um Journalismus, der aufdeckt ohne bloßzustellen“, sagte Landau. Als zentrale Herausforderung attestierte er die Frage, wie journalistische Aufklärung auch Menschen erreichen könne, „die sich längst vom bürgerlichen Diskurs verabschiedet und sich in ihren Echokammern gemütlich eingerichtet haben“.

Fall der Berliner Mauer und Kinder-Patriotismus in China

Als ich Sendungen von ARTE über die Volksrepublik China sah, dachte ich an die Feiern zum Fall der deutschen Mauer und über die Wiedervereinigung. Meine Reflexion dazu weiter unten. Ich greife Abschnitte aus der ARTE-Serie auf – mit dem Titel „Der Geist von Mao“, am 9. Oktober 2019 um 16:10.

Hans Högl. Analyse

Patriotismus wird in der Volksrepublik China seit dem Kindesalter gelehrt. Obwohl 1976 verstorben, scheint Mao Tse Tung so lebendig wie nie zuvor. Der Nationalfeiertag der Volksrepublik China ist ein Festtag und wird in allen Schulen begangen. Eine Szene aus einer Volksschule: Die Lehrerin fragte die Klasse: „Lieben wir unser Vaterland? Und jetzt alle zusammen!“ „Ja wir lieben es“ skandieren die Volksschulkinder und klatschen Beifall. Ein Mädchen bekundet: „Ich muss immer sauber, diszipliniert und tapfer sein. Und ich muss aufrichtig sein, damit ich meinem Land von Nutzen bin, wenn ich groß bin.“ „Wir müssen unser Vaterland lieben!“, bekunden Buben und Mädchen.

Dann schreiten die Kinder in Reih` und Glied zum Fahnenappell in den Schulhof. Sie sind adrett gekleidet, in hellgrauem Anzug mit roter Krawatte und einem kleinen roten Stern auf der Kappe. Sie schwenken mit kindlichem Ernst und einer Spur Heiterkeit hellrote Fähnchen. Und vor dem Fahnenmast salutieren vier, während die rotchinesische Fahne hochgezogen wird. Alle Kinder heben eine Hand zum Gruß. Es ist ein würdig-heiterer Patriotismus mit quasi-militärischem Charakter.

In Deutschland erweckt Patriotismus Vorbehalte. Es gilt, Kinder für die e i n e – g a n z e Welt zu erziehen! Da wir alle – siehe Klimakrise- globale Mitverantwortung tragen, wäre nicht eine komplementäre Pädagogik sinnvoll, nämlich uns zu Freunden dieser Erde zu erziehen, zu einer Form von Weltbürgertum? Welches Land praktiziert dies als Erziehungsziel für die Kinder? Bedarf es nicht auch einer Identifikation für das eigene Land?

Mich stimmten die chinesischen Szenen nachdenklich. Sind die deutschen nationalen Vorbehalte legitim- auch für alle anderen Länder? Eher nicht: Ich staunte, als für uns -in Schweden ankommend- von den neuen schwedischen Verwandten die schwedische Fahne hochgezogen wurde. Für uns, den neuen Verwandten aus Österreich, hisste der Besitzer des Anwesens im Sinne der Begrüßung die schwedische Fahne. Schweden hat seit 200 Jahren Frieden. Ein Land, das wohl Recht hat, patriotisch zu sein, ohne andere Länder zu missachten oder gar gegen sie Krieg zu führen. Auch die Schweizer zeigen unbefangen, ja manchmal fast im Übermaß – ihre Schweizer Fahne.

Doch der Fall „Deutschland“ ist komplex. Wie Berichte in der „Zeit“ und „Süddeutschen“ belegen, waren deutsche Linke gegen die Einheit vom deutschen Westen und Osten. Die nationale Frage galt als „reaktionär“. Welch`ein Irrtum schrieb der damalige Grünen-Chef Ralf Fücks (Zeit.de 3.10.2015). Dieses Thema ist intensiv zu diskutieren. Und Deutschland ist damit nicht fertig. Jedenfalls machte mich die chinesische Praxis des von Schülern zelebrierten Nationalfeiertages nachdenklich.

Wähler von Populisten

Der österr. Bundespräsident Alexander Van der Bellen wurde kürzlich von der Redaktion des entwicklungspolitischen Magazins „Südwind“(Nr.11/12 Nov./Dez.) interviewt. Davon hebe ich einen bemerkenswerten Ausschnitt hervor (Hans Högl)

Südwind: Muss man sich in Europa im Jahr 2019 um die Demokratie ernsthaft Gedanken machen? Wieso wählen die Menschen Populisten wie Donald Trump oder Jair Bolsonaro?

Van der Bellen:“Es gibt unterschiedliche Erklärungen, warum Politiker wie Donald Trump Erfolg haben.Durchgängig scheint in Europa und USA zu sein, dass Menschen, die sich zurückgesetzt fühlen, die sich irgendwie von der Politik allein gelassen fühlen, dazu neigen, Populisten ihre Stimme zu geben.

Wir sollten uns aber weniger um die Populisten als um die Lebenssituation dieser Menschen kümmern. Sie dürfen sich nicht so allein gelassen fühlen.“

Pressefreiheit : Wachsam bleiben

Dieser Tage jährt sich zum 160. Mal der Bestand des renommierten Presseclubs Concordia. Auch wenn die Pressefreiheit formal garantiert ist, muss sie immer wieder neu erkämpft werden. „Weiter wachsam sein“ lautet daher die Devise.

Udo Bachmair

Wir haben während der türkis-blauen Koalition erlebt, wie ORF-Journalisten von Vertretern des Juniorpartners dieser Regierung bedroht wurden und eingeschüchtert werden sollten. Nicht nur der besonders engagierte ZiB 2-Anchorman Armin Wolf, sondern auch ORF-Auslandskorrespondenten, wie Ernst Gelegs, waren Opfer von Regierungsschelte und Kündigungsandrohungen wegen „unbotmäßiger Berichterstattung“. Die Attacken auf unabhängige Journalisten wurden auch als Generalangriff auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk gewertet. Und generell auch auf die Pressefreiheit in diesem Land.

Umso wichtiger der Appell des Präsidenten des Presseclubs Concordia, Andreas Koller : „Es gilt, wachsam zu sein“. Pressefreiheit sei ein hohes Gut, und der Blick über die Grenzen zeige, wie schnell sie in Bedrängnis geraten könne. Und im Hinblick auch auf Österreich merkt Koller im Kurier an : „Ich habe nicht den Eindruck, dass alle Politiker hierzulande kapiert haben, „was Pressefreiheit eigentlich bedeutet“. Eine Anspielung unter anderem auch auf die umstrittenen Richtlinien für die Öffentlichkeitsarbeit, die der frühere FPÖ-Innenminister zu verantworten hatte. Dieser sah sich ja mit Vorwürfen konfrontiert, auch mit Menschenrechten nicht allzu viel am Hut zu haben.

Wachsam zu sein bezüglich der Pressefreiheit ist ein wesentlicher inhaltlicher Pfeiler des Presseclubs Concordia. Aus Anlass seines nunmehr 165-jährigen Bestehens brachte es die Concordia-Generalsekretärin Daniela Kraus gegenüber der Presse gut auf den Punkt: „Wir achten darauf, dass das freie Wort frei bleibt“. Credo auch der Vereinigung für Medienkultur, mit der ein Kooperationsabkommen mit dem Presseclub Concordia besteht. An dieser Stelle auch namens des Vorstands der Vereinigung vielen Dank für die gute Zusammenarbeit.

An weiteren Maßnahmen zur Sicherung der Pressefreiheit wäre die Schaffung eines Informationsfreiheitsgesetzes unabdingbar. Eines der Themen, die auf die neue Regierung warten. Außerdem steht die Novellierung des ORF-Gesetzes an. Und auch da wird sich zeigen, wie konstruktiv die künftige Koalition an diese Frage herangeht. Motto der ORF-Reform sollte jedenfalls sein, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk weiter auch finanziell lebensfähig zu erhalten. Eine nicht unwichtige demokratiepolitische Aufgabe. Siehe dazu auch meinen Appell unter www.wirfuerdenorf.at

„Der Falter“ als erfolgreiches linksliberales Medium

Der TV-Sender ORF III brachte in André Hellers „Menschenbilder“ am 17. Oktober 2019 ein Porträt von Armin Thurnher, des Gründers der damals so genannten Wiener Stadtzeitung „Falter“. Hier ein Resumé der Hauptaussagen Thurnhers im erwähnten ORF-Beitrag :

Hans Högl

Armin Thurnher besuchte in Bregenz das althumanistische Gymnasium und lernte acht Jahre Latein und sechs Jahre Griechisch. In seiner Jugend spielte er Tennis und Klavier. Wichtig für Armin Thurnher wurde sein Onkel John, der von Vorarlberg in die USA ausgewandert war und als Wohlhabender auf Besuch kam. Dies motivierte Armin T. zu einem Studienjahr in Amerika (1967/68). Aber er fand ein anderes Land vor als in seiner Vorstellung. Es war rassistisch, und die auf Pappkarton schlafenden Armen unweit von Wolkenkratzern forderten das Weltbild des 18-jährigen heraus. Er lernte in New York die Vietnamproteste kennen, die Drogenszene, die Frauen- und Schwulenbewegung und die sexuelle Befreiung.

Beim Studium in Wien (Germanistik, Anglistik, Theaterwissenschaft) entstand die Geschäftsidee zur Programmzeitschrift „Falter“ – mit Besprechungen von Wiener Lokalen. Die Gründer des „Falters“ zielten auf eine Form von Anti-Journalismus. In den Kulturredaktionen der Medien fanden sich blinde Flecken: Schwule, Frauen, Off-Theater kamen nicht vor. Und dazu kam eine gewisse Frechheit. „Wir waren links, aber nicht das Sprachrohr einer Partei.“ „Ich empfand Kreisky als Establishment“. Thurnher hatte keine Beziehung zu ihm.

„Ich habe die antiautoritäre Flagge der Studentenbewegung hochgehalten.“ Thurnher betrachtete die Gründung stalinistischer und trotzkistischer Gruppen als „Totalverrat“. „Ich habe die Illusion verloren, dass diese Gesellschaftsform so leicht durch eine andere zu verändern ist. Aber ich blieb dabei, dass die Gesellschaft verändert werden muss.“ Dies entsprach dem Buchtitel „Kein Kapitalismus ist auch keine Lösung“. Die Berliner TAZ wurde ein Jahr nach dem „Falter“ gegründet. Und dies nach den RAF-Exzessen. Es war auch nicht möglich, den „Falter“ im Kollektiv zu gestalten – so dass jeder alles machte.

Auch die ursprüngliche Geldlosigkeit war nicht aufrecht zu halten. Christian Reder war damals Betriebsberater (später Professor). Er wurde der erste Gesellschafter des „Falters“. Wir mussten einen kapitalistischen Betrieb führen. Es trat eine gewisse Normalisierung ein:Ohne Hierarchien zu arbeiten war undurchführbar. Es kam zu flacheren Hierarchien. Die „Kronen“-Zeitung beschuldigte Armin Thurnher, Jörg Haider in Österreich groß gemacht zu haben.

Autos aus Österreich. BMW-Motoren. Ein anderes Österreich-Bild

Erweiterung und Korrektur des Österreich-Bildes. Von ORF-News OOe (30.11) übernommen.(Hans Högl)

Hier wird nicht eine Auto-Firma hervorgehoben, sondern es gilt ein verbreitetes Selbst-und Fremdbild von Österreich zu korrigieren. Österreich ist vielfältiger als das übliche Klischee. Vor allem hat es eine bedeutende Industrie. Diese Besonderheit unterstreicht folgender Beitrag.

Die BMW Group investiert heuer im Entwicklungszentrum in Steyr über 200 Millionen Euro in die Weiterentwicklung von Dieselmotoren und neue Prüfstände für Elektroantriebe. Das Ziel: Die Antriebe sollen noch emissionsärmer, effizienter und leistungsstärker werden.

Die Produktion der neuen Dieselmotorengeneration, die in Steyr entwickelt wurde, wird laut BMW-Steyr Entwicklungschef Fritz Steinparzer ab 2020 anlaufen. Die Motoren bringen laut Steinparzer Einsparungen beim Verbrauch und damit auch bei den CO2-Emissionen von bis zu neun Prozent. Damit seien die neuen Fahrzeuge mit aktueller Diesel-Technologie ein sehr wirksamer Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel.

Im Entwicklungszentrum in Steyr werden auch die Aktivitäten für Elektromobilität laufend erweitert. Teile für Elektrofahrzeuge werden ja schon länger produziert, ein neuer Akustikprüfstand soll helfen, Bauteile weiter zu optimieren. Im Entwicklungszentrum Steyr arbeiten gut 700 Fachkräfte, insgesamt arbeiten bei BMW-Steyr 4.500 Beschäftigte und produzieren jährlich über 1,2 Mio. Benzin- und Dieselmotoren.