Archiv für den Monat: Dezember 2016

Hass und Hetze gegen Top-Journalistinnen

Udo Bachmair

Ingrid Thurnher und Corinna Milborn sehen sich mit bisher beispiellosen Hassattacken konfrontiert. Sie werden nach den jüngsten TV-Duellen in Puls 4 und im ORF nicht nur beschimpft und diffamiert, sie sind zunehmend auch Opfer massiver Gewaltandrohungen rechtsextremer Hetzer.

Diese beschämend oft mit Likes bedachten Verbalaggressionen vor allem auf Straches Facebook-Seite lassen im Falle einer FPÖ-Machtübernahme kaum Gutes erahnen. Ist dann in einer autoritären „blauen Republik“ steigender Druck auf kritische JournalistInnen und Einschränkung der Pressefreiheit zu erwarten ?

Wehret den Anfängen..

Aus aktuellem Anlass ein Bericht aus Kurier-Online von heute :

Ingrid Thurnher wirkte bei der letzten Konfrontation zur Bundespräsidentenwahl ermattet. Ihre Körpersprache vermittelte: Hier ist eine Journalistin extrem unter Druck geraten. Der Druck kommt von der FPÖ und ihren Sympathisanten, die im Internet nach jedem unliebsamen Auftritt ihres Spitzenkandidaten ein Hassfeuerwerk abbrennen.

Die Puls4-Moderatorin und Infochefin Corinna Milborn hat solche massenhaften Postingattacken bisher nur erlebt, wenn ein FPÖ-Kandidat bei ihr im Studio saß, sagt sie: „Nach der Wien-Wahl mit Strache, dem Präsidentschaftsduell im Mai und jetzt beim Hofer-Interview.“ Andere Parteien seien dahingehend unauffällig gewesen.

Milborn hat folgende Systematik beobachtet: Auf Heinz-Christian Straches-Facebook-Seite (fast eine halbe Million Abonnenten) erscheint ein Posting, das die Journalistin kritisiert: „Dann kommen Kommentare, die diskreditierend und beleidigend sind. Fast nie sind es strafrechtlich relevante, sondern immer nur indirekte Drohungen“, erzählt Milborn. Zu lesen ist dann etwa so etwas: „Ich wünsche Ihnen, dass Sie von einem Afghanen vergewaltigt werden.“

Die Hasswelle gibt es nach ihrer Erfahrung nur, wenn Strache Negatives poste.  Hass und Hetze gegen Top-Journalistinnen weiterlesen

Medienkritik – Rudeljournalismus. Analyse

Hans H ö g l

In den USA wurden viele Feld-Reporter eingespart, und die Anzahl von Online-Journalisten aufgestockt. Damit fehlen den Redaktionen die Außenantennen. Es gibt einen Verlust an Volksnähe und Kontakt zu den „kleinen Leuten“. Die Reporter saßen früher selten in den Büros, trieben sich in den Polizeistationen und vor den Gerichten herum und in Bars und Bahnhöfen. Dass der Großteil der ORF-Journalisten in Zukunft auf dem entlegenen Wiener Küniglberg tätig sein wird, verheißt nichts Gutes. Und in den Berichten der Außenpolitik wird man sich noch mehr – abgesehen von den wenigen Korrespondenten – vorwiegend mit angelsächsischen Agenturmeldungen eindecken und Erfahrungsberichte nicht zur Kenntnis nehmen. Ähnliches berichtete gestern ein Schweizer Paar in einem Vortrag über ihre kürzliche Reise in Syrien in Wien 9 im Festsaal der Caritas Sociales. Für ihren in vielen Punkten überraschenden Augenzeugenbericht interessierte sich nur eine einzige kleine Schweizer Zeitschrift.

Ich habe mich hier von den Magazinen Stern und der Schweizer Weltwoche anregen lassen. Zur Weltwoche sagte mir ein Saunafreund: Das ist das einzige Magazin, das sich von allen anderen abhebt. Dieser Automechaniker arbeitete früher in der Schweiz und bei einer Firma in Westafrika, hat ein ZEIT-Abo und wundert sich schon seit Längerem, dass Le Monde, das Pariser Weltblatt (der Handwerker liest auch französische Blätter) als einzige wagte, den Islam zu kritisieren.

Mir ist es wichtig, mich fallweise mit Medien auseinander zu setzten, deren Ansichten ich nicht teile, die mir gegen den Strich gehen. Die Sozialpsychologie nennt dies Bereitschaft zur kognitiven Dissonanz.

Nur so sind die Echoräume wie in Face Book zu vermeiden. Ein Leserbrief nennt es Fake-Book, denn die Falschmeldung, der Papst habe für Donald Trump eine Wahlempfehlung abgegeben, wurde millionenfach abgerufen.

 

 

Van der Bellen ein Spion ?

Qualitätsjournalismus klärt auf

Udo Bachmair

„Das ist das Mieseste, das ich seit langem erlebt habe“. So reagierte Alexander Van der Bellen auf Spionagevorwürfe Norbert Hofers im letzten ORF-TV-Duell vor der Wahl am 4. Dezember. Sein Ärger erscheint berechtigt. Dank Recherchen von Qualitätsmedien ist an den Vorwürfen nämlich nichts dran. Das wusste auch der FPÖ-Kandidat, denn vor etlichen Jahren bereits hat das Innenministerium Gerüchte dieser Art nicht ansatzweise bestätigen können.

Doch nach der Devise „es wird schon was hängenbleiben“ spekuliert die FPÖ-Kampagne offenbar auf 10.000e noch Unentschlossene. Zudem auf diejenigen, die (als KonsumentInnen des Bouelvards) eher zur Leichtgläubigkeit neigen. Des Weiteren besteht das Kalkül, dass die „Echokammern“ im Internet keine Gegendarstellung, kein Dementi mehr vor der Wahl zulassen..

Und dennoch: Glücklicherweise existiert noch ein Quantum an Qualitätsjournalismus, der sich der Aufklärung verpflichtet fühlt. Ob das allerdings reicht, im letzten Moment noch einen Sieg Norbert Hofers abzuwenden, bleibt äußerst fraglich..

Ein renommierter Meinungsforscher sagte mir gestern, dass auf Basis seiner Zahlen Norbert Hofer das Rennen um die Hofburg mit 53 zu 47 Prozent klar schaffen werde. Unbewiesene Lügenvorwürfe gegen den politischen Gegner ( im TV-Duell 24 Mal an die Adresse VdBs ) könnten also einen Rechtspopulisten doch noch an die Staatsspitze bringen..

Word-Dateien von AMAZON-ausspioniert – über UPC-Internetverbindung

Hans H ö g l

Am Montag, den 28. Dezember 2016 verfasste ich den ersten Textentwurf über das Buch „Panama Papers“ und speicherte diesen auf einem Word-Dokument. Ich wundere mich nicht wenig, als ich am Dienstag Vormittag ein Mail von Amazon lese mit dem Werbehinweis: Ich könne das Panama-Buch im Amazon – Angebot kaufen.

Das AMAZON-Mail Mail bekam ich am Dienstag ein paar Minuten vor 2 Uhr früh (1:56) von Amazon.de (genauer: vfe-campaign-response@amazon.de). Meine Schlussfolgerung: Also wurde aus meiner T e x t–D a t ei dies bereits abgelesen und nicht aus dem Internettext, auf den ich diesen Text erst am Dienstag vor zehn Uhr Vormittag setzte (9:51).

Nun dieses überprüfte Faktum basiert nicht auf einer Vermutung, sondern ist nachgewiesen. Von einigermaßen gut informieren Bekannten höre ich, dass der Kabelnetzbetreiber UPC, über den meine Internetverbindung läuft, seinen Server in den USA hat und somit alles – selbst meine privaten WORD-Dateien durchsucht werden, hier zum Zweck, um rasch Geschäfte zu machen. Darum schreibt meine Internetexpertin sehr private Texte überhaupt nicht mehr mit Computer und schreibt ihre vertraulichen Texte auf Papier,  oder ein mir bekannter Univ. Prof. fordert von einer wissenschaftlichen Gesellschaft die Einführung des Briefverkehrs und Abschaffung der E-Mail-Verständigung unter den den Mitgliedern.

 

 

„Krone“ täuscht Aktualität vor. Hofer versus Van der Bellen in TV

Hans H ö g l

Gestern am Donnerstag abend, den 1. Dezember, fuhr ich um 20:30 auf der Tram 43 an der Haltestelle Hernals-Vororte Linie vorbei und erwarb die Abend-Ausgabe der Krone, datiert für den kommenden Tag, Freitag, den 2. Dezember 2016.

Da finden sich in der „Krone“-Abendausgabe bereits sechs Fotos von der TV-Konfrontation zwischen Van der Bellen und Hofer, und es wird der Eindruck erweckt, dass die „Krone“ aktuell von dieser Konfrontation berichtet. Der Titel auf S. 2/3 lautet: „Das letzte Duell vor der Hofburg- Wahl,

Das ist eine ziemliche Irreführung, denn die echte Konfrontation hatte im ORF am Freitag um 20:30 Uhr erst begonnen. Mit anderen Worten: Der Redaktionsschluss der „Krone“ erlaubte nicht von der Konfrontation selbst zu berichten. Also die „Krone“-Leser erfahren von einer Schein-Aktualität.

Nur wer sehr genau liest, findet den Satz: „Ein letztes Mal treten die beiden Hofburg- Kandidaten Alexander von der Bellen und Norbert Hofer in einem TV-Duell gegeneinander an.“