{"id":3846,"date":"2017-06-13T15:15:03","date_gmt":"2017-06-13T13:15:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.medienkultur.at\/neu\/?p=3846"},"modified":"2017-06-14T22:49:48","modified_gmt":"2017-06-14T20:49:48","slug":"medienkritik-publikumsrat-ombudsmaenner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.medienkultur.at\/neu\/medienkritik-publikumsrat-ombudsmaenner\/","title":{"rendered":"SRG-Ombudsmann : Viele Beschwerden zur\u00fcckgewiesen"},"content":{"rendered":"<p>Hans H\u00f6gl<\/p>\n<p><em>Seit Jahren vielen Jahren verfolgt\u00a0 die Vereinigung f\u00fcr Medienkultur (Wien) das Wirken des\u00a0ORF-Publikumsrates.\u00a0 Folgender NZZ-Beitrag\u00a0 (online 10.6.2017)\u00a0ist daher von besonderem Interesse :\u00a0<\/em><\/p>\n<h4>Ombudsm\u00e4nner: <strong>L\u00e4stige, aber n\u00f6tige Kritik<\/strong><\/h4>\n<p>Rainer Stadler<\/p>\n<p>Die \u00abNew York Times\u00bb schaffte den Ombudsmann ab. Die Schweizer Radio- und TV-Sender k\u00f6nnen das nicht tun \u2013 zu ihrem Gl\u00fcck.<\/p>\n<p>Als Ombudsmann der <strong>privaten Radio- und Fernsehsender<\/strong> hat man keinen Stress. Der Arbeitsaufwand ist gering, denn es treffen kaum Beschwerden ein. Der <a href=\"https:\/\/www.ombudsman-rtv-priv.ch\/de\/resources\/Jahresberichte\/Jahresbericht-2016.pdf\">f\u00fcr die Deutschschweiz zust\u00e4ndige Ombudsmann<\/a> z\u00e4hlte im vergangenen Jahr bloss 6 F\u00e4lle, sein <a href=\"https:\/\/www.ombudsman-rtv-priv.ch\/fr\/resources\/Rapports-annuels\/AIEP-Rapport-annuel-2015.pdf\">Kollege in der Romandie<\/a> bekam in einigen Jahren gar keine und manchmal bloss 3 Beanstandungen. Die tiefen Zahlen kontrastieren auff\u00e4llig stark mit jenen des Ombudsmanns von Schweizer Radio und Fernsehen (SRF). Auf seinem Pult landen durchschnittlich etwa 150 Beschwerden pro Jahr \u2013 auch die Westschweizer und S\u00fcdschweizer SRG erregt bedeutend weniger \u00c4rger. In den vergangenen drei Jahren schnellten zudem die Beschwerden gegen SRF wegen einiger weniger Sendungen in die H\u00f6he. Einen Rekord verbuchte die \u00abArena\u00bb-Sendung mit dem Historiker Daniele Ganser. \u00dcber 500 Beanstandungen gingen ein, die Ombudsmann Roger Blum einen Arbeitsaufwand von 160 Stunden bescherten \u2013 in der Regel ben\u00f6tigt er 6 Stunden, um eine Beschwerde gegen eine Sendung zu bearbeiten, wie er auf Anfrage sagte.<\/p>\n<p><strong>Lieber diese Kritik als andere<\/strong><\/p>\n<p>Aus den genannten Zahlen kann man eine spannungsgeladene Beziehung des Deutschschweizer Publikums zu seinem Service public herauslesen. Schwieriger ist es, daraus auf eine schlechte publizistische Leistungsbilanz von SRF zu schliessen. Denn der Ombudsmann weist einen Grossteil der Beschwerden zur\u00fcck. Nur in 10 Prozent der F\u00e4lle gibt er ihnen recht und in 10 Prozent teilweise. <!--more-->\u00a0Es verwundert insofern nicht, dass TV-Chefredaktor Tristan Brenn im nebenstehenden Artikel wohlwollende Worte f\u00fcr diese Kontrollinstanz findet, die den Sendern von der Politik vor einem Vierteljahrhundert aufgezwungen wurde, um das Machtgef\u00e4lle zwischen Publikum und Medienmachern ein bisschen zu verringern. F\u00fcr die Sender und insbesondere SRF hat ein Ombudsmann auch den Vorteil, dass die Redaktionen bei Beschwerden angeh\u00f6rt werden und damit auf eine rationalere Auseinandersetzung hoffen k\u00f6nnen als in den sozialen Netzwerken oder teilweise in der Presse, die nicht zur Ausgewogenheit verpflichtet ist.<\/p>\n<p>Die Kontrolle durch einen Ombudsmann ist auch deswegen ertr\u00e4glicher, weil seine Kompetenz begrenzt ist. Der Ombudsmann darf nur F\u00e4lle behandeln und \u00f6ffentlich darlegen, wenn eine Beschwerde aus dem Publikum eingetroffen ist. Wie beim Presserat zeigt die Erfahrung, dass es dabei \u00f6fters um Bagatellen oder Wehwehchen geht. Keine Beschwerde ging beispielsweise gegen die \u00abRundschau\u00bb ein, die sich im <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/schweiz\/aktuelle-themen\/bundesgericht-falscher-freispruch-im-kriminalfall-walker-ld.1289051\">Urner Mordfall Walker<\/a> mit einer abwegigen These aus dem Fenster lehnte. Das Bundesgericht erhob in diesem Zusammenhang einen schweren Vorwurf gegen die Redaktion, dennoch kam diese nicht mehr auf das Thema zur\u00fcck. Da kann dann der Ombudsmann nicht eingreifen. Auf Anfrage sagte Roger Blum, diese M\u00f6glichkeit habe ja der nicht an gesetzliche Vorgaben gebundene Presserat. Er selber thematisiere \u00absolche F\u00e4lle\u00bb intern, also im Gespr\u00e4ch mit den jeweiligen Redaktionen. Davon erf\u00e4hrt die Allgemeinheit allerdings nichts.<\/p>\n<p><strong>\u00d6ffentlichkeit unangenehm<\/strong><\/p>\n<p>Eine \u00f6ffentliche Behandlung von Fehlern ist f\u00fcr die betroffenen Redaktionen gewiss unangenehm. Kritik k\u00f6nnen wenige Journalisten hinnehmen. So erstaunt es nicht, dass Ende Mai die \u00abNew York Times\u00bb <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2017\/05\/31\/business\/media\/new-york-times-buyouts.html\">ihren Ombudsmann abschaffte<\/a> und ihn durch ein Team ersetzte, welches Reklamationen behandelt. Unmut und Kritik lassen sich so diskreter erledigen. Man hatte denn auch nie den Eindruck, dass die SRF-Ombudsleute das Licht der \u00d6ffentlichkeit suchten. Ein Vorg\u00e4nger von Blum mokierte sich dar\u00fcber, dass Journalisten nur kritische Stellungnahmen behandelten und eine gutgeheissene Beanstandung beispielsweise als \u00abTadel\u00bb bezeichneten. Das war bereits der \u00abZuspitzung\u00bb zu viel. Der jetzige Ombudsmann denkt allerdings sportlicher.<\/p>\n<p>Roger Blum und Ignaz Staub sind Herausgeber des Buches: Die Klagemauern der Schweizer Medien (Bern 2017).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hans H\u00f6gl Seit Jahren vielen Jahren verfolgt\u00a0 die Vereinigung f\u00fcr Medienkultur (Wien) das Wirken des\u00a0ORF-Publikumsrates.\u00a0 Folgender NZZ-Beitrag\u00a0 (online 10.6.2017)\u00a0ist daher von besonderem Interesse :\u00a0 Ombudsm\u00e4nner: L\u00e4stige, aber n\u00f6tige Kritik Rainer Stadler Die \u00abNew York Times\u00bb schaffte den Ombudsmann ab. Die Schweizer Radio- und TV-Sender k\u00f6nnen das nicht tun \u2013 zu ihrem Gl\u00fcck. 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