{"id":14738,"date":"2026-02-23T17:39:57","date_gmt":"2026-02-23T16:39:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.medienkultur.at\/neu\/?p=14738"},"modified":"2026-02-24T00:04:45","modified_gmt":"2026-02-23T23:04:45","slug":"unbeirrt-weiterkaempfen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.medienkultur.at\/neu\/unbeirrt-weiterkaempfen\/","title":{"rendered":"Unbeirrt weiterk\u00e4mpfen?"},"content":{"rendered":"<p>4 Jahre dauert er nun, der Krieg in der Ukraine. Am 24.2.2022 hatte Russland mit seiner Invasion begonnen. Das Thema behandelte aus diesem Anlass die j\u00fcngste Ausgabe der ORF2-Sendung &#8222;Das Gespr\u00e4ch&#8220; mit Susanne Schnabl.<\/p>\n<p>Wolfgang Koppler *<\/p>\n<p>&#8222;Der Krieg, der spaltet &#8211; Kapitulieren oder weiterk\u00e4mpfen?&#8220;   Schon der Titel der j\u00fcngsten Diskussionsrunde des ORF-Formats &#8222;Das Gespr\u00e4ch&#8220; wirkte auf mich leicht manipulativ.  Denn wer will schon zugeben, dass er sich verrannt hat und vielleicht nachgeben und den Kompromiss suchen muss. Wenn der Gegner so unsympathisch und stur ist wie Putin ?<\/p>\n<p>Ganz so schlimm wurde es dann nicht.  Auch wenn die Diskussionsleiterin am Anfang auf mich wirkte, als wollte sie den Gespr\u00e4chsteilnehmern vorgeben, was sie zu sagen h\u00e4tten.  Wobei man angesichts der oft sehr vereinfachenden Slogans mancher FP\u00d6-Politiker, man solle \u00fcberhaupt kein Steuergeld f\u00fcr die Ukraine zur Verf\u00fcgung stellen, man nat\u00fcrlich klarstellen muss, dass ja auch humanit\u00e4re und wirtschaftliche Hilfe geleistet wird.   Und es wohl nicht in unserem Interesse liegt, die Menschen im Stich zu lassen und neue Fl\u00fcchtlingswellen auszul\u00f6sen. <\/p>\n<p>Doch dann wurde es problematisch.  W\u00e4hrend in der Programmvorschau des ORF noch von Sehnsucht nach Frieden die Rede war und nach einem m\u00f6glichen Strategiewechsel im Ukrainekrieg gefragt wurde,  forderte Sicherheitsexpertin Hoffberger-Pippan nur eine Versch\u00e4rfung der Sanktionen und Moderatorin Susanne Schnabl stellte auch noch die suggestive Frage, ob nach vier Jahren Krieg alles umsonst gewesen sollte, wenn es nun zu Gebietsabtretungen k\u00e4me.   Auch die Angst vor weiteren milit\u00e4rischen Abenteuern Putins wurde zun\u00e4chst ein bisschen gesch\u00fcrt.  Zum Gl\u00fcck wies Russlandexperte Gerhard Mangott darauf hin, dass angesichts der milit\u00e4rischen und wirtschaftlichen Ersch\u00f6pfung Russlands ein Krieg gegen einen NATO-Staat in den n\u00e4chsten Jahren ziemlich unwahrscheinlich sei. <\/p>\n<p>Und dann ging es &#8211; geradezu unvermeidlich &#8211; um die europ\u00e4ische Aufr\u00fcstung. Da wurden schwindelerregende Zahlen genannt.  Und wenigstens wurde dadurch klar, dass 800 Milliarden f\u00fcr Aufr\u00fcstung zus\u00e4tzlich zur milit\u00e4rischen Unterst\u00fctzung der Ukraine plus weiteren 800 Milliarden f\u00fcr deren Wiederaufbau f\u00fcr Europa schwer zu tragen w\u00e4ren. Man sprach zwar von einer gemeinsamen Schuldenaufnahme, wie sie Macron im Auge h\u00e4tte.  Und davon, dass man die Bev\u00f6lkerung auf Einschnitte bei Sozialausgaben u.a. vorbereiten m\u00fcsse. Aber irgendwie schien den Diskussionsteilnehmern doch die Phantasie auszugehen, wie das ohne weitere Spaltung unserer Gesellschaft alles zu bewerkstelligen w\u00e4re.  <\/p>\n<p>Da war es nat\u00fcrlich leichter, \u00fcber \u00d6sterreich, seine vielleicht doch nicht so sichere Lage und dessen Sicherheitspolitik und Wehrbereitschaft zu diskutieren. Wobei der ehemalige Spitzendiplomat Petritsch das Gespr\u00e4ch dann wenigstens auf unsere str\u00e4flich vernachl\u00e4ssigte Diplomatie und Sicherheitspolitik lenkte.  Nicht ohne zuvor geschickter Weise die milit\u00e4ranalytischen Kenntnisse des Diskussionsteilnehmers Sandtner zu loben.<\/p>\n<p>So musste man doch auch \u00fcber die M\u00f6glichkeit von Verhandlungen reden.  Und da geschah etwas \u00dcberraschendes oder sagen wir &#8211; ein im Ukrainekrieg bis jetzt h\u00f6chst seltenes Ereignis. Angesichts ungeheurer Zerst\u00f6rungen, wirtschaftliche Kollateralsch\u00e4den in weiten Teilen der Welt und wohl mehr als 500.000 Toten.   Wolfgang Petritsch gestand pl\u00f6tzlich ein, dass man vielleicht schon in der Vergangenheit nach Kontakten und diplomatischen Kan\u00e4len zu Russland h\u00e4tte suchen m\u00fcssen. Und dies auch jetzt noch tun solle, zumal das, was jetzt an Verhandlungsbem\u00fchungen laufe, zu sehr im Licht der \u00d6ffentlichkeit gesch\u00e4he und Trump zudem, sobald die Midterm-Elections anst\u00fcnden, sich bald wieder auf anderes konzentrieren w\u00fcrde.  Europa sei da gefordert.<\/p>\n<p>Ich darf erg\u00e4nzen:   Nicht nur, was die Gespr\u00e4chsbem\u00fchungen selbst und deren Form betrifft &#8211; auch inhaltlich k\u00f6nnte sich die europ\u00e4ische Politik vielleicht endlich etwas Neues einfallen lassen.  Trotz oder gerade wegen der angesichts von beiderseitiger Sturheit derzeit so verfahrenen Situation. Auch inhaltlich sollte man endlich einmal von den sinnlosen Aufforderungen zur Kapitulation der Gegenseite abkommen. Und einfach n\u00fcchtern die Interessen betrachten und vielleicht f\u00fcr den Fall eines Friedens die Aufhebung der Sanktionen in Aussicht stellen, die wie Mangott zurecht sagt, angesichts der entsprechenden Vorbereitung Russlands und dessen wirtschaftlicher Umorientierung nicht wirklich viel gebracht haben. Au\u00dfer dass wir nun von US-amerikanischem Fl\u00fcssiggas abh\u00e4ngen und die Energiekosten unsere &#8211; sowieso schon von Trumps Z\u00f6llen beeintr\u00e4chtigte &#8211; Wirtschaft weiter belasten. Wie es auch in der Diskussion ansatzweise zur Sprache kam.<\/p>\n<p>Aber Donald Trump kann machen, was er will. Letztlich bleibt er der gute &#8211; wenn auch etwas eigenwillige &#8211; Onkel aus Amerika.  bei dem man Unterst\u00fctzung gegen allerlei Bedrohungen suchen muss. Und bei dem man sich noch bedankt, wenn man statt 30 % nur 15 % Zoll zahlen muss. Denn an was soll man sich denn sonst halten ? Wenn nicht an die eigene \u00dcberlegenheit und die des Westens.  Selbstbewusstsein und Selbstreflexion sehen anders aus.<\/p>\n<p><em>* Gastautor Mag. Wolfgang Koppler ist Jurist und Journalist und lebt in Wien<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>4 Jahre dauert er nun, der Krieg in der Ukraine. Am 24.2.2022 hatte Russland mit seiner Invasion begonnen. Das Thema behandelte aus diesem Anlass die j\u00fcngste Ausgabe der ORF2-Sendung &#8222;Das Gespr\u00e4ch&#8220; mit Susanne Schnabl. 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