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Lob für Libanon-Sendung „Punkt Eins“ in Ö1

Heute gab es ein exzellentes Beispiel dafür, was qualitativer Journalismus leisten kann. Und zwar in der Sendung „Punkt. Eins“ im Programm Ö 1

Hans H ö g l

Der Titel des Beitrages: Im Libanon gibt es keine Normalität“. Gast: Monika Halkort, Sozialwissenschaftlerin an der Libanesisch-Amerikanischen Universität in Beirut. Moderation: Johann Kneihs

Alleine die Wahl der Expertin verdient Anerkennung. Sie lebt seit vielen Jahren in Beirut und schildert den Alltag der Menschen. Es gab schon vor einiger Zeit große Proteste. Ja- selbstverständlich ist es gut, wenn geholfen wird, meint die Expertin. Aber im Libanon muss sich Fundamentales ändern. Und so schnell geht das mit Neuwahlen auch nicht. Die Probleme sind viel grundlegender, als wir vermuten. Und gut gemeinte Handlungstipps von Außen gehen fehl. Hier kann auf inhaltlich Einzelnes nicht Bezug genommen werden. Wir erfuhren eine Situationsschilderung, die in üblichen Nachrichten fehlt. Das lässt sich nicht in fünf Minuten ausdrücken. Die Sendung dauerte fast eine Stunde. Der grundsätzliche Fehler der raschen Deutungen besteht darin, dass ein orientalisch funktionierender Staat mit westlichen Begriffen interpretiert wird.

Vor einigen Wochen erlebte ich eine Überraschung: Es war knapp vor 13 Uhr. Ich war in einem Café in Bad Aussee. Da sagt eine Frau zur Nachbarin: „Ich muss heim. Die Sendung Punkt Eins ist jeden Tag so interessant!“. Diese Bewertung ist oft zutreffend.

Eine Rückblende auf einen früheren Beitrag auf unserem Blog. Ich verglich Journalismus mit dem Nachtwächterdienst anno dazumal. Nachtwächter warnten, wenn es einen Brand gab oder akute Gefahren. In diesem Sinne ist Journalismus heute oft zu spät dran, wenn längst Krisen und Eiterbeulen ausbrechen – so im Libanon, ausgelöst durch eine gigantische Explosion. Und dann kommt es zu einer medialen Sturzflut von Berichten wie über den Libanon. Und so viele Medienleute hätten schon längst um die Probleme des Landes gewusst..