Schulqualität und Medienkonsum

Colin  C r o u c h

Rundfunk, den man früher eher dem gemeinnützigen Bereich oder dem Erziehungssystem zugeordnet hätte, ist heute Teil des kommerziellen Sektors. Das bedeutet, dass Nachrichtensendungen nach dem Vorbild kommerzieller Produkte gestaltet werden. Es geht darum, rasch die Aufmerksamkeit des Publikums zu fesseln, um konkurrierenden Unternehmen die Kundschaft abzujagen. Damit verlagert sich die Priorität in Richtung einer extrem vereinfachenden, sensationsheischenden Berichterstattung, wodurch das Niveau der politischen Diskussion und die Kompetenz der Bürger weiter sinken. Und Politiker müssen sich an den Modus für Nachrichten, die für das Massenpublikum produziert werden, anpassen.

Und Lehrer müssen um die Aufmerksamkeit von Schülern kämpfen, die in ihrer Freizeit viele Stunden vor dem Fernseher  (und Mobilphone) sitzen. Dieses Problem kommt in den aufgeregten Debatten über die Qualität des Bildungssystems „so gut wie nie zur Sprache Hängt dies vielleicht zusammen, dass diese Diskussionen von den Eigentümern der Massenmedien vermittelt und gesteuert werden?“

Dass Medien wie Schulen funktionieren, war das ursprüngliche Leitbild der British Broadcasting Corporation (BBC). Der Auftrag dieses Senders und anderer öffentlich-rechtlicher war es, „zu informieren, zu bilden und zu unterhalten“. Spuren dieses Modells findet man noch in der BBC. Doch heute werden die Programm-Verantwortlichen dieser Sender genötigt, ihre Einschaltquoten mit denen ihrer Rivalen vom Privatfernsehen zu vergleichen, daher müssen auch sei um jeden Preis Quote machen. Das kommerzielle Modell triumphiert über andere Formen politischer Kommunikation. Sie wird zu einem kurzlebigem Konsumgut. Der Konsument hat über den Staatsbürger gesiegt.

Dies ist ein Resumé aus Colin Crouch: Postdemokratie (2013) (H. Högl)

 

 

 

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