Qualität einer kirchennahen Tageszeitung?!

Hans Högl

Die Grazer „Kleine Zeitung“ hat einen kirchlichen Hintergrund. Nicht nur historisch über den katholischen Pressverein aus dem 19. Jahrhundert. Das wird ihr auch en passent angekreidet – so in einem Gespräch mit einem Redakteur des Wiener sozial-liberalen „Standard“. Andererseits bemerkte der Medienexperte – abgesehen davon habe die „Kleine Zeitung“ durchaus „Qualität“ und „vom Kirchlichen merke man nicht viel“.

Nach gängigem Klischee und üblichen Hausverstand sollte ein Blatt dieser Art einen Film wie „Gelobt sei Gott“ verschweigen, der sich mit kirchlichen Missbrauchsfällen in Frankreich intensiv auseinandersetzt und die Täter mit dem wirklichen Namen nennt. Dies trifft aber ganz und gar nicht zu: Auf ganzen zwei Seiten mit einem Foto würdigt heute das Feuilleton der „Kleinen Zeitung“ diesen Film und den Regisseur Francois Ozon (30.11.2019).

Anlässlich der „Amazonas-Synode“ und der künftigen Weihe von bewährten Personen („viri probati“) zu Priestern im Amazonasgebiet, schrieb die „Kleine Zeitung“, zweimal, es falle das Dogma des Zölibats und dies im Titel auf der ersten Seite und im Kommentar auf einer Innenseite. Das erstaunt insofern, als das Zölibats-Gesetz als kirchenrechtliche Festlegung kein unveränderliches Dogma ist, sondern prinzipiell veränderbar. Und dies eben in den Augen der Kirche selbst. Da stellt sich die Frage nach den religiösen Kenntnissen der Redakteure.

Im Übrigen: Die Anzahl der eigentlichen Dogmen- auch in den protestantischen Kirchen gibt es sie ( !) ist viel geringer, als die breite Öffentlichkeit annimmt.

Zum Allgemeinen: Die „Kleine Zeitung“ ist als Tageszeitung sehr angesehen in der Steiermark und in Kärnten. Darüber hinaus ist der Österreich-Teil sehr professionell und versucht eine parteipolitisch faire Berichterstattung. Was ihr auch weithin gelingt. Darin gehört sie zu den besten in Österreich.

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