Wer waren die Brexit-Befürworter?

Hans Högl

Vier von zehn Brexit-Befürwortern wünschen: Großbritannien besäße heute noch ein Weltreich.

Das bereitet vielen Briten Wehmut. Darum ist es unangenehm, eigenen Schuldgefühlen ins Auge zu sehen, und vielen wird erst jetzt die Statue des Sklavenhändlers E. Colston bewusst. Diese wurde Sockel gerissen. (Was die Deutschen übergründlich machten,  solche Selbstkritik fehlt zu einem Gutteil in Großbritannien).

Der Sklavenhandel war ein gigantisches Geschäft. James Walvin, emeritierter Professor für Geschichte an der Universität York, berichtet: Die Briten haben den Sklavenhandel nicht begonnen, aber perfektioniert. Mehr als drei Millionen Sklaven wurden von britischen Händlern transportiert. Initiiert hatten den Skalvenhandel die Spanier und Portugiesen. Auch die Araber Nordafrikas handelten mit Sklaven.

Man fragt sich, was haben die Christen und die säkularen Humanisten diese Jahrhunderte gemacht?

Tatsächlich umfasste das Empire Großbritannien 1922 knapp ein Viertel der globalen Landfläche und rund ein Fünftel der damaligen Weltbevölkerung.

Der linke Kulturwissenschafter Paul Gilroy lehrt an der Londoner University und gilt als Experte für Rassismus. Er interpretiert den Brexit als Versuch, die verlorene Größe des alten Kolonialreiches wiederherzustellen. Tatsächlich strebt die Regierung von Boris Johnson ein weltumspannendes Netz neuer Freihandelsverträge an- namentlich mit Ländern des Commonwealth. (Neue Zürcher, 15.Juni 2020, S. 5).

 

„Jetzt reden Schwarze“- aber dann waren fast nur weiße Gäste im TV

Hans Högl-  vgl. Blatt „20 Minuten“-

In der Sendung «Arena» des Schweizer Fernsehens (SFR)  wurde über das Thema Rassismus diskutiert. Wie das SRF auf seiner Website ankündigte, lautete das Motto der TV-Sendung: «Jetzt reden Schwarze». Ein Blick auf die Gästeliste zeigte aber: Drei der vier geladenen Hauptgäste sind weiss. Eingeladen waren die SVP-Nationalrätin Andrea Geissbühler, SP-Nationalrätin Samira Marti, Comedian Kiko und James Foley, der Sprecher der Republikaner in der Schweiz.

Sklavenhandel und britischer Wohlstand

Ein englischer Sklavenhändler war in der Heimatstadt Wohltäter. Das unmenschliche Geschäft belebte und stützte die britische Wirtschaft. 

Hans Högl: Manchmal gilt die Frage, warum es zu extremen Handlungen kommen muss, bis etwas passiert. In Bristol (GB) wurde die Statue eines Sklavenhändlers vom Sockel gerissen. Der dtv-Atlas Weltgeschichte (Bd.2/2015,S.375) schreibt: Britisches Verbot des Sklavenhandels (1807), der Sklaverei (1833), der Sklavenausfuhr (1841). 
Folgender Text aus NZZ-Online. Eine afrikanische Familie wird auseinander gerissen- noch in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Als Demonstranten die Statue des Sklavenhändlers Edward Colston in das Hafenbecken von Bristol warfen, da fragten sich manche Briten: Warum stand sie dort überhaupt? Warum ehrte eine englische Stadt mehr als ein Jahrhundert lang einen Kaufmann, der schwarze Menschen verkaufte – so lange, bis die Black-Lives-Matter-Bewegung sein Standbild am vergangenen Sonntag vom Sockel riss? Das geschah aus demselben Grund, warum es in Bristol auch eine Colston-Konzerthalle, Colston-Schulen, Colston-Strassen, Colston-Pubs, ein Colston-Bürohochhaus und ein Colston-Fenster in der Kathedrale gibt. Das Vermögen aus dem Sklavenhandel hatte ihn zu einem der grössten Wohltäter und Gönner der Stadt gemacht.

 

Krone-Leserbriefe. Studie

Gekürzte Übernahme aus dem „Standard“ ( H.Högl)

Die „Krone“ liest jeder Dritte in Österreich. Ihre Leserbriefe bieten Unzufriedenen ein Ventil, betreffen oft Migration, Sicherheit, EU-Kritik.  

Leserbriefe greifen anderes als ihre Redakteure auf. Jeden Tag bietet die „Krone“ viel Platz für Leserbriefe, die sehr viel gelesen werden.  

Auch für den Verkauf passt dies gut. Denn extreme Positionen wecken Interesse bei der Leserschaft und tragen  zur Unterhaltung bei. Beim Thema EU nutzte die Zeitung die Leserbriefseite zur Verstärkung ihrer eigenen EU-kritischen Position. Sie gelten oft als Forum für die Wütenden, die Widersacher, die Unzufriedenen, und sind in der Regel negativer als bereits der stark negative Trend der „Krone“. 

 

New York Times- ist dies Toleranz?

«New York Times»: Wer andere anhört, fliegt raus

Weil sein Ressort einen umstrittenen Meinungsbeitrag eines republikanischen Senators veröffentlicht hat, hat der Chef der Meinungsseiten seinen Posten verloren.

NZZ online 
James Bennet, ehemaliger Chef der Meinungsseiten bei der «New York Times».

James Bennet, ehemaliger Chef der Meinungsseiten bei der «New York Times».

Wir, die Medienkultur, regten den ORF zu Nachrichten in einfacher Sprache an

Hans Högl

Ich legte kürzlich dem Redaktionschef von ORF.at  mehrere schriftliche Belege vor, dass wir, die „Vereinigung für Medienkultur“,  dem ORF schon vor Jahren den Impuls gaben für Nachrichten in einfacher Sprache. Wir erfuhren in persönlichem Kontakt, dass das schwedische Fernsehen schon länger Nachrichten in einfacher Sprache angeboten hat.  Und wir teilten dem ORF in Mails und auch in persönlichen. Vorsprachen mit, dass der ORF selbst könne mit Nachrichten in einfacher Sprache etwas für die Integration direkt beitragen.

Es wäre nur fair vom ORF, auf uns, die Impulsgeber, aufmerksam zu machen. Auch „Standard Etat“ berichtete ausführlich darüber lobend über den ORF, aber mit keinem Wort dass unsere Vereinigung diese Anregung gegeben hatte. Wir hatten auch in Kooperation mit Personen des Instituts für Translationswissenschaft  mit der Redaktion des Wienjournals  Kontakt und ein längeres Gespräch mit der ORF-Verantwortlichen von der Sendung „Heimat fremde Heimat“. Wir erhielten von der Wien-Redaktion eine skeptische Beurteilung des Anliegens. Nun schreibt man sich alles auf eigene Fahnen.

Nachrichten in Einfacher Sprache sollen Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen Schwierigkeiten beim Lesen haben, das Verstehen von Nachrichten erleichtern. Die Sätze sind kürzer. Schwierige Wörter werden durch einfache Wörter ersetzt oder erklärt.

 

Skurriler Streit um Donau-Uferbahn

Von Hans H ö g l

Vor der Coronakrise war der Klimawandel das dominierende Thema: Wie aber reales und
klimakonformes Tun sich in den Haaren liegen, zeigt der Konflikt um die Donau-Uferbahn, mit Vehemenz präsentiert von der Politikerin Christa Kranzl, der Ex-Staatssekretärin. Die Bahn könnte Krems mit Linz verbinden, durch die Wachau über Perg. In der Monarchie wurde ihre Trasse hoch über der Donau gebaut, sicher bei Hochwasser.

Ein Schildbürger-Akt gegen die Bahn

Von Oberösterreich her wurden Gleise, Weichen, Bahnhöfe erneuert. Auf der Seite
Niederösterreichs wurden laut Bescheid ab Mai 2018 Schienen und Brücken abgerissen. Und so fehlen ganze 19 km Bahnstrecke, die es bisher gab. Abbruchkosten: 1,6 Millionen €.
Die Strecke hat viele Tunnel, es gibt Felsstürze, Investitionen sind
hoch, die Strecke war defizitär. Die Bahn hätte Vorteile -– für den Güter-
und Personenverkehr (auch für Schüler und Studierende auf dem Weg
nach Krems). Dafür setzt sich eine Initiative ein. Eine Diplomarbeit
eines Studierenden lieferte eine gute Grundlage. Heute wird die
Wachaustrecke (Krems bis Melk/Emmersdorf) saisonal als
Touristikbetrieb weitergeführt.

Diesen Text griff die Zeitschrift SOL auf – im Sinne der Veranstaltung im Presseclub  Concordia in Wien  im März d. J.

 

Nun: Gute Nachrichten im „Stern“

Hans Högl

Seit mehr als 10 Jahren setzte die „Vereinigung der Medienkultur“ – abgesehen von anderen Bemühungen – auch den Akzent auf Gute Nachrichten. Immerhin- wir haben es getan. Nun beobachte ich, dass auch das Magazin „Stern“ eine ganze Seite bringt mit neuen begrüßenswerten Fakten, so,  dass die Elektromobilität zugenommen hat.  „Der Spiegel“ tat dies schon früher. Sicherlich: Wir waren nicht der Grund dafür!

Während die „Süddeutsche Zeitung“- recht üblich für sie – sehr skeptisch war zur Beteiligung der Grünen an Österreichs Regierung, zeigt sich, dass diese sehr wohl positive Akzente setzen. So werden die Flüge von Salzburg nach Wien eingestellt,  und Österreichs grüner Gesundheitsminister Anschober macht seine Sache gut.

 

 

Automobil-Club wirbt für Bahnreisen

Hans Högl

Ausgerechnet in der Zeitung des ÖAMTC (ähnlich wie der ADAC) fand ich einen Hinweis für Interrail-Bahnreisen, ein Pauschalticket für europaweite unbeschränkte Bahnreisen -für Jugendliche und auch für Senioren. Für 22 Tage um 518 € (2.Klasse), und 690 € für 1. Klasse. Der ÖAMTC ist ein Österr. Auto Touring Club.

Arme Kinder in Deutschland

Hans Högl. Resumé

Jeremias Thiel beschrieb sein Leben in dem Buch: „Kein Pausenbrot, keine Kindheit, keine Chance. Wie sich Armut in Deutschland anfühlt und was sich ändern muss“. Piper Verlag 2020.

Kein Geburtstagsgeschenk, nur ein paar Schuhe, niemals im Verein. Jeremias Thiel wuchs bei überforderten Eltern in Armut auf. Nicht im Süden des Globus, nein in Kaiserlautern, Deutschland. Ich habe einen ähnlichen Bericht wie diesen über Deutschland noch nie gelesen. Publiziert in „Publik Forum“ Nr 10/ 2020, p. 20f. (Die Zeitschrift versteht sich als kritisch-christlich-unabhängig).

Jeremias: „Ich habe gespürt, dass ich nicht dazu gehöre und immer am Rand stehe. Zu den Geburtstagsfeiern der anderen Kinder wurde ich nie eingeladen. Mit elf Jahren verließ er seine Familie und bekam über das Jugendamt einen Platz im SOS-Kinderdorf in der Heimatstadt Kaiserlautern. (Die SOS-Kinderdörfer wurden von einem Österreicher gegründet). In der Tagesgruppe fand Jeremias verlässliche Strukturen. „Es ist wichtig, dass man Struktur, Selbstorganisation und Selbstdisziplin noch rechtzeitig lernen kann. 2019 machte er Abitur und studiert heute Politikwissenschaft in den USA.

Mindestens 2,7 Mio Kinder wachsen in Deutschland in Armut auf. 23 Prozent der Kinder in meiner Heimatstadt Kaiserlautern kommen aus Familien, die von Hartz IV leben.