Wirbelsturm und kein Massensterben. Indien: Katastrophenvorsorge

Hans Högl

Es gilt in der „Medienkultur“ auch davon zu berichten, was n i c h t geschehen ist, welche Katastrophe durch Klugheit verhindert wurde und wovon wir bestenfalls in Minimedien wie Zeitschriften erfahren. Ein Hauptfokus der „Medienkultur“ ist u.a. internationale Berichterstattung.

Es geht hier um den äußerst gefährlichen Wirbelsturm „Fani“ im Golf von Bengalen (Bangladesch und Indien). Bereits vor dem Auftreffen des Wirbelsturms u. a. in Kalkutta wurden von der Caritas an die Bevölkerung Nothilfepakete, sauberes Trinkwasser und Material für die Reparatur von möglichen Schäden an Häusern verteilt. Dies war eine Katastrophenvorsorge der Caritas international. Laut „Publik Forum“ wurde 1 Million Menschen in Sicherheit gebracht. Dies war die Frucht von Aufklärungsarbeit in Städten und Dörfern. Vor 20 Jahren hatte der letzte Zyklon in dieser Region 10.000 Menschen getötet. Vgl. www.caritas-international.de

In Hamburg wurden 500 in der Elbe getauft

Hans Högl

Gewisse Extra-Ereignisse erfuhr ich durch Bekannte und kennzeichne sie als Medienschmankerl.
In der Regel dringt Solches kaum von der Elbe bis an die Donau.

500 Menschen wurden beim großen Elbtauffest der Evangelischen Kirche in Hamburg gesegnet. „Die Taufe schließt nicht aus, sondern öffnet das Tor zur Welt“, sagte Bischöfin Kirsten Fehrs bei dem Open-Air-Gottesdienst. Insgesamt beteiligten sich 65 Gemeinden und 93 Pastoren, die im Anschluss an die Predigten an verschiedenen Taufstationen in der Elbe und am Strand die Zeremonien vollzogen. Laut Veranstalter handelte es sich dabei um das größte Tauffest Deutschlands. Rund 5000 Gäste waren dabei.(dpa)

Arte-Medientipps

Hans Högl. Medientipps

UNDERCOVER bei der Neuen Rechten. Mein Jahr in der Alt-Right. Ein verdeckter Ermittler entlarvt die innere Struktur der neofaschistischen Bewegung. Doku ARTE Die 11. Juni 22.05 bis 23.== Ein schwedischer Student recherchierte ein Jahr lang in den USA.

Geheimes Leben der Pflanzen. Nahrung und Liebesdienste. ARTE 12. Juni ab 10:20 Wir lasen über das geheime Leben der Bäume und erfuhren Unglaubliches.

Digital Afrika. Ein Kontinent erfindet sich neu. Gesellschaftsdoku. ARTE 14. Juni 10:40-11:30 Afrika ist für Europa sehr wichtig und umgekehrt, meinte kürzlich der Ex-EU-Kommissar Dr. Fischler in einem Vortrag.

Indien: Auf dem Weg zur Weltmacht? Mit offenen Karten. ARTE 15.6. 18:10. Diese 12 Minuten-Sendung ist zumeist exzellent.

Was hält nicht unsere Erde aus!

Hans Högl. Filmtipp

Der Dokumentarfilm „Erde“ hat es in sich: Wir sehen gigantische Maschinen, die Berge versetzen, Tunnel graben, Förderbänder, die riesige Massen an Erdreich und Schutt auftürmen.
Wir erleben ein spanisches Kupferbergwerk, wo auch über den Sinn dieser maßlosen industriellen Grabungen nachgedacht und dies alles entschuldigt wird und dass eben der Mensch in vielfältiger Weise Gewalt ausübt, wir sehen, wie der Brennertunnel entsteht, nach Ölschiefer in Kanada gesucht wird und riesige Flächen kaputt gemacht werden.Die Message des Filmes ist nicht, dass die Erde uns alle überlebt. Die bestürzenden Bilder machen uns ratlos- was ist zu tun? Wir können wohl auch nicht zurück in ein Zeitalter, wo mit der Schaufel nach Erz gegraben wurde. Der Film lenkt uns auf weithin unbekannte Aspekte unserer Industriegesellschaft und fordert uns intensiv heraus. Begrüßenswert ist, dass 3-sat und der ORF die Produktion dieses österreichischen Filmes von Nikolaus Geyrhalter gefördert haben.

Zwei TV-Morde in 25 Sekunden

Hans Högl

Ich drehe heute Pfingstsonntag, ORF 2, den zweiten TV-Sender Österreichs auf – um 22:04. Innerhalb von 25 Sekunden sehe ich zwei Morde an Menschen, durchgeführt mit dem Revolver.
Nun ich führe hier zufällig den ORF an, ich meine aber diverseste Sender, in denen ebenfalls eine Fülle von Morden gezeigt werden. Dies ist zwar völlig gewöhnlich, nicht überraschend, dennoch hat es etwas Verrücktes, dass derart viele Morde im Fernsehen gezeigt werden. Ich folgere deswegen nicht, dass darum gleich alle möglichen Zuseher andere erschießen werden. Dennoch: Es darf dieser Wahnsinn hinterfragt werden.

VOEST-Chef: Klare Worte beim Abschied

Hans Högl

Wien (OTS) – „Starker Abgang“ lautet der Titel des Interviews, das Esther Mitterstieler mit Voestalpine-Chef Wolfgang Eder geführt hat – zu hören in „Saldo – das Wirtschaftsmagazin“ am Freitag, den 7. Juni um 9.42 Uhr in Ö1 (ORF-Radio). Folgendes Resumé des Interviews brachte die Austrian Presse Agency (apa) und sparte dabei Heikles aus, das wir ergänzen. In den vergangenen 15 Jahren war Eder Vorstandschef. Anfang Juli gibt er diesen Posten ab. Er fragt sich, ob die Stahlindustrie in Europa und Österreich noch eine Zukunft hat, wenn die Politik nicht aufwacht.

Dr. Eder sagte ferner: Ende 1985 war die alte Voest Alpine (ein für Österreich sehr großer Staatsbetrieb) „quasi bankrott„. (Jahrzehntelang musste die Voest von Staatsfinanzen durchgefüttert werden. Verantwortlich waren die Großparteien ÖVP und SPÖ, wobei die SPÖ den Vorrang in Staatsbetrieben hatte. Lange Zeit hatten parteipolitische Aktionen den Vorrang gegenüber dem Wirtschaftlichen. Das ist bekannt und bekunden Voest-Arbeiter klar im Gespräch. Die Zeitschrift „Datum“ erwähnt, dass Frauen von Voest-Arbeitern beim Einkaufen beschimpft wurden). Wolfgang Eder: Es gab 85.000 Mitarbeiter. Er war Koordinator der Strukturreform. Und Ende 1995 hatte die VOEST um 70.000 Mitarbeiter weniger. Exakt 15.070. Ich traute zuerst meinen Ohren nicht und hörte dies noch einmal. Ja – es war zutreffend: Es wurden 70.000 Mitarbeiter abgebaut, entlassen oder freigesetzt. Eder verwendete alle drei Worte. Das war für ihn persönlich d a s einschneidenste Ereignis. Und sein Team war glücklich, und es war der größte Erfolg, dass am 31. August 2005 die letzte staatliche Aktie abgegeben wurde. Sehr wichtig findet Eder, den Mitarbeitern gegenüber sehr ehrlich mitzuteilen, wie es um den Betrieb steht.

Folgendes klammerte die apa-Version aus: Zur politischen Lage sagte Eder: Das Image Österreichs habe in den letzten Jahren sehr gelitten, und viele Kollegen aus dem Ausland begegneten ihm mit „breitem Kopfschütteln“. „Die Regierung Kurz hat viel an Good will verspielt“. Dies betrifft nicht die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, sondern das Image Österreichs. Und dies wirkt sich indirekt auf die Wirtschaft aus. „In den letzten 15-20 Jahren ist in Österreich zu viel Außergewöhnliches passiert“. Und das sieht Eder sehr kritisch.

Ferners stört ihn das Plakative in der politischen Kommunikation. Sein Tipp: „Zuerst denken, dann handeln“. Statt der öffentlichen Meinung nachzuhecheln, sollten sich die Politiker lieber Zeit nehmen, in Ruhe über Zukunftsthemen nachzudenken. Und dies ohne Handy. Eine Auszeit von ein paar Tagen sei in Unternehmen üblich, um eine neue Strategie zu finden, so Eder. In Zeiten der großen Koalition sei oft das Land nur verwaltet worden. In den Phasen der „Alternativregierungen“ sei zumindest am Anfang etwas weiter gegangen. (Eder nannte keine Namen).

Als die wichtigsten Themen für die kommende Zeit sieht Eder, dass die geplante Steuerreform (in die Wege geleitet durch Bundeskanzler Kurz) zu Ende geführt wird, die in die richtige Richtung geht, dann die Entbürokratisierung und schließlich die Frage der Pensionen, um die sich jede Partei drückt. Auch das sparte die Kurzfassung der apa-Nachricht aus.

 

„Tiefer Staat“ und globale Kriegspolitik

„Der tiefe Staat schlägt zu“- Wie der Westen unter Mithilfe von Medien Krisen erzeugt und Kriege vorbereitet. Thema eines manche verstörenden, aber dennoch lesenswerten Buches.

Udo Bachmair

Nach den Verwerfungen geballter Innenpolitik der letzten Wochen ist die Befassung mit globaler Politik intellektuell nahezu wohltuend. Der brillante Sammelband aus dem Promedia-Verlag über den „Tiefen Staat“ bietet spannende Lektüre mit zahllosen Fakten und Hintergründen zu der von den USA dominierten Weltpolitik.

Die Kernthese des von Ulrich Mies herausgegebenen Werks : Das Diktum von der „westlichen Wertegemeinschaft“ sei ein Synonym für eine „aggressive Weltherrschaft unter Führung der USA“ geworden. Wer sich dieser nicht unterordne, werde mit Drohungen und Krieg überzogen. Die Friedenshoffnung nach dem Zerfall der Sowjetunion sei „im Kampfgeschrei der NATO zerstoben“.

Die Autoren sehen einen engen Zusammenhang zwischen dem „Tiefen Staat“ und neokonservativen Akteuren. Unter „Tiefem Staat“ verstehen sie unter dem Radar der Öffentlichkeit wirkende Kräfte, die sich aus dem Finanzkapital, Rüstungskonzernen, Teilen von Außen-, Verteidungs- und Finanzministerien, US-hörigen neokonservativen Think Tanks, entsprechend beeinflussten Mainstreammedien, gekauften Wissenschaftern, NATO-Gremien, etc. zusammensetzen.

NeoCons und ihre ideologischen Helfer würden Begriffe wie liberale Demokratie, Freiheit, Reformen, Menschenrechte und Rechtsstaat zur Tarnung ihrer wahren Absichten und Handlungen missbrauchen. Diese seien Sanktionen, Wirtschaftskriege, Regime-Umstürze und Kriege. So sollen die von den USA und ihren westlichen Verbündeten angezettelten Kriege seit Beginn dieses Jahrhunderts 5 bis 7 Millionen Menschen das Leben gekostet haben. „Tiefer Staat“ und globale Kriegspolitik weiterlesen

Bevölkerung in Frankreich: Jeder Dritte kommt von auswärts

Hans Högl

Ein Grundanliegen der Medienkultur ist es, sachliche Informationen zu finden. In Vorbereitung auf eine Burgundreise stieß ich auf das wertvolle Buch Günter Liehr: Frankreich. Ein Länderporträt, Berlin 2013. Darin werden im Sinne des Verständnisses für andere Länder und Menschen viele Positiva und Besonderheiten von Frankreich dargestellt, aber auch Aspekte, die aus mitteleuropäischer Sicht nachdenklich stimmen. Dem Buch entnehme ich auf S. 90 folgenden Text.

Klare Zahlen existieren in Frankreich zu keiner Einwanderungsgruppe; denn es dürfen keine statistischen Angaben über Abstammung und Religion gesammelt werden. Minderheiten existieren (formal) in Frankreich nicht. Es gibt nur Staatsbürger, Citoyens. Dem offiziellen Dogma zufolge soll die ethnische Zugehörigkeit keine Bedeutung haben. Die Republik gibt sich farbenblind.

Die Fiktion der Herkunftslosigkeit blendet aber Realitäten aus, die für eine große Zahl von Citoyens von großem Belang sind. So behindert sie die Auseinandersetzung mit Phänomenen wie der rassischen Benachteiligung bei der Arbeitssuche.

Die republikanische Schule steckt in einer Krise. Für die Kinder der Zuletzgekommenen hat die Gesellschaft nur wenige Perspektiven zu bieten. Zu einem großen Teil sind sie in ghettoähnliche Vorstadtsiedlungen abgeschoben, haben meist zwar die französische Staatsangehörigkeit, aber nicht viel mehr. Und gerade Kinder algerischer Immigranten machen permanent die Erfahrung, auf Misstrauen und Vorurteile zu stoßen, die aus kolonialen Zeiten stammen.

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Eine Notiz zu Österreich und Wien: Nun Österreichs Politik ist zuletzt sehr kritisch im In- und Ausland beurteilt worden. Wenig bekannt ist, dass die Stadt Wien seit Jahrzehnten darauf achtet, dass die Großstadt Wien bevölkerungsmäßig durchmischt ist. D.h. die großen Sozialbauten befinden sich in a l l e n Stadtbezirken, auch in sogenannten Nobelgegenden. Ebenso wenig ist bekannt, dass es in Österreich schon seit der Monarchie einen offiziellen islamischen Religionsunterricht in Schulen gibt, der staatlicherseits bezahlt wird.

 

Christenfeindlichkeit in Frankreich

Hans Högl

In Frankreich werden jeden Tag zwei Kirchen geschändet. Doch kaum jemand spricht über die Angriffe auf Gotteshäuser im Land. Dieses Verschweigen finde ich für die Medienkultur relevant. Ich weise auf etwas hin, das kaum an die Öffentlichkeit dringt.

Es gibt Einschusslöcher in Kirchenfenstern, Brandspuren auf dem Altar, liturgische Gegenstände werden geraubt und Jesusfiguren geköpft. In Nimes ist ein Tabernakel aufgebrochen worden. 2018 sind in Frankreich 1.063 anti-christliche Attacken registriert worden. (2017: 878). Im Vergleich dazu sind rund 100 Synagogen und Moscheen geschändet worden. Der Bischofsvikar von Straßburg, Didier Muntzinger, sagte: „Wir spüren im Elsass eine starke Welle von Antisemitismus, Rassismus und Christianophobie“ .

Diese Information stammt von Ja-die neue Kirchenzeitung (5. Mai 2019) von Dr. Udo Fischer (Paudorf NÖ). P. Fischer wurde bekannt durch sein Auftreten gegen den verstorbenen, sehr traditionalistischen St. Pöltner Bischof Kurt Krenn. Vgl. www.pfarre-paudorf.com

 

Lust am Rätselraten – Wer wird Minister?

Hans Högl

Heute, am Montag, den 3.Juni 2019, wurde die neue österreichische Regierung angelobt. Bemerkenswert ist, was das Wiener Blatt „Kurier“ am Donnerstag zuvor, am 30. Mai schrieb: „Der KURIER sondierte in den Ministerien nach den in Frage kommenden Persönlichkeiten“(für die Ministerposten).

Die Schlagzeile des Beitrages lautete in großen Lettern:

Neue Regierung kommt in Kürze und besteht aus lauter Beamten.“

Der KURIER brachte 12 Persönlichkeiten mit Fotos, und dies nahm den größten Teil der Seite 2 ein. Von den 12 genannten wurden n u r 2 tatsächlich Minister: Der Finanzminister und die Wirtschaftsministerin. Bei allen anderen 10 Persönlichkeiten lag der KURIER falsch. Gänzlich falsch lag er darin, dass in dieser Regierung die Hälfte aller Minister diesmal Frauen sind. Und dass eine Frau Bundeskanzlerin wurde, wusste er auch nicht in diesem „Sud lesen“ nach Ministerposten.

Ich führe nun alle Personen an, die n i c h t Minister wurden, aber die uns vom KURIER als scheinbar künftige Minister verraten wurden. Der KURIER irrte sich in folgenden Personen: Andreas Riecken, Johannes Peterlik, Barbara Weitgruber, Georg Kathrein, Elisabeth Kornfeind, Gerhart Holzinger, Herbert Kasser, Robert Brieger, Manfred Pallinger, Reinhard Mang.

Hier stellt sich die Frage, was eine solche Quasi-Information soll und warum wir als Publikum – hier am Beispiel KURIER- mit Scheininformationen gefüttert werden.