Agenda-Setting

Hans Högl

Agenda-Setting heißt die Tagesordnung festlegen. In der Publizistik sind das Themen, die Journalisten festlegen und worüber wir diskutieren.

Nicht selten kommt das zu kurz, was die Bevölkerung denkt. Das belegen überraschende Wahlergebnisse. Darum werden Leserbriefe gern gelesen. Allerdings greifen Zeitungen oft nur solche Leserbriefe auf, die auf ihre Beiträge reagieren.  Anderes wird oft ausgeschieden.

Das Web 02 bietet Chancen, selber als Publikum aktiv zu werden – in Blogs und Postings. Mit Vor-und Nachteilen.

Katastrophen-Tsunami. Sind wir noch zu retten?

Hans Högl. Eine Zeitdiagnose

„Klima-Notstand! Sind wir noch zu retten?“ Darüber diskutierte der sehr verdienstvolle Ö-1-Redakteur Johannes Kaup mit der Klimaexpertin Helga Kromp-Kolb und einer Sprecherin von „Fridays for Future“. Das war „Im Zeitraum“ am 12. Februar im Wiener Radiokulturhaus. Ja, was war das für eine Zeit! In diesen Greta-Wochen versank die Welt in dem Klima-Medien-Tsunami. Jetzt prasselt auf uns wochen-, monatelang die Corona-Katastrophe in all ihren Facetten. Was ist die nächste Katastrophe? Die Budgetkrise kann sich dafür eignen.

Mein Sukkus: Vielleicht gibt es trotz des Katastrophismus andere Themen? Wie wär`s, Herr Chefredakteur, indem sie diverse Themen für ihre Mitarbeitern anregen? Auch wir als Publikum können dies ändern: Indem wir nicht jedes Detail, jede Sendung dazu rezipieren. Die Publikumsforschung kennt dies am nächsten Tag, und Medien ändern ihre Strategie. Wir sind Medien!

Ich erinnere an das Geschrei eines Militärs vor Weinachten 2019. Er warnte vor dem Untergang des Bundesheeres, wenn nicht schleunigst Milliarden dem Heer zugeschanzt werden. Wir taumeln von einem Extrem in das nächste. Ja, es gibt große Klima-und Corona-Probleme; doch systemisches Denken ist gefragt.

 

Coronafälle schon im Oktober 2019 in Wuhan bei Militärwettspielen?

Hans Högl:

Im Qualitätsblatt des Wiener „Standard“ fand sich in der Rubrik Etat am 9. Mai 2020, 07:00  online eine äußerst bemerkenswerte Nachricht. Da diese Information sonst- wie es scheint- kaum beachtet wurde, bringen wir diese auf dem Blog der Medienkultur. Der Verfasser: Sigi Lützow. Der Titel:  Coronapandemie: Ein militärischer Anfangsverdacht.

Jannis Bonek neigt nicht zum Dramatisieren. Der 20-jährige Wiener würde niemals behaupten, einer der ersten Österreicher gewesen zu sein, die mit dem Coronavirus in Berührung gekommen sind. Es spricht einiges dafür, dass Jannis Bonek schon Ende Oktober des Vorjahres an Covid-19 erkrankt war, „es spricht aber auch einiges dagegen“, sagt der Orientierungsläufer.

Jannis Bonek in Wuhan bei seinem wegen Corona idealen Sport: „Im Orientierungslauf ist ja jeder Kontakt mit anderen verboten.“Foto: Mike Gottlieber

 

Sportlerkollegen, die wie Bonek vor einem halben Jahr an den Militärweltspielen in Wuhan teilgenommen haben, sind da weniger zurückhaltend. „Als wir in Wuhan eingetroffen sind, sind wir alle erkrankt. Auch viele Athleten anderer Delegationen“, sagte der italienische Fechter Matteo Tagliariol dem Corriere della Sera. Der 37-jährige Degenolympiasieger von 2008 fieberte nach seiner Heimkehr aus China hoch, konnte kaum atmen. Schließlich habe sich sein zweijähriger Sohn infiziert, dann seine Freundin. Als die Pandemie im Entstehen war, lag für Tagliariol der Schluss nahe: „Das war Covid-19.“

Schweiz-Corona-Grundrechte

Hans Högl. Text aus NZZ.online 9.Mai 2020

Nicht nur das Parlament, auch die Schweizer Bevölkerung begegnet dem grössten Grundrechtseingriff seit dem Zweiten Weltkrieg mit bemerkenswerter Indifferenz: Bewegungs-, Versammlungs- und Wirtschaftsfreiheit wurden bereitwillig preisgegeben. Hätte der Bundesrat Mitte März eine Ausgangssperre verordnet, wäre dieser Entscheid wahrscheinlich kaum hinterfragt worden.- Erstaunlich? Nicht wirklich. Bereits Gustave Le Bon beschrieb in seinem 1895 erschienenen Buch «Psychologie der Massen», wie sich die Menschen unter dem Eindruck einer Bedrohung auf ein gemeinsames Ziel einigen und zusammenrücken. Da wird nicht mehr aufgemuckst. In einer Güterabwägung zwischen Freiheit und Gesundheit haben wir uns für die Gesundheit entschieden. Wir mussten zusehen, wie das Gesundheitssystem in Norditalien zusammenbrach und die Armee die Toten in Lastwagen abtransportierte. Wir haben gesehen, wie schnell sich das Virus auch in der Schweiz ausbreitete. Mit einer solchen Gefahr vor Augen war der vorübergehende Verzicht auf Bürgerrechte nachvollziehbar. Freiheit bedeutet auch, dass man sie freiwillig einschränken kann. Zumindest eine Zeitlang.

Kein Zutritt für Hunde und Alte: Bedenklich ist dagegen, wie lange wir uns weigerten, nur schon laut über die Verhältnismässigkeit der Massnahmen nachzudenken. Doch die Grundrechtseingriffe…gehen weit über polizeiliche Kontrollen der Zufahrt zum Alpstein hinaus: Als der Kanton Uri allen über 65-Jährigen Hausarrest erteilte, pfiff ihn der Bundesrat zwar zurück. Doch den Tessiner Staatsrat liess er wochenlang gewähren. Senioren, die es trotz Einkaufsverbot wagten, einen Negozio aufzusuchen, oder keine andere Wahl hatten, weil die Nachbarschaftshilfe versagte, mussten damit rechnen, weggeschickt zu werden. An nicht wenigen Ladentüren klebte neben dem Schild «Vietato l’ingresso ai cani» (Eintritt für Hunde verboten) ein Zettel mit der Aufschrift Eintrittverbot für Menschen über 65.  

Corona – Zahlen ohne und mit Hirn

Hans Högl

In der Tageszeitung „Die Presse“ mache ich eine großartige(!), erwartete Entdeckung. Schon lange habe ich darauf gehofft.Aber vielleicht habe ich Manches übersehen. Wer kann denn die mediale Flut überblicken!? Jedenfalls brachte es die Wiener „Presse“ richtig auf den Punkt und schrieb recht vernünftig Folgendes:

In Spanien kommen auf 1 Mio Einwohner 510 Tote durch Covid-19 Erkrankungen.
In Italien auf 1 Mio Einwohner 446 Tote…..
In Frankreich auf 1 Mio Einwohner 357 Tote…..
In Deutschland auf 1 Mio Einwohner 73 Tote…..

Mit anderen Worten: Hier werden endlich die Corona-Toten in Relation zu der Gesamtbevölkerung gesetzt. Ob man Mr. Trump liebt oder nicht, tut nichts zur Sache:
Es leuchtet doch jedem Schulkind ein, dass ich die bloße Zahl der Corona-Toten von riesigen Staaten wie von den USA oder Russland nicht mir denen eines Klein- oder Mittelstaates vergleichen kann, z.B. die der USA mit Monaco oder Spanien, das die Einwohnerzahl des einen oder anderen US-Bundesstaates hat.

Die Anzahl der in den USA an Covid-19 Erkrankten muss in Bezug gesetzt werden zur Zahl der Bewohner der gesamten USA. Der Vergleich von absoluten Zahlen ist irreführend. Aber damit wird nicht selten sinnlos herumgeworfen. Die „Presse“ verglich Daten vom gleichen Tag (den 28.4.) und publizierte sie am Folgetag. Abgesehen davon, gilt weiter zu prüfen, ob die Gestorbenen nur an Covid-19 gestorben sind und nicht auch zusammen mit anderen Krankheiten. Aber das ist noch einmal ein anderer Standpunkt.

Mehr Geld vom Staat- tönt es von Profi-Fußballern!

Hans Högl

Von Überall tönt es in der Corona-Krise: Wir wollen Geld vom Staat! Das fordern auch Salzburger Hoteliers, ausgedrückt in den „Salzburger Nachrichten“. Aus seriöser Hintergrundinformation weiß ich, dass die „Salzburger Nachrichten“ auch im Tourismusgeschäft verankert sind.

Im Heimatbuch des niederösterreichischen Dorfes Asperhofen schrieb ein Autor über die Zeit nach 1950: Es war keineswegs immer nur die „gute, alte Zeit“. Es war eine Zeit, wo sich die Menschen nicht auf den Staat verlassen konnten, keine Psychologen zur Verfügung standen, sondern jeder für seine Familie selbst verantwortlich war (Ing. Göbl, Geschichte von Asperhofen 2007.). Ja, es soll Hilfe geben, Hilfe zur Selbsthilfe.

In diversen Unternehmungen bekommen Spitzenmanager seit den 1990-iger Jahren in zunehmendem Maße unglaublich hohe Gehälter! Wäre es jetzt nicht wünschenswert, dass in der gesamten westlichen Welt (nicht allein einzeln in Ländern!) dieses Missverhältnis der Gehälter und Tantiemen von Managern zurechtgestutzt würde! So etwas Ähnliches fordert heute überraschenderweise die altliberale „Neue Zürcher“ von den Sportprofis auf nzz-online.
Auch der Staat kann überfordert sein! Die Zeche zahlen dann alle.

Zur NZZ: 200 bis 250 Millionen Franken braucht der Schweizer Fussball angeblich, um die Corona-Krise zu überleben. Angesichts von drohenden Geisterspielen rufen Funktionäre nach Bürgschaften vom Bund und nach Kurzarbeitergeld. «Wenn auf Bundesebene nichts passiert, wird der Profifussball bald anders aussehen», sagt der Präsident der Swiss Football League (SFL), Heinrich Schifferle. Das wäre angesichts der von der Realität abgehobenen Spielergehälter vielleicht gar nicht schlecht, so die NZZ.

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SPD will ein Aus der US-Atomwaffen

Hans Högl -Medienschmankerl

SPD-Spitze will US-Atomwaffen aus Deutschland verbannen

Partei- und Fraktionsführung sprechen sich gegen die nukleare Teilhabe der Bundesrepublik aus. Die Sozialdemokraten positionieren sich so für die Zeit nach Merkel und wollen offenbar ein grosses Kampfjet-Geschäft mit den USA verhindern, auf der Atomwaffen transportiert werden können. Quelle NZZ

Filmwunder aus Österreich!? ARTE-Medientipp

Hans Högl

Im ARTE-Monatsmagazin lautet ein Beitrag „Kleines Land, großes Kino“, gemeint sind große österreichische Filmregisseure – so Otto Preminger, Michael Haneke, Christoph Waltz und eine Reihe anderer. Am 20. Mai wird ab 20:15 der Film „Happy End“ von Michael Haneke gezeigt. Der preisgekrönte Film zeigt das Schicksal einer großbürgerlichen französischen Familie.

Am gleichen Abend ist ab 21:55 die Filmdoku „Cinema Austria“– die ersten 112 Jahre (!) und am 25. Mai bringt ARTE ab 20:15 Hanekes Film: „Das weiße Band.Eine deutsche Kindergeschichte“. Eine sehr knappe Inhaltsangabe: In einem norddeutschen protestantischen Dorf werden Kinder mit äußerster Strenge erzogen. Ein ausgezeichneter Film, das schreibe ich als einer, der den Film gesehen hat.
Wichtig erscheinen mir auch österreichische Dokumentarfilme.

Der Autor im Magazin-Text sucht, die kulturellen Hintergründe zu deuten, die zum bedeutendem Filmschaffen von Österreichern führen. In Manchem bleibt er bei Klischees. Doch sein Schlusswort überzeugt: Österreich ist ein modernes Land ist, das mit seinen übermächtigen Traditionen sehr kreativ umgeht.

Ich ergänze eine Erfahrung eines Soziologen, der in Norddeutschland tätig war. Es sei hier eher erlaubt als in Österreich, seriös Experimente zu machen. In Differenz dazu ist der Spielraum im Land an der Donau größer für Späße. Abgesehen von Bayern, ist Österreich wohl im Relation zu Deutschland kulturell konservativer. Aber es dürfte mehr Sinn und Toleranz für besondere Verhaltensweisen eröffnen, auch mehr Mut für Unkonventionelles, dafür zu stehen, was nicht gerade modisch ist, weil es weiter vernünftig erscheint. So wurde die Straßenbahn in Wien nie abgeschafft wie in Hamburg, auch nicht die Schlafwagenzüge und ein Österreicher hat die berühmte Leica wieder auf Schuss gebracht.Wesentlich ist wohl, dass Kultur und vor allem das Schauspiel in Österreich eine sehr große Wertschätzung genießt.

Wie geht es in Ischgl weiter ? Ein Ort nach der Coronakrise

Hans Högl

Den folgenden Text bringen wir auch darum, weil Vieles längst bekannt war, in Qualitätsmedien publiziert wurde, da nicht ernst genommen wurde und schon gar nicht ein Buch. Doch irgendwann ist Schluss mit dem Steigerungsspiel (Gerhard Schulze 2003). Der Ort Ischgl bemühe sich nun um ein neues Tourismuskonzept. Doch welche Motive waren in Ischgl viele Jahre maßgebend, um die von dort bewirkten Corona-Virusschäden zu verstehen? Wir zitieren eine Botschaft, die im Jahr 1999 Günter Aloys, der Ischgler Tourismusguru, bei einer Konferenz verkündete:

„Wir brauchen Tourismusmanager, die Gesetzesbrecher sind und ständig Tabus brechen. Sie müssen blutjung, rotzfrech und unbelastet sein. Altbewährtes zählt nicht mehr“.

Auch Ökologisches wurde in Ischgl negiert: Bereits 1965 wurde der englische Begriff Ökotourismus („ecotourism“) geprägt. Dies meint Umwelt- und Sozialverträglichkeit. Ökologische Themen waren in Ischgl bekannt. Dies geht aus einem Bericht der angesehen Wochenzeitung „Die Zeit“ vom 31.Jänner 1997 hervor.

Da sprach Alfons Parth vom Tourismusverband Ischgl in Tirol: Die Ökomasche ist vorbei“ und „Schluss mit dem Terror der Umweltschützer!“ Und er ließ wissen, dass die Zustimmung der Bevölkerung „völlig unwichtig sei, wenn es gelte für den Fremdenverkehr eine nützliche Idee in die Tat umzusetzen.“ Beide Aussagen finden sich als Zitate vgl. Hans Högl 2002: Bin kein Tourist, ich wohne hier. Wien 2002.

In den Intensiv-Tourismusgemeinden Gaschurn-Parthenen in Vorarlberg, auf der anderen Seite des Silvretta-Gebirges, ist man touristisch sehr erfolgreich und kippt nicht in solche Extreme und hält in etwa Maß – auch in der Bauweise der Hotels. Hingegen ist der Ort Ischgl baulich gesehen eine Wirrwarr und alles andere als ansehnlich. Tourismus als solcher sei nicht in Frage gestellt, aber es braucht darin ein gewisses Maßhalten, einen Kontrasttourismus(H.Högl), und es gelten auch hier ethische Prinzipien, wie es der österreichische Autor Turrini fordert.

Kleines Glück aus Ischgl. Corona-Virus

Hans H ö g l

Ischgl, der Tiroler Tourismusort, kam wegen der Verbreitung des Corona-Virus in die Schlagzeilen der Medien. Es lohnt ein Rückblick darauf, wie dieser Ort bereits 2002 gesehen wurde und wie er sich selbst darstellte.

Ein Zitat des famosen Tourismusguru und Hoteliers Herrn Aloys aus Ischgl : „Wir müssen dem Gast das Glück auch all inclusive bieten. Er investiert in seine fünf Tage Urlaub. Wir müssen ihm täglich das Erlebnis garantieren. Und wenn wir von Erlebnissen reden, dann reden wir vom Glück. Er will das kleine Stück Glück mit nach Haus nehmen. Das müssen wir versuchen, ihm zu garantieren.“ (S. 34).

„Vorreiter im Multikulti-Event-Marketing ist die Tiroler Gemeinde Ischgl. Es geht um Show und Schnee, riesige Happenings, um Action, Abenteuer, Abwechslung und Zengärten. In Ischgl gelang es,.mit Elton John, Tina Turner und Naomi Campell, neues und jüngeres Publikum anzulocken und die Kassen zum Klirren zu bringen. Und das Dörfchen hatte in schwierigen Jahren kräftige Zuwächse- sowohl bei den Übernachtungen wie bei den Einnahmen. Man rief die Massen und die Massen, und Massen möchten mehr. Die Spirale drehte sich nach oben. Rund die Hälfte kommt nicht mehr, um Schi zu fahren, sondern wegen des Entertainments und Tittytainements“.(Fußnote: Dieser Ausdruck in dem Buch „Globalisierungsfalle“ hat mit weiblichen Rundungen zu tun.) (S.33 f.).

Diese Texte entnahm ich meinem Buch: Hans Högl: Bin kein Tourist, ich wohne hier. Fremdenverkehrsgemeinden im Stress“.Wien 2002. Das Buch wurde weder in den „Salzburger Nachrichten“ noch in der „Tiroler Tageszeitung“ besprochen. Allerdings wurde ich in Innsbruck zur Vorträgen eingeladen.