Hugo Portisch : „Sauberer Journalismus hat Zukunft“

Aus einem KURIER-Interview mit der Journalistenlegende Portisch

( Auswahl der Zitate: Udo Bachmair )

KURIER: Sind Sie für die Zukunft des Journalismus optimistisch?

Ja, wenn Journalisten den Drang haben, von Dingen so zu berichten, wie sie sind. Aber es gibt auch Medien, die wollen durch Verhetzung Auflage oder Quote machen.

KURIER: Kann sich der seriöse Journalismus behaupten?

Da bin ich voreingenommen, ich glaube an die Zeitung. Ordentlicher, sauberer Journalismus hat Zukunft.

KURIER: Warum haben Sie sich für Van der Bellen eingesetzt?

Ich habe es für wichtig gehalten, dass man sich gegen einen Populisten mit seriösen Argumenten durchsetzen kann. Im Ausland, besonders in Deutschland, schaut man mit Argusaugen auf Österreich. Wäre Hofer es geworden, wären wir schon wieder ein Naziland gewesen. Leider wurde der eindeutige Wahlsieg eines Demokraten und großen Europäers nicht stärker im Ausland gewürdigt.

Kurier: Ist das heutige Amerika noch das Amerika, das Sie als Student und als junger Journalist kennen- und schätzen gelernt haben?

Wenn Sie mich vor ein paar Tagen gefragt hätten, hätte ich Nein gesagt. Aber die Tatsache, dass die Muslimsperre, die Trump aus dem Ärmel geschüttelt hat, so viel Protest auslöste, gibt mir Hoffnung. Ich hätte in den USA als Aufmacher einer Zeitung nur die Freiheitsstatue abgebildet und darunter das Gedicht, das die Franzosen ihr damals mitgegeben haben. Wenn man das liest, kommen einem die Tränen: „Gebt mir eure Müden, eure Armen, eure geknechteten Massen, die frei zu atmen begehren, die bemitleidenswerten Abgelehnten. Schickt sie mir, die Heimatlosen, vom Sturme Getriebenen, hoch halt ich mein Licht am gold’nen Tore.“ Was das für ein Anspruch war und wie das heute missachtet wird.

( KURIER – Ausgabe 5.2.2017 )

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