Digitalisierung: Große Chance für Volkswirtschaft

Jakob Herburger. Diözesaner Pressereferent. St. Pölten
(Beitrag ausgewählt von Hans Högl)

Symposion: Mensch und Digitalisierung 15.-16.3.2019

Referent Dr. Hans Zeger, Mathematiker, Philosoph und Obmann der ARGE Daten sowie Inhaber einer Firma mit 15 Mitarbeitern sprach über „Targeting, Taching, Nudging – Schafft Europa den Anschluss an die Informationsgesellschaft?“….

Er verglich die in Österreich weit verbreitete „Digitalisierungsskepsis“ mit der Einführung der Telefonkommunikation in den Vereinigten Staaten: „In Amerika wurde mit der Einführung des Telefons befürchtet, dass volkswirtschaftlich gesehen, viel zu viele Leute Telefonvermittler sein müssten. Diesem Problem wurde durch die Erfindung des Selbstwählverfahrens Einhalt geboten.“ In Österreich seien die letzten Telefonvermittlungsämter typischerweise erst 1972 aufgelöst worden, was unnötige Kosten verursacht hätte. Auch die Erfindung des Staubsaugers habe den Arbeitsverlust von Millionen Dienstnehmern im Reinigungsbereich bedeutet. Durch die Dampfmaschine hätten sich Millionen Arbeitskräfte umorientieren müssen. „Wer das ablehnt soll sich überlegen, ob er tatsächlich die menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen der Vergangenheit wieder haben möchte.“, so der Obmann der ARGE Daten.

Unglaubliche Dynamik der Automatisierung

Verglichen mit anderen Industrienationen hätten „die Österreicher sich durch ein System von Kammern und Verwaltungswesen ein überbordendes System geschaffen, in dem nicht vorrangig Qualifikation, sondern Verankerung im System zählt. Das ist verglichen mit dem Weltniveau vorgestrig.“ Auch deshalb hätte Österreich eine horrende Abgabenquote, die bei 70 Prozent liege. 70 Prozent der Lohnkosten eines Arbeitgebers seien Abgaben, nur die restlichen 30 Prozent seien der Nettolohn.

Es sei den Menschen hierzulande viel zu wenig bewusst, dass bis zu 1,4 Millionen Arbeitsstellen in Österreich mittelfristig durch Automatisierung ersetzt werden könnten. „Wir haben derzeit aber keine anderen Jobs für diese Leute. Globale Banken wie N26 haben ein paar hundert Mitarbeiter und betreuen damit dutzende Millionen Kunden. Die zehntausenden Angestellten im Raiffeisen-Bankensektor oder im Erste-Bank-Sektor gibt es hauptsächlich nur noch aus sentimentalen Gründen.“ Es brauche Mut zur Digitalisierung. Wir in Österreich sollten endlich beherzter mitmachen, so Dr. Hans G. Zeger.

Auf die Frage, was passiere, wenn Europa die Digitalisierung nicht zeitgerecht schaffe, antwortete Dr. Hans Zeger: „Es gibt bereits 400 Millionen Mittelstandschinesen, 300 Millionen Mittelstandsinder, 30 Millionen Mittelstandsrussen und 20 Millionen Mittelstandsaraber. Fast alle wollen nach Europa, um die Sehenswürdigkeiten und Kulturgüter zu besichtigen. Falls wir die Digitalisierung nicht adäquat schaffen, könnte eine unserer Möglichkeiten sein, unser Freilichtmuseum touristisch auszuschlachten.“

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