Archiv der Kategorie: Medienkritik

Lust am Rätselraten – Wer wird Minister?

Hans Högl

Heute, am Montag, den 3.Juni 2019, wurde die neue österreichische Regierung angelobt. Bemerkenswert ist, was das Wiener Blatt „Kurier“ am Donnerstag zuvor, am 30. Mai schrieb: „Der KURIER sondierte in den Ministerien nach den in Frage kommenden Persönlichkeiten“(für die Ministerposten).

Die Schlagzeile des Beitrages lautete in großen Lettern:

Neue Regierung kommt in Kürze und besteht aus lauter Beamten.“

Der KURIER brachte 12 Persönlichkeiten mit Fotos, und dies nahm den größten Teil der Seite 2 ein. Von den 12 genannten wurden n u r 2 tatsächlich Minister: Der Finanzminister und die Wirtschaftsministerin. Bei allen anderen 10 Persönlichkeiten lag der KURIER falsch. Gänzlich falsch lag er darin, dass in dieser Regierung die Hälfte aller Minister diesmal Frauen sind. Und dass eine Frau Bundeskanzlerin wurde, wusste er auch nicht in diesem „Sud lesen“ nach Ministerposten.

Ich führe nun alle Personen an, die n i c h t Minister wurden, aber die uns vom KURIER als scheinbar künftige Minister verraten wurden. Der KURIER irrte sich in folgenden Personen: Andreas Riecken, Johannes Peterlik, Barbara Weitgruber, Georg Kathrein, Elisabeth Kornfeind, Gerhart Holzinger, Herbert Kasser, Robert Brieger, Manfred Pallinger, Reinhard Mang.

Hier stellt sich die Frage, was eine solche Quasi-Information soll und warum wir als Publikum – hier am Beispiel KURIER- mit Scheininformationen gefüttert werden.

 

Scheingrößen in Medien und ein wirklich großer Mensch

Hans Högl

Eine unscheinbare, ältere Wienerin: Sie war am Weg zum Nobelpreis 

Eine eher zierliche Frau betritt das Portal zum Krankenhaus  „Göttlicher Heiland“. Sie ist auf dem Weg zur Kapelle. Wer ahnt, dass die schlicht gekleidete Frau, geb. 1930, ein paar mal Kandidatin für den Friedensnobelpreis war? Sie wuchs am Heuberg in Hernals auf. Gemeinsam mit ihrem französischen Mann, Jean Goss, war sie 30 Jahre als Friedensaktivisten im Sinne des „Versöhnungsbundes“ aktivDie 89-jährige Frau Mayr-Goss lebt heute zurückgezogen in Neuwaldegg. Sie ist per Mail erreichbar und schrieb mir: „Zu einem Interview zu meiner Person und Lebensgeschichte im Umfeld Dornbach stehe ich nicht zur Verfügung, nicht zuletzt aus Alters- und gesundheitlichen Gründen. Sie werden das sicher verstehen.“ 

Sie will also nicht als Person im Mittelpunkt stehen, wie ich zutreffend vermutete, sondern für das Anliegen, Konflikte friedlich zu lösen – mit dem „Versöhnungsbund“, deren Ehrenpräsidenten sie ist.

Sie erhielt den „Preis der Menschenrechte Dr. Bruno Kreisky“ und wurde von Buddhisten in Japan geehrt. In der ORF-Sendung „Seitenblicke“ war sie wohl noch nicht zu sehen. Wir werden sehen, ob sie wenigstens das Bezirksblatt würdigen wird. Erst als ich in Belgien studierte, erfuhr ich von dieser Österreicherin und ihrem Mann.

Der „Versöhnungsbundes“- was ist das? Wichtige Mitglieder waren/sind sechs Nobelpreisträger: darunter Martin Luther King, die Nordirin Mairead Corrigan-Maguire und der Argentinier Adolfo Esquivel. Sie wirkten wie Gandhi, um gewaltfrei Konflikte zu lösen. Zum Ursprung des „Versöhnungsbundes“: Es war 1914 – am Beginn des 1. Weltkrieges: Ein deutscher, evangelischer Pfarrer und ein englischer Quäker versprachen nach einer Konferenz, sich nicht als Kriegsgegner aufhetzen zu lassen, im Gegenteil: Sie gründeten den „Versöhnungsbund“, als kleinen Schritt, um Kriege zu verhindern. Aber es kam zum 2. Weltkrieg. 

Das Ehepaar Goss-Mayr wirkte in Osteuropa, beim Vatikanischen Konzil (1962-1965) , in Südamerika. Sie schulten Gruppen für gewaltfreie Aktionen. Spektakuläres gelang 1986 auf den Philippinen. In der Auseinandersetzung um gefälschte Wahlen widersetzten sich Hunderttausende betend mit Rosenkränzen dem Militär und forderten mit Blumen die Soldaten des Diktators auf, zu desertieren. Wer wird auf friedliche Demonstranten schießen? So wurde Blutvergießen vermieden, und es gelang ein friedvoller Übergang zur Demokratie. Dazu trugen tapfere Engagierte des „Versöhnungsbundes“ bei.Und der Diktator ging in Exil. 

Ein paar Worte zum „Versöhnungsbund“: Er ist unabhängig, überkonfessionell und human, finanziert sich über Spenden. Sein österreichischer Sitz ist in der Josefstadt (Lederergasse 23/2/27).

Hervorragende „Wiener Zeitung“

Hans Högl

Wir befürworten als Team in der Medienkultur die bisherige Finanzierung des ORF durch die Gebührenzahler. Dies trägt zu dessen Unabhängigkeit bei. Auch die FPÖ-Angriffe auf Armin Wolf sind im Prinzip zurückzuweisen, wenngleich er in seinem Stil auch gelegentlich fragwürdig ist. Doch der ORF darf nicht immun sein versus partieller Kritik: So verhält sich doch der TV- Sender ORF 1 erwiesenermaßen fast identisch wie ein Privatsender.

Ich höre regelmäßig den weithin anerkannten ORF-Hörfunksender Ö 1. Da gibt es wunderbare Sendungen wie kürzlich im Ö1-Journal-Panorama über die Eroberer von Mexiko und Peru, stammend aus der Extremadura in Spanien. Übrigens: ein Gastbeitrag. Deren Entlohnung ist mehr als mager. Auch andere Sendungen sind zurecht hochgeschätzt: wie z.B. die Radiokollegs, „Menschenbilder“ , Ambiente. Aber mich verwundert die gelegentliche Phantasielosigkeit in der Themenauswahl von Ö 1- Journalen. Da gibt es immer wieder den Lieblingsfeind Trump und die Waffenlobby in den USA. Wie heute früh. Ja, schön und gut. Aber es gibt auch anderes in der Welt. In Spurenelementen erfahre ich etwas über die Korruptionsverteidiger von Rumäniens Sozialdemokraten.

Welche Welt tut sich mir in der Lektüre der „Wiener Zeitung“ auf! So heute: Ich lese von der künftigen Kanzlerin Brigitte Bierlein: von ihrer Kritik an Ex-Innenminister Kickl in Asylfragen, von Ihren Sorgen um die Pressefreiheit in Österreich und den fragwürdigen Inseraten durch Regierungen (aller Parteien!). Und ich lese, dass die Sozialdemokraten in Dänemark vor einem Sieg stehen, weil sie „links und migrationskritisch“ sind und so die Rechtspopulisten halbieren. Ferner erfuhr ich, dass die Bundesforste in OÖ einen Wassernutzungsvertrag mit einer US-Firma geschlossen haben. Weiters: dass das Aramäische, die Sprache Christi, die noch in Maalula bei Damaskus gesprochen wird, in Gefahr ist, zu verschwinden…..Wo höre und erfahre ich das im ORF? Ich lasse mich gern korrigieren! Wer kann denn alles sehen und hören! Ich halte die ausführlichen Texte in Österreichs Qualitätsblättern für sehr wichtig. Ja, selbst im „Kurier“. Mich wundert auch, dass im ORF kaum irgendwann Journalisten der wirklich ausgezeichneten „Kleinen Zeitung“ zu Wort kommen. NB. Der ORF zitiert nie die „Wiener Zeitung“!

Verantwortungsvolle Medien gegen Verrohung von Sprache

Verantwortungsvoller Journalismus und zivilgesellschaftliches Engagement gegen drohenden Verfall von Sprach- und Medienkompetenz.

Gastbeitrag von Ilse Kleinschuster

( Die Autorin ist Gründungsmitglied der kooperativen Nachrichtenagentur COOPPA, Mitglied der „Initiative Zivilgesellschaft“ und der Vereinigung für Medienkultur )

Seit meinem Eintritt in die utopischen Sphären der Initiative Zivilgesellschaft musste ich zunehmend erkennen, wie wichtig es ist, Sprache so einzusetzen, dass sie nicht als Waffe, sondern als ein dem Gemeinwohl dienendes Instrument verwendet wird. Wenn diese Ansicht zu einem Axiom für Demokratie würde, so dachte ich, wäre klar, dass der Tag bald kommen werde, an dem eine mündige Gesellschaft einer emanzipierten Menschheit ihr Schicksal in den Lebensfragen ihrer Gemeinschaften und des Planeten selbst in die Hand nehmen können wird..

Strukturell, so dachte ich, wäre dann das Ziel erreicht: In global vernetzter Verständigung demokratisch die Weichen zu stellen in Richtung einer am Gemeinwohl orientierten Wirtschaft ohne Profit- und Konkurrenzzwang, versorgt durch ein ihr dienendes, selbstverwaltetes Finanzwesen, befruchtet aus einem freien Kultur- und Geistesleben.

Bald jedoch wurde ich durch den globalen Rechtsextremismus eines Besseren belehrt Er verwendet eine Sprache, die gesellschaftlich aufhetzend wirkt und den Krieg schon in sich trägt. Ja, eine Sprache in der auch Umweltthemen beschrieben werden, wobei dann jedoch Umweltschutz als HEIMATSCHUTZ bezeichnet wird.
Heute, in einer immer komplexer werdenden Gesellschaft auf einem „begrenzten Planeten“ braucht es mehr denn je Überlebenskonzepte und -strategien für einen sinnvollen Prozess in Richtung „Große Transfomation“ – und um diese der Gesellschaft zu vermitteln.

In Zeiten von drohendem Verlust an Lese – und Medienkompetenz ist es eine große Herausforderung sich mit „alternativen Medien“ zu befassen. Noch liegt das Überleben von Printmedien vielfach in den Händen der Inserenten, sodass bereits vom „Artensterben“ traditioneller Medien gesprochen wird. So warnt der Journalist, Wolfgang Renner, Chef der Akademie der „Wiener Zeitung“, davor, nicht zu vergessen, dass Medien in einer echten Demokratie „systemrelevant“ seien und eine „öffentliche Aufgabe“ erfüllen müssten. Ein Warnruf, der sich auf den Inhalt bezieht, nun ist mit „alternativen Medien“ wohl eher die mediale Struktur gemeint.

Es erscheint mir sehr bedenklich, wenn nicht nur Private, sondern auch Staatliche – „die öffentliche Hand“ – über einen beachtlichen Finanztopf für Inserate verfügen, denn so lässt sich doch auch von dieser Seite auf subtile Weise Einfluss auf die Berichterstattung nehmen. Sollte das nicht völlig neu geregelt werden?!? Infolge der Digitalisierung stehen die Medien vielfach unter Druck. Hinzu kommt die Konkurrenz von Gratis-Medien, die zum großen Teil von Inseraten leben. Aus dieser Perspektive wäre es meiner Ansicht nach angebracht, dass die Politik auf allen Ebenen endlich zu einer neuen transparenten Form der Mittelvergabe findet.

Um sich dem Dilemma der Mittelvergabe zu entziehen, haben sich 2018 ein paar Menschen genossenschaftlich zusammengefunden, um Transformations- oder besser gesagt, Wissenschaftsjournalismus in Österreich zu etablieren. Die Idee zur Gründung der cooppa entstand beim Pfingst-Symposium 2017 in der GEA-Akademie Schrems, wo es um GEMEINWOHLORIENTIERTES, GEMEINSINNIGES UND GEMEINSAMES WIRTSCHAFTEN IN DER PRAXIS ging.

Es ist die cooppa also eine genossenschaftlich organisierte Nachrichtenagentur einer neuen Bewegung, ein Zusammenschluss engagierter JournalistInnen mit engagierten Organisationen, Unternehmen und Einzelpersonen, mit dem Ziel, Themen des Wandels zu einer zukunftsfähigen Gesellschaft gemeinsam konstruktiv, positiv und wirkungsorientiert im deutschsprachigen Raum zu verbreiten.

Mit seinen journalistischen Beiträgen, einem News-Telegramm, Informationsbündelung aus der Nachhaltigkeits-Szene und anderen Angeboten hat dieses Format Plattform-Charakter und wäre – bei entsprechender kooperativer und monetärer Unterstützung – auch geeignet, eine derzeit wachsende „zivilgesellschaftliche Gemeinschaft im Wandel“ zu stärken.
Aktivierung und Stärkung der zivilgesellschaftlichen Bewegungen ist zurzeit das Ziel vieler Proponenten einer nachhaltigen Entwicklung (AGENDA 2030) und daher finde ich die operative Umsetzung als Vision für die Zukunft der Zivilgesellschaft sehr wichtig.

Wir hoffen auf Ihre Unterstützung – www.cooppa.at/

Mediengeilheit von Politikern. Spekulationen in Medien

Hans Högl

Gestern stellte Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen die bisherige Präsidentin des Verfassungsgerichtshofes, Frau Brigitte Bierlein, als künftige Bundeskanzlerin vor. Im Sinne der Medienkultur war eine Bemerkung der künftigen Bundeskanzlerin bemerkenswert, nämlich, dass sie vorläufig den Medien zu Interviews nicht zur Verfügung steht.

Darüber werden sich zwar Medien nicht freuen, aber eine gewisse Zurückhaltung von Seiten politischer Verantwortungsträger gegenüber Medien ist fallweise, aber nicht zu oft, angebracht.

Wir als Publikum erleben nicht selten nichtssagendes Bla Bla und dies auch in journalistischen Analysen an runden Tischen, wo noch kaum Zuverlässiges ausgesagt werden kann. Gestern glaubten einige Printmedien bereits zu wissen, wer die Kanzlerschaft übernehmen wird. Es waren alles reine Vermutungen und irrige Spekulationen. Wer nannte die Spitzenjuristin Frau Bierlein?

Aufatmen im ORF

Das Scheitern der türkis-blauen Koalition, im Besonderen das Aus für die FPÖ-Regierungsmitglieder, löst bei unabhängigen ORF-JournalistInnen Erleichterung aus.

Udo Bachmair

Der Spuk ist vorbei. Das von FPÖ-Vertretern gegen ORF-JournalistInnen aufgebaute Bedrohungsszenario erscheint vorerst aufgelöst. Diese für manche ORFler nahezu „befreiende“ Entwicklung lässt Selbstzensur, die sogenannte die Schere im Kopf, nun wieder weniger in Erscheinung treten.

So manche ORF-ProgrammmitarbeiterInnen, vor allem in den Informationsabteilungen, hatten sich von seiten der Regierungspartei FPÖ bedroht gefühlt. Unverblümt war „unbotmäßig“ berichtenden Redakteuren der Hinauswurf nahegelegt worden. Der zurückgetretene FPÖ-Chef Strache hatte gar den gesamten ORF als „Ort der Lüge“ diffamiert.

Ganz zu schweigen von den ständigen Attacken von Regierungsvertretern gegen den seriös kritischen ORF-Journalisten Armin Wolf. Diesem hatte Ex-FPÖ-Chef und ORF-Stiftungsratsvorsitzender Steger eine Auszeit nahegelegt. Diese muss er nun selbst antreten. Auch das ein Akt der Erleichterung in ORF-Redaktionen, wie mir in Gesprächen mit Ex-ORF-KollegInnen bestätigt wird..

Hoffnung für den demokratiepolitisch so wichtigen öffentlich-rechtlichen ORF besteht nun auch darin, dass er nicht mehr um seine finanzielle Absicherung bangen muss, die ihm die FPÖ verwehren wollte. Das wäre das Ende des ORF gewesen, geben nicht nur Insider zu bedenken.

Jedenfalls sind im ORF-Zentrum und im ORF-Funkhaus Aufatmen und Erleichterung angesichts des nachlassenden Drucks deutlich spürbar. Das hat sich auch auf die hervorragende Berichterstattung des ORF rund um die EU-Wahl und den FPÖ-Skandal entsprechend positiv ausgewirkt.

Die hierzulande bedroht gewesene Presse- und Meinungsfreiheit a la Ungarn erscheint nun gerettet. Wie lange, bleibt offen. Es empfiehlt sich, weiter auf der Hut zu sein.

Unrichtige Verabschiedung im ORF

Anna-Maria Klaghofer. Gastbeitrag ( ausgewählt von Hans Högl )

Sehr geehrte Damen und Herren, kürzlich hörte ich am 20.04.2019 freundlich gemeinte Verabschiedungsworte der Sprecherin der ZiB 2 in ORF 2. Sie sagte: Einen schönen Ostersamstag noch!-
Mein Kommentar: Sie haben im Haus eine Abteilung Religion. Da ist nachzufragen. Denn es gibt keinen Ostersamstag. Es heißt richtig: KARsamstag.
 
Und warum kommt nur die Bezugnahme auf die christliche Religion? Warum nicht auch Happy Pessach, oder so?? Es gibt auch eine anerkannte jüdische Religionsgemeinschaft in Österreich. Das Christentum ist staatsrechtlich gesehen nicht die bestimmende Religion in diesem Lande. – Es gibt wirklich gute Arbeit der Religionsabteilung und das für ALLE anerkannten Religionsgemeinschaften. Und wenn schon solche Worte fallen sollen, dann aber bitte wenigstens richtig.

Großes Lob für den ORF

In diesen Tagen erweist sich einmal mehr der demokratiepolitisch unschätzbar hohe Wert des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

Udo Bachmair

„Wir wollen eine Medienlandschaft wie Orban“. Diese unverblümten Worte Heinz Christian Straches beim konspirativen Treffen von Ibiza hat alle Befürchtungen bestätigt, dass die Regierungspartei FPÖ die Presse- und Medienfreiheit, im Besonderen die Unabhängigkeit des ORF, fahrlässig aufs Spiel setze. Doch jeder Machtrausch geht einmal zu Ende. Was für die FPÖ und deren langjährigen Obmann bleibt, ist Katzenjammer. Für alle Besorgten besteht nun aber einmal Erleichterung: Der Spuk erscheint ihnen vorerst vorbei.

Ob dieses Mal die bewährte FPÖ-Methode der Täter-Opfer-Umkehr greift, erscheint nach den Video-Enthüllungen über das wahre Gesicht von Strache und dessen rechter Gefolgschaft nun höchst fraglich. Sogar die über Jahre hinweg FPÖ-nahe Kronenzeitung hat sich von der FPÖ deutlich distanziert. Insider sind und waren überrascht von Krone-Schlagzeilen wie „Das Ende der FPÖ!“ oder „ Das war’s“. Auch so manch anderen (früheren) FPÖ-nahen Personen, die der „Heimatpartei“ auf den Leim gegangen sind, hat die Causa vermutlich die Augen geöffnet.

Vor diesem Hintergrund kann und muss der ORF nicht hoch genug gelobt werden. Er hat trotz des Regierungsdrucks der vergangenen Monate und der Bedrohung kritischer ORF-Journalisten seinen öffentlich-rechtlichen Auftrag erfüllt. So hat er etwa mit der mehrstündigen Marathonsendung zu den Entwicklungen rund um den Ibiza-Video-Skandal einmal mehr den Beweis für seriöse Berichterstattung und Analysen erbracht.

Es gilt nun umso mehr, den demokratiepolitischen Wert des Öffentlich-rechtlichen zu erkennen und nicht zuletzt weiter auf der Hut zu sein. Denn die gescheiterte türkis-blaue Regierung werkt ja noch weiter bis zur Neuwahl im September..

Eine Hoffnung für den ORF besteht jedenfalls nun darin, dass die geplante ORF-„Reform“ mit weiterer personeller Einfärbung sowie Reduktion der finanziellen Unterstützung des „Rotfunks“ nicht vor dem Herbst durchs Parlament gepeitscht wird.

Politik und Medien: Populismus zerstört faktenbasierte Debatte

Der Einfluss Regierender auf Medien, populistische Kommunikationsstrategien sowie der Umgang mit Fakten waren zentrale Themen des internationalen Journalistentreffens in Perugia

Udo Bachmair

Der Druck seitens der Regierung auf Medien hat sich vor allem in osteuropäischen Ländern verstärkt. Vor allem in Ungarn. Dort hat Staatschef Orban bereits alle bisher unabhängigen Medien unter seine Kontrolle gebracht. Beim Journalistenkongress von Perugia war auch Österreich Gegenstand wachsender Besorgnis.

Attacken auf unabhängige kritische Journalisten sowie der Plan der FPÖ, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht mehr durch Gebühren, sondern aus dem Staatsbudget zu finanzieren und den ORF damit an die politischen Kandare zu nehmen, sehen Medienexperten als Vorboten einer „Orbanisierung“ auch in Österreich.

Vor diesem Hintergrund wird unter Journalisten u.a. die Frage diskutiert, ob man etwa zu TV-Debatten rechtsextreme Politiker und Aktivisten einladen sollte, wie es Servus-TV gerne tut.
US-Medienwissenschafter Jay Rosen äußerte dazu starke Bedenken. In einem Standard-Interview am Rande des Treffens von Perugia bezeichnete er es als sehr problematisch, dass Rechtspopulisten aus der von diesen verfolgten Strategie der „Zerstörung einer faktenbasierten Debatte“ immer wieder politischen Profit schlagen.

Eine weitere Thematik ist das von Experten festgestellte Phänomen, dass sich ein wesentlicher Teil des Publikums nicht sonderlich dafür zu interessieren scheine, was falsch und was richtig ist. Jay Rosen erläutert:
„Ich schätze, ein Drittel der Bevölkerung will nichts davon wissen, dass seine Überzeugungen nicht real begründet sind. Fakten perlen da einfach ab. Diese Menschen sind immun gegen Journalismus“.

Was bedeutet diese bittere Erkenntnis denn nun für Wahlen, für die Gesellschaft? Die Antwort des renommierten Medienwissenschafters Ray Rosen gegenüber Harald Fidler vom Standard :
„Das bedeutet, dass unsere Politik mehr und mehr auf Illusionen, Fantasie, Ideologie und Zaubertricks basiert“.

Technologischer Rassismus bei Chicagos Polizei

Hans Högl. 3.Teil der Rezension des Buches „Homo Deus“

Y. Harari zeigt, wie weitreichend die Anwendung von Big Data und Künstliche Intelligenz (KI) ist. Vgl. den 2.Teil meiner Rezension. Harari sieht eine Transformation des Menschen als möglich, eine evolutionäre Weiterentwicklung.

Big Data und Künstliche Intelligenz (=KI) revolutionieren die Medizin. Das Ziel: Mit Hilfe von Bioinformatik Krankheiten schon vor dem Ausbruch zu behandeln. – In London konnte mit Hilfe von Data-Analyse eine Grippe-Epidemie bereits eine Woche v o r der Gesundheitsbehörde geortet werden. — Google und Apple investieren in E-Health-start ups. Sie suchen Anzeichen eines Herzinfarkts schneller zu erfassen als Fachärzte. Doch lässt sich die Empathie des Arztes ersetzen?

Zu Google gehört auch das Videoportal You Tube. Je mehr Klicks den Werbebanner treffen, desto mehr sprudeln die Gewinne. Google verzeichnete 2017 als Werbeeinnahmen 12,6 Milliarden Dollar. Folgende Großkonzerne sind unter den Werbern: Porsche, Nestle, Mobilfunk Drei, Minolta. Google gehört zu Spitze der KI. Davon will das US-Militär profitieren. Im Militärprojekt Maven soll gezieltes Töten durch Drohnen optimiert werden. Daran beteiligen sich Amazon, IBM und Microsoft.

Facebook: Algorithmen sind Programme, Rechenoperationen, mit denen Menschen katalogisiert, schubladisiert werden. FB kennt durch Likes und Missfallen die Personenprofile. Das ist Basis der Beeinflussung. FB gabe der Firma Cambridge Analytics Aufträge bei der Wahl zu Trump und beim Brexit.

Chicagos Polizei fusioniert alle Daten zur Kriminalität und erfaßt mit Präzision gewisse Stadtteile als besonders kriminell und listet sogar im Vorhinein 500 potentiell Kriminelle auf. Jeder bekommt eine Ziffernnote mit der Wahrscheinlichkeit, kriminell, in einen Schusswechsel verwickelt zu werden. Und dies in den nächsten drei Monaten. Dies macht auch Unschuldige verdächtig, und das verdient den Namen technologischer Rassismus. Der Mensch wird durch die Maschine, durch Algorithmen verdächtigt. Die Hamburger Polizei holte sich schon Ezzes in Chicago.

Bis 2020 sollen die Chinesen als gut und schlecht qualifiziert werden, jeder erlangt ein Profil mit Punkten, auch wenn er Straßen bei Rot überquert. Die Juristin Yvonne Hofstetter betont, dass Profiling über Algorithmen dazu führt, die Freiheit des Menschen in Frage zu stellen und letztlich die Demokratie. Sie ist für ein Verbot des Profilings.

Zu AMAZON: Jeff Bezos gründete es: 1994. Ihm gehört auch die Washington Post. Er investiert in die Raumfahrt, träumt von Flügen in den All. Die Amazon Services verkaufen Cloud Dienste an den US-Geheimdienst CIA. – Dies sind Andeutungen dazu, was uns erwartet. Das Folgenreichste zeigte ich im 2. Teil der Rezension.

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