Archiv der Kategorie: Medien und Politik / Wirtschaft

Wiener Zeitung zur „Lage in Österreich“

Hans Högl

Mir scheint: der Leitartikel von Walter Hämmerle, dem Chefredakteur der „Wiener Zeitung“, trifft im Beitrag (27.4.2019) über „Die Lage in Österreich“ den Nagel auf den Kopf. Er ist mit der Nüchternheit eines gebürtigen Vorarlbergers geschrieben und nicht von einem Parteihengst. Ich bringe davon die letzten Abschnitte aus der Online Version.

Walter Hämmerle: „Dass das Klima zwischen den Parteien und Engagierten vergiftet ist, heißt – noch – nicht, dass auch die breite Bevölkerung ähnlich polarisiert ist. Rechtsextremismus ist ein Problem (wie jeder andere Extremismus), aber Gerichte und Medien kennen längst kein Pardon mehr; und seit einiger Zeit zieht auch die FPÖ harte Konsequenzen bei Fehltritten.

Dass sich die FPÖ von Medien, insbesondere dem ORF, verfolgt fühlt, ist auch ein Mittel zum freiheitlichen Zweck, sich selbst als Opfer zu stilisieren. Die realen Bedrohungen für die Medienfreiheit sind wirtschaftlicher, nicht politischer Natur. Und Österreichs Gesellschaft wie Sozialsystem sind ungebrochen hoch attraktiv, jedenfalls für alle, die von außen auf das Land blicken. Und offen sind wir noch dazu: Pro Kopf hat Österreich 2018 die meisten Flüchtlinge aller EU-Staaten aufgenommen.“

Der Wert des öffentlich-rechtlichen Rundfunks

Thema einer Podiumsdiskussion am 27.4. ab 17 Uhr und am 1.5. ab 21 Uhr in Radio Klassik Stephansdom ( www.radioklassik.at )

Udo Bachmair

Neue Angriffe von Vertretern der Regierungspartei FPÖ auf unabhängige ORF-Journalisten, wie jüngst wieder auf Armin Wolf, sorgen wieder für Schlagzeilen. Diese auch demokratiepolitisch bedenkliche Entwicklung focusiert erneut auch auf die Wichtigkeit der Existenz eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

Bekanntlich bedroht die Koalition den ORF nicht nur mit unermüdlichen Angriffen auf kritischen Journalismus, sondern auch mit dem Entzug nötiger finanzieller Unterstützung. Die Abschaffung der Rundfunkgebühren ist zwar offiziell auf die lange Bank geschoben, doch die Drohkulisse bleibt aufrecht.

Der mit Unterstützung des „Regierungsorgans“ Kronen Zeitung beharrlich geführte Kampf gegen den ORF ist u.a. Gegenstand einer von Golli Marboe geleiteten Diskussion heute in der Sendung „Content“ von Radio Klassik Stephansdom in Kooperation mit Inspiris Film und VsUM ( Verein zur Förderung eines selbstbestimmten Umgangs mit Medien ).

Es diskutieren Walter Famler, Generalsekretär des Kulturvereins Wien „Alte Schmiede“ und ORF-Publikumsrat für die Liste „Jetzt“ sowie Udo Bachmair, Ex-ORF-Redakteur und Präsident der Vereinigung für Medienkultur.

Einige der aufgeworfenen Fragestellungen :

Wie kann der ORF in einem Land der Boulevard und Gratiszeitungen das Publikum auch weiterhin mit seriösen und authentischen Informationen versorgen?

Was muss der Gesetzgeber beachten, um einer „Orbanisierung“ entgegen zu wirken, damit hierzulande keine Medienmonopolisierung entsteht, wie das in Ungarn der Fall ist ?

Die Radiofassung der Diskussion gestaltet Stefan Hauser.

www.radioklassik.at/content-das-medienmagazin-der-oeffentlich-rechtliche-rundfunk-in-oesterreich/

EU-Wahlkampf: In der FPÖ-Falle

Hans Högl

Einen bemerkenswerten Kommentar schrieb der EU-Korrespondent der als halb-links-sozial-liberal geltenden Tageszeitung „Der Standard“, und zwar THOMAS MAYER am 26. April 2019.

Seine Diagnose: Ein Gutteil der österreichischen Medienbranche konzentriert sich ausschließlich auf e i n Feindbild, die FPÖ, anstelle selber konstruktive Lösungen zu bieten. Und gerade damit stärkt man diese Gruppierung, die immer wieder sehr Bedenkliches von sich gibt. Von einem Mitarbeiter Jörg Haider weiß man, dass Haider dieses Spiel der Provokation bewusst und wiederholt praktizierte und sich so in den Mittelpunkt des Interesses schob. So verkündigte Haider das ganze Land Kärnten großspurig als völlig tschetschenenfrei- es gab damals einen einzigen Tschetschenen, von dem er Kärnten befreite…

Es gilt die Frage zu stellen, warum die nationalistischen Parteien in Europa soviel Auftrieb erfahren, darauf gab Prof. Ötsch bei unserer Veranstaltung im Presseclub Concordia teilweise ganz andere Antworten, als immer nur den Verweis auf die populistische Sprache. Er deutete das Wiedererstehen der Rechten auch als Folge der Finanzkrise (die Verantwortlichen wurden nie zur Rechenschaft gezogen) und mit der reellen Situation der Einkommenseinbußen breiter Kreise und er sagte auch, dass in Osteuropa es schwere Fehler eben sozialdemokratischer Parteien waren, die zum Aufstieg von Rechtspopulisten wie in Ungarn beitrugen.

Zuletzt leisteten die Sozialdemokraten Rumäniens ein Schmuckstück, indem sie jede Korruption per Gesetz als nicht strafwürdig deklarierten. Warum fehlt dazu der große Aufschrei? Heute wählt Spanien: Vergessen wir nicht: in Andalusien beträgt die Arbeitslosigkeit 20 % und nach Andalusien drängen nun viele illegale Migranten als Ersatz für die gesperrte Balkanroute. Wir werden erfahren, wie die rechtspopulistische Partei Vox abschneidet. Den Spaniern, die Vox wählen, missfällt auch, dass die Sozialdemokraten Spaniens -laut Wiener Zeitung- die Kreuze und Bilder der Monarchie aus den Schulen entfernten und die Konservativen dies nicht rückgängig machten.

Der Kommentar selbst im Wortlaut:

Muss die FPÖ täglich demonstrativ geächtet werden, so wie andere Rechte quer durch Europa? Der Intensivwahlkampf zu den Europawahlen hat in Österreich gerade erst begonnen. Er wird relativ kurz ausfallen, denn schon in vier Wochen sind die Bürger dazu aufgerufen, sich für eine von sechs wahlwerbenden Parteien oder die Liste von Johannes Voggenhuber zu entscheiden. Ideologisch gesehen wäre die Bandbreite dabei also gar nicht so klein für ein EU-Land, in dem nur 18 von insgesamt 751 Mandaten im Europäischen Parlament zu vergeben sind.

Aber noch bevor diese ihre Klingen politisch so richtig gekreuzt haben, scheint es wieder einmal nur noch ein großes Thema zu geben: die FPÖ. Nicht dass extremistische Ausritte in deren Reihen zu ignorieren wären. Die Frage „Wie hältst du es mit den Blauen?“ ist aber so überbordend, dass alle anderen europarelevanten – und in Wahrheit viel wichtigeren – Themen verdrängt werden: Wer hat die besten Konzepte zum Klimawandel? Zur Schaffung von Jobs? Zur Bewältigung der Folgen der Digitalisierung, der Migration? Zur lebenslangen Weiterbildung? Und, und, und.

Stattdessen geht es im Kreis, um die FPÖ. Muss sie demonstrativ täglich geächtet werden, so wie andere Rechte quer durch Europa? Fragwürdige Positionierung Den bisher negativen Höhepunkt lieferte SPÖ-Spitzenkandidat Andreas Schieder in der „ZiB 2“ des ORF. Gleich zwei Mal hielt er ein Bild von Lega-Chef Matteo Salvini in die Kamera, der eine Maschinenpistole in Händen hält – ganz so, als wäre Italiens rechter Innenminister ein Amokläufer. Viel tiefer können sich ernsthafte Parteien im EU-Wahlkampf nicht positionieren: Indem sie stilistisch wie ihre rechten Gegner werden.

Die blauen Wahlstrategen dürfen sich freuen. Noch bevor sie mit ihren EU-skeptischen Slogans so richtig losgelegt haben, sind sie schon wieder in aller Munde. Alle gegen die FPÖ: In der schrillen Polarisierung fühlen sich freiheitliche Politiker am wohlsten. Ein Grund, warum Kleinparteien dann oft Probleme bekommen. Man kennt das von früheren Wahlen zur Genüge. Die sogenannten proeuropäischen Parteien diverser Richtungen täten gut daran, sich in Wahlkämpfen durch Ideen zu unterscheiden, mit Lösungen, ja sogar mit positiver Stimmung und Konzepten für das zukünftige Europa Wahlkampf zu betreiben – für ihre Sache, nicht nur gegen etwas. Eines fällt EU-weit übrigens auch auf: Die Rechtsparteien beherrschen das Handwerk zu mobilisieren, sie hauen sich rein. Die traditionellen Volksparteien sorgen hingegen kaum für Begeisterung. (Thomas Mayer, 26.4.2019) –
derstandard.at/2000102122621/EU-Wahlkampf-In-der-FPOe-Falle

Okto-TV: EU-Diskussion der Vereinigung für Medienkultur

Hans Högl

Der TV-Sender Okto berichtet in einem 33-minütigen OktoScout TV-Spezial von der spannenden Podiumsdiskussion „EU-Wahlkampf zwischen Fake und Fakten“, veranstaltet von der Vereinigung für Medienkultur im Presseclub Concordia.

Erstausstrahlung: 25.4.2019 um 21:35 auf Okto
Livestream: https://www.okto.tv/en/tv/Presseaussendung:

https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20190424_OTS0108/okto-spezial-eu-wahlkampf-zwischen-fake-und-fakten

On Demand:
https://www.okto.tv/de/oktothek/episode/5cbf2e175bb65

Wie Politik und Medien unsere Werte verraten

„Die große Heuchelei. Wie Politik und Medien unsere Werte verraten“ ist der Titel eines neuen Buches von Jürgen Todenhöfer. Eine Buchempfehlung.

Udo Bachmair

Der Kern des Buches umfasst das Thema Krieg und Frieden und die Rolle des Westens. Dieser müsse eine vermittelnde Rolle spielen. Viel mehr als heute. So sollten wir die westliche Partnerschaft durch eine strategische Partnerschaft mit Russland ergänzen, meint der Autor. Im Sinne eines dauerhaften Friedens in Europa.
Es geht in der bemerkenswerten Neuerscheinung zudem um die perfekte propagandistische Fähigkeit des Westens, Gewalt und Krieg gegen andere Völker in „edle Worte“ verpackt zu haben, wie etwa Freiheit, Humanität, Christianisierung, etc..

Jürgen Todenhöfers jüngstes Werk zeichnet sich durch eine schnörkellose Darstellung aus: „Immer wenn man tötete, sagte man: ‚Das ist eine humanitäre Aktion‘“. Wenn wir von „humanitären Kriegen“ sprechen, wäre die laut Todenhöfer korrekte Übersetzung: „Humanes Totschlagen“.

Albrecht Müller hat für die „NachDenkSeiten“ (www.nachdenkseiten.de) ein Gespräch mit Jürgen Todenhöfer über dessen Buch geführt. Hier ein kurzer Ausschnitt :

Erläutern Sie bitte die Begründung für den harten Titel Ihres Buches:

Jürgen Todenhöfer:
Das ist der Versuch, die Geschichte des Aufstiegs der Europäer und der Amerikaner in den letzten 500 Jahren ehrlich zu beschreiben. Und ich glaube, dass diese Geschichte der europäisch-amerikanischen Zivilisation umgeschrieben werden muss: wir, die Europäer und die Amerikaner haben die Welt ja nicht durch, wie wir immer sagen, durch unsere Werte und durch besondere Genialität der sogenannten weißen Rasse erobert, sondern durch eine grenzenlose Brutalität, die wir aber, und es gab auch andere brutale Weltmächte in der Geschichte der Menschheit, die wir aber, und das unterscheidet uns von anderen Großmächten, systematisch in edle Worte und edle Werte verpackt haben. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Christianisierung, Zivilisierung und so weiter.

Also, wir waren schon immer große Propagandisten?

Jürgen Todenhöfer:
Ja, ich glaube, dass der Mensch dazu neigt, und ich schließe mich davon nicht aus, das, was er tut, nicht im schlechtesten Licht, sondern in einem möglichst positiven Licht zu zeigen. Und auch andere Großmächte haben das versucht. Die Römer haben angeblich immer nur gerechte Kriege geführt. Aber es gibt in der Geschichte der Menschheit keine einzige Großmacht, die die Chuzpe gehabt hat, das Töten, das massenhafte Töten von Menschen als humanitäre Handlung darzustellen.

Das ist offensichtlich eine gewaltige „Leistung“.

Jürgen Todenhöfer

Das ist eine riesige Leistung, vor allem, wenn man an das Unrecht denkt in diesen 500 Jahren. Ich starte mal den Aufstieg der westlichen, der europäisch-amerikanischen Zivilisation mit Kolumbus, weil das auch dasselbe Jahr ist, als die islamische Hochkultur, die 800 Jahre dauerte, in Granada unterging. Wir haben seitdem weit über 100 Millionen massakriert, ganze Völker ausgerottet.

Wirtschaft denkt kurzfristig

Hans Högl

Die „Neue Zürcher“ ist zweifellos neben „Le Monde“ und „The Guardian“ und einer Reihe ausgezeichneter deutscher Blätter eine der besten in Europa. Dass sie in Deutschland kaum wahrgenommen wird, erstaunt. Auch die Sendung „Diagonal“ vom Kultursender Ö 1 drückte gegenüber der „Neuen Zürcher“ ihre Hochschätzung aus. Sie hat eines der besten Korrespondentennetze in Europa, sie bietet eine unglaubliche Detailvielfalt und versucht, korrekt zu sein – auch gegenüber Österreich ist sie differenziert kritisch. Ihr redaktionelle Hauptrichtung ist grundsätzlich sehr wirtschaftsliberal. Dass dies aber auch nicht immer zutrifft, zeigt der folgende Beitrag unten. In diesem Sinne ist es bedenklich, alle Medien von vornherein zu katalogisieren. So sagte mir ein als links geltender Publizistikprofessor, er hebe sich jede Nummer der „Neuen Zürcher“ auf.

«In der Wirtschaft wird so kurzfristig gedacht, oft sehr egoistisch», sagt der Milliardär Hansjörg Wyss. Hansjörg Wyss ist ein unkonventioneller Grüner. Er schützt ganze Landstriche als Wildnis und plädiert für CO2-Steuern sowie Atomstrom. 20.4.2019

Pressefreiheit und Minderheiten im Visier

In der Rangliste der Pressefreiheit ist Österreich von Platz 11 auf Platz 16 herabgestuft worden. Ein Anzeichen für eine autoritäre Agenda der Regierung auch gegenüber Minderheiten.

Udo Bachmair

Weithin unterbelichtet von einer breiteren Medien-Öffentlichkeit ist Österreich in der internationalen „Rangliste der Pressefreiheit“ gleich um 5 Plätze zurückgefallen. Deutlicher als jedes vergleichbare andere Land. Die renommierte Organisation „Reporter ohne Grenzen“ bezeichnet diese Entwicklung als „alarmierende massive Verschlechterung“.

Die Herabstufung erfolgte nach FPÖ-Angriffen und Drohungen vor allem gegen ORF-Journalisten. Unter weitgehender Duldung der größeren Regierungspartei ÖVP. Deren Schweigen sorgt auch parteiintern für Unmut. So sieht neben anderen auch Ex-ÖVP-Chef Mitterlehner die Republik bereits auf einem Weg in eine „autoritäre Demokratie“.

Gleichsam zur Untermauerung dieses Befunds kann der Umgang der Regierung auch mit konfessionellen Minderheiten herangezogen werden. So hat die Streichung des für die Evangelischen besonders wichtigen Karfreitags als Feiertag durch eine ehemals christlich-soziale Partei auch jüngst wieder für kritische Äußerungen gesorgt.

Bei der rechtspopulistischen Koalition dürfte die Kritik der evangelischen Minderheitskirchen jedoch weiter keinen Eindruck hinterlassen. Hat doch der Regierungschef selbst von 96 Prozent der Bevölkerung gesprochen, für die sich ja nichts ändert. Über die Interessen einer 4-Prozent-Minderheit kann man offenbar leichter „drüberfahren“ ..

Die evangelischen Kirchen wollen sich allerdings nicht unterkriegen lassen. Sie zeigen Selbstbewusstsein und Widerstandsgeist. Superintendentialkuratorin Petra Mandl bei einer gut besuchten Versammlung vor der Lutherischen Stadtkirche in der Wiener Dorotheergasse :

„Die diskriminierende Haltung, die diese Regierung gegenüber Minderheiten in unserer Gesellschaft zeigt, macht es dringend notwendig, ein Zeichen zu setzen“.

Ein Auftrag nicht zuletzt auch an die Medien dieses Landes, aufzuklären und ein weiteres Abgleiten Österreichs in eine „illiberale Demokratie“ zu verhindern.

Elektromagnetische Strahlen pro und contra

Hans Högl. Ein Medientipp

Vor neuen Techniken wurde schon immer gewarnt. Denken wir an die Gesundheits-Gefahren, die Experten im 19.Jahrhundert prognostizierten, weil die Eisenbahnzüge angeblich zu schnell fuhren. Tatsache ist, wir verdanken der Moderne auch im positiven Sinne sehr viel.

Dennoch: Es gilt achtsam zu sein: Die Sendung des Deutschlandradios Kultur (Do 18. April 2019 um 19:30) befasste sich lobenswerterweise mit der heiklen und selten gestellten Frage, ob Strahlungen durch Wlan, Smartphones und Mobilfunkmasten nur Wärme- Wirkungen haben oder auch solche auf Zellen, also möglicherweise krebserregend sind.

Seltsam erscheint es jedenfalls, dass vor allem industrienahe Vertreter e i n e s Vereines maßgebliche Institutionen beraten. Dies trifft auf die Weltgesundheitsorganisation (WHO), ferner auf die EU und auch auf das deutsche Bundesamt für Umweltschutz zu. In dieser Sendung wird darauf gedrängt, dass auch jene Forschungsergebnisse berücksichtigt werden, die zu anderen Ergebnissen kommen als der angeführte Verein. Dies ist umso drängender, da mit der nächsten Mobilfunkgeneration 5 G viele Sender hinzukommen, die mehr Energie als bisher ausstrahlen.
Diese informative Sendung kann per Mediathek weiter abgehört werden.

Zypern: Britische Militärbasen und russische Marine

Hans Högl

Die Mittelmeerinsel Zypern ist seit Jahrtausenden ein Zankapfel: Sie liegt im Schnittpunkt Europas, Asiens und Afrikas. Und England unterhält dazu bis Heute einen erstaunlichen Bezug, einen militärischen Brennpunkt, der uns Europäer auf dem „Kontinent“ wenig bekannt ist. Meine Zypernreise gab mir den Impuls, dem nachzugehen, was Massenmedien ausklammern und Reiseführer – wie jener von Dumont – knapp berühren.

Zypern stand von 1878 bis 1960 unter britischer Herrschaft. Von den Briten rühren der Linksverkehr und geläufige Stadtnamen wie Nikosia, das eigentlich Lefkosia heißt. Zypern ist heute de facto (!) zweigeteilt. Im Norden leben die Türkzyprer, im Süden die griechisch sprechenden. Mein Hotel war in einem weitläufigen gepflegten Ressort in Nordzypern bei Kyrenia (Girne). Der Hafen in Kyrenia lädt zum Bummeln ein – nahe der gigantischen, venezianischen Festung. Doch es gibt keine Altstadt wie im sehenswerten Nikosia. Kyrenia hat 31.000 Einwohner, das ist erstaunlich wenig, wenn man von der Klosterfestung St. Hilarion im Pentadaktylus-Gebirge auf das ausgedehnte Stadtgebiet blickt. In Kyrenia wurden unzählige Büros und Wohnhäuser errichtet -als Spekulationsobjekte – in der Hoffnung auf eine Eingliederung Nordzyperns in die EU. Südzypern ist Vollmitglied der EU. Der Euro ersetzte mit 1. Januar 2008 das Zypern-Pfund. 2013 war das Land zahlungsunfähig und erhielt von der EU Milliardenkredite. Doch erstmals wurden Bankkunden, die über 100.000 € auf der Bank liegen hatten, wurden zur Kasse gebeten und bis zu 50 % enteignet.(Dumont-Reiseführer). Viele Zyprer, darunter viele russische Investoren, verloren Millionen.

Eine britische Siedlung in der Nähe der Stadt Kyrenia trägt den verheißungsvollen Namen Bella Pais: Ihre Besitzer: Briten. Die Villen liegen am Hang des bewaldeten Pentadaktylus-Gebirges und so hoch, dass die Temperatur um 5 Grad niedriger ist als am Strand, wo der Hochsommer im Schnitt 35 Grad erreicht. Im nahen Kyrenia ist die anglikanische Kirche St. Andrew in baulich gutem Zustand- im Kontrast zu verlassenen, verwahrlosten griechisch-orthodoxen Kirchen. Denn die Zyprogriechen haben im Bürgerkrieg Nordzypern verlassen.

1960 wurde Zypern selbständig. Und jene Linie, welche die Insel in den Norden und Süden teilt, stammt von einem britischen Offizier. Diese Grenzziehung gilt als höchst fragwürdig. Wurde hier strukturell von den Briten ein Grenzkonflikt entworfen, der Hintergrund für den blutigen Bürgerkrieg wurde? Und dies nach der römischen Methode „Divide et Impera“?

Als die Briten 1960 Zypern in die Unabhängigkeit entließen, haben sie sich zuvor -1959- vertraglich Militärbasen ausbedungen, zwei Stückchen Land, zusammen nicht größer als 254 Quadratkilometer, also halb so groß wie früher Westberlin. Erinnern wir kurz an Gibraltar an der Südspitze Spaniens. Die beiden zyprischen Stützpunkte gehören völkerrechtlich zu Großbritannien, und es leben hier schätzungsweise 1.300 Militärs und zusätzlich 5.000 britische Staatsbürger, die entweder Militärangehörige oder zivile Angestellte sind (Wikipedia). Akrotiri ist westlich von Limassol gelegen und beherbergt eine Garnison mit einem Infanteriebataillon sowie einen Militärflugplatz. In der Nähe von Akrotiri stehen Radaranlagen. Damit können Luftbewegungen über den Horizont hinaus bis nach Afghanistan, Kasachstan und Russland beobachtet werden. Die beiden Militärbasen sind für militärische Aufklärung von Gewicht. Dabei kooperiert die britische Agentur GCHQ  eng mit ihrem US-amerikanischen Pendant, der National Security Agency (NSA).  Sie zapften die Unterseekabel an, um den Datenverkehr aus dem Nahen Osten zu verfolgen. Das geht aus den Snowden-Dokumenten hervor.

Aber Zypern spielt als militärisches Drehkreuz ganz levantinisch auch auf einem anderen Klavier: Die russische Regierung kann seit 2014 den Luftwaffenstützpunkt der zypriotischen Streitkräfte in der Stadt Pafos nutzen. Darauf einigten sich Zypern und das russische Außenministerium (Der Standard). Die russische Marine darf auch dauerhaft den Hafen in Limassol nutzen, was sie regelmäßig und oft zum Betanken ihrer Kriegsschiffe tat. Der Grund für das russisch-zypriotische Abkommen war der Krieg in Syrien. Nur 200 Kilometer sind es vom EU-Land Zypern bis zur syrischen Küste.

Zurück zu den Angelsachsen: Immer wieder sieht man US-amerikanische Privatuniversitäten auf Zypern. Die britischen Militärbasen gehören zum Zollgebiet der Europäischen Union (Wikipedia). Wie wird das Großbritannien im Brexitverfahren regeln? Ein großes Medienlob am Schluss: Der österreichische Kultursender Ö 1 bot im März 2019 eine Fülle von Berichten über die Insel Zypern.

Ängste und Feindbilder als Strategie

Das Schüren von Ängsten gilt als wesentliche Strategie rechtspopulistischer Polemik und Politik.

Udo Bachmair

Ängste und Emotionen entfachen, Hass und Hetze gegen soziale, ethnische oder religiöse Minderheiten provozieren, unermüdlich an Feindbildern arbeiten. Das und mehr sind Ingredienzien rechtspopulistischer Politik und Medien, die auch im anlaufenden EU-Wahlkampf eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen werden.

Die menschenrechtlich und demokratiepolitisch höchst bedenkliche Entwicklung war eines der Themen auch in der jüngsten von der Vereinigung für Medienkultur veranstalteten Podiumsdiskussion „EU-Wahlkampf zwischen Fake und Fakten“. Vor allem die Ängste werden von Politik und Medien mitunter weidlich missbraucht.

Zum Thema Angst hat uns Tobias Waltjen, einer der Besucher der Veranstaltung im Presseclub Concordia, die folgenden nachdenkenswerten Reflexionen übermittelt:

„Man sollte glauben, zuerst erfahre ich von einer Gefahr, dann bekomme ich Angst. Vielleicht ist es aber umgekehrt: ich bringe die Angst schon mit, ohne mir darüber im Klaren zu sein, weshalb und wovor. Dann bekomme ich (eventuell von interessierter Seite) eine Theorie, einen Deutungsvorschlag, ein Bedrohungsbild angeboten, das meine Angst erklärt und vor allem rechtfertigt. Wenn ich das Angebot annehme, bekommt meine Angst einen Namen, wird mitteilbar, bringt mich in Gesellschaft (mit gleichgesinnten Angsthasen). Das funktioniert besonders gut mit Angstgründen, die mich in Wirklichkeit nicht betreffen: Antisemitismus ohne Juden, Migrationsängste ohne Migranten, denn konkrete Furcht vor etwas lässt sich nicht so leicht umdefinieren, wie diffuse Ängste.

Angst braucht keine Gründe, „Angst hat immer Recht“ (Lacan), aber wir brauchen Rechtfertigungen. Das System von Rechtfertigungen hat keine rationale Verbindung zum Zustand der Angst, sondern schwebt quasi unverbunden darüber.

Es bleibt also unsere individuelle Verantwortung, aber auch die der Parteien mit Führungsanspruch, den Haushalt der Vorstellungen, warum und wovor wir Angst haben sollten, aktiv so zu pflegen, dass wir (die Gesellschaft) sich dennoch weiter als handlungsfähig erleben, denn nur das baut Angst ab.“

( Dr. Tobias Waltjen )