Archiv der Kategorie: Medien und Bildung / Religion

Digitaler Konsum belastet das Klima

Hans Högl

Auf einen bisher wenig bekannten Aspekt der Umweltbelastung möchte ich hinweisen. Solch` seltene Infos zu kommunizieren, ist unter anderem Aufgabe der Medienkultur. Den Text entnehme ich der Qualitätszeitung, der Neuen Zürcher (online vom 16.April 2019). Ich reihe dies auch in die Rubrik Medien-Ökologie ein- denn auch Medien haben einen Bezug zur Ökologie- wie in diesem Falle. Was digital ist, muss noch lange nicht grün sein. Die Umweltkosten der Informations- und Kommunikationstechnologie (ICT) werden zumeist unterschätzt. Ein wichtiger Treiber für einen rasch steigenden Stromverbrauch ist das Streaming von Videos.

Unterwegs zehn Minuten ein Video anschauen braucht gleich viel Strom wie ein Elektroofen während fünf Minuten im Vollbetrieb.
Bei der Klimadiskussion sind die Rollen klar verteilt: Auf der Seite der «Bösen» stehen die Schwerindustrie, der Verkehr und die Landwirtschaft. Zu den «Guten» gehören demgegenüber die meisten Dienstleister, weil deren Produkte – etwa Versicherungen oder Kredite – eher immaterieller Natur sind. Die Informations- und Kommunikationstechnologie (ICT) wird bei die­ser Einteilung meist der guten Seite zugeordnet. Die Digitalisierung gilt als Teil der Lösung und nicht als Teil des Klimaproblems. Schliesslich werden die elektronischen Gadgets ja im­mer kleiner. Und die über Displays genutzten Dienste muten irgendwie virtuell an – und somit schadstoffarm.

Schädlicher als die Luftfahrt

Doch die Sache ist komplexer. Das zeigt eine Studie der französischen Denkfabrik «The Shift Project». Die Organisation hat den ökologischen Fussabdruck der vermeintlich sauberen ICT-Branche zu mes­sen versucht. Sie kommt zum Schluss, dass die umweltpolitischen Folgen der digitalen Wirtschaft konstant unter­schätzt werden. Grund dafür sei nicht nur die fortschreitende Miniaturisierung der Geräte, sondern auch die «Unsichtbarkeit» der verwendeten Infrastruktur – ein Phänomen, das verstärkt werde durch die wachsende Verfügbarkeit von Dienstleistungen in der sogenannten Datenwolke. Das Cloud-Computing sorge dafür, dass die physische Realität digitaler Produkte noch schwieriger wahrnehmbar werde.

Gar so wolkig-harmlos ist die Schadstoffbilanz der Branche nämlich nicht. So wird der An­teil der ICT-Branche an den weltweiten Treibhausgasemissionen auf 3,7% geschätzt; das ist fast doppelt so viel wie der Beitrag der zivilen Luftfahrt (2%) und knapp die Hälfte des Schadstoffausstosses aller Personenfahrzeuge und Motorräder (8%). Sorgen macht den Studienautoren vor allem die rasche Zunahme des digitalen Energieverbrauchs um zirka 9% pro Jahr. Setzt sich dieser Trend fort und steigt das Datenvolumen im Internet weiterhin um rund 30% pro Jahr, wäre die ICT-Branche schon 2025 für 8% aller Treibhausgasemissionen ver­antwortlich.

Was sind die wichtigsten Gründe für den rasant steigenden Energieverbrauch der Branche? Genannt werden vier Treiber. Erstens die weltweit um zirka 11% pro Jahr wachsende Zahl von Smartphones und deren immer energieintensivere Features. Zweitens die wachsende Verbreitung digital vernetzter Peripheriegeräte in Freizeit und Haushalt, seien es Fitness-Armbänder oder komplexe Überwachungssysteme. Drittens der Aufstieg des Internets industrieller Dinge. Und viertens die Explosion des Datenverkehrs, was primär auf Angebote internationaler Tech-Giganten wie Google, Apple, Facebook, Amazon, Baidu oder Alibaba zurückgeführt wird.

Energieintensität nimmt zu

Während die Energieintensität des globalen Bruttoinlandprodukts derzeit um 1,8% pro Jahr sinkt, ist bei der ICT-Branche das Gegenteil der Fall. Deren Energieintensität wächst um 4%. Das heisst, der Konsum von 1 Euro an digitaler Technologie verursacht einen Energiekonsum, der 37% höher ist als noch im Jahr 2010. Dass die digitalen Geräte immer leistungsfähiger werden, ändert daran wenig, denn gleichzeitig steigt auch die Nutzung. Ein Beispiel: Zwar hat die Batteriekapazität von Smartphones in den letzten fünf Jahren um 50% zugelegt. Die Häufigkeit des Aufladens ist in diesem Zeitraum aber konstant geblieben, zumal die Geräte nun einfach länger genutzt werden; ein typisches Beispiel eines Rebound-Effekts.

Die Abschätzung von Klimaschäden ist zwar mit viel Unsicherheiten verbunden. Dennoch zeigt die Studie, dass auch vermeintlich unverdächtige Aktivitäten mit umweltpolitischen Kosten verbunden sind. Ein Bei­spiel ist das Streaming von Videos, das für über 80% der Zunahme des Datenverkehrs im Internet verantwortlich ist. Der vor allem bei jungen Generationen populäre Zeitvertreib benötigt 1500-mal mehr Energie als der gewöhnliche Betrieb eines Smartphones. Wer zehn Minuten über die Cloud ein Video anschaut, verbraucht gleich viel Strom, wie wenn er während fünf Stunden nonstop E-Mails mit angehängten Dateien verschickt. Oder wenn jemand während fünf Minuten einen elektronischen 2000-Watt-Ofen mit voller Kraft im Heizbetrieb hält.

Doch darf man den steigenden Stromverbrauch des Internets pauschal der ICT-Branche anlasten? Zweifel an einer solchen Lesart hat Jean-Marc Hensch, Geschäftsführer von Swico, dem Wirtschaftsverband der Schweizer ICT- und Online-Branche. Wenn ein Journalist eine E-Mail verschicke, so Hensch, müsse der da­mit verbundene Stromverbrauch eigentlich eher dem Mediensektor angelastet werden. Letztlich stelle die ICT-Industrie ja nur die Apparate zur Verfügung, um den Konsumenten elektronische Kommunikation oder das Speichern von Daten zu er­möglichen. Entsprechend fragwürdig sei es, wenn im Rahmen der «Klimastreiks» betont wer­de, eine kleine Zahl von 100 Unternehmen sei für drei Viertel der CO2-Emissionen verantwortlich.

Im Visier der Umweltorganisationen

Tatsächlich stehen hinter dem Stromverbrauch letztlich immer eigenverantwortliche Konsumenten, die mehr Datenvolumen nachfragen, oder neue Smartphones, deren Produktion auch Seltenerdmetalle benötigen. All dies den ICT-Firmen anzulasten, greift zu kurz. Dennoch geraten die Unternehmen zusehends ins Visier von Umweltorganisationen. Green­peace publiziert etwa unter dem Titel «The Guide to Greener Electronics» ein Ranking zur Umweltpolitik grosser ICT-Firmen. Bezüglich Transparenz schneidet dabei Amazon wenig löblich ab. Apple, Microsoft und Samsung wird derweil vorgeworfen, sie würden die Lebensdauer ihrer Produkte absichtlich verkürzen, indem Reparaturen oder Upgrades unnötig erschwert würden. Die Zeiten, in denen digital mit grün gleichgesetzt wurde, scheinen endgültig vorbei zu sein.

Zypern: Britische Militärbasen und russische Marine

Hans Högl

Die Mittelmeerinsel Zypern ist seit Jahrtausenden ein Zankapfel: Sie liegt im Schnittpunkt Europas, Asiens und Afrikas. Und England unterhält dazu bis Heute einen erstaunlichen Bezug, einen militärischen Brennpunkt, der uns Europäer auf dem „Kontinent“ wenig bekannt ist. Meine Zypernreise gab mir den Impuls, dem nachzugehen, was Massenmedien ausklammern und Reiseführer – wie jener von Dumont – knapp berühren.

Zypern stand von 1878 bis 1960 unter britischer Herrschaft. Von den Briten rühren der Linksverkehr und geläufige Stadtnamen wie Nikosia, das eigentlich Lefkosia heißt. Zypern ist heute de facto (!) zweigeteilt. Im Norden leben die Türkzyprer, im Süden die griechisch sprechenden. Mein Hotel war in einem weitläufigen gepflegten Ressort in Nordzypern bei Kyrenia (Girne). Der Hafen in Kyrenia lädt zum Bummeln ein – nahe der gigantischen, venezianischen Festung. Doch es gibt keine Altstadt wie im sehenswerten Nikosia. Kyrenia hat 31.000 Einwohner, das ist erstaunlich wenig, wenn man von der Klosterfestung St. Hilarion im Pentadaktylus-Gebirge auf das ausgedehnte Stadtgebiet blickt. In Kyrenia wurden unzählige Büros und Wohnhäuser errichtet -als Spekulationsobjekte – in der Hoffnung auf eine Eingliederung Nordzyperns in die EU. Südzypern ist Vollmitglied der EU. Der Euro ersetzte mit 1. Januar 2008 das Zypern-Pfund. 2013 war das Land zahlungsunfähig und erhielt von der EU Milliardenkredite. Doch erstmals wurden Bankkunden, die über 100.000 € auf der Bank liegen hatten, wurden zur Kasse gebeten und bis zu 50 % enteignet.(Dumont-Reiseführer). Viele Zyprer, darunter viele russische Investoren, verloren Millionen.

Eine britische Siedlung in der Nähe der Stadt Kyrenia trägt den verheißungsvollen Namen Bella Pais: Ihre Besitzer: Briten. Die Villen liegen am Hang des bewaldeten Pentadaktylus-Gebirges und so hoch, dass die Temperatur um 5 Grad niedriger ist als am Strand, wo der Hochsommer im Schnitt 35 Grad erreicht. Im nahen Kyrenia ist die anglikanische Kirche St. Andrew in baulich gutem Zustand- im Kontrast zu verlassenen, verwahrlosten griechisch-orthodoxen Kirchen. Denn die Zyprogriechen haben im Bürgerkrieg Nordzypern verlassen.

1960 wurde Zypern selbständig. Und jene Linie, welche die Insel in den Norden und Süden teilt, stammt von einem britischen Offizier. Diese Grenzziehung gilt als höchst fragwürdig. Wurde hier strukturell von den Briten ein Grenzkonflikt entworfen, der Hintergrund für den blutigen Bürgerkrieg wurde? Und dies nach der römischen Methode „Divide et Impera“?

Als die Briten 1960 Zypern in die Unabhängigkeit entließen, haben sie sich zuvor -1959- vertraglich Militärbasen ausbedungen, zwei Stückchen Land, zusammen nicht größer als 254 Quadratkilometer, also halb so groß wie früher Westberlin. Erinnern wir kurz an Gibraltar an der Südspitze Spaniens. Die beiden zyprischen Stützpunkte gehören völkerrechtlich zu Großbritannien, und es leben hier schätzungsweise 1.300 Militärs und zusätzlich 5.000 britische Staatsbürger, die entweder Militärangehörige oder zivile Angestellte sind (Wikipedia). Akrotiri ist westlich von Limassol gelegen und beherbergt eine Garnison mit einem Infanteriebataillon sowie einen Militärflugplatz. In der Nähe von Akrotiri stehen Radaranlagen. Damit können Luftbewegungen über den Horizont hinaus bis nach Afghanistan, Kasachstan und Russland beobachtet werden. Die beiden Militärbasen sind für militärische Aufklärung von Gewicht. Dabei kooperiert die britische Agentur GCHQ  eng mit ihrem US-amerikanischen Pendant, der National Security Agency (NSA).  Sie zapften die Unterseekabel an, um den Datenverkehr aus dem Nahen Osten zu verfolgen. Das geht aus den Snowden-Dokumenten hervor.

Aber Zypern spielt als militärisches Drehkreuz ganz levantinisch auch auf einem anderen Klavier: Die russische Regierung kann seit 2014 den Luftwaffenstützpunkt der zypriotischen Streitkräfte in der Stadt Pafos nutzen. Darauf einigten sich Zypern und das russische Außenministerium (Der Standard). Die russische Marine darf auch dauerhaft den Hafen in Limassol nutzen, was sie regelmäßig und oft zum Betanken ihrer Kriegsschiffe tat. Der Grund für das russisch-zypriotische Abkommen war der Krieg in Syrien. Nur 200 Kilometer sind es vom EU-Land Zypern bis zur syrischen Küste.

Zurück zu den Angelsachsen: Immer wieder sieht man US-amerikanische Privatuniversitäten auf Zypern. Die britischen Militärbasen gehören zum Zollgebiet der Europäischen Union (Wikipedia). Wie wird das Großbritannien im Brexitverfahren regeln? Ein großes Medienlob am Schluss: Der österreichische Kultursender Ö 1 bot im März 2019 eine Fülle von Berichten über die Insel Zypern.

Ängste und Feindbilder als Strategie

Das Schüren von Ängsten gilt als wesentliche Strategie rechtspopulistischer Polemik und Politik.

Udo Bachmair

Ängste und Emotionen entfachen, Hass und Hetze gegen soziale, ethnische oder religiöse Minderheiten provozieren, unermüdlich an Feindbildern arbeiten. Das und mehr sind Ingredienzien rechtspopulistischer Politik und Medien, die auch im anlaufenden EU-Wahlkampf eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen werden.

Die menschenrechtlich und demokratiepolitisch höchst bedenkliche Entwicklung war eines der Themen auch in der jüngsten von der Vereinigung für Medienkultur veranstalteten Podiumsdiskussion „EU-Wahlkampf zwischen Fake und Fakten“. Vor allem die Ängste werden von Politik und Medien mitunter weidlich missbraucht.

Zum Thema Angst hat uns Tobias Waltjen, einer der Besucher der Veranstaltung im Presseclub Concordia, die folgenden nachdenkenswerten Reflexionen übermittelt:

„Man sollte glauben, zuerst erfahre ich von einer Gefahr, dann bekomme ich Angst. Vielleicht ist es aber umgekehrt: ich bringe die Angst schon mit, ohne mir darüber im Klaren zu sein, weshalb und wovor. Dann bekomme ich (eventuell von interessierter Seite) eine Theorie, einen Deutungsvorschlag, ein Bedrohungsbild angeboten, das meine Angst erklärt und vor allem rechtfertigt. Wenn ich das Angebot annehme, bekommt meine Angst einen Namen, wird mitteilbar, bringt mich in Gesellschaft (mit gleichgesinnten Angsthasen). Das funktioniert besonders gut mit Angstgründen, die mich in Wirklichkeit nicht betreffen: Antisemitismus ohne Juden, Migrationsängste ohne Migranten, denn konkrete Furcht vor etwas lässt sich nicht so leicht umdefinieren, wie diffuse Ängste.

Angst braucht keine Gründe, „Angst hat immer Recht“ (Lacan), aber wir brauchen Rechtfertigungen. Das System von Rechtfertigungen hat keine rationale Verbindung zum Zustand der Angst, sondern schwebt quasi unverbunden darüber.

Es bleibt also unsere individuelle Verantwortung, aber auch die der Parteien mit Führungsanspruch, den Haushalt der Vorstellungen, warum und wovor wir Angst haben sollten, aktiv so zu pflegen, dass wir (die Gesellschaft) sich dennoch weiter als handlungsfähig erleben, denn nur das baut Angst ab.“

( Dr. Tobias Waltjen )

Gefahren aggressiver Sprache in Medien und Politik

„EU-Wahlkampf zwischen Fake und Fakten“ war der Titel einer gut besuchten Podiumsdiskussion der Vereinigung für Medienkultur. Als Nachlese im Folgenden ein weiterer Beitrag.

Hermine Schreiberhuber *

Aus der Sicht des Journalismus geht es im politischen Diskurs generell um den Inhalt und um die Form. Mit dem Wandel der medialen Mittel und der Macht der sozialen Medien gingen neue Entwicklungen einher, verbunden mit der Gefahr, dass oft mit Formen statt mit Inhalten operiert – und in der Folge manipuliert wird.

Bei der Sprache im politischen Diskurs ist eine Verschlechterung in der Anwendung
festzustellen. In der Arbeitswelt, bei öffentlichen Auftritten wird lockeres Outfit heute zunehmend akzeptiert. Doch im Umgang mit Worten ist Achtsamkeit unerlässlich. Das eine ist ein zu sorgloser Umgang mit der Sprache. Das andere aber ist eine bewusste Wortwahl, mit dem Ziel, zu emotionalisieren, zu provozieren. Politiker und Medien sind gefordert, sprachliche Sorgfalt walten lassen. Gerade in Wahlkämpfen.

Bei überzeichneter und aggressiver Wortwahl kommt in den sozialen Netzwerken oft ein Prozess in Gang, der viele Gefahren birgt. Falschmeldungen, Desinformation werden lanciert statt korrekten Inhalten. Fake News werden losgelassen, ohne Quelle und ohne Kontrolle. Diese wiederum rufen eine Hyper-Emotionalisierung hervor. Wieder stellt sich die Frage: Ist das gewollt, gesteuert? Oder ist das ungewollt, wie eine Lawine in der Natur?

Hasskommentare statt nüchterner Analyse sind oft Werkzeug solcher Manipulation. Sie werden blitzartig ins Netz gestellt, von Internet-Betreibern wie von Nutzern, finden aber auch in Online-Diensten von Printmedien Eingang. Denn Feedback und Meinung sind gefragt. Sozusagen nach dem Motto: „Jeder spielt Journalist“.

Fragwürdige Inhalte bedienen sich vieler Transportmittel. Dass Gefahren in Facebook und Google lauern, wird zunehmend thematisiert. Eine bestimmte Klientel wird gezielt ins Visier genommen. Zuletzt begann die Politik damit, legistische Maßnahmen zu ergreifen. Diese Thematik wird uns noch lange beschäftigen, weit über die Grundfrage hinaus: Braucht das Internet Einschränkungen oder sind staatliche Eingriffe Zensur?

Der Populismus setzt sich zum Ziel, den ohnehin schon emotionalisierten Bürgern
zu liefern, was sie wollen. Dahinter versteckt sich: Wir vermitteln keine Botschaft. Die sozialen Medien eignen sich perfekt für diese Zielrichtung. Die Thesen des Politik-Beraters Giuliano da Empoli, Autor des Buches “Les engenieurs du chaos” lauten:
Persönliche Teilnahme am Diskurs wird geboten oder vorgespiegelt, starke Gefühle wie Wut und Angst werden bedient.

Auf der anderen Seite liefern traditionelle Parteien keine zufrieden stellenden Antworten, während populistische Parteien/Strömungen von links und rechts die Wutbürger ansprechen. In einer Debatte geht es um beides – Vernunft und Gefühl.
Ein Paradebeispiel dafür bietet der Brexit, wo der Zuhörer und Zuseher oft nicht mehr zwischen vernunft- und gefühlsbetonten Argumenten unterscheiden kann. Empoli fordert „eine Balance zwischen Vernunft und Gefühl“ („Der Standard“).

Die politische Aktualität hat bisher bei der Themenwahl im EU-Wahlkampf nicht viel Spielraum gelassen. Nationalismen prägten den Diskurs, verbunden mit einer Abkehr von den Errungenschaften der EU, der kulturellen, religiösen, sprachlichen Vielfalt in den Staaten Ost- und West-Europas. Neben dem Prioritätsthema Brexit, dessen Lösung weiter offen ist, werden EU-weit Migration und Klima breit thematisiert. Im Westen nichts Neues? Zwischendurch einige Informationen über die katalanischen Separatisten. Im Osten nichts Neues? Allenfalls kamen Ungarn unter Orban und der Disput um die Soros-Universität vor.

Schade. Viele Medien sitzen auf den genannten Schwerpunktthemen. Es ist wie in einer Kettenreaktion. Ungefiltert wird viel hineingepackt. Gesellschaftspolitische und soziale Fragen sollten oft näher beleuchtet werden, ohne ideologische Hetze.

Bleibt zu hoffen, dass angesichts der Emotionalisierungsflut in den sozialen Medien bei den Usern ein gewisser Sättigungseffekt eintritt, dass sie zu voreingenommener Information wieder Abstand gewinnen. Bürger vermissen auch Authentizität bei den Politikern. Und der Bildungsauftrag für die junge Generation besteht weiter. Sie ist es, die die Zukunft gestalten wird.

* Mag.a Hermine Schreiberhuber ist langjährige APA-Journalistin und Vorstandsmitglied der Vereinigung für Medienkultur

EU-Wahlkampf als Schlammschlacht ?

In knapp 2 Monaten ist es soweit: Die Wahlen zum EU-Parlament werden dann bereits geschlagen sein. Bis dahin wird der EU-Wahlkampf Woche für Woche zunehmend auf Touren kommen. Eine Kampagne geprägt von sachorientiertem Disput oder eher dominiert von populistischer Polemik ?

Udo Bachmair

Der EU-Wahlkampf könnte zur Schlammschlacht verkommen. Politik und Medien sind daher besonders gefordert, zu konstruktiven Auseinandersetzungen beizutragen. Verrohung und Radikalisierung politischer Sprache lassen nicht nur auf nationaler Ebene, sondern auch EU-weit Seriosität und Differenzierung vermissen. Durch einen vorwiegend rechten Populismus gewinnen Vereinfachungen, Halbwahrheiten, Falschmeldungen, Schwarz-Weiß-Malerei und Freund-Feind-Denken die Oberhand. Eine auch demokratiepolitisch bedenkliche Entwicklung.

Die Thematik, erörtert an besonders emotional besetzten Beispielen wie Migration oder Klimawandel, ist Gegenstand einer Podiumsdiskussion am 4. April im Presseclub Concordia. Sie sind dazu namens der Vereinigung für Medienkultur herzlich eingeladen :

EU-Wahlkampf zwischen Fake und Fakten

Zeit: Donnerstag, 4.4. 2019, 18.30 Uhr

Ort: Presseclub Concordia, Bankgasse 8, 1010 Wien

Am Podium:

Claudia Gamon
NEOS-Spitzenkandidatin für die EU-Wahl

Prof. Dr. Walter Ötsch
Publizist, Kulturwissenschafter, Experte für demagogisch geprägte politische Diskurse

Mag.a Hermine Schreiberhuber
Journalistin, ehemalige Vizechefin der APA-Außenpolitik

Petra Steger
FPÖ-Kandidatin für die EU-Wahl ( angefragt )

Johannes Voggenhuber
Langjähriger EU-Mandatar, 1Europa-Kandidat der Liste JETZT für die EU-Wahl

Moderation:

Udo Bachmair, Bakk.phil.
Präsident der Vereinigung für Medienkultur ( früher ORF )

Anmeldung: stifter@medienkultur.at

Nationalisten als Brandstifter

Aufgefallen

Zitat des Tages :
(ausgewählt von Udo Bachmair)

„Der Brexit ist das reale Experiment des durchgeknallten Nationalismus. Die Brexiteers standen mit dem Benzinkanister auf offener Bühne und steckten alles in Brand. Am nächsten Tag rannten sie davon und überließen das Löschen den Übriggebliebenen. Niemand mit Verstand kann so eine Politik befürworten.“

( Werner Kogler, grüner Bundessprecher und Spitzenkandidat für die EU-Wahl am Rande einer Demonstration für mutigere Klimapolitik laut einem Bericht von KURIER-Redakteur Christian Böhmer )

Umgang mit digitalen Geräten. Multitasking? Auszeit nehmen!

Symposion: Mensch und Digitalisierung 15.-16.3.2019 in St.Pölten.
Bericht von Jakob Herburger-Folge 2
(ausgewählt von Hans Högl)

Der Neurobiologe und Hirnforscher Bernd Hufnagl ist Autor des Buches „Besser fix als fertig! Hirngerecht arbeiten in der Welt des Multitasking (Graz 2014). Er fragte gleich zu Beginn: „Haben Sie auch schon bemerkt, dass Rasenmähen oder andere handwerkliche Tätigkeiten total entspannend sind? In der digitalen Welt etwas scheinbar Anachronistisches. Ist es aber nicht, es ist Ausdruck der Sehnsucht nach dem Einfachen, dem Über- und Durchschaubaren, dem Bewältigbaren.

Unser Gehirn benötigt dieses Gefühl zur Beruhigung. Stimmt die Hypothese, dass die digitalisierte Welt keine idealen Rahmenbedingungen für Glück, Gesundheit, Motivation und Kreativität bietet? Sind wir Opfer des Systems, oder sind wir eigenverantwortlich für die Schaffung hirngerechter Bedingungen?“

Aufmerksamkeitsprobleme, Ungeduld und zunehmende Oberflächlichkeit seien Auswirkungen der Digitalisierung auf unser Gehirn. Zusätzlich werden Demotivation, Stress und Burnout zu immer verbreiteteren gesundheitlichen Bedrohungsszenarien.

Die Nichtvorhersagbarkeit von Störungen wie Telefonaten, E-Mails und anderen Nachrichten sei Hauptgrund für Burn-out, Überlastung und Krankheiten. „Wenn jemand ein neues E-Mail bekommt, erscheint am rechten unteren Bildschirmrand kurz eine Meldung. Die meisten Menschen öffnen dann binnen 7 Sekunden die neue Nachricht und unterbrechen so ihren Arbeitsfluss.“ Diese Option sollte aus Sicht von Herrn Hufnagl deaktiviert werden.

„Wenn Sie sich nie vor Augen halten, was Sie am vergangenen Arbeitstag tatsächlich gemacht haben, was Ihr Erfolgserlebnis des Tages war, dann werden sie psychisch krank. Falscher Umgang mit digitalen Geräten verhindert solche Selbstreflexion“, so Bernd Hufnagl.

Sich von Menschen und Geräten nicht hinunterziehen lassen: „Wie geht es Ihnen mit Menschen, die Sie auslaugen und hinunterziehen? Treffen Sie solche Menschen einfach weniger oft. Treffen Sie öfters Menschen, die Sie hinaufheben und von denen Sie lernen können.“ Wenn jemand nur jammere, dann solle aber die Erzählung durchaus hinterfragt werden. Dies könne helfen, Dinge nüchterner zu sehen.

Abschließend appellierte er an alle Anwesenden, sich von digitalen Geräten nicht beherrschen zu lassen. „Das sind nur Geräte. Wir entscheiden, wie wir mit ihnen umgehen. Nehmen Sie sich bewusst Auszeiten von digitaler Erreichbarkeit und verlieren Sie eines nicht: Tagträume.“

„Jetztismus“ ist Hauptproblem

Laut der Soziologin, Kommunikationswissenschaftlerin und Datenbankspezialistin Maren Berka.
ist das Hauptproblem im Spannungsfeld „Mensch und Digitalisierung“ der ausufernde „Jetztismus“. Maren Berka meint damit „die zunehmende Anzahl der Kommunikationskanäle, über die Erwartungen aufgebaut werden“. Jetztismus zu bedienen heiße „alles soll jetzt und sofort passieren, beantwortet und umgesetzt werden.“
Sie persönlich würde an Sonntagen keine elektronische Nachricht und auch kein Telefonanruf erreichen: „Mir reichen die hunderten E-Mails, die ich während der Werktage bekomme. Ich brauche am Sonntag Ruhe.“

Verleger wollen Geld von Google

Beitrag der Neuen Zürcher Zeitung
(ausgewählt von Hans Högl)

Mit der Anpassung des EU-Urheberrechts sollen die Copyright-Richtlinien dem digitalen Zeitalter angepasst werden. Das EU-Urheberrecht wurde 2001 das letzte Mal reformiert. Google und andere Internetplattformen sollen künftig nicht mehr ohne weiteres Überschriften oder Ausschnitte von Pressetexten anzeigen dürfen. Deshalb will die EU ein sogenanntes Leistungsschutzrecht einführen. Es soll allerdings auch Ausnahmen vom Gesetz geben, denn es ist noch nicht abschliessend geregelt, was unter «sehr kurzen Auszügen» zu verstehen sei. Die Genehmigung der Presseverlage sei deshalb nicht in jedem Fall zwingend.

Klimawandel – wenige gute Infos in Medien

Gastbeitrag: Dipl.-Ing. Marion Jaros
Wiener Umweltanwaltschaft
Muthgasse 62

Liebe Klimaschutz-Bewegte!

Die Medien bringen immer noch verhältnismäßig wenig gute Informationssendungen zum Klimawandel. Viel zu wenige Menschen wissen deshalb über die tatsächliche Gefährlichkeit des Klimawandels und sein immer rascheres Fortschreiten ausreichend Bescheid.

Da Bilder der Bevölkerung oft mehr sagen als Zahlen und wissenschaftliche Grafiken, sende ich Ihnen anbei den Sharepoint-Link eines Lehrers, von dem aus man aktuelle Dokumentationen über das Fortschreiten des Klimawandels in verschiedenen Ländern und den Einfluss des Klimawandels auf die Menschheitsgeschichte anschauen und auch downloaden kann.

https://hblva17-my.sharepoint.com/:f:/g/personal/michael_kraus_hblva17_ac_at/Eh8ExnzgTEBHluX_gqFSRT4BMng5yrzTf_NzWSOKPxp_Gg?e=eXbGVq

Zusätzlich noch ein informatives 4 min Video zum Jetstream aus den deutschen Wetternachrichten, wo man sieht, dass auch die Nordhalbkugel stark vom Klimawandel betroffen ist:
https://www.daserste.de/information/nachrichten-wetter/wetter/videos/klimawandel-braende-kalifornien-regen-italien-100.html?fbclid=IwAR3WdaCXa8335ZkpAZxe-51I_qO8gXzrhOVjMXbL-Swec7wiGqnPa38SB58

Medien suchen Publikumskontakte

Hans Högl

Die „Vereinigung für Medienkultur“ ist seit 1995 aktiv in der Beobachtung der Medien aus Sicht des Publikums. Ob wir erfolgreich sind? Da kann man unterschiedlicher Meinung sein. Tatsache ist, ich schrieb einen Kommentar in einer Zeitung und fügte an, dass ich für den Blog www.medienkultur.at schreibe. Dies wurde nicht publiziert. Dies ist ein Zeichen, dass Medien mit medienkritischen Vereinen keine rechte Freude haben. Dies trifft auch für den ORF seit LANGEM zu, für den der Publikumsrat eine minimale Bedeutung hat.Keine Frage: Sehr lange saß „Journalismus“ auf hohem Ross!

Umso überraschender ist, dass ein Spitzenprodukt der Printmedien, die „Neue Zürcher Zeitung“, direkten Kontakt mit dem Publikum sucht (siehe unten).Ohne hier irgendeine Vollständigkeit zu beanspruchen, beobachte ich mit Interesse, dass auch die steirische „Kleine Zeitung“ systematisch Kontakt mit ihrem Publikum sucht.

Text der Neuen Zürcher (Online 14.März 2018).

„Und zum Schluss noch etwas in eigener Sache: Wie beurteilen Sie die NZZ? Ihre Meinung, Ihre Kritik, Ihre Anregungen interessieren uns. Wir laden Sie deshalb herzlich zu unserer ersten Leserkonferenz in diesem Jahr ein. Diese findet am 4. April von 18 Uhr bis zirka 19 Uhr 30 im NZZ-Foyer an der Falkenstrasse in Zürich statt. Kommen Sie zu uns in die Redaktion, und diskutieren Sie mit uns. Nach der Diskussion bietet sich bei einem Apéro Gelegenheit zum persönlichen Austausch.“