Archiv der Kategorie: JÜNGSTE BEITRÄGE

Es gibt auch ein Leben trotz Corona

Corona ist allgegenwärtig. Politik und Medien haben andere wichtige Themen größtenteils in den Hintergrund gedrängt. Diese greift INTERNATIONAL, Zeitschrift für Politik, weiter engagiert auf.

Udo Bachmair

„Es gibt auch ein Leben nach und trotz Corona“ heißt es im Newsletter der renommierten Zeitschrift www.international.or.at So verständlich die meisten gegen die Corona-Pandemie eingeleiteten Maßnahmen auch sind, es gibt für viele Betroffene in der Welt noch weitaus bedrohlichere Situationen. INTERNATIONAL, allen voran der besonders engagierte Hauptverantwortliche Fritz Edlinger kümmert sich darum, dass diese nicht vergessen werden.

Auch die jüngste Ausgabe bietet wieder ein buntes Spektrum an Themen internationaler Politik. Von Syrien, Iran über die EU-Flüchtlingspolitik bis hin zur Cover-Geschichte „Zwei, die sich gut verstehen“ (gemeint sind Kurz und Trump).

INTERNATIONAL wird künftig 6mal statt bisher 4mal pro Jahr erscheinen, auch inhaltlich weiter zulegen, zudem mit neuen aktuellen Kolumnen führender Politikwissenschafter. In der jüngsten Ausgabe kommt der besonders kompetente Politologe Helmut Kramer zu Wort. Damit korrespondierend wird weiteren ExpertInnen eine regelmäßige Kolumne eingeräumt. Hinzu kommen Beiträge zur umfangreichen Tätigkeit der in Wien ansässigen UNO-Organisationen. Die Europa- und Afrikaseiten der Brüder Brocza, die von Michael Wögerer gestalteten Gewerkschaftberichte, ausführliche Zeitschriftenschau und Buchrezensionen u.v.a. bleiben selbstverständlich erhalten.

Das Motto des aktuellen Heftes lautet: Der Weg nach rechts. Dazu schreibt Fritz Edlinger in seinem Vorwort:

Ich halte die immer wieder geführte Diskussion, was man denn heute unter Rechts und Links zu verstehen hat und ob nicht diese klassischen Gegensätze längst verschwunden sind, für sinnlos. Für mich ist es rechts, wenn man rassistische und nationalistische Ideen wieder salonfähig macht, Menschenrechte relativiert, Militarisierung und Aufrüstung vorantreibt und gewaltlose/diplomatische Konfliktlösungsstrategien zugunsten von militärischen Interventionen (sogenannte „humanitäre Interventionen“) infrage stellt.

Leider ist seit längerer Zeit gerade ein Überhandnehmen der zuvor beschriebenen Einstellungen und Verhaltensweisen festzustellen und zwar nicht erst seit der Machtübernahme eines narzisstischen Egomanen im Weißen Haus. Die weitverbreitete Empörung in Europa über die America-First-Politik halte ich leider angesichts mancher durchaus vergleichbarer Entwicklungen in good-old Europe für etwas übertrieben, man sollte mehr vor der eigenen Türe kehren.

Da werden „europäische Werte“ propagiert, die selbst von jenen, die sie tagtäglich auf den Lippen führen, missachtet werden. Da werden althergebrachte bürgerliche Werte wie Meinungsfreiheit, Gewaltenteilung etc. Schritt für Schritt abgebaut, Rassismus in jeglicher Form – auch in jener des Antisemitismus – wird wieder salonfähig, Grundwerte wie Menschenrechte und Solidarität verkommen zu beliebiger Verhandlungsmasse.

( Fritz Edlinger, Chefredakteur und Herausgeber von INTERNATIONAL )

Landleben.Gefährdete Lebensform

Hans Högl: Buchrezension:

Werner Bätzing. Das Landleben. Geschichte und Zukunft einer gefährdeten Lebensform,
München 2020 (C.H.Beck), 302 S. mit Sachregister.

Viele meinen, es sei doch klar, was ländliche (r) Raum und Lebensform sei. Ein Irrtum: Denn dörfliche Welt ist vielgestaltig, wie ich in fünfzehn intensiven Aktionsstudien quer durch Österreich mit Erstaunen feststellte. So gibt es Industriedörfer, ausgehöhlte Bauerndörfer, Tourismusgemeinden, Schlaforte im Umfeld von Großstädten. Und Kleinstädte bis unter 20.000 Einwohnern zählen ebenfalls zum ländlichen Raum, aber nicht die Gemeinden im Speckgürtel von Großstädten. Ein Unesco-Kriterium ist die Dichte der Bevölkerung.

Zu einem schiefen Bild tragen jene Massenmedien bei, in denen das Land kein sachgemäßes Echo findet: Fernsehfilme zeigen sonnendurchflutete, ländliche Urlaubsidylle mit einer längst vergangenen bäuerlichen Welt oder wunderschöne Almen. Oder es sind beschämende Dodel-Shows. Romane handeln von einer nicht mehr existierenden bäuerlichen Dorfwelt um 1950. Meist sind sie eindimensional kritisch. Positive Aussagen darüber sind dem Feuilleton ideologieverdächtig- auch die Schönheit: Kürzlich erlebte ich am Stadtrand ein wunderschönes Abendrot: Spontan fiel das Wort: „Ach` wie kitschig!“ Und Soziologen hielten es in der Regel für unnütz, sich mit der Restkategorie des Landes im cultural lag zu befassen.

Darum ist es besonders aktuell, sich in das Buch des Geographen Werner Bätzing zu vertiefen. Der als renommierter Alpenforscher bekannte Erlanger Universitätsprofessor leitete Projekte in Franken (Bayern) und ließ Erfahrungen in sein Werk einfließen. Laut Bätzings normativer Prämisse sind Stadt und Land gleichwertig, ohne gleich zu sein noch dies zu werden. Doch reell sieht er ländlichen Raum und deren Lebensform entwertet und formuliert nach einer umfangreichen, wie es mit dieser Lebenswelt wieder aufwärts gehen könnte.

Er schürft in der Tiefe der Geschichte, geht in die frühe Antike zurück – bis in die Phasen des „Fruchtbaren Halbmondes“, in denen die ersten Städte der Menschheit entstanden. Das Fundament für das Entstehen dynamischer Städte mit hoher Kultur und Arbeitsteilung war die Sesshaftigkeit der Bauern und die Steigerung der Nahrungsmittelproduktion. So sind die ersten Kapitel eine große Tour d` horizon von Stadt und Land, vom Mittelalter bis in die industrielle Revolution, bis in die Phase von 1950 bis 1980.

Da kam das Land stark ins Hintertreffen, wurde abgewertet, und die Agrartechnik änderte radikal die Landwirtschaft und diverse Faktoren die ländliche Lebensform: Es kam zu Abwanderung von Berufstätigen, kleine Geschäfte wurden aufgelassen, Handwerksbetriebe verschwanden, Dorfschulen wurden in größere Orte verlegt, Bahnstrecken eingestellt, Postämter und Sparkassen geschlossen. Und ich füge als Rezensent an: Heute fehlen in zentralen Gemeindeorten in Niederösterreich sogar die Bankomaten. Dies schafft Probleme für ältere Menschen.

Werner Bätzing legt dar: Wer auf dem Land lebt, dem erschließen sich grundlegende Werte eher: dass Zusammenhalt und Nachhaltigkeit wichtig sind. Als zentrale Qualität der ländlichen Lebensform sieht Bätzing Naturnähe, die geringe Arbeitsteilung und die große soziale Nähe, (die auch belastend sein kann). Und uns Akademikern setzt manchmal die breite, praktische Geschicklichkeit sogenannter „einfacher“ Menschen in Staunen.

Land und Stadt brauchen einander, sind aufeinander bezogen. Städte brauchen sauberes Wasser, saubere Luft, Energie. Ohne die Dörfer hätten viele Großstädter und ihre Kinder nach dem Weltkrieg noch mehr gehungert. Das Land bot lebensrettende Lebensmittel. Manche: auch die Situation ausnützend. Der Rezensent meint: Wir sollten weder die Menschen auf dem Land ethisch idealisieren noch die reichen kulturellen Angebote der Großstädte und deren gesundheitsfördernden Institutionen für das breite Land geringschätzen. Beide: Stadt und Land bedürfen einander.

Trotz weltweiter Urbanisierung erlebt Leben auf dem Lande ein Comeback. „Die Provinz ist Zukunft“ zitiert Bätzing die Süddeutsche Zeitung (S. 282, Anmerkung 13). Das Buch ist klar im Aufbau, liest sich gut und vereinfacht nicht populärwissenschaftlich. Es ist Ergebnis von reicher Erfahrung und gediegener Reflexion.

Corona einmal anders: Betrifft Betlehem

Für alle Ecken der Welt gilt zurzeit das Corona-Virus und die Folgen als Top-Thema von Medien und Politik. Wie kaum jemals zuvor nach dem Zweiten Weltkrieg sind wir alle letztlich Betroffene. Das gebietet Gemeinsamkeit und Solidarität über Grenzen und Ethnien hinweg.

Udo Bachmair

Im Folgendem zum Thema Nummer eins eine Schilderung und ein Hilferuf aus einem Teil der Welt, der sich auch in sogenannten normalen Zeiten in permanentem Krisenmodus befindet. Aus einem für das Christentum besonders geschichtsträchtigen Ort, aus Betlehem. Zu den Herausforderungen und Leiden, die dem Westjordanland durch die israelische Besatzung erwachsen, kommen nun all jene Belastungen hinzu, die das Corona-Virus und dessen Folgen mit sich bringen.

Unter der Devise der Vereinigung für Medienkultur, auch bzw. gerade solche Texte zu veröffentlichen, die kaum ein anderes Medium übernimmt, ist auch die folgende Veröffentlichung zu sehen, die wir Ihnen exklusiv zugänglich machen. Hier der Hilfsappell der Friedensinitiative Dar al-Kamina :

Liebe Freundinnen und Freunde von Dar al-Kalima,

ich hoffe, es geht Ihnen gut und Sie sind zuversichtlich, trotz der Schreckensmeldungen, die sich minütlich steigern.

Die Welt steht Kopf, ein neues, nicht einzuschätzendes Virus breitet sich rasant aus. Unser aller Leben ändert sich plötzlich. Vor diesem Virus sind im Grunde alle Menschen gleich, es unterscheidet nicht zwischen arm und reich, mächtig oder machtlos, macht keinen Halt vor Mauern oder Grenzen.

So Gott will – die Maßnahmen zur Eindämmung der Viruskrankheit greifen, Wissenschaft und Medizin gute Arbeit leisten – haben wir im hochentwickelten Deutschland berechtigte Hoffnung, dass sich die Gesellschaft nach der Pandemie mit staatlicher Unterstützung erholt, wirtschaftliche Einbußen nach und nach kompensiert werden können.

Ganz anders sieht es in Bethlehem aus, und somit auch für die Zukunft der dortigen Bildungseinrichtung Dar al-Kalima. Die Bevölkerung zahlt ohnehin schon seit Jahrzehnten den Preis der Besatzung mit großen Einschränkungen in ihrer Lebensfreiheit. Die Stadt kann sich durch die Mauer, selbst bei hoher Geburtenrate städtebaulich nicht ausdehnen, es gibt keinen Platz. Wirtschaftliches Entwicklungspotenzial wird durch Handelssanktionen erschwert oder gar im Keim erstickt. Nach wie vor gibt es eine hohe Abwanderung derjenigen, die Leistungsträger beim Aufbau einer Zivilgesellschaft wären. Man leidet unter hoher Arbeitslosigkeit, Hoffnungslosigkeit, Resignation und Bildungsarmut. Es ist leicht vorstellbar, dass diese fragilen Lebensumstände kein stabiles Fundament bilden, auf der eine zusätzliche Krise durch ein Virus gemeistert werden kann.

Bis gestern zählte man in Bethlehem 31 Infizierte. Die Autonomiebehörde hat gehandelt, Schulen sind geschlossen, öffentliche Einrichtungen, Kirchen, Moscheen ebenso. Das Leben steht still. Die Menschen sollen zu Hause bleiben, das ist vernünftig.

Die Dar al-Kalima Bildungseinrichtungen in Bethlehem waren und sind etwas Besonderes in der Region. Vor 25 Jahren begann Pfarrer Dr. Mitri Raheb mit diesem wertvollen Leuchtturmprojekt. Er säte Hoffnung, gab den Menschen Zuversicht in dieser ausweglos erscheinenden Situation. Seine unermüdliche Arbeit ist bewundernswert, die brillanten Ergebnisse werden international wahrgenommen und anerkannt. Junge Menschen lernen hier, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen, Bildung verändert Leben. Dar al-Kalima als eine Oase, ein Ort der Möglichkeiten, der den widrigen Lebensumständen immer getrotzt hat, ist nun – wie alles – von Corona betroffen.

Am Donnerstagmittag wurde das Dar al-Kalima University College geschlossen. Das Lehrpersonal ist bemüht, zumindest den theoretischen Unterricht online anzubieten. Je nach Möglichkeit befindet sich das Personal im Homeoffice. Man könnte meinen, alles wie bei uns, die Schulen sind geschlossen, danach geht es weiter. Für Dar al-Kalima wird Corona existenziell werden, eingebettet in die örtliche Situation.
Bethlehem lebt zu 70 Prozent vom Tourismus, der ist bei Null und man rechnet nicht mit einer Erholung vor dem nächsten Jahr.
Auch Dar al-Kalima speist seine Eigenfinanzierung zu 20 Prozent vom Tourismus. Es bietet internationale Kurse, Seminare und Konferenzen an, alles storniert. Angeschlossenes Guest House nebst Restaurant bleiben leer. Theologisches Priesterseminar im April abgesagt, Verleihung des jährlichen Ismael Shamout Preises für den vom Dar al-Kalima ausgeschriebenen Wettbewerbs für junger Künstler abgesagt,

Eröffnungsveranstaltung zu den diesjährigen Feierlichkeiten „Kulturhauptstadt Bethlehem in der Arabischen Welt“ gestrichen, um nur einige Beispiele zu nennen. Noch ist offen, ob die großen geplanten Konferenzen und Feierlichkeiten zum 25jährigen Bestehen der Bildungseinrichtung im Juni stattfinden werden.
Ein weiterer finanzieller Stützpfeiler von Dar al-Kalima war die USA. NGOs ist es bekanntlich durch Trump inzwischen untersagt, in Palästina zu unterstützen. Die großartigen privat organisierten Fundraising Aktivitäten von Mitri Raheb in den USA fallen Corona zum Opfer.

All diese fehlenden Einnahmen haben bedrohliche Auswirkungen. Ohne akute finanzielle Sonder-Unterstützung von außen drohen dem Personal von Dar al-Kalima Entlassungen, Gehälter können nicht mehr gezahlt werden. Neben den jeweils persönlichen Schicksalen ist das keine unerhebliche Größe, Dar al-Kalima ist der drittgrößte private Arbeitgeber in der Region.

Die allgemeine Arbeitslosigkeit in Bethlehem wird rasant ansteigen, ohne jegliche soziale Absicherungen – kein Tourismus, keine Einnahmen. Arbeitsplätze anderer Branchen können auch nicht mehr aufgesucht werden, da alle Checkpoints geschlossen sind. Verarmung führt leider oft als erstes dazu, auf Ausgaben für Bildung zu verzichten. Die Studierenden vom Dar al-Kalima werden teilweise ihre Ausbildungen abbrechen müssen. Für soziale Härtefälle konnte die Hochschule bisher die Studiengebühren erlassen. Auch das wird ohne weitere Unterstützung von außen nicht mehr angeboten werden können.

Liebe Freundinnen und Freunde, dank Ihrer treuen Unterstützung leistet Dar al-Kalima hervorragende Arbeit seit nunmehr 25 Jahren, ist eine Quelle der Hoffnung, ein Beitrag für ein würdevolleres Leben in Bethlehem.

Lassen Sie uns diese Friedensarbeit erhalten!

Jede zusätzliche Spende, die Sie in dieser Sondersituation aufbringen können, ist eine wertvolle Hilfe!! Sie können dies ganz bequem auch online über unsere Homepage veranlassen. https://www.foerderverein-bethlehem.de/spenden-helfen/online-spenden/

Im Namen von Pfarrer Dr. Mitri Raheb und unserer Vorsitzenden, Anette Klasing, danke ich Ihnen von Herzen, bleiben Sie gesund!

Christiane Wacker-Singer

Schweiz: Sind Kinder in der Schule, ist Corona-Gefahr für Großeltern geringer

Hans Högl

Die Schweiz hat bis Freitag bereits mehr als 850 Coronavirus-Infektionen. Der Kanton Tessin hat bis am 29. März den Notstand ausgerufen. Bisher wurden in der Schweiz 858 Personen positiv getestet, sieben Personen sind gestorben (Stand Donnerstag). Die Schweizer Grenze nach Italien bleibt für Grenzgänger und den Warenverkehr vorerst offen.

Im Tessin, an Italien angrenzend, geht trotz Notstand der Unterricht in den obligatorischen Schulen weiter. Solange die Kinder in der Schule sind, sei die Gefahr für die Grosseltern daheim geringer, so die Begründung
NB. Österreich hatte bis Donnerstag 361 Erkrankte und 1 Toten -aus multiplen Gründen. Italien beklagt bisher mehr als 1.000 Todesopfer.

Sym-Phonie im Krankenzimmer

Hans Högl. Kurzreportage

Schon vor einigen Monaten empfahl mir ein Facharzt eine Untersuchung im Spital. Naturgemäß sind rund um die Uhr Pflegekräfte im Krankenzimmer präsent. Einmal diese, dann jene. Wirklich eine Vielfalt aus diversen Ländern. Dies ist nicht unbekannt. Doch wer es direkt erlebt, für den ist es Erlebnis, reelle Erfahrung. Der Dienst wurde zügig und mit professioneller, doch persönlicher Empathie erfüllt. In kurzen Gesprächen erfuhr ich von der Herkunft des Personals. Und ich staunte über das abgestimmte Zusammenwirken.

Da war die eine Krankenschwester mit dunkelbraunem Teint. Seit 24 Jahren lebt sie in Wien, ist in Kuba aufgewachsen und seit Langem mit einem Österreicher („Austriaco“) verheiratet. Ihren ersten Mann in ihrer Heimat erwähnt sie beiläufig, und en passant sagte sie in Spaß zu mir: „Mucho trabajo, poco dineiro“ (Viel Arbeit, wenig Geld).

Die rumänische Pflegeassistentin trägt ihr Haar modisch kurz geschnitten, sie spricht mit der gebürtigen Kubanerin Spanisch und sagt mir: „Als Rumänin verstehe ich Spanisch und Italienisch.“ . Eine Kollegin ist eine Moldawierin, eine andere, eher zarte Assistenzschwester kommt aus Westfalen: „Was hat denn Sie nach Wien verschlagen?“, frage ich – mich für die Neugier ein wenig entschuldigend: „Es war die Liebe“, sagt sie.

Eine Schwester tippt fachkundig medizinischen Daten (Blutdruck, Körpertemperatur…) in den PC: Sie kommt von den Philippinen, ist seit 12 Jahren im Haus, spricht fehlerlos und ohne Akzent Deutsch. Sie meint: „Am Anfang war es schwer mit dem Deutsch“. NB.Franzosen würden sie um Ihre gute Aussprache beneiden. Ich frage spontan und ohne viel zu überlegen, ob Sie die Oberschwester wäre. „Glauben Sie denn, dass eine Oberschwester Nachtdienst macht? Die Oberschwester ist Österreicherin und ist um Drei (15 Uhr) nach Hause gegangen.“

Der einzige männliche Pfleger ist groß von Wuchs, hat einen mächtigen Kopf, breite Schultern, ist ein ziemliches Kaliber, er könnte ein ukrainischer Stemmer sein. Er kommt aus der Slowakei, wo eine ungarische Minderheit lebt. Zu meiner Bemerkung über das international so diverse Personal, sagt er: „Ich glaube, das ist überall so. Und die Oberschwester ist
n o c h eine Österreicherin.“

Eine andere Pflegeassistentin kommt in der Tat aus Tibet. Und siehe da – da ist auch eine junge Burgenländerin mit getöntem Haar. Und noch eine andere Österreicherin, früher in einem Serviceberuf tätig, trat sie drei Jahre vor ihrer Pensionierung diesen neuen Dienst an.

Die Helferinnen sind eine bunt wechselnde Gemeinschaft, eine Con-cor-dia, sie tragen gemeinsam zur Gesundung von Menschen bei, sie sind ein Symbol von völker- oder staatenverbindenden Gemeinschaften für das gute Leben aller.

Stirbt der ländliche Raum? Eine spannende Diskussion

Die Vereinigung für Medienkultur hat zur Podiumsdiskussion „Ländlicher Raum – Stiefkind für Politik und Medien“ geladen. Es war ein gut besuchter spannender Diskussionsabend mit höchst kompetenten Gästen.

Udo Bachmair

Den Abend im renommierten Presseclub Concordia hat der Zukunftsforscher und Experte für Globale Dörfer, Franz Nahrada, mit der Präsentation seines Projekts „DorfUni“ eröffnet. Das Motto des Projekts lautet „Bildung für Alle Allerorts“. Gemeinden sollen gemeinsam mit Universitäten praxisrelevantes Wissen teilen. Als Ziel definiert Nahrada, den ländlichen Raum durch Wissensaustausch und andere gemeinsame Aktivitäten zu stärken und weiterzuentwickeln.

Der bekannte Verkehrsplaner Hermann Knoflacher warnte davor, das Land weiter in die Städte „ausrinnen“ zu lassen. So müsse dem ungebremsten Ausbau von (Umfahrungs-)Straßen Einhalt geboten werden. In der Praxis stehe die Bauordnung immer wieder im Widerspruch zur Raumplanung, ein Umstand, der manche Bürgermeister zu problematischen Umwidmungen verleite.

Christa Kranzl, Kommunalpolitikerin und Unternehmerin, plädierte für einen Ausbau des Öffentlichen Verkehrs, im Besonderen eine Reanimierung von Bahnverbindungen. So sollte etwa die Donauuferbahn dringend wieder in Betrieb genommen werden. Nachhaltige Mobilität sieht die frühere Verkehrsstaatssekretärin auch am Land nur durch den Öffi-Ausbau gegeben.

Der Unternehmensberater und Projektentwickler Karl Heinz Wingelmaier präsentierte beunruhigende Zahlen. Demnach würden 4 von 10 Dörfern schrumpfen. Frühere Infrastruktur gehe weitgehend verloren. Kinderbetreuungsplätze, Gasthäuser, kleine Geschäfte würden immer rarer. Der Bodenverbrauch durch (Woechenend-)Einfamilienhäuser habe enorm zugenommen. Die Folgen seien hemmungslose Versiegelung des Bodens und Zersiedelung des ländlichen Raums.

Ulrike Rauch-Keschmann vom Bundesministerium für Nachhaltigkeit erklärte, es müsse alles getan werden, um Arbeitsplätze durch Tourismusprojekte und.andere Maßnahmen zu schaffen. Zudem gelte es, ein lebendiges Vereinsleben wiederherzustellen. Grundsätzlich gehe es um „Entschleunigung statt Beschleunigung“.

Vereinzelt wurde in der Diskussion der Vorwurf erhoben, dass die Medien nicht genügend Bewusstsein und Sensibilität für den ländlichen Raum vermittelt hätten. Michael Jungwirth von der Kleinen Zeitung hingegen meinte, Schuld an der Entwicklung seien nicht nur die Medien, sondern auch die Globalisierung und das Verhalten der KonsumentInnen. Diese würden zwar immer wieder das Greißlersterben im ländlichen Raum beklagen, gleichzeitig aber zunehmend in Supermärkten am Rande der Städte einkaufen, gab Jungwirth zu bedenken.

Besonders kompetent moderiert hat den Diskussionsabend der Vizepräsident der Vereinigung für Medienkultur, Hans Högl.

Europa ist mehr ! Es steht auch für Humanität

Die deutsche Bundesregierung hat beschlossen, eine begrenzte Zahl an Kindern und Frauen aufzunehmen, die unter unfassbar unmenschlichen Umständen in griechischen Lagern teils um ihr Überleben kämpfen.
Die österreichische Regierung verschließt sich dieser humanitären Forderung.

Udo Bachmair

Für viele ist die Weigerung der Bundesregierung, zumindest eine kleine Zahl an besonders betroffenen Frauen und Minderjährigen aufzunehmen, eine Schande. Der “kalte Kanzler“ (der Standard) tue mit seiner harten (christlich-sozialen?) Position auch Österreich insgesamt nichts Gutes, so der Kern der Kritik.

Sorge um den Verlust an Menschlichkeit sowie um das Image Österreichs, das sich früher immer wieder durch internationale Dialogfähigkeit, Humanität und Solidarität ausgezeichnet hat, machen sich zunehmend auch Vertreter der römisch-katholischen und der evangelischen Kirche. Es sei nötiger denn je, dass sich die Bundesregierung kompromisslos zu den Werten der Menschenrechte und Menschenwürde bekenne.

Vertreter unterschiedlicher Konfessionen, darunter auch der islamischen Glaubensgemeinschaft, haben nun einen offenen Brief an Bundeskanzler Sebastian Kurz veröffentlicht. Dieses Schreiben wird wohl kaum in einem Medium Platz finden. Daher sei es Ihnen ungekürzt zur Kenntnis gebracht :

Offener Brief an Herrn Bundeskanzler Sebastian Kurz

Europa ist mehr!

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler Sebastian Kurz,

mit diesem Schreiben beziehen wir Position, um mit vereinter Stimme für Solidarität und die Wahrung der Menschenrechte bei uns und in Europa einzutreten. Hierbei geht es nicht nur um die erneut drängende Frage nach tragfähigen Lösungen im Umgang mit Menschen an den Außengrenzen der EU. Die aktuelle Situation veranschaulicht einmal mehr, wie wichtig es ist, nationale und transnationale Herausforderungen im Themenkomplex Asyl, Migration und Integration aktiv zu bearbeiten, konstruktive Lösungen zu finden und solidarisch umzusetzen. Hierzu können wir alle einen Beitrag leisten, denn das Friedens- und Einheitsprojekt Europa ist mehr, als es die Schlagzeilen vieler Medien und die Aussagen einiger Politiker der letzten Zeit erwarten lassen.

Wir begreifen uns als Teil der Gesellschaft, der sich bewusst ist, dass wir unserer humanitären Verantwortung im In- und Ausland mit einem fairen Beitrag gerecht werden müssen, unabhängig von dem, was gerade opportun erscheint. Denn auch nicht zu handeln, oder sich vor Elend und Leid einfach zu verschließen, hat einen Preis – auch wenn dieser vielleicht nicht sofort für jede und jeden spürbar ist – zahlen wir wohl langfristig mit einem Beitrag zu einer schleichenden Entsolidarisierung.

So sollten wir allein schon um unserer selbst Willen hinsehen, hinterfragen und helfen, denn die Wahrung der eigenen Rechte hat historisch gesehen schon oftmals mit dem Eintreten für die Rechte anderer begonnen. Wir appellieren somit an Sie, sich für eine Politik einzusetzen, die Mut macht, differenzierte Lösungen findet und zulässt, sowie grundsätzlich von einem Interessensausgleich und der Unteilbarkeit der Menschenrechte geleitet ist.

Europa ist mehr!

( Gezeichnet von Dr. Josef Marketz, Bischof Diözese Gurk-Klagenfurt
Mag. Manfred Sauer, evang. Superintendent Kärnten-Osttirol
Adnan Gobeljic, BA, Vorsitzender Islamische Religionsgemeinde Kärnten
Mag. Ernst Sandriesser, Direktor Caritas Kärnten
Dr. Hubert Stotter, Rektor Diakonie de La Tour )

Corona: Schweiz- mit italienischen Grenzgängern

Hans Högl- Information aus der Schweiz
In Österreich erfahren wir kaum etwas darüber, wie die Schweiz mit dem Corona-Virus umgeht.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat bis Sonntag 281 Ansteckungen und zwei Todesfälle bestätigt. Nachdem am Donnerstag eine 74-Jährige im Kanton Waadt verstarb, wurde am Sonntag der Tod eines 76-Jährigen aus dem Kanton Basel-Landschaft gemeldet. Trotz steigender Zahl der Coronavirus-Fälle bleibt eine Mehrheit der Bevölkerung gelassen, so eine Umfrage. Zweidrittel fühlten sich demnach vom Virus nicht oder nur gering bedroht.

Das ist der Hintergrund: 68 000 Grenzgänger, die im Tessin arbeiten, sind von den verhängten Reiseverboten der italienischen Regierung ausgenommen. Auch der Güterverkehr darf frei zirkulieren. Damit will man schwere wirtschaftliche Schäden in der Region vermeiden. Allerdings ist unklar, ob die Grenzen auch weiterhin offen bleiben. Die Verunsicherung in der Region wächst

Ländlicher Raum : Stiefkind von Politik und Medien

Die Vereinigung für Medienkultur lädt ein zu einem Diskussionsabend über den ländlichen Raum, dessen Bedeutung und Entwicklung Politik und Medien mehr am Herzen liegen sollten.

Zum Thema ein mit profunden Experten und Expertinnen besetztes Podium.

Termin: Montag, 9. März 2020, 19 Uhr

Ort: Presseclub Concordia, Bankgasse 8, 1010 Wien

Am Podium:

Mag. Michael Jungwirth
Innenpolitik-Redakteur der „Kleinen Zeitung“

Univ. Prof. Dr. Hermann Knoflacher
44 Jahre Verkehrsplaner in Stadt und Land, Globaler Fußgehervertreter der UNO,
Kolumnist in der Zeitschrift „Die ganze Woche“

Dr. Christa Kranzl
Staatssekretärin a.D. im Bundesministerium für Verkehr und Innovation, Kommunalpolitikerin, Unternehmerin

Mag. Franz Nahrada
Zukunftsforscher: „GIVE“- Labor für Globale Dörfer, er verbindet Info-Technologie und Ökologie für Lebenschancen kleinräumiger Siedlungen

Mag. Ulrike Rauch-Keschmann
leitet im Bundesministerium für Nachhaltigkeit die Sektion Tourismus/Regionales und ist für den Masterplan „Ländlicher Raum“ zuständig

Karl-Heinz Wingelmaier
Projektentwickler für nachhaltige CO2- freie Gebäude, Founder und Berater mehrerer Unternehmen. Bauträger Cäsar 2009

Moderation:

Hans Högl, Prof. Dr. MMag.
Autor: „Bin kein Tourist, ich wohne hier. Dörfer im Stress“
Vizepräsident der „Vereinigung für Medienkultur

Anmeldung erbeten: stifter@medienkultur.at

Völkerrecht -Radio Ö 1-Medientipp

Michael Palfinger (Gastbeitrag)

empfiehlt folgende Sendungen zum Nachhören:
ORF Ö1, „Radiokolleg“, 24. bis 27. Feb. 2020; 4 Teile

Das Völkerrecht, eine anspruchsvolle Form internationaler Rechtsbestände, war die Thematik der ORF-Ö1-Reihe „Radiokolleg“, der vergangenen Woche. Die Beiträge widmeten sich der historischen Entwicklung und aktuellen Problemstellungen. Die Reihe umfasste vier Teile, die je zweimal ausgestrahlt wurden:

Montag bis Donnerstag, a) Beginn jeweils um 09.05 Uhr; b) Beginn jeweils um 22.08 Uhr (Wiederholung). Die einzelnen Folgen sind noch bis kommenden Montag / Dienstag / Mittwoch / Donnerstag in der vor uns liegenden Woche zum Abruf on demand bereit.

L  i  n  k  s

A l l g e m e i n: BPB; „Völkerrecht“
https://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/recht-a-z/23189/voelkerrecht

O f f i z i e l l: UN (Wien); „Völkerrecht“
http://www.unis.unvienna.org/unis/de/topics/international-law.html

Republik Österreich, BMEIA; „Völkerrecht“
https://www.bmeia.gv.at/europa-aussenpolitik/voelkerrecht/

Völkerrecht, Radiokolleg Ö 1, Links zum Völkerrecht, Lexika zum Völkerrecht