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Armut in der Schweiz und Pfarrer Sieber

Hans Högl – Resumé aus „Journal Panorama!“ von Ö 1

Das „Journal Panorma“ im Österr. Rundfunk (Radio Ö 1)  ist eine herausragende Sendung über soziale  Themen, die meist in Eigen-Recherche eindrucksvoll aufgegriffen werden. Wann wurde sonst das Thema Armut in der Schweiz dargestellt?  Hier davon ein kurzer Auszug.

Etwa jeder  8. Schweizer, jede 8. Schweizerin, gilt in dem 8-Millionen-Volk  als „armutsgefährdet“ – Gleichzeitig ist die Schweiz ein Inbegriff von Wohlstand, u.a. auch darum, weil täglich 17 Tonnen Lebensmittel weggeworfen werden. Die Schweizer Tafel  ist eine der Hilfsorganisationen, die Armutsgefährdeten beisteht, die nicht auf die Butterseite des Lebens gefallen sind.

Ein ganzes Imperium an Hilfsmöglichkeiten hat in Jahrzehnten der nun 90 – jährige Pfarrer Ernst Sieber aufgebaut. Er und sein Team sorgen für Obdachlose, für Menschen mit Zuchtproblemen und für solche, die mit der Wohlstandsgesellschaft nicht mehr Schritt halten können, für Kleinkinder, Mütter, Senioren.

Tischlein-Deck-Dich wurde 1999 in Leben gerufen: Die Produkte sind für Menschen, für die ein Einkauf in einem normalen Geschäft zu teuer ist. Es kommen diverse Leute: Eine Mutter, die vergeblich einen Job sucht, der Mann ist keine Hilfe; ein Rentnerpaar, das ein Leben lang gearbeitet hat, und jetzt müssen beide mit 1.000 Franken im Monat  auskommen; seit letztem Jahr kommen auch Flüchtlinge.   Für Speisen wird ein Minimalpreis von 1 Franken verlangt. So entsteht das Gefühl eines Kaufaktes; denn es wird in der Schweiz als Schande gesehen, arm zu sein. Armut ist relativ – anders in Rumänien, in Indien und in den USA.

In der Schweiz spricht man von 590.000 Armutsbetroffenen, sagt ein professioneller Helfer.  Das  sind 7,5 % der Bevölkerung, wo das Budget bis Ende des Monats nicht hält. Also: Es sind Menschen, die unter dem Existenzminimum leben.