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Direkte Begegnung mit Politikern

Hans Högl. Medientipp

Die profil-Journalistin Eva Linsinger traf in einem Vortrag am Wiener Institut für Publizistik erstaunlich medienkritische Aussagen: Es würde,  Künstlern und Stars öffentlich alles verziehen, hingegen würden  kleinste Fehler von Politikern extrem aufgebauscht.

Die direkte Begegnung mit einem Politiker in einem Saal, so bei einem Interview ist viel überzeugender als ein Kurzinterview in Medien. In Medien, vor allem in Nachrichten, werden zwar Politiker kurz interviewt, aber sie können selten Ihr Anliegen und Projekt ausreichend darstellen. Im Gegenteil: die Einwände sind sehr rasch und ausführlich zur Hand.

Der neue Bürgermeister von Wien, Dr. Michael Ludwig, wurde im Wiener Metrokino eine Stunde lang interviewt. Die Teilnehmer konnten sich von ihm  direkt ein Bild  machen und  beobachten, dass er nach der eigentlich nicht sehr gut besuchten Veranstaltung (eine Reihe von Plätzen im Saal blieben frei)  noch eine halbe Stunde lang blieb und sich für Gespräche mit Teilnehmern Zeit nahm.

Dieser Auftritt des neuen Wiener Bürgermeister ist im Kabelfernsehen zu sehen: am Montag, den 3. Dezember ab 21 Uhr im „Kultursalon“ von W24. Und auch schon um 9 Uhr Vormittag,  sagten mir die Journalisten von W24.

 

 

Wissenschaft in Medien. Eine Evaluation

Hans Högl

Ein weites Feld ist die Wissenschaftspublizistik. Mir bot sich die Chance zu einem Gespräch mit einem deutschen Naturwissen-schafter. 

Dies ist seine Evaluation der Sparte Wissenschaft in Medien: Als Spitzenprodukt auf diesem Sektor nennt er die Zeitschriften "Spektrum der Wissenschaft" und auch "Bild der Wissenschaft" sei "sehr gut" und zu 95 % sind die Inhalte letzterer zuverlässig. Die Zeitschrift "PM" habe die "beste und anschaulichste Graphik- und Bildredaktion", aber inhaltlich habe sie Schwächen. Die Wissenschaft in "Profil" wird  relativ gut bewertet. 

Als "hervorragend" beurteilt der Experte Wissenschaftsberichte in "ARTE" und in "Phönix", doch jene von "Newton"im ORF sei eher "schwach". Harald Lesch im ZDF sei "hervorragend". Es gilt zu sehen, über welche Vorbildung Redakteure im Bereich Wissenschaft verfügen. Und diese ist nicht immer optimal. 


Wirtschaft, Werbung und Journalismus

Hans Högl. Eine Buchrezension

Publizistischer Idealismus trennt strikt Redaktion und Werbung eines Mediums – sowohl personell, inhaltlich und räumlich. Demnach dürfen Werbeziele journalistische Inhalte nicht beeinflussen. So wären also Werbekunden nicht zu schonen. Selbst strenge Chefredakteure sehen darin ein zu hehres Ziel… Dies war aber laut eines Insiders um 1980 im Wiener Magazin „profil“ Realität, das dem „Spiegel“ nacheifert. Wenn um 1980 im „profil“ ein Unternehmen inserierte, wurde dazu drei Monate lang nicht berichtet. Dies bekräftigte ein Journalist in einer Veranstaltung der „Medienkultur“ im Presseclub Concordia.

Dieses Thema erweitert Univ. Prof. Heinz Pürer in seinem neuen Buch „Journalismusforschung (utb. München) generell auf Marketing und nennt einen Typ des Journalismus „Redaktionelles Marketing“. „Es ist die konsequente Ausrichtung der redaktionellen Arbeit auf die Bedürfnisse und Interessen der Leserschaft“ und vereinbart redaktionellen Anspruch und Marktnotwendigkeit. Marketing ist im Prinzip zweifellos (!) für alle Mediengattungen wichtig, meint der Rezensent.

Redaktionelles Marketing impliziert laut Pürer eine stark kundenorientierte Sichtweise.“Hier bemühen sich Medienredaktionen, Wünsche, Interessen und Bedürfnisse des Publikums zu ergründen und „die publizistischen Produkte daran zu orientieren (nicht aber bedingungslos anzupassen)“.

Redaktionelles Marketing sucht eine Balance zwischen publizistischer Qualität und Werbung (also den Anzeigenkunden). Es ist ein „Spagat“ zwischen Qualität und Rentabilität und sei weithin Realität. Pürer sieht darin eine Zukunftssicherung für die in der Ertragskraft bedrängten Medien, aber auch die Gefahr des Abgleitens, dass redaktionelle Inhalte dem Kommerziellen untergeordnet werden.

Medieninitiative „Gegen Hass im Netz“

Begrüßenswerte Aktion von „profil“ und „Kurier“

Udo Bachmair

„Führt eine strenge Selektierung der Asylanten ein, schickt die Parasiten endlich zurück.“

„Ich sage es immer wieder-Torpedieren die Boote damit die alle absaufen“ .Die wolln unsere weise Grosrasse zerstören!!!!!!“ (sic!)

„Die Glawischnig gehört an die Wand gestellt wegen Hochverrat.“

„Gebt dem Schwein eine Kugel [Faymann]“

„Hirnlose „Steuergeldverschwendung“ für diesen „Schwuchtelwahn“ (Posting wurde von einer FPÖ Bezirksorganisation verfasst)

Solche und ähnliche andere Zitate von Hasspostings und Aufrufen zur Gewalt haben sich laut Recherchen eines Wiener Aktivisten auf Facebook-Seiten der FPÖ gefunden. Er will hetzerische Nutzerkommentare nun systematisch dokumentieren und hat dafür das Projekt „Eau de Strache“ gestartet. Angegeben ist der jeweilige Link, über den jede Äußerung auf Facebook zurückverfolgt werden kann.

Angesichts der weiter um sich greifenden Verbalaggressionen wollen auch „profil“ und „Kurier“ Hass und Hetze im Internet nicht mehr länger hinnehmen. Die beiden Medien wollen mit ihrer Initiative „Gegen den Hass im Netz“ notfalls rechtliche Maßnahmen ergreifen, jedenfalls Aufklärung betreiben.

„Kurier“-Herausgeber Helmut Brandstätter: „Wir werden uns natürlich auch sehr genau ansehen, welche Politiker uns unterstützen, gegen den Hass im Netz vorzugehen.“

In den kommenden Tagen und Wochen werden „Kurier“ und „profil“ intensiv über dieses Thema berichten, auch Plattformen wie Facebook werden zum Austausch eingeladen. „Es braucht einen gesellschaftlichen Schulterschluss gegen den Hass im Netz“, sagt „profil“-Medienredakteurin Ingrid Brodnig.

Einmal mehr empfohlen sei in diesem Zusammenhang Brodnigs kürzlich im Brandstätter-Verlag erschienenes Buch „Hass im Netz“. Darin bietet sie konkrete Tipps und Strategien an, der um sich greifenden Hasskultur zu begegnen. Die Autorin grundsätzlich:

„Es ist wichtig, dass wir als Gesellschaft auch im Internet klarmachen: Hetze und Gewaltaufrufe werden nicht akzeptiert!“

Film „Spotlight“: Investigativer Journalismus von „Boston Globe“. 7 Jahre nach „profil“.

Hans Högl

Mit Beklemmung sah ich diesen spannungsgeladenen Film. Es ist ein Spielfilm mit wahrem Hintergrund.  Er demonstriert hervorragend, was gründliche journalistische Recherche ist. Er ist ein  Exempel für investigativen Journalismus, der heute Seltenheitswert hat. Im Folgenden greife ich Texte der Pfarrzeitung „Ja“ auf, redigiert von Pater Udo Fischer (Paudorf).  Dieser weist darauf hin, dass „Profil“ Kardinal Groers Missbrauch  sieben Jahre vor „Boston Globe“ aufgedeckt hat.  Der Herausgeber drohte, das Profil-Team zu entlassen,   wenn der Sachverhalt des Missbrauchs nicht zuträfe.  

Reaktion der US-amerikanischen Kirche zum Film „Spotlight“
Der Erzbischof von Boston, Kardinal Sean Patrick O´Malley, befand, dass „Spotlight“ zeige, wie die Zeitungen die Kirche dazu brächten, sich mit beschämenden Dingen zu konfrontieren. Radio Vatikan  empfand den Film als „ehrlich“ und „dringend“ und erklärte, dass er  der katholischen Kirche in den Vereinigten Staaten helfe, ihre Sünden zuzugeben und die Konsequenzen dafür zu tragen.

Die Handlung
Die Tageszeitung „The Boston Globe“  bekommt im Jahr 2001 mit dem Journalisten Marty Baron einen neuen Herausgeber. Dieser liest in einem kleinen Abschnitt der Zeitung über den pädophilen Priester John Geogham und Kardinal Bernhard Law, den Erzbischof von Boston, welcher von Geoghams sexuellem Missbrauch von Kindern wusste, jedoch nichts dagegen tat. Aufgrund der Vermutung, dass dieser einzelne Fall einen Hinweis auf ein ganzes System von Missbrauch geben könnte, drängt er sein hauseigenes Investigativ-Team „Spotlight“ dazu, die Sache weiter zu erforschen.

Das nur vierköpfige Spotlight-Team beginnt, den Skandal  nach und nach aufzudecken.  Es bringt in Erfahrung, dass das Erzbistum von den Taten gewusst und sie regelmäßig durch Versetzung des Täters vertuscht hatte, durch Geld das lebenslange Schweigen der Opfer erkauft und damit auch einen Gerichtsprozess vermieden hatte, und schließlich die gerichtlichen Akten hierzu aus dem Gerichtsarchiv hatte auslagern lassen. Geogham hatte 130 Kinder missbraucht.
Nach  Tagen ausgiebiger Recherche ist eine Liste von 87 Priestern zusammengestellt, die mehrere Male nacheinander nach jeweils nur ein paar Jahren in eine andere Gemeinde versetzt worden waren.
Das Team versucht nun, den Verdacht zu überprüfen, indem es mit den Opfern Kontakt aufnimmt. Opferanwalt Mitchell Garabedian erwirkt gegen den Einspruch der Kirche, dass dem Journalisten Michael Rezendes aus dem Spotligh-Team Dokumente aus einem der früheren Verfahren zur Verfügung gestellt werden müssen. Diese bestätigen, dass Kardinal Law persönlich über den Missbrauch informiert war und ihn wissentlich ignorierte.
Der Artikel des Spotlight-Teams wird Anfang 2002 gedruckt und beinhaltet neben der Aufklärung der sexuellen Missbräuche und deren Vertuschung durch die römisch-katholische Kirche eine Telefonnummer, an welche die Leser sich wenden können. Am nächsten Morgen wird das Spotlight-Team von Anrufen weiterer Missbrauchsopfer geradezu überflutet.

Dieser Film sollte auch von öffentlichen Stellen – z.B. von Verantwortlichen der Stadt Wien – gesehen werden. Denn auch da wurde Vieles bis Heute vertuscht  (Fälle in einem Heim).   Und von der progressiven Odenwaldschule in Deutschland war in Österreich wenig zu erfahren. Und die größte Anzahl von sexuellem  Missbrauch ereignet sich im Umfeld der Verwandtschaft.

Sozialdemokratie abgetaucht

SPÖ schielt zunehmend nach rechts

Udo Bachmair

Sind Österreichs Sozialdemokraten noch sozialdemokratisch ? Dies bezweifeln immer mehr politisch wache Bürger_innen. Auch SPÖ-intern wächst Kritik und es kursiert die bange Frage : Wo ist er geblieben, der Geist der Sozialdemokratie ? In der Flüchtlingsfrage ist er jedenfalls nicht mehr erkennbar. Da muss sich der in Richtung rechtspopulistischen Boulevard umgefallene SPÖ-Vorsitzende Werner Faymann von Deutschlands Christdemokratin Angela Merkel im beeindruckenden Gespräch gestern abend bei Anne Will daran erinnern lassen, dass trotz aller schwierigen Herausforderungen auf Humanität nicht vergessen und verzichtet werden darf.

„Mein Asylkurs bleibt hart“, hält Faymann in der„Krone“ stolz dagegen. Österreichs bisher humanitäres Image im Ausland bröckelt. Unmut über den Kurswechsel seiner Partei äußert neben anderen der langjährige renommierte SPÖ-Europa-Politiker Hannes Swoboda. Dazu ein Zitat aus einem Profil-Interview:

Ich finde besonders fatal, dass die SPÖ zugelassen hat, dass Sebastian Kurz seine Aufgabe als Außenminister nicht wahrnimmt, sondern nur auf die innenpolitische Situation schielt. Die Regierung hätte ihn von Land zu Land in der EU schicken müssen, um eine Lösung zu verhandeln. Davor drückt sich Kurz – und führt große Töne. Er agiert wie ein Oppositionsführer, nicht wie ein Minister. Und die SPÖ lässt ihn polemisieren und wagt nicht, Kontra zu geben. Diese Gegenstimme fehlt mir schmerzlich.

Und Hannes Swoboda weiter:

Für mich als Sozialdemokraten ist es traurig, dass ich nur auf Angela Merkel hoffen kann. Es stellt ein Riesenproblem dar, dass die europäische Sozialdemokratie derart abgetaucht ist. Es ist erbärmlich, dass es nicht einmal ansatzweise eine Idee gibt, was weiter geschehen soll. Europa müsste jetzt handeln. Und natürlich müsste die Sozialdemokratie viel offensiver Vorschläge auf den Tisch legen. Es kann doch niemand ernsthaft glauben, dass man die Flüchtlingsfrage dem ohnehin gebeutelten Griechenland umhängen kann.

Auch der bekannte Politikwissenschafter Anton Pelinka befindet, dass die Sozialdemokraten aus opportumisticshen Gründen Grundsätze immer mehr über Bord werfen. In einer Analyse für DIE ZEIT konstatiert er unter dem Titel

Die rote Domino-Theorie

Die Sozialdemokraten demonstrieren, was ein Dominoeffekt ist. Der Vorsitzende eröffnet die Partie mit einer Unterstützungserklärung für die Flüchtlingspolitik der deutschen Kanzlerin Angela Merkel: Eine „Obergrenze“ für Menschen, die vor Krieg und Verfolgung fliehen, dürfe es nicht geben. Doch dann sieht Werner Faymann, dass Innenministerin Johanna Mikl-Leitner, die Grenzschützerin des konservativen Koalitionspartners, genau auf dieser „Obergrenze“ beharrt. Der Bundeskanzler nennt das zunächst einmal einen Richtwert. Aber bald ist klar, was tatsächlich gemeint ist: ein Limit, am besten täglich. Faymann fällt um – nicht in Richtung Merkel, sondern in Richtung Mikl-Leitner.

Beispiel Nummer zwei: Die FPÖ trommelt, Österreich müsse seine Grenzen dichtmachen – auch die Grenzen zu anderen EU-Staaten. Faymann lehnt das ab – zunächst. Aber schließlich plant der Verteidigungsminister, der neue Star der roten Regierungsriege, im Paarlauf mit der schwarzen Innenministerin einen Zaun, der laut Faymann eigentlich keiner ist. Die FPÖ gibt die Richtung vor – und die SPÖ folgt.

Die SPÖ fällt um und fällt um und fällt um. Und sie fällt immer in eine bestimmte Richtung: immer in jene der FPÖ. Sozialdemokratie abgetaucht weiterlesen