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Politik und Medien auf antirussischer Welle

Feindbild Putin : Schwindende Hoffnung auf Dialog

Udo Bachmair

Russophobie greift wieder um sich. Antirussische Reflexe dominieren einmal mehr die Berichterstattung in westlichen Medien. Willkommener(?) Anlass:  Der Giftanschlag von Salesbury, der Putin in die Schuhe geschoben wird. Allerdings bisher ohne konkrete Beweise. Hauptsache, das alte Feindbild aus dem Kalten Krieg lässt sich damit am Leben erhalten.

Aber auch die jüngere Zeitgeschichte bietet genug Stoff, um an der Eskalationsschraube zu drehen. Putin mit seinen innenpolitisch autokratischen Tendenzen gilt freilich zu Recht nicht als Waisenknabe. Außenpolitisch jedoch jede Chance für einen Dialog mit ihm zu gefährden, erscheint als fahrlässig, gefährlich und realpolitisch naiv zugleich.

Seit Brüssel, bestärkt durch politische und militärische Interessen von USA und NATO, kompromisslos das antirussische Regime der Ukraine unterstützt,  ist die Distanz zwischen dem Westen und Russland noch größer geworden. Ins Bild passt da auch die Huldigung des Präsidenten der Ukraine als Ehrengast unseres Staatsoberhaupts beim jüngsten Opernball.

Ob der ukrainische Präsident Poroschenko bei der erwähnten festlichen Gelegenheit Mahnungen von Bundespräsident Van der Bellen vernommen hat, sich in der Feindschaft und den Verbalaggressionen gegen das östliche Nachbarland etwas zurückzunehmen, ist nicht bekannt. Hingegen mittlerweile bekannt sind kritische Worte von VdB zum Thema.

So erklärte vor drei Jahren der nunmehrige Bundespräsident zur EU-Russland-Politik auf eine entsprechende Frage der Redaktion der Internetplattform „Nachgehakt“ (www.nachgehakt.at ) :

Nachgehakt:

Wie bewerten Sie den Umgang Europas mit Russland?

Van der Bellen:

Ich glaube, wenn ich mich öffentlich dazu geäußert hätte, wäre ich als Putin-Versteher diffamiert worden. Ich finde es skandalös, wie nahezu die gesamte europäische Presse, Österreich ist da keine Ausnahme, nicht einmal versucht russische Positionen zu verstehen. Die Krim war nie ukrainisch, außer in den letzten 50 Jahren. Chruschtschow hat die Halbinsel aus unerfindlichen Gründen damals der Ukraine angegliedert. Wenn es eine indigene Bevölkerung dort gibt, dann sind das die Tataren, sicher nicht die Ukrainer. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die militärisch-strategische Position Russlands. Als 1989 der eiserne Vorhang fiel und die Wiedervereinigung Deutschlands bevorstand, ist Russland zugesichert worden, dass die NATO-Grenze nicht weiter nach Osten verschoben wird. Das geht aus US-Quellen hervor. Die Russen haben aber das Pech, dass das niemals schriftlich vereinbart wurde. Und was ist passiert? Die NATO-Ostgrenze verläuft heute direkt an den Grenzen zu Russland. Ich kann schon verstehen, dass das ein Stirnrunzeln in Russland hervorruft. Wenn Sie 200 Jahre zurückgehen, woher kamen alle Invasoren? Alle durch die Ukraine. Deswegen bin ich sehr erbost, wenn gesagt wird, dass von der Ukraine keine militärische Gefahr ausgeht. Ja natürlich, von der Ukraine selbst nicht, aber dass es sich um ein strategisches Vorfeld Russlands handelt, ist doch klar. Wie haben die USA in den letzten 100 Jahren reagiert, wenn vor ihrer Haustür eine potenzielle Gefahr entstand? Die haben sich auch nicht um das Völkerrecht gekümmert. Da wird mit zweierlei Maß gemessen. Ungeachtet all dieser Faktoren ist das Ukraineproblem lösbar. Aber es scheint auf beiden Seiten keinen guten Willen zu geben.

 

 

 

 

Baltikum: Vom Mittelalter ins Heute

Hans H ö g l

Reisen sind Chancen, europäische Nachbarländer zu verstehen. Dem dient  dieser nicht-kommerzielle Medienbeitrag. Bericht 2

Der deutsche Orden als Kreuzritter: Immer wieder wurde das Baltikum in kriegerische Konflikte verwickelt: mit Schweden, Russen und Deutschen. Steinerne Zeugen der Christianisierung durch  deutsche Ordensritter im 13. Jh. sind trotzige Burgen. Am Kampf gegen die Ostseeheiden beteiligten sich auch deutsche Adelige, die mit Landbesitz entlohnt wurden. Aus ihren Gutshöfen gingen schlossähnliche, deutsch-baltische Herrensitze hervor,[1] allein in Lettland 300. – 1280 ließen sich 200 deutsche Kaufleute in Tallin nieder. Dies trat 1280 der Hanse bei. Einheimische waren vom Handel ausgeschlossen. Deutsch war 650 Jahre Amtssprache, bis zur Mitte des 19. Jh.

Die Geschichte Litauens verlief anders: Litauen war ein mächtiges Fürstentum, vereinte sich mit Polen und besiegte den deutschen Orden in der Schlacht bei Tannenberg 1410.  [1] Vgl. ADAC-Reiseführer plus. Baltikum.

Zeitgeschichtliches: 1940 besetzen die Sowjets nach dem Hitler-Stalin-Pakt das Baltikum, sie verschleppen 1941 über 50.000 Balten nach Sibirien. Hitler bricht den Pakt, erobert das Baltikum, 200.000 Juden werden ermordet, und 1944 kommt das Baltikum  wieder an die Sowjets. Es folgen Jahrzehnte der Russifizierung. Mit der Wende erkämpfen die Balten ihre Unabhängigkeit – demonstrieren mit einer 600 km-Menschenkette durch die drei Staaten und durch riesige Chöre. Seit 2004 sind alle drei Staaten Mitglied der EU und der NATO und führen zwischen 2011 bis 2015 den Euro ein. – 29 % der Esten sprechen Russisch. Das russische Fernsehen strahlt ins Baltikum aus und zieht den Westen „gekonnt durch den Kakao!“. NATO-Corps führen jährlich Truppenübungen durch.

 Wirtschaft und Soziales: Wegen des höheren Lohnniveaus arbeiten estnische Handwerker im nahen Helsinki und anderswo. Daheim fehlen sie. Auslandserfahrungen kommen bei einer Rückkehr der Region zugute. Migranten im Baltikum trachten es zu verlassen. Vgl. Näheres unter: http://www.ahk-balt-org. Wirtschaftsprofile. Die drei Staaten sind eine Schaltstelle zwischen Mitteleuropa, Skandinavien und Russland.

Kulturelles: Estnische Eltern besuchen gern mit Kindern Museen und nehmen sie zu Konzerten mit. Musik bedeutet den Balten viel. Mit Gesang in riesigen Chören widersetzte man sich den Russen. Die Opernsängerin Elina Garanca u. der Dirigent Mariss Jansons stammen aus Lettland, der Komponist  Arvo Pärt aus Estland.

Essay zur Nuklearrüstung. Hiroshima-Tag

Gabriele Prohaska-Marchried,

Friedensaktivistin, Drehbuchautorin. Ihr Roman: „Das schöne Lied der Marie Anne Mozart“

Tagaus, tagein kein Medium ohne das Flüchtlingsthema: als Flüchtling von Seite 1 mitunter fremdländisch suspekt, nicht selten als furchterregendes Phantom durchs Netz geisternd. Der wirklich große Schrecken hingegen bleibt zumeist ausgeblendet: das verschärfte Risiko eines unbeabsichtigten oder beabsichtigten Atomschlags, zu dessen Herbeiführung Atom-U-Boote, strategische Bomber und Raketensprengköpfe „modernisiert“ werden. (So erhalten etwa Interkontinentalraketen nunmehr statt bisher je einen Atomsprengkopf atomare Mehrfachsprengkörper mit unterschiedlichen Zielkoordinaten.)

Die USA, Russland und China rittern um militärische Dominanz zu Wasser, Luft und Erde und im Weltraum. Welche Atommacht denkt da noch an die Umsetzung von Artikel VI des Atomwaffensperrvertrages mit der Verpflichtung zur raschen und vollständigen Abrüstung von Nuklearwaffen? (Bemerkung am Rande: Ist es in Anbetracht der Militarisierung des Weltraums nicht an der Zeit, auch „Weißt Du, wie viel Sternlein stehen…?“ zu modernisieren?) Essay zur Nuklearrüstung. Hiroshima-Tag weiterlesen

NATO der Lügenpropaganda überführt

Udo Bachmair

Westliche Medien haben NATO-Kriegspropaganda übernommen

Im Falle des US-Angriffskriegs gegen den Irak hat NATO-Kriegspropaganda mit entsprechender „Begleitmusik“ militärische Aggression gegen einen souveränen Staat vorbereitet und gerechtfertigt. Wie sich herausstellte: Mit Propagandalügen, bereitwillig verbreitet von westlichen Medien.

In der Causa Ukraine hat sich Ähnliches wiederholt. Wie der deutsche Nachrichtensender ntv aufdeckt, hat die westliche Militärallianz seit Monaten Politik und Medien mit dramatisierten antirussischen Darstellungen zur Lage in der Ostukraine „versorgt“. Damit ist weiter Öl ins Feuer des ohnehin gefährlichen Ukraine-Konflikts gegossen worden. Medien haben angesichts schmerzlichen Mangels an Ethik und Verantwortungsgefühl weiter an Glaubwürdigkeit eingebüßt.

Im Folgenden exklusiv der ntv-Bericht , den sich heimische Mainstream-Medien nicht zu veröffentlichen wagen:

Propaganda aus Brüssel?

Von Christoph Herwartz

Laut einem Medienbericht trickst die Nato bei ihren öffentlichen Einschätzungen zur Ukraine-Krise. Russland könnte weniger massiv an diesem Krieg beteiligt sein, als es bislang den Anschein hat. Die Bundesregierung ist angeblich fassungslos. NATO der Lügenpropaganda überführt weiterlesen