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Bayern ist weder Bauernstaat noch „Vorstufe zum Paradies“

Hans Högl: Daten zum Freistaat

Mir, dem Mediensoziologen, ist es ein Anliegen, von anderen Ländern zu berichten, was sich in dieser Weise in Österreichs Medien nicht findet. Und dies aus Anlass der Wahlen in Bayern. Meine Hauptquelle ist die „Süddeutsche“. Die großspurige Aussage zu Bayern als „Vorstufe zum Paradies“  traf Horst Seehofer. 

In München sitzen Weltkonzerne wie Siemens, BMW und Google. Weniger bekannt ist, dass  BMW – Motoren im österreichischen Steyr gebaut und in München die BMW-Autos zusammen gestellt werden. Das erwähnt die „Süddeutsche“ nicht. Die Maschinenfabrik MAN wurde in Augsburg-Nürnberg gegründet.

 Ein verschwindend kleiner Teil ist in der Landwirtschaft tätig: nur 0,6 % (!) der Beschäftigten,  so die „Süddeutsche“.  Die kleinen Höfe werden immer weniger. Zwischen 2010 und 2016 haben 1.800 Bauern ihren Betrieb mit weniger als zehn Hektar aufgegeben. 2003 arbeiteten im Freistaat 63 Prozent der Frauen, heute sind es 75 % und ein Großteil davon in Teilzeit.

Das ländliche, katholische, in Vereinen organisierte Bayern schrumpft, zugleich wächst das urbane, individualistische Bayern. Städte boomen, auf dem Land hat so mancher das Gefühl, abgehängt zu werden. 1980 besuchten 44 % der Bayern einmal im Monat  den Gottesdienst, 2016 waren es 21 %.

Bayern zählt 13 Mio. Einwohner,  2017 gab es 6,9 Mio. Städter (51 Prozent)  und 6,1 Mio. auf  dem Land. München hat 1,5 Mio. Die Wohnungen in München sind für viele fast nicht mehr leistbar. Jede Opernkarte im Nationaltheater wird mit mehr als 110 Euro vom Freistaat subventioniert.

 

 

 

Hochhäuser: München versus Wien

Hans Högl – Kurz-Reportage

Im Wiener Gasthof Reinthaler komme ich ins Gespräch mit einer Münchnerin, die klagt, dass von Alt-München wenig übrig sei und meint, Wien habe das besser gelöst. Es heißt: Im Krieg wurde halb München zerstört, aber in der Folge wurden beim Wiederaufbau viele Häuser abgerissen, die eigentlich erhaltenswürdig waren.

Aber es gibt Überraschendes in München, das sich kaum bis Wien herumgesprochen hat, nämlich die Bestimmung, dass kein Gebäude der Altstadt höher als die 99 m hohen Türme der Frauenkirche reichen darf. Der Bürgerentscheid von Ende 2004 hat den Stadtplanern nicht nur stramme Gestaltungsfesseln angelegt. Er hat sie und die Politiker auch sensibilisiert. Man setzt sich heute viel intensiver mit dem bewahrenden Wandel im Erscheinungsbild der Stadt auseinander. Die Stadt Wien aber huldigt im Hochhausbau einem Markt-Radikalismus und riskiert, die Auszeichnung Unesco-Welterbe zu verlieren.

NB. In München entdeckte ich ferner, wovon die Wiener Netze lernen könnten, nämlich: Es gibt U-Bahntreppen, die je nach Bedarf Passanten hinauf- und hinunter transportieren.

Österreichs Maschinenbauer mit gutem Ruf

Hans H ö g l

Österreich wird von unseren deutschen Nachbarn als Tourismus- und Kulturland geschätzt. Viel weniger bekannt ist, das bestätigten mir deutsche Fachleute, die in Österreich leben, dass unsere Maschinenbauer einen hervorragenden Ruf haben.  Und es dürfte  bei unserem Nachbarn und anderswo sehr wenig bekannt sein, dass weltweit jeder zweite BMW mit einem Motor fährt, der in der  oberösterreichischen Stadt Steyr erzeugt wird. 

Die Kleine Zeitung hat am 16. Februar die Schlagzeile „BMW Österreich steuert weiter auf Rekordkurs“, und sie bezieht sich auf den neuen  5er BMW, der auch bei Magna in Graz gebaut wird.  Warum ich darauf verweise:  Der Hinweis trägt zum Verständnis zwischen Ländern bei,  und die Information hat Seltenheitswert, dass Österreich Industrieland ist.