Schlagwort-Archive: Medienkultur

Plädoyer für verantwortungsvollen Journalismus

Tipp: Neues Buch von Andreas Koller

Udo Bachmair

Wozu Journalismus dient, woran er krankt und was das mit Politik zu tun hat, erläutert  Andreas Koller in seinem jüngsten Buch recht anschaulich. Engagiert vermittelt der stellvertretende Chefredakteur der Salzburger Nachrichten journalistische Arbeitsweisen und Denkprozesse- und regt an, den eigenen Umgang mit Medien und Nachrichten zu überdenken.

Andreas Koller hat hohe Erwartungen an das, was Qualitätsjournalismus ist bzw. sein sollte : Meldungen hinterfragen, auf Richtigkeit überprüfen, bevor sie veröffentlicht werden; Zusammenhänge analysieren; Gegenmeinungen einholen und darstellen; Menschen aus der Echoblase der Sozialen Medien locken; eigenständiges Denken jenseits gewinnbringender Schlagzeilen und populistischer Manipulation fördern.

Ein sehr aufschlussreiches und lesenswertes Buch gerade in Wahlkampfzeiten. Ein wichtiger Beitrag auch zur Bereicherung der Medienkultur in unserem Land.

Andreas Koller: „Journalismus. Macht. Wirklichkeit“ – erschienen im Picus-Verlag Wien 2017

OGH-Urteil als Freibrief für Lesertäuschung ?

Udo Bachmair

Ein aktuelles OGH-Urteil rund um Gefälligkeitsjournalismus sorgt weiter für rege Debatten. Das Urteil des Höchstgerichts spricht redaktioneller Berichterstattung die Objektivität per se ab und bewertet „unentgeltliche Werbung“ als nicht kennzeichnungspflichtig. Kritiker des Urteils befürchten, dass dadurch Lesertäuschung und Intransparenz Tür und Tor geöffnet sind. Jedenfalls hat die umstrittene Rechtsprechung einmal mehr die Diskussion rund um die Vermischung von Journalismus, Werbung und PR beflügelt.

Thema auch einer Podiumsdiskussion im Presseclub Concordia, Kooperationspartner der Vereinigung für Medienkultur. Gabriele Faber-Wiener, Vorsitzende des PR-Ethik-Rates sieht in dem Urteil einen Persilschein für ethisch unkorrekte Werbung. Es erlaube Gefälligkeitsjournalismus, wenn entsprechende Inserate geschaltet werden. Ingrid Brodnig, neue Obfrau der Initiative „Qualität im Journalismus“ betonte die Notwendigkeit einer klaren Trennung von Redaktion und PR-Abteilung und nannte als vorbildliches Beispiel dafür das Wiener Stadtmagazin „Falter“.

Demokratiepreis für das „Freie Radio Salzkammergut“

Udo Bachmair

Im Parlament in Wien ist der Demokratiepreis 2016 verliehen worden. Einer der Preisträger ist das „Freie Radio Salzkammergut“ mit Sitz in Bad Ischl. Etwa 100 Mitarbeiter aus allen Teilen der Bevölkerung gestalten ehrenamtlich das Programm. Der Sender sei ein „Belebungsmittel für Demokratie mit aktiver Bürgerbeteiligung“, so Klaus Unterberger ( ORF-Public Value ) in seiner Laudatio.

Mario Friedwagner, Chef der ausgezeichneten regionalen Radiostation, betonte in seiner Dankesrede, dass auch die freien Radios insgesamt „Österreichs Rundfunklandschaft demokratisiert“ haben. Nationalratspräsidentin Doris Bures sprach von wichtigen Initiativen, die „zur Medienvielfalt und Medienkultur in unserem Lande beitragen“.

Weitere Preisträger der „Margaretha Lupac-Stiftung für Parlamentarismus und Demokratie“ sind das Personenkomitee „Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz“ sowie das Ludwig Boltzmann-Institut für Menschenrechte mit dem Grundsatz „Alle Menschenrechte für alle“.

Mit Tricks in die Hofburg ?

Hofers Rhetoriktricks könnten BP-Wahl entscheiden

Udo Bachmair

Was haben Manipulationstechniken mit Medienkultur zu tun ? Einiges. Qualitätsjournalismus hätte und hat die Aufgabe, im Sinne von Medienkultur und Aufklärung hinter die Fassaden politischer Inszenierung zu blicken. Diese beherrscht der bestens trainierte FPÖ-Kandidat Norbert Hofer perfekt.

Von TV-Duell zu TV-Duell punktet er mit antrainierter „Authentizität“, die ihm eine große Zahl an Menschen offenbar auch tatsächlich abnimmt. Die wahren Absichten einer Machtübernahme durch die FPÖ ( „Sie werden sich noch wundern, was alles möglich ist..“)werden mit sanfter Stimme, seriösem Auftreten, täuschend gemäßigten Inhalten und aufgesetztem Dauerlächeln geschickt verschleiert.. Van der Bellen kann und will das nicht. Daher läuft er Gefahr, ins Hintertreffen zu geraten. Dieses Mal könnte er die Hofburg „verspielen“..

Entscheiden also Kommunikationstricks über den neuen Bundespräsidenten ?  Mit Tricks in die Hofburg ? weiterlesen

„Der Islam und wir – nichts als Ärger ?“

Angriffe gegen Muslimin als Spiegelbild des Klimas in unserem Land ?

Udo Bachmair

„Werft sie aus der Sendung, am besten überhaupt aus dem Land…“ So und ähnlich die Facebook-Reaktionen auf die Teilnahme einer kopftuchtragenden jungen Muslimin in der jüngsten Servus-TV-Diskussion. Schon der Sendungstitel scheint die beabsichtigte Tendenz der Sendung gleichsam vorgegeben zu haben: „Der Islam und wir – nichts als Ärger ?“ Der offenkundige Versuch von Moderator Michael Fleischhacker, die Debatte auf antiislamischen Kurs zu bringen, ist allerdings nur teilweise gelungen..

Das Highlight der Runde im Hangar 7, Shirin Ebadi – als erste muslimische Frau Trägerin des Friedensnobelpreises – sorgte für eine wohltuend differenzierte Sicht der Thematik. Ebenso der ebenfalls eingeladene evangelische Bischof Michael Bünker. Diesen außerordentlich kompetenten Diskussionsteilnehmer ließ der Moderator allerdings zu wenig zu Wort kommen.

Freie Bahn hingegen hatte der islamophobe Rechtsaußen-Expolitiker Ewald Stadler. Er hat den ihm überlassenen Spielraum gut zu nutzen gewusst, gleichsam als Co-Moderator.. Opfer von Stadlers Angriffen war die erwähnte junge Muslimin Dudu Kücükgöl. Sie sieht sich nun im Internet mit einer Welle an Schmähungen und Hass konfrontiert. Ein weiteres Zeichen für weiter schwindende Medienkultur ..

Zur Islam-Diskussion im Hangar 7 die folgende uns soeben übermittelte Nachlese Dudu Kücükgöls :

„Die Zusammenarbeit mit ServusTV war wunderbar, die MitarbeiterInnen wunderbar, aber ich weiß wirklich nicht, ob ich mir so ein Sendungskonzept jemals wieder wirklich geben werde.

Ich bin Sendungen leid, in denen es von einer Seite nur um Polemik geht. Wer bitte kommt auf die Idee, dass zum Thema Zusammenleben ein rechtskräftig wegen Nötigung verurteilter Rechtspopulist und christlicher Fanatiker der beste Diskussionspartner ist?

Die Moderation empfand ich mir gegenüber als respektlos und mit dem Kommentar „Sie können nicht immer Probleme weglächeln“ grob sexistisch. Mit diesem Kommentar habe ich Herrn Fleischhacker direkt in der Sendung konfrontiert, aber es auch nach der Sendung deutlich als Feedback gegeben. Hier sieht man leider, was eine parteiische Moderation ausmachen kann: Obwohl in der Sendung Shirin Ebadi, Bischof Bünker und ich oft einer Meinung waren, der Herr Fastenbauer zwar wenige, aber auch gute Kommentare eingebracht hat, war die destruktive Stadler-Fleischhacker-Achse so stark, dass stellenweise keine sinnvolle Diskussion möglich war.

Mir rauben diese kontorversellen Diskussionen mit reißerischen Titeln, Videos und Diskussionen zu viel Energie und Kraft. In Zukunft ladet mich bitte zu vernünftigen Sendungen ein oder lasst es. Ich mache das nicht mehr mit. Ich konzentriere mich lieber auf die Arbeit in der Community mit jungen Menschen und die Arbeit mit Menschen, die an Zusammenarbeit interessiert sind und diese gibts zuhauf.

Danke allen lieben Menschen, die mir über FB, Twitter, SMS, Whatsapp nette Nachrichten und aufmunternde Worte geschickt haben und sich tagtäglich trotz dieser Stimmung unermüdlich für ein friedliches Miteinander einsetzen!“

 

 

BP-Wahl: Manipulationstechniken wahlentscheidend ?

Entscheiden Kommunikationstricks über den neuen Bundespräsidenten ?

Udo Bachmair

Die Inszenierung von Politik und Politikern erweist sich einmal mehr am Beispiel des laufenden Präsidentschaftswahlkampfs. Während Alexander van der Bellen aus sich heraus authentisch wirkt und ohne Coaching auskommt, verhält es sich mit seinem Gegenüber Norbert Hofer etwas anders. Dieser hat etliche Kommunikationstrainings zu „Crash-Rhetorik, Provokation und Polemik, fairen und unfairen Argumentationstechniken“ (Zitat aus FALTER) absolviert. Er kennt alle Tricks und Manipulationsmöglichkeiten, wie sie NLP und andere Techniken bieten. Hofer kann damit vor allem in TV-Duellen punkten.

Doch durchschauen die Menschen die perfekt antrainierte „Authentizität“ Hofers ? Eine Frage, die angesichts des großen Zuspruchs und Positivwirkung seiner TV-Auftritte eher mit Nein beantwortet werden muss. Hofer kommt im Fernsehen für viele „sympathisch rüber“. Mit seinem Dauerlächeln auch bei Angriffen, seiner aufrechten Körperhaltung, seiner gemäßigt klingenden Sprache, kann er, so der Verdacht, wahre Absichten gut tarnen. Immer wiederkehrende Sätze des Strache-Kandidaten, wie „ich rede ehrlich und klar“ erscheinen da ziemlich relativiert..

„Bisher ist es Van der Bellen im Wahlkampf insgesamt nicht gelungen, Hofers Techniken erkennbar zu entlarven“, so Kommunikationstrainerin Tatjana Lackner gegenüber dem KURIER. Noch mache Van der Bellen den Fehler, in Hofers Falle zu tappen. Der „Wolf im Schafspelz“ erscheint jedenfalls bestens vertraut mit den Grundsätzen von Rhetorik und Körpersprache. Wird Hofer mit einem unangenehmen Thema konfrontiert, lenkt er ab mit persönlichen Attacken. Beispiel„ Sie sind heute so aggressiv, Herr Dr.“ (Puls 4-Duell).

Zum Thema ist heute im STANDARD unter dem Titel „Beiträge zur Aufklärung“ ein Kurzkommentar von mir erschienen. Hier dessen Wortlaut:

„Sie werden sich noch wundern, was alles möglich ist“ – diese Worte Norbert Hofers klingen nachhaltig bedrohlich im Ohr. Umso wichtiger sind STANDARD-Analysen, die sich um Aufklärung rund um die Staatsumbau-Pläne der FPÖ bemühen. Lob gezollt sei dafür vor allem Hans Rauscher und Gerfried Sperl. Sie warnen immer wieder vor Gefahren einer Dritten Republik mit einem Präsidialsystem und autoritären Elementen.

Es läuten tatsächlich die Alarmglocken, wenn nun ein Bundespräsidentschaftskandidat entsprechende Machtfantasien hegt. Kritik an großkoalitionären Fehlentwicklungen ist berechtigt. Die Zweite Republik insgesamt ist jedoch ein historisch unbestrittenes Erfolgsmodell. Sie zu gefährden und unser Land einer unsicheren Zukunft auszusetzen, wäre fahrlässig und verantwortungslos.

Sollten sich entsprechende Pläne hinter dem freundlichen Gesicht des perfekt gecoachten Strache-Vertrauten verbergen und einer größeren Öffentlichkeit bekannt werden, wäre Van der Bellen der Sieg sicher. Doch mit einer geschickt verschleiernden Wahlkampfstrategie gepaart mit (NLP-) Manipulations-Tricks des Ex-Kommunikationstrainers Hofer könnte es der FPÖ-Kandidat knapp schaffen.

Danach soll nur niemand sagen, von möglichen Folgen einer FPÖ-Machtübernahme nichts gewusst zu haben.

Der STANDARD leistet in dieser Causa jedenfalls einen wesentlichen Beitrag zur Aufklärung und auch zur Medienkultur in unserem Land.

(Udo Bachmair – Leserbrief DER STANDARD 13.5.2016)

 

Der FALTER sei gelobt

Flüchtlinge und Asylwerber : Gerüchtewelle ohne Ende

Udo Bachmair

Die Empörung über „Flüchtlingsströme“ reißt nicht ab. Angeheizt von Lügen und Halbwahrheiten über Flüchtlinge und Asylwerber. Vor allem auf Facebook nimmt rassistische Verbalradikalität  immer drastischere Formen an. Das absolute Gegenteil einer positiven Medienkultur.

Umso wohltuender eine differenzierte Annäherung an eine höchst komplexe Causa. Beispiele dafür liefert immer wieder der FALTER. Dieses Blatt kann wegen seines kompromisslosen Eintretens für Menschenrechte und seinen investigativen Journalismus nicht oft genug gewürdigt werden.

Als besonders unermüdlicher Aufdecker und Aufklärer hat sich FALTER-Chefredakteur Florian Klenk einen Namen gemacht. Im Folgenden einer seiner jüngsten Artikel :

Die Fama von Eichgraben

Florian Klenk

Wie entsteht ein hässliches Gerücht über Flüchtlinge und wie macht man Leuten Angst?

Etwa so: Auf Facebook schreibt eine Frau aus Eichgraben, ihre Nachbarin habe ihr erzählt, sie sei gestern in Eichgraben von zwei Flüchtlingen attackiert worden. Schon teilt sich das Posting 800 Mal und aus der „Attacke“ wird sofort eine Vergewaltigung.

Die Gemeinde Eichgraben – die bisher sehr erfolgreich Flüchtlinge integrierte – ist alarmiert. Mich beginnt der Fall zu interessieren, ich lebe in diesem Ort, ich habe Frau und Kids, die am angeblichen Tatort spazieren gehen. Ich beginne zu recherchieren, rufe bei der Frau an, die die Geschichte auf Facebook veröffentlichte .

Ich stoße im Gespräch mit ihr auf eine immer rätselhaftere Geschichte. Sie erzählt mir, die Nachbarin sei mit ihrem Hund in den Wald gegangen, die Flüchtlinge hätten sie angesprochen und zwar mit den Worten „schöner Hund, schöne Frau“.

Dann sei es zur Attacke gekommen.

Die Frau, eine ältere Dame hätte dann mit der Leine auf einen Flüchtling so fest zugeschlagen, dass er liegen geblieben wäre. Den anderen Flüchtling habe der Hund attackiert. Die Frau habe nun 133 gerufen und die Rettung sei samt Polizei gekommen, um den mit der Leine zu Boden geschlagenen Flüchtling zu verarzten. Sie habe neben ihm gewartet, weil er mitten auf der Straße lag.

Genau so höre ich die Geschichte auch von zwei Eichgrabnern, die sie „irgendwo gehört haben“.

Ich werde stutzig? Eine soeben attackierte alte Frau schlägt einen Angreifer mit der Leine zu Boden und ruft die Polizei und wartet neben ihm?

Die Polizei, so geht das Gerücht weiter, habe aber die Anzeige nicht entgegen genommen „weil so viele Anzeigen wegen Einbrüchen zu bearbeiten seien“. Die Rettung habe den Mann nur verarztet und liegen gelassen.

Darf das wahr sein? Höchstwahrscheinlich ist es nicht wahr:

Die Polizei sagt: es gab keinen Notruf.

Die Rettung sagt: es gab keinen Notruf.

Die Flüchtlingsheimbetreiber (eine engagierte Wirtin und die Diakonie) sagen: es gab keinen Besuch der Polizei in ihren Heimen.

Der Bürgermeister sagt: es gab keine Anzeigen.

Die Marktgemeinde gibt eine „amtliche Mitteilung“ heraus und sagt: kein Vorfall aktenkundig.

Und die angeblich attackierte Frau?

Sie sagt laut Polizei Eichgraben: „Es gab keine Attacke. Die Flüchtlinge haben mich nur angesprochen und nicht angegriffen“.

Die Frau, die das Gerücht auf Facebook streute sagt nun: „Da sehen wir wieder, wie die Wahrheit unterdrückt wird“. Die Polizei habe dem Opfer einen Maulkorb umgehängt.

So kann man das natürlich auch sehen. Für uns Eichgrabner und alle, die das Posting teilten, kann der Fall ein Lehrbeispiel sein, dass man nicht alles ungeprüft glauben soll, was irgendwer im Internet behauptet.

 

Medienkultur – quo vadis ?

Die Vereinigung für Medienkultur feiert ihr 20-jähriges Bestehen.

Aus diesem Anlass lädt sie zu einer

Podiumsdiskussion
Wo: Presseclub Concordia, Bankgasse 8, A – 1010 Wien
Wann: Dienstag, 10. November 2015   Beginn: 18:30 Uhr
„Medienkultur quo vadis ?“

Was ist eigentlich Medienkultur? Gibt es sie hierzulande noch.. ? Was und wie sollte sie sein ?

Begrüßung und einführende Worte:

Dr. Astrid Zimmermann: Generalsekretärin des Presseclubs Concordia

Bakk.phil. Udo Bachmair: Präsident der Vereinigung für Medienkultur

Podiumsgäste :

Univ. Prof. Dr. Wolfgang R. Langenbucher: Institut für Publizistik an der Universität Wien

Dr. Andreas Koller: Präsident des Presseclubs Concordia, Vizechefredakteur der „SN“

Mag. Ingrid Brodnig: Posting-Expertin, „Profil“-Redakteurin und Buchautorin

Mag. Alexander Warzilek: Geschäftsführer des Österreichischen Presserates

Moderation:

Dr.MMag. Hans Högl, Medien-Soziologe, Vizepräsident der Vereinigung für Medienkultur

Anmeldungen erbeten an stifter@medienkultur.at

Neue „Krone“-Hetze gegen Flüchtlinge

Verbale Gewalt als Vorstufe zu physischer Gewalt ?

Udo Bachmair

So als wäre die Flüchtlingscausa nicht ohnehin schwierig genug und höchste Lösungskompetenz gefordert, gießt das rechtspopulistische Boulevard-Blatt erneut Öl ins Feuer. Jüngstes Beispiel: Eine Glosse des „Krone-Steiermark“-Chefredakteurs Christoph Biro, in der er pauschal Stimmungsmache gegen Flüchtlinge betreibt.

Biro phantasierte in seinem „Kommentar“ von Übergriffen und Sachbeschädigung durch Flüchtlinge. Die Polizei dementierte die Vorwürfe klar und spricht von „absolutem Blödsinn“.

Der neue österreichische Presserat, der kürzlich sein 5-jähriges Jubiläum beging, hat mit der Kronenzeitung viel zu tun. Zahlreiche Beschwerden sind bei ihm bereits eingegangen, allein 40 zum oben angeführten Fall.

„Junge, testosteron-gesteuerte Syrer“ hätten „sich äußerst aggressive sexuelle Übergriffe“ geleistet, Afghanen die Sitze in ÖBB-Waggons aufgeschlitzt und ihre Notdurft verrichtet, weil sie nicht auf Sitzen Platz nehmen wollten, auf denen Christen gesessen sind, und „Horden stürmen die Supermärkte, reißen die Packungen auf, nehmen sich, was sie wollen, und verschwinden wieder“, so heißt es ganz ohne Beweise und ohne Angaben von Quellen in dem FPÖ-nahen Blatt.

Fritz Grundnig von der Landespolizeidirektion Steiermark nannte die Ausführungen Biros „absoluten Blödsinn„. Dabei handle es sich um Facebook-Gerüchte, für die Beweise fehlen. „Die leider aber sehr viel an polizeilicher Arbeit binden“, so Grundnig.

Die „Krone“ war erst vergangene Woche wegen mehrerer Beiträge auf Krone.at, in denen Flüchtlinge diskriminiert wurden, vom Presserat gerügt worden. Dabei wurden laut Polizei Schilderungen aufgebauscht, verstärkt, übertrieben und verkürzt. Laut Presserat wolle die „Krone“ syrische Flüchtlinge offenbar bewusst in schlechtem Licht erscheinen lassen.

Die Menschenrechtsorganisation SOS Mitmensch hat eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft Graz übermittelt. Es sei zu prüfen, ob der Kommentar unter den Verhetzungsparagrafen (§ 283 StGB) oder unter die wissentliche Verbreitung falscher, beunruhigender Gerüchte (§ 276 StGB) falle.

„Der Chefredakteur der steirischen ‚Kronen Zeitung‘ hat sich in übler Stimmungsmache gegen Flüchtlinge betätigt. Er hat in pauschalierender Weise Gerüchte über Flüchtlinge gestreut und damit Angst und Misstrauen gegen Schutzsuchende geschürt„, erklärte SOS Mitmensch-Sprecher Alexander Pollak. Meinungsfreiheit sei ein sehr hohes Gut, zugleich gebe es aber „vollkommen zu Recht“ Gesetze gegen Verhetzung und gegen die wissentliche Verbreitung falscher, beunruhigender Gerüchte. „Verhetzung ist keine Meinung, sondern ein Akt der verbalen Gewalt. Diese verbale Gewalt ist oftmals die Vorstufe zu physischer Gewalt...“

Journalistischer Verantwortung und Ethik und damit auch der österreichischen Medienkultur hat das Pegida-nahe Massenblatt damit einmal mehr einen schweren Schlag versetzt.

P.S. Biro hat unterdessen die Konsequenzen gezogen und zieht sich eine Zeitlang aus der Redaktion der „Steirer-Krone“ zurück. Er gesteht einen Fehler ein.