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Desinformation gefährdet Demokratie

Hans Högl – Buchrezension zur Medienforschung

Bedeuten Fake News das Ende der informierten Gesellschaft? Der renommierte Journalistik-Professor und Medienwissenschaftler Stephan Russ-Mohl untersucht die digitale Bedrohung der Demokratie und mögliche Lösungen in seinem neuen Buch.

Das Vertrauen in die Medien ist beschädigt. Spätestens seit Pegida-Trupps auf der Straße „Lügenpresse“ skandieren, wird der Glaubwürdigkeitsverlust des Journalismus öffentlich diskutiert. Dabei verbreiten nur wenige Redaktionen absichtlich Falschinformationen.

Stephan Russ-Mohl zeigt auf, warum es sich für bestimmte Akteure lohnt, vor allem über soziale Netzwerke Falschinformationen und Konspirationstheorien zu verbreiten. Immer raffiniertere Propaganda, hochprofessionelle Public-Relations-Experten, aber auch Roboter in sozialen Netzwerken („social bots“), darüber hinaus die Algorithmen und die Echokammern von Google, Facebook etc. tragen ihren Teil dazu bei, dass die Desinformation überhandnimmt. So gibt  es vermehrt Akteure, die aus machtpolitischen Motiven an medialer Desinformation und an einer Destabilisierung unserer Demokratie interessiert sind oder die aus kommerziellen Motiven eine solche Destabilisierung in Kauf nehmen.

Russ-Mohl geht über die Risiken und Nebenwirkungen (un„sozialer“ Medien hinaus und schlägt Lösungen vor. Dessen Hauptfrage lautet, wie sich der wachsende Einfluss der „Feinde der informierten Gesellschaft“ eindämmen lässt, darunter sind Populisten, Autokraten und deren Propagandatrupps. Könnte zum Beispiel eine „Allianz für die Aufklärung“ etwas bewirken, der sich seriöse Journalisten und Wissenschaftler gemeinsam anschließen?

Stephan Russ-Mohl Die informierte Gesellschaft und ihre Feinde. Warum die Digitalisierung unsere Demokratie gefährdet, Köln, Oktober 2017. 280 Seiten, mit Personenregister.

Über den Autor: Stephan Russ-Mohl ist Prof. für Journalistik (Universität Lugano, Schweiz) und leitet das European Journalism Observatory (www.ejo-online.eu). Von 1985 bis 2001 war er Publizistik-Professor an der FU Berlin. Er studierte Sozial- und Verwaltungswissenschaft an den Universitäten München, Konstanz und Princeton. Der Autor hat zeitweise in den USA (Stanford Univ.) und in Italien gelebt.

 

 

 

EU-Kommissar Öttinger u. Werbeabgabe

Hans H ö g l

Ich hörte kürzlich den EU-Kommissar Öttinger in Wien sprechen.  Mit ihm hatte ich mich vorher wenig befasst und aus deutschen Medien vernahm ich eher spöttische Anspielungen.  Nun gut.  Umso mehr war ich über Öttingers Vortrag überrascht. Er sprach rund eine Stunde lang über die digitale Welt und dies völlig frei und konnte auch  auf die speziellen Fragen des Publikums  sehr gut antworten. Heute übermittelt mir eine Bekannte einen Facebook-Text, einen sehr  kritischen Kommentar über Öttinger. Ich klopfe den Text ab und entdecke Folgendes:  Dem Kritiker gefällt nicht, dass Google in Zukunft Werbeabgaben zu leisten habe. Das ist auch ein Anliegen des österreichischen Bundeskanzlers. Nämlich bisher ist online-Werbung frei ist von Abgaben,  und dies schadet bekanntlich den Printmedien. Aber eben dies kritisiert der deutsche interessensgeleitete Online-Beitrag.

Hier der maßgebliche Textausschnitt:  „Derzeit steht die Reform des EU-Urheberrechts oben auf Oettingers Agenda. Ganz im Sinne der flüsternden Verleger sieht Oettingers Vorschlag auch ein weit reichendes Leistungsschutzrecht für Presseerzeugnisse im Web vor. Google soll für jeden Textausschnitt zahlen, den es von Medien-Seiten übernimmt. Dass Google den Verlagen nichts stiehlt, sondern mit den übernommenen Text-Snippets Besucher für das Produkt interessiert und sie dem Verlags-Angebot zuleitet, bestreiten sowohl einige Verleger als auch Oettinger in trauriger Regelmäßigkeit – was in vielerlei Hinsicht bizarr genug ist.“    Also: Da ist die Katze aus dem Sack.

Der Einleitungssatz im newsticker ist sehr vernünftig:  „Journalistische Unabhängigkeit ist ein hohes Gut: Gerät die kritische Berichterstattung flächendeckend unter Interesseneinfluss, leidet darunter die Meinungsbildung, und letztlich ist dadurch sogar unsere demokratische Grundordnung gefährdet.“  Und dann kommt es  dick: Was Oettinger tut, ist zutiefst antidemokratisch.  Vgl.

http://www.heise.de/newsticker/meldung/Kommentar-Pressefreiheit-a-la-Oettinger-3338665.html  Ja dieser Beitrag steht sehr unter Interessenseinfluss von Google!

Lügenpresse!? Manipulierte Bilder. Scobel heute in 3-sat.

Heute Do 29. Sept.  3-sat: Medientipp

Das manipulierte Bild.  20.15. Zur visuellen Manipulation

scobel- Niedergang des Journalismus.  21.00 Woher kommt der Begriff „Lügenpresse“?

3 -sat  bietet ein dreimonatiges TV- & Kulturprogrammheft  – es ist schon verfügbar für Oktober, November, Dezember.  Mit differenzierten Hintergrund – Besprechungen und Bilddokumentationen der Sendungen. Heftumfang: 74 Seiten, Preis  D € 2.50 / A 2.75 €.

Tipp: Hans H ö g l