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Für Bruno Kreisky war Richard Coudenhove-Kalergi würdig für den Nobelpreis

Hans H ö g l

Leserbrief zum „Standard-Beitrag“ über R. Coudenhove-Kalergi am 19. Oktober (Vgl. unten neue Ausstellung zu R. Coudenhove-Kalergi)

 Der Gastbeitrag im „Standard“ ist Impuls, sich mit diesem Visionär Europas näher zu befassen, der sich 50-Jahre für die Europa-Idee einsetzte, die Europa-Hymne und Europafahne anregte und den  Bruno Kreisky sehr schätzte. Übrigens: Bruno Kreisky war  Jugend-Funktionär der Paneuropäischen Union. Der „Standard-Beitrag“ bezieht sich auf die 30iger Jahre. Mein Beitrag in der  Zeitschrift „soziologie heute“ (April 2015)  „Richard Coudenhove. Pan-Europa versus Hitler“ macht deutlich, dass der „Standard“-Beitrag Coudenhove politisch unangemessen  punziert. Und dies aufzuzeigen, kann Aufgabe der“Medienkultur“ sein. 

 Lacy Milkovics (früher: Paneuropa- Generalsekretär)  nahm Stellung zum „Standard“-Beitrag: Coudenhove  begab sich 1933 erstmals zu Gesprächen mit Mussolini, der damals als der mächtigste Garant der Unabhängigkeit Österreichs galt. Er versuchte Mussolini für ein paneuropäisches Verteidigungssystem gegen die nationalsozialistische Gefahr zu gewinnen.  Nach vier Gesprächen  scheiterte die Initiative Coudenhoves, als sich Mussolini 1937 für die Achse Rom – Berlin entschied. Vgl. L. Milkovics / W. Pav: „50 Jahre Pan-Europa“ (1972).

RCK hatte auch Kontakte mit der SPÖ. Beim historischen Handschlag   von  Bruno Kreisky mit Otto von Habsburg 1972 sagte Kreisky zu Couden-hove: Eigentlich müssten Sie für die unermüdlichen Bemühungen den Friedensnobelpreis bekommen. „Ich glaube aber, es ist ehrenvoller, den Nobelpreis verdient, aber nicht erhalten zu haben, als ihn erhalten, aber nicht verdient zu haben“. So ORF-Chefredakteur Horst F. Mayer in einem Buch.

Eine AUSSTELLUNG UND ein FACHGESPRÄCH ÜBER  R. COUDENHOVE-KALERGI findet in der VHS Alsergrund – Galileigasse 8   1090 Wien am 8. November um 18:30  statt. Eröffnung durch Martina Malyar, Bezirksvorsteherin. Rund- gang durch die Ausstellung und anschließend ein Gespräch des Autors Dr. Walter Göhring  mit dem Zeitzeugen Lacy Milkovics, früher: Generalsekretär von Paneuropa. Moderation Karl Heinz Wingelmaier, Vorstandsmitglied der Vereinigung für Medienkultur.

Keine Anmeldung nötig, kein Beitrag. Ausstellungsdauer: 9.-15.Nov. werktags 9-21 Uhr.

 

 

 

 

R. Coudenhove-Kalergi -Buchtipp

Prof. Dr. Walter Göhring, Wien

Am 27. Juli vor 44 Jahren ist Richard Coudenhove-Kalergi (1894-1972) in Schruns in  Vorarlberg verstorben. Er ist eine der mutigsten und interessantesten Persönlichkeiten, die zwei Weltkriege erlebt hat.Trotz Verfolgung und Angriffen ist er seiner Idee, als Visionär und Aktivist zu einem Wegbereiter der Europäischen Union zu werden, stets treu geblieben. Meine soeben erschienene Publikation ist eine Aufarbeitung der Gesamtprozess dieser Entwicklung des 20.Jahrhunderts.

Unbelastet vom Sog der Gedankenwelt der Nachkriegszeit des 1.Weltkrieges sowie der Unreife der jungen Demokratien beginnt Coudenhove optimistisch sowohl lösungsorientiert seinen oft einsamen Weg um ein geeintes friedliches Paneuropa. Weder die Angriffe auf ihn durch die Nationalsozialisten, noch die Abwendung Mussolinis von ihm können ihn von diesem Ziel abhalten. 1938 muss er in Begleitung seiner Frau  in die Schweiz und von dort in die USA emigrieren. 1946 nach Europa zurückgekehrt muss er praktisch von neuem anfangen, Widerstände und Intrigen durchstehen. Auch geht es jetzt um das Problem des zweigeteilten Europa.

Seine Botschaft lautet: Paneuropa ist Ganzeuropa (gelegentlich auch Großeuropa bezeichnet) mit einer gemeinsamen Währung, einer gemeinsamen Militärorganisation, einer gemeinsamen Außengrenze und einer gemeinsamen Wirtschaftsstruktur usw.

Codenhoves Ringen um Mitgestaltung, aktives Suchen nach Gleichgesinnten, denen er zuarbeiten kann, sind deutliche Kennzeichen, eines Denkers, der auch immer wieder strategisch aktiv wird. Exemplarische Beispiele dafür sind: Sich hoch aktiv in der Frage um die Aussöhnung von Deutschland und Frankreich als Kernpunkt für den wichtigsten Schritt Richtung EU einzubringen. Darin dokumentiert sich auch das Vertrauensverhältnis mit General De Gaulle, das sich bis zu einer Freundschaft entwickelt.  Seine Idee und deren Umsetzung zur Installierung der Parlamentarier Union und damit die Öffnung der Schiene zum Europarat, sowie mit seiner Einbringung in die Weiterentwicklung ist er Spurenleger für viele Parlamentarier oder Staatsmänner geworden. Viele Politiker, wie De Gaulle, Kreisky seit seiner Jugend und Helmut Kohl bekennen sich auch dazu.

Der Zündstoff, den er mit seinem Paneuropa – Memorandum 1926 im Zusammenhang mit dem 1. Wiener Paneuropa Kongress in die Breite streute und 1966, der neuen Zeit entsprechend weiter entwickelt hat, sind vielfach einfach übernommen worden. Die Kette geht weiter über die Frage Sowjetunion, Initiative für die Europahymne, die Europa Fahne bis knapp vor seinem Tod zu dem Handschlag zwischen Bruno Kreisky und Otto Habsburg und damit dem Ende der Unruhen 1972.

Allein die hier dargestellten Blitzlichter erhellen schon, was Coudenhove für die Zukunft, wohl wissend, dass er das angestrebte Ziel nicht erreichen können wird, und wie es einer seiner „Schüler“ umschreibt, dass es ihnen gelungen ist, Coudenhoves Vorgabe, mit der Gründung der Europäischen Union zu erfüllen. 1972, kurz nach der Wiener Tagung stirbt Richard Coudenhove – Kalergi.

 Walter Göhring,  Zeithistoriker, habilitiert an der Universität Warschau, Leitung und Aufbau diverser pädagogischer und historischer Institutionen in Österreich, seit 2006 freier Journalist. Buchtipp: Richard Coudenhove-Kalergi-Ein Leben für Paneuropa,Verlag Kremayr & Scheriau. Schautafeln für Schulen

Essay zur Nuklearrüstung. Hiroshima-Tag

Gabriele Prohaska-Marchried,

Friedensaktivistin, Drehbuchautorin. Ihr Roman: „Das schöne Lied der Marie Anne Mozart“

Tagaus, tagein kein Medium ohne das Flüchtlingsthema: als Flüchtling von Seite 1 mitunter fremdländisch suspekt, nicht selten als furchterregendes Phantom durchs Netz geisternd. Der wirklich große Schrecken hingegen bleibt zumeist ausgeblendet: das verschärfte Risiko eines unbeabsichtigten oder beabsichtigten Atomschlags, zu dessen Herbeiführung Atom-U-Boote, strategische Bomber und Raketensprengköpfe „modernisiert“ werden. (So erhalten etwa Interkontinentalraketen nunmehr statt bisher je einen Atomsprengkopf atomare Mehrfachsprengkörper mit unterschiedlichen Zielkoordinaten.)

Die USA, Russland und China rittern um militärische Dominanz zu Wasser, Luft und Erde und im Weltraum. Welche Atommacht denkt da noch an die Umsetzung von Artikel VI des Atomwaffensperrvertrages mit der Verpflichtung zur raschen und vollständigen Abrüstung von Nuklearwaffen? (Bemerkung am Rande: Ist es in Anbetracht der Militarisierung des Weltraums nicht an der Zeit, auch „Weißt Du, wie viel Sternlein stehen…?“ zu modernisieren?) Essay zur Nuklearrüstung. Hiroshima-Tag weiterlesen

In Paris – Laizismus und Kirche. Eine Reportage

Hans H ö g l

„Mit Geld lässt sich in Paris alles kaufen“, schrieb Balzac mit scharfem Blick auf seine Mitbürger. Auch die Katholische Kirche ließ sich vom Ancien Régime „fördern“: Es war nett und schön für den Klerus, keine Steuern zu entrichten. Und die Kirche lohnte es dem König mit dem Segen von Gottes Gnaden. Darum rächten sich um 1789 die Revolutionäre an der Église. Der französische Laizismus entstand aus einem Kampf gegen die katholische Kirche als Macht. Und 1882 wurden die laizistischen Schulgesetze eingeführt.

Reiseberichte sind bezahlte Auftragswerke. Unserer nicht, und jene in Qualitätsblättern auch nicht. Eine erfahrene Journalistin sagte mir, wundert`s Dich: „Reisejournalismus gehört zu den korruptesten in der Branche.“ Mein sperriges Thema der Reportage: Laizität und Glaube.

Es ist spät am Vormittag, ich stehe am Platz vor Notre Dame und empfinde es als Geschenk, die geglückte Harmonie und die stimmigen Bauteile an der Stirnseite dieses Domes innerlich zu verkosten und bin der Letzte in der hundert Meter langen wartenden Menschentraube; aber dann geht es zügig voran. Am Haupttor kontrollieren drei bullige Schwarze Handtaschen und tasten den Körper nach Gefährlichem ab. Der Eintritt in den Dom ist frei. Anfangs bin ich verwundert, doch dann dämmert mir: Der französische Staat erhält die Kirchengebäude. Der Klerus lebt heute von Spenden der Gläubigen. Die Kirche ist arm und glaubwürdig. Napoleons nützte den zeitlosen Glanz und die religiöse Aura von Notre Dame und krönte sich hier selbst zum Kaiser.

Von der Metrostation Cité ist es zu Fuß nicht weit zum Centre Pompidou. Leider – Dienstag ist Ruhetag. Ich schlendere durch Nebengassen und erblicke die Außenwände der Kirche St. Martin. Der Staub der Zeit hat die Kirchenmauern geschwärzt. St. Martin wirkt beiseitegelassen, heruntergekommen und baufällig, aber der Innenraum ist echt passabel.

Etwas erstaunt mich – ein ziemlicher Auflauf von Leuten vor einem unscheinbaren Gebäude. Eine Menge Leute. Vor einer Schule, einer katholischen, dem Collège St. Jean Gabriel.  Kinder kommen vereinzelt aus dem Haus, einige mit Zeugnissen in der Hand. Rund jedes sechste französische Kind besucht in Frankreich eine katholische Privatschule, es sind 17 %, die Eltern zahlen Schulgeld, der Andrang ist übergroß.

Frankreich ist seit langem Missionsland. Die Säkularisierung hat breiteste Kreise erfasst. Das öffentliche Schulwesen ist laizistisch. Ohne Schulkreuze, ohne Gebet, ohne Religionsunterricht. Im Musée de l` Homme erstand ich die Broschüre „La République et ses Valeurs expliquées aux Enfants». Da wird Kindern erklärt, was ihre Rechte und Pflichten sind, wie sie gegen Gewalt und Rassismus auflehnen sollen, und es wird ihnen die Laizität der Schulen erklärt.

Da heißt es:   Religionen behaupten Dinge, was Wissenschaft nicht bewiesen hat, z.B. dass Gott existiert oder das Leben nach dem Tode. Die einen haben Glauben, die anderen sind „athée“ – so einfach ist das gestrickt. Auf eineinhalb kleinen Seiten geht`s im Stakkato-Schritt gleich über drei Religionen hinweg, den Islam, das Juden- und Christentum. Da Kinder so unbedarft über Weltreligionen die Schule verlassen, landen manche aus Ignoranz in den Fängen von Sekten, wie mir ein mir ein Franzose nachdenklich mitteilte. Die letzten Seiten der Broschüre handeln von Pressefreiheit. Ihre einzige Grenze: Sie dürfen nicht zu Hass und Mord aufzustacheln, aber Religionen können dem Spott ausgesetzt werden. Wie sich dies einprägte, zeigen Massenaufläufe bei Charlie Hebdo und im Slogan „Je suis Charlie“.

Schauplatzwechsel: Mit Mühe fand ich während der Euro ein brauchbares Quartier im Osten von Paris, bei der Porte Vincennes, genauer in St. Mandé. Die Wirtin des Bistro: „ In Paris kennt niemand unseren Stadtteil“. Der junge Mann in der Papeterie sagt mir: „Hier in St. Mandé ist es ruhig und die Wohnungen sind teuer. Es gibt keine Migranten.“ Ich sehe in einer Seitengasse die katholische Ortskirche. Äußerlich in gutem Zustand und mit hohem Turm. Samstag um 18 Uhr ist Abendmesse. Mir passt gerade der Zeitpunkt, um einen neugierigen Blick in sie zuwerfen. Ich erwartete –medial vorgefasst – in dem doch recht geräumigen Kirchenraum ein kleines Häufchen an Kirchgängern. So stellt man sich Frankreichs Kirche vor. Nichts dergleichen. Es hatten sich doch rund 150 Menschen und nicht wenige junge Paare eingefunden. Das hintere Viertel der Bänke war unbesetzt. Und mit inniger Verve wurden Lieder gesungen. Auch in St. Mandé entdecke ich im Pfarrblatt eine Reihe von katholischen Schulen verzeichnet. Die Jugend wird zur Pilgerfahrt nach Polen eingeladen. Dies als Impressionen von Paris.

Frankreichs Nahost-Politik. Zwiespalt

Hans Högl

Frankreich holte sich im Oktober 2015 von Saudi-Arabien einen Waffenvertrag in der Höhe von 10 -Milliarden Euro.  Paris hat es nicht geschafft, das Atomabkommen mit dem Iran scheitern zu lassen, wie es Riad, Tel-Aviv und die US-Republikaner wollten. In der Syrienpolitik ist Frankreichs Forderung, Assad zu bestrafen, weniger der Grausamkeit des Regimes geschuldet, schreibt „Le Monde Diplomatique“  (2015/11), als dem Wunsch, den Golfmonarchien zu gefallen, die Assad stürzen wollen, allen voran Saudi-Arabien. Die Menschenrechte, auf die sich Frankreich anderswo lautstark beruft, werden hier verletzt. Nicht anders wie von den USA.

Deutscher Nachrichtendienst hilft USA gegen EU u. Frankreich

Hans H ö g l

Dass  sehr kurze Infos Wichtigstes bergen können, darauf verweist unsere „Medienkultur“.  Eine winzige Notiz in der angesehenen Neuen Zürcher Zeitung irritiert mich nachhaltig (2. Mai 2015).

So „soll“ der deutsche Bundesnachrichtendienst (BND)   dem amerikanischen Geheimdienst NSA jahrelang bei der Spionage gegen die französische Regierung und gegen die EU-Kommission geholfen haben. Also –  deutscher BND  h i l f t   den USA gegen seinen Partner Frankreich und EU!.   Welch`  Doppelspiel in der EU  zugunsten der  Vereinigten Staaten!

Die NZZ: Die Abhörstation des BND in Bad Aibling sei zum Ausspionieren hochrangiger Beamter des französischen Außenministeriums, des Präsidentenpalastes und der EU-Kommission in Brüssel  missbraucht worden, berichteten die Süddeutsche Zeitung, NDR und WDR am  Mittwoch und beriefen sich auf „interne Untersuchungen vom Nachrichtendienst und Kanzleramt“.